Mittwoch, 14. Februar 2018

Niemand hat das Recht zu gehorchen hl

LosungGehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. Jeremia 7,23 

LehrtextJesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,31-32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

zur heutigen Losung fällt mir ein Satz von Hannah Arendt ein: »Niemand hat das Recht zu gehorchen«. 
Dieser Satz stammt von Hannah Arendt, einer Philosophin aus dem letzten Jahrhundert. Sie formulierte ihn im Hinblick auf die Verbrechen während des Nationalsozialismus, für die nach dem Krieg niemand mehr verantwortlich sein wollte. Man berief sich darauf, nur Befehlen von Vorgesetzten gehorcht zu haben und die schoben ihre Verantwortung auf die inzwischen toten Naziführer ab. Wie erbärmlich!     
     Doch Hannah Arendt spricht ihnen und allen Kriegsverbrechern bis heute genau dieses Recht ab, bedingungslos zu gehorchen. Ja das gilt auch heute unter uns am Arbeitsplatz oder wo auch immer. Denn der Satz »Niemand hat das Recht zu gehorchen« heißt, niemand hat das Recht, sich darauf hinauszureden, dass er ja nur getan habe, was ein anderer ihm gesagt hat. Aber, so will ich ergänzen, jeder hat die Pflicht, alles, was ein anderer von ihm will, zu prüfen und dann selbst zu entscheiden, ob er das auch tun will. Und wenn er es dann tut, dann hat er sich den Willen des anderen zu eigen gemacht, zu seinem eigenen und ist für die Folgen voll verantwortlich. Das gilt auch für Soldaten, für Polizisten, Lehrer und sonstige Staatsbedienstete, die dem Staat gegenüber eine Treueerklärung gegeben haben. Ob ich gehorchen will oder nicht, muss ich selbst entscheiden und dann auch bereit sein, so oder so die Folgen zu tragen.     
     Und ich gehe noch einen Schritt weiter und sage: Ein Vorgesetzter ist erst dann ein guter Vorgesetzter, wenn er seinen Untergebenen die Selbstverantwortung zugesteht und damit ihr Recht zu prüfen, ob sie seinen Anweisungen folgen können oder nicht. Und wenn sie gute Gründe dafür ins Feld führen können, warum sie es nicht tun wollen, sollte er das akzeptieren und sich selbst fragen, ob nicht er mit seiner Anweisung einen Fehler gemacht hat.
     Keiner hat das Recht zu gehorchen, das gilt auch Gott gegenüber. Wer ihm nur aus Angst vor Strafe folgt oder um ihn damit zu einer Gegenleistung zu verpflichten, sollte es besser sein lassen. Gott will keinen sklavischen Gehorsam, keinen Kadavergehorsam. Er will, dass seine Kinder gerne und somit freiwillig tun, was er sagt, weil sie davon überzeugt sind, dass das gut und richtig ist. Gott will Freiwillige und keine Sklaven. Das ist meine Überzeugung.     
     Bequem ist das alles nicht. Gehorchen ist bequem. Aber selbstverantwortlich leben und das eigene Gewissen prüfen und dann gegebenenfalls nein sagen, wenn jemand was von mir will, das ist verdammt unbequem und kostet Kraft.     
     Ich muss mich jeden Tag darum bemühen, das zu tun und das zu sagen, was ich für richtig und wichtig halte, auch wenn es anderen nicht gefällt. Natürlich sage ich auch mal nichts und provoziere keinen unnötigen Konflikt. Aber wenn es drauf ankommt, wenn es um meine Selbstachtung oder die Würde eines anderen geht, muss ich Stellung beziehen. Immer gelingt mir das nicht. Ich ziehe auch die Harmonie einem Streit vor. Aber ein fauler Friede war noch nie gut. Über kurz oder lang rächt es sich, wenn man im falschen Moment geschwiegen und gehorcht hat. Selbstverantwortung und Verantwortung vor Gott, Selbstvertrauen und Gottvertrauen – das sind für mich zwei Seiten derselben Medaille. Damit hoffe ich, leben zu können mit meinen Siegen und Niederlagen.

Was mit den Waggons und den Menschen, die damals Richtung Nachbardorf weggeschoben wurden, geschehen ist, konnte später trotz aufwendiger Untersuchungen nicht mehr geklärt werden. Es scheint, als hätten sie sich in Luft aufgelöst. Doch das Problem war damit nicht aus der Welt. In den Köpfen und im Gewissen der damals Beteiligten existierten sie noch. Jahrzehnte später waren sie plötzlich wieder da. Diesmal via Fernsehapparat mitten im Wohnzimmer, auch in meinem. 

     Und nun zum Lehrtext: »Die Wahrheit wird euch frei machen« – dieser Satz ist eine allgemeine Lebensweisheit, die du vermutlich bestätigen kannst. Die Lüge bindet einen Menschen. Je länger er dabei bleibt, desto tiefer verstrickt er sich darin. Ständig muss er auf der Hut sein, sich nicht zu verraten. Wer aber frank und frei sagt, was wahr ist, kann dem andern geradewegs in die Augen schauen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.
     Doch bei Jesus geht es noch um eine andere Wahrheit als nur darum, nicht zu lügen. Wer an dem festhält, was Er sagt, wird die Wahrheit erkennen. Aber welche Wahrheit? Jesus hat nicht irgendwas gesagt. Hat nicht irgendwelche allgemeinen Redensarten von sich gegeben. Er hat von Gott gesprochen, von seinem Vater und davon, dass Gott auch unser Vater ist. 
     Seine Wahrheit ist, dass in ihm Gott zu uns Menschen kommt.  Das ist es, was einen Menschen frei macht, frei von aller Angst vor einem strafenden Gott, einem dunklen Schicksal, einer finsteren, bösen Macht. In Jesus kommt das himmlische, göttliche Licht in die Menschenwelt. Wer an ihm festhält, muss nicht länger in der Finsternis seiner Sorgen und Ängste, seiner Zweifel und Unsicherheiten herumirren. Er lebt fortan als freier Mensch im Licht der Gnade und Barmherzigkeit. So verstehe ich den Lehrtext und die Botschaft des Johannesevangeliums. 


Gebet: Herr, gib mir die Kraft, bei der Wahrheit zu bleiben. Gib mir den Glauben, in dir Gottes Geist und Wesen zu erkennen. Gib mir den Mut zum Widerstand, wenn ich Menschen mehr gehorchen soll als dir. Gib mir ein waches Gewissen. Gib mir die Weisheit, wann ich ja oder nein sagen muss. Und gib mir ein Herz, das gern und freiwillig tut, was du sagst. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr


Mit Spracherkennung diktiert. 
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1728 erschien in Herrnhut die erste Tageslosung, je ein Bibelwort aus dem Alten Testament, das für jeden Tag des Jahres ausgelost wird. Dazu wird der Lehrtext, ein passendes Bibelwort aus dem Neuen Testament, ausgesucht. Inzwischen erscheinen die täglichen „Losungen“ in etwa 50 Sprachen.
Ich lege Losung und Lehrtext aus, weil einer umfangreichen Untersuchung zufolge das Nachdenken über Bibelworte das Glaubenswachstum am stärksten fördert. 
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Kleine Übung: Nachdem du das gelesen hast, nimm dir noch ein paar Sekunden Zeit und frage dich: Welchen Gedanken will ich behalten? Dann atme ruhig und tief, schließe die Augen und mach dir bewusst: Jetzt, in diesem Augenblick umgibt mich Gott wie die Luft, die ich atme. Er hält mich mit seiner Kraft, wie die Sonne die Erde in ihrer Bahn hält. Er will auch in mir leben, um mir ganz nah zu sein. Ich öffne mich und lass ihn in mir wirken. So von ihm umhüllt und erfüllt, gehe ich meinen Weg.
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 Hans Löhr / Sommersdorf 5 / 91595 Burgoberbach

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