Montag, 31. Juli 2017

Die Richtung kennen hl

LosungIch will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag. Sacharja 3,9 

LehrtextChristus hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. 1.Petrus 2,24 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mach doch bitte mal den Selbsttest. Frage dich, wenn du den Lehrtext gelesen hast, ob das auf dich so zutrifft, frage: „Bin ich für die Sünde tot (abgestorben) und lebe ich so wie es Gott gefällt (Gerechtigkeit)?“
     Nun, dem ersten Teil kann ich vorbehaltlos zustimmen, wo es heißt: »Christus hat unsere Sünden auf sich genommen und sie am eigenen Leib zum Kreuz hinaufgetragen« (HFA) ein für alle Mal und an einem einzigen Tag (Losung). Nicht nur die „Sünde des Landes“, sondern der ganzen Welt (1. Joh 2,2). Der zweite Teil aber trifft auf mich nicht zu. Weder bin ich für die Sünde tot noch sie für mich. Und ich lebe auch nicht so, wie es Gott gefällt. Ich bin kein Heiliger und kann auch keiner sein. Und ich kenne auch sonst niemanden, der einer wäre, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Stattdessen bin ich, was Martin Luther in der Bibel entdeckt hat: einer, den Christus für Gott recht gemacht hat und zugleich einer, der immer noch sündigt und versagt. 
     Diese Einsicht kann mich vor Selbstgerechtigkeit und Hochmut bewahren, aber auch vor Selbstentwertung und Höllenangst. Und darum verstehe ich den schwierigen Satz aus dem Lehrtext so: Christus lebt für mich wie es Gott gefällt. Und ich kann ihn mir als Beispiel nehmen, um ihm ähnlicher zu werden. ‚Ähnlicher‘ – das heißt, ich werde nie werden wie er, aber ich will mich an ihm orientieren. Dann weiß ich die Richtung, in die ich gehen will.

Gebet:  Herr Jesus Christus, ich danke dir für alles, was du für mich getan hast und dass ich durch dich vor Gott gerecht und gut sein kann. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 30. Juli 2017

Worte und Taten hl

LosungVerlasst euch nicht auf Lügenworte, wenn sie sagen: »Hier ist des HERRN Tempel/Kirche, hier ist des HERRN Tempel/Kirche, hier ist des HERRN Tempel/Kirche!« Sondern bessert euer Leben und euer Tun. Jeremia 7,4-5 

LehrtextDas Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft. 1.Korinther 4,20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

dass es in unseren Dörfern und Städten Kirchen gibt und Kirchengemeinden, besagt noch gar nichts. Das sind erst mal nur Gebäude und Organisationen sowie auch andere Verbände Gebäude und Organisationen haben. Das, worauf es allein ankommt, ist, was Kirchen und Kirchengemeinden bewirken, was sie ausstrahlen. Kurz und gut: Tragen sie dazu bei, dass Menschen ihr Leben von Grund auf ändern! (Losung) Dass sie gut und gerecht miteinander umgehen und nicht, wie wie es weiter in der Bibel heißt, die Ausländer und Flüchtlinge unterdrücken und anderen Göttern nachlaufen, womit sie sich bloß selbst schaden? (Jeremia 7,5+6)
     Man sollte es schon an unserem Verhalten merken, dass wir Christen sind und auf Gott vertrauen, dass wir das Liebesgebot Jesu befolgen und auch Fremden helfen. Einfach ist das nicht. Aber was ist schon einfach. Sich Augen, Ohren und Mund zuhalten, um nichts bemerken, sagen und tun zu müssen.
     Im Lehrtext bekräftigt der Apostel Paulus, dass schöne Worte zu wenig sind und seien sie in den schönsten Kirchen gepredigt. Es geht um Gottes Kraft, die auch in den Schwachen mächtig ist und in dieser Welt etwas zum Besseren ändern kann.

Gebet: Herr, bevor ich andere kritisiere, will ich erst mein eigenes Leben und Tun bessern. Bevor ich nur schöne Worte mache, will ich anpacken, wo es nötig ist und etwas zum Besseren wenden, wenn es möglich ist. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Samstag, 29. Juli 2017

Nachdenken über Vergänglichkeit hl

LosungSiehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Psalm 39,6 

LehrtextJesus betet: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Johannes 17,15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

schon manchen Wind hat die alte Linde am Sommersdorfer Schloss kommen und gehen sehen. Dann haben ihre Blätter geraschelt. Und wenn ein großer Sturm kam, ist auch mal ein Ast abgebrochen. Man sieht die Bruchstellen noch heute. Die Winde sind verweht. Die Linde ist geblieben und steht, bis auch ihre Zeit gekommen ist.
Wie ein Wind nach dem andern so wehen auch die Menschengeschlechter über die Erde. Manchmal brauen sie sich zu einem vernichtenden Sturm zusammen. Dann erinnert noch eine Zeit lang eine Schneise der Verwüstung an sie wie vor 70 Jahren. Manchmal sind sie wie ein friedlicher Sommerwind, der kaum eine Spur hinterlässt. So wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder gegangen, alle. Wir wissen nicht viel von ihnen. Wir kennen nicht einmal unsere Vorfahren, die vor 150 und mehr Jahren gelebt haben. Vielleicht steht hie und da noch ein Name auf einem vergilbten Papier. Aber sonst?
     König David wusste das. Und darum hat er gebetet: »HERR, lehre doch mich, / dass es ein Ende mit mir haben muss und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Ach, wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! Sie gehen daher wie ein Schatten / und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es kriegen wird. Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich
     Stimmt das? Gehören auch wir, gehören du und ich zu denen, die sich viel vergebliche Unruhe machen? Worüber habe ich mich nicht schon alles aufgeregt in meinem Leben. Und was ist davon geblieben? Manchmal meint man, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollten, dass die Welt unterginge, vielleicht nicht die große, aber die eigene kleine. Und dann? Dann ebbt die Aufregung ab, die Gefühle beruhigen sich. Und irgendwann hat man vergessen, worüber man sich aufgeregt hat. Und der ganze Stress, – hat der sich gelohnt? Nun, ohne Aufregung und Stress geht es auch nicht. Aber vielleicht könnte es ein bisschen weniger sein und dafür etwas mehr Liebe zu denen, die einem nahe stehen, zur Natur, zur Kunst und - zu Gott. 
     Wenn ich mal am Ende meines Lebens zurückschaue, werde ich nicht sagen, ich habe alles richtig gemacht. Werde ich nicht sagen, ich bereue nichts. Solche, die nichts bereuen, sind mir ohnehin verdächtig. Dann werde ich wohl die Zeit bedauern, die ich auf die eine oder andere Weise vergeudet habe, aber mich hoffentlich auch über das freuen, woran ich mich gern erinnere. Und das werden nicht unbedingt die zahllosen Stunden sein, die ich allein am PC verbracht habe, sondern die, in denen ich mit anderen etwas unternommen habe. Und vielleicht komme ich dann auch zu diesem Ergebnis und sage: »Es war, was es war und es ist, was es ist, - sagt die Liebe.«  (nach Erich Fried)
     Vielleicht können wir alle gar nicht so sehr viel anders leben als wir es tun. Doch darüber nachzudenken, ist ein weites Feld und sprengt den Rahmen dieser Auslegung. David jedenfalls, immerhin ein bedeutender König, sagt, nachdem er über die Vergänglichkeit und Vergeblichkeit von allem nachgedacht hat: »Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich.« Er, der ohne mein Zutun mit allem begonnen hat, wird auch ohne mein Zutun alles zu einem guten Ende bringen. Darauf hoffe auch ich und das beruhigt mich.
     Im Johannesevangelium betet Jesus (Lehrtext) für die Menschen, die Gott ihm gegeben hat, nicht, dass er ihnen die Welt erspart und damit auch Schmerzen und Leid, Angst und Tod. Aber er bittet, dass sie darin nicht untergehen, sondern durch das Böse hindurch bewahrt und erlöst werden. Und genau das sagen wir ja auch im Vaterunser, wenn wir beten „und erlöse uns von dem Bösen“. Wir bitten nicht, dass uns böse Erfahrungen erspart bleiben. Sie gehören zu diesem Leben in dieser Welt und in dieser Zeit dazu. Aber wir bitten, daraus erlöst und befreit zu werden. Jetzt schon und auch dann. Mitten im Leben und an seinem Ende, wenn Gott vollenden wird, was er mit uns begonnen hat.
     
Gebet: Herr, mach du mich gewiss, dass mein Leben ein Ziel hat, damit ich nicht ziellos und planlos dahinlebe. Damit ich eine Hoffnung auf ein gutes Ende habe. Doch schenke mir auch jetzt den Glauben, dass du mein Gott bist, der mich behütet und mir hilft. So kann ich mich an deiner Schöpfung und an meinem Leben freuen und dir danken. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 28. Juli 2017

Gott und die Tiere hl


Losung: Wer bereitet dem Raben die Speise, wenn seine Jungen zu Gott rufen und irrefliegen, weil sie nichts zu essen haben? Hiob 38,41

LehrtextDer Herr ist reich für alle, die ihn anrufen. Römer 10,12 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du egozentrisch? Bist du der Nabel der Welt, nachdem sich alles richten soll? Diese Frage stelle ich mir selbst im Hinblick auf Gott. Und ich kann sie auf zweierlei Art beantworten: Ja, im Glauben bin ich egozentrisch. Ich glaube, dass Gott für mich da ist und die Welt für mich geschaffen hat und dass Jesus für mich geboren und gestorben ist und dass Gott mein Hirte ist und ich das Schaf bin, um das sich der Hirte ganz besonders kümmert. Das soll ich auch so glauben. Aber du sollst das genauso glauben. Auch du sollst im Hinblick auf Gott egozentrisch sein. So ist es gut.
     Aber so ist es nicht gut, wenn ich dabei andere übersehe, deren Hirte Gott ebenfalls ist. Und damit meine ich jetzt nicht nur andere Menschen, sondern die Tiere insgesamt. Sie spielen in meinem Glauben eine viel zu geringe Rolle. Die Menschenwelt, ja die, die ist in meinem Glauben ständig gegenwärtig. Und die Tiere? Sind sie nicht auch Gottes Geschöpfe? Hat er sie nicht auch gesegnet? Kümmert er sich nicht auch um sie? Hat Gott nicht allen seinen Geschöpfen, allen (!), also auch den Tieren die Hoffnung gegeben, dass sie zusammen mit den Kindern Gottes einmal von Tod und Vergänglichkeit erlöst und zu einem neuen, herrlichen Leben befreit werden? (Römer 8,21)
     Das will ich nicht vergessen: Auch die Tiere sind seine Geschöpfe. Wohl bin ich als Mensch über sie gesetzt (1. Mose 1,26), aber nicht, um sie zu schinden und zu quälen und nach Belieben zu töten. Als „Mitarbeiter Gottes“ habe ich eine ganz besondere Verantwortung auch für sie (1. Mose 2,15). Und es rächt sich bitter, wenn wir Menschen diese Verantwortung nicht wahrnehmen.
      Nachdem in den letzten Jahren und Jahrzehnten so viele scheinbar nutzlose Pflanzen und Insekten totgespritzt worden sind, hat nun auch das Vogelsterben begonnen. In diesem Jahr wurden dramatische Zahlen veröffentlicht, was den Rückgang vieler Vogelarten betrifft. Wie wird es wohl weitergehen?
     Losung und Lehrtext sprechen davon, dass Gott seine Geschöpfe nicht ausrottet, sondern am Leben erhält. Er nährt die Vögel unter dem Himmel (Jesus in der Bergpredigt), füttert die Raben (Losung) und gibt allen, die ihn anrufen. Sollte er nicht auch die Jungvögel hören, die aus dem Nistkasten nach Futter rufen? Sollte er nicht auch die Fische in der Tiefe des Meeres hören und den Pfiff der Murmeltiere auf den Berggipfeln?
     Im Psalm 145  Vers 15 heißt es dazu: 
Tisch-GebetAller Augen warten auf Dich, Herr; Du gibst uns Speise zur rechten Zeit. Du öffnest Deine Hand und erfüllst alles, was lebt, mit Segen. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 27. Juli 2017

Damit Gott bei mir etwas erreichen kann hl

LosungGehorsam ist besser als Opfer. 1. Samuel 15,22


Lehrtext
Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Lukas 11,28 

Liebe Leserin, lieber Leser,

den Göttern zu opfern, ist uralter religiöser Brauch. Damit hofft man, bei seinem jeweiligen Gott etwas erreichen zu können. Man möchte Einfluss nehmen auf diese Schicksalsmacht. Dieses Denken steckt auch noch in den Tieropfern des Alten Testaments. Aber schon da wird diese religiöse Praxis kritisiert (Losung). Mit einem Opfer, auch mit Spenden kann man sich eben von seiner Schuld nicht freikaufen noch sonst wie Gott gnädig stimmen. Stattdessen, so heißt es im Neuen Testament, hat Christus uns freigekauft, indem er sein Leben als Lösegeld für unseres gegeben hat. 
     Manche haben Schwierigkeiten, das zu verstehen. Entscheidend ist hier aber das Ergebnis: Dass einer für mich bezahlt hat und ich somit keine Schuld(en) mehr habe; dass Gott mir mit Christus alles schenkt, alles (Römer 8,32), und ich mir bei ihm nichts mehr erarbeiten muss, nichts. Das macht mich frei und ich kann mich darauf konzentrieren, was Gott mir zu sagen hat (Lehrtext), statt ständig darüber nachdenken zu müssen, wie ich ihn zufriedenstellen kann. Religion ist, wenn Menschen bei Gott etwas erreichen wollen. Glaube ist, dass ich auf ihn höre, damit er etwas bei mir erreichen kann.
     Im heutigen Lehrtext  nennt Jesus die selig bzw. glücklich, die vor Gott kein großes Religionstheater aufführen, sondern Ruhe geben und Ohren, Herzen und Hände öffnen. Denn vor ihm kann niemand etwas vorweisen, sondern nur empfangen.

Gebet: Herr, ich bin oft weit davon entfernt, dir in der Ruhe des Herzens zu lauschen. Dann scheint es mir, als wärst du weit von mir entfernt, als würdest du mir nichts sagen. Dabei bist du da, in jedem Augenblick und sprichst zu mir. Ich wünsche mir, dass ich zur Ruhe komme und deine Stimme vernehme im Lärm dieser Zeit. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 26. Juli 2017

Gute Kritik für Gott hl

Losung: Lobet Gott in den Versammlungen. Psalm 68,27 

Lehrtext: Der Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, wie es Christus Jesus entspricht, damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. Römer 15,5-6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wann bist du das letzte Mal gelobt worden?
Beim Loben denken manche an die Schule, wenn sie von der Lehrerin für anständiges Betragen oder gute Leistungen gelobt worden sind. Kleine Kinder werden von ihren Eltern gelobt und damit ermutigt, wenn sie zum Beispiel die ersten Schritte tun. Manchmal – oft viel zu selten – bekommen Mitarbeiter ein Lob von ihrem Chef, wenn er sagt: „Das haben Sie richtig gut gemacht!“. 
Wann hast du das letzte Mal gelobt? Und wen?
Gott hat unser Lob nicht nötig. Weder muss man ihn bestätigen noch ermutigen, weder ihm Anerkennung geben noch Wertschätzung. Doch ich denke, dass er sich über eine „gute Kritik“ genauso freut wie ein Künstler. Nein, nötig hat er das nicht. Aber, ich habe es nötig, ihn zu loben. Dann erkenne ich plötzlich wieder den Wert von so vielem, was mir selbstverständlich zu sein scheint und doch nicht ist. Dann entdecke ich lauter Wunder in dieser Welt und auch in meinem Leben. Dann weiß ich wieder, dass ich von Gott reich gesegnet und beschenkt und damit auch geliebt bin. Dann geschieht, was das Sprichwort sagt: "Loben zieht nach oben", zieht mich aus meinen Niederlagen und Tiefs.
Mein Gotteslob hat für mich noch einmal eine andere Qualität, wenn ich damit nicht allein bin. Ich singe gern mit anderen zusammen Lieder, in denen wir Gott preisen und uns damit vergegenwärtigen, wie wunderbar er ist. 
Und noch eine Wirkung hat das gemeinsame Loben, es verbindet zu einer Gemeinschaft. Man erlebt etwas gemeinsam, worüber man miteinander reden kann.

Gebet
Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön (klick)
dem, welchem alle Dinge / zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd;
ich will Ihn herzlich loben, / solang ich leben werd. (EG 302 Vers 1)

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Dienstag, 25. Juli 2017

Vom Tode errettet hl

LosungDu hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. Psalm 116,8 

LehrtextPaulus schreibt: Epaphroditus war todkrank, aber Gott hat sich über ihn erbarmt; nicht allein aber über ihn, sondern auch über mich, damit ich nicht eine Traurigkeit über die andere hätte. Philipper 2,27 

Liebe Leserin, lieber Leser,

warst du schon mal todkrank? Bei mir ist das schon lange her. Ich war damals erst fünf Jahre alt und wusste nicht, wie es wirklich um mich stand. Später hat mir meine Mutter erzählt, dass damals mein Vater auf der Gartenbank saß und geweint hat. Da erst wurde mir klar, wie ernst mein Zustand gewesen sein musste. Und wie war das bei dir?
Vermutlich war jeder von uns dem Tod schon mehrmals näher als er weiß, vor allem im Straßenverkehr. In einem alten Kirchenlied von 1456 heißt es dazu:
»Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen.
Wen suchen wir, der Hilfe tu, dass wir Gnad erlangen?
Das bist du, Herr, alleine
So ist es, auch wenn wir meistens nicht daran denken oder es vielleicht nicht einmal wahrhaben wollen. 
Als ich vor kurzem mit einem Freund eine größere Motorradtour durch die Alpen unternommen hatte, haben wir jeden Morgen, bevor wir losgefahren sind, gesagt: „Mit Gottes Segen.“ Und  dann habe ich, bevor wir wieder Gas gegeben haben, mit meinem Daumen im Handschuh noch ein kleines Kreuzzeichen überm Herzen gemacht. Wir waren uns durchaus bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, von den fast zwanzig Pässen, die wir gefahren sind, wieder heil herunterzukommen. Und darum sind wir heute dankbar, dass alles gut gegangen ist. Aber die Gefahr ist auch auf dem Weg zur Arbeit nicht geringer oder auf Kurzstrecken rings um den Heimatort.
So viel sich auch seit biblischen Zeiten und dem Jahr 1456 in dieser Welt geändert haben mag, eins ist gleich geblieben, der Glaube, dass Gott in Krankheit und Gefahr retten kann. Er bedient sich dabei auch unseres Verstandes, unserer Besonnenheit, unserer Vorsicht und all der Fähigkeiten, die wir Menschen inzwischen haben aufgrund der Begabungen, die er uns geschenkt hat.
Ich jedenfalls glaube, dass ich ohne seine Hilfe und ohne seinen Schutz nicht mehr leben würde. Und darum weiß ich auch, was ich sage, wenn ich bete: 

Gebet: Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 24. Juli 2017

Gebet für die Regierenden hl

LosungIch will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen in Einsicht und Weisheit. Jeremia 3,15 

LehrtextBringt Bitten und Fürbitten und Dank für alle Menschen vor Gott! Betet für die Regierenden und für alle, die Gewalt haben, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, in Ehrfurcht vor Gott und in Rechtschaffenheit. 1.Timotheus 2,1-2 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit denen, die regieren, haben die Völker seit jeher nicht besonders viel Glück. Das war auch zur Zeit der Bibel so. Da waren Könige „nach dem Herzen Gottes“ (Losung) die Ausnahme. Und auch heute scheinen Staatenlenker dünn gesät zu sein, die mit „Einsicht und Weisheit“ regieren. Nun ist es leicht, diejenigen zu kritisieren, die ein öffentliches Amt übernommen haben. Da sollte man schon fair bleiben. Andererseits ist es wenigstens in der Demokratie ein Muss, dass die Regierenden kontrolliert werden, dass ihnen die Presse auf die Finger sieht und die Bürger die Chance haben, sie wieder abzuwählen.
Wir in Deutschland gehören zu den eher glücklichen Völkern, die seit über 70 Jahren alles in allem akzeptable Regierungen haben egal, welche Partei gerade die Macht hat. Anders ist es, wenn man nach Polen, Syrien oder in die Türkei schaut. Am schlimmsten aber ist es in einigen afrikanischen Staaten und in Nordkorea. Ich jedenfalls bin von Herzen froh, dass ich in keinem von diesen Staaten leben muss.
Damit das so bleibt, damit wir weiterhin eine funktionierende Demokratie und einen Rechtsstaat haben, der Meinungs-, Presse- und Religionsfreiheit garantiert, muss ich als Bürger von meinem Wahlrecht Gebrauch machen und mich gegebenenfalls selbst engagieren. Der Lehrtext weist noch darauf hin, was jeder in jedem Land tun kann, nämlich für die Regierenden beten, dass Gottes Geist sie leiten möge und sie sich ihrer Verantwortung für das Wohl der Menschen bewusst sind.
Es ist ein Segen, in  einem Land leben  zu dürfen, in dem man keine Angst vor politischer Verfolgung haben muss, in dem man seinen Glauben ungehindert leben kann und all die Freiheitsrechte genießt, die Menschen im Laufe der Geschichte unter vielen Opfern erkämpft haben.

Gebet: Herr, ich danke dir, in einem Rechtsstaat leben zu dürfen, der mir viele Freiheiten ermöglicht. Ich bitte dich, dass wir hier weiterhin in Frieden zusammenleben können und denke vor dir an die vielen Menschen, die unter ihren Regierungen leiden müssen. Steh du vor allem denen bei, die um ihres Glaubens willen bedrängt werden. Schenke du unserer Regierung Einsicht und Weisheit, dass sie uns mit deiner Hilfe gut durch diese schwierigen Zeiten bringt. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 23. Juli 2017

"Ja" (Predigt) hl

"Ja" oder "Der große Segen" – Predigt von Hans Löhr im „11vor11“-Gottesdienst am 23.7.2017 in Neuendettelsau (das gesprochene Wort geht über das geschriebene hinaus)
Liebe Freunde,
die meisten Predigten, die du gehört hast, wirst du inzwischen wieder vergessen haben. Doch vielleicht ist auch das eine oder andere Predigtwort in die Tiefenschichten der Seele gesunken und entfaltet dort seine hoffentlich heilsame Wirkung, ohne dass dir das noch bewusst ist. Eine Predigt aber hast du ganz bestimmt vergessen, ausgerechnet die, die dir persönlich gegolten hat: die Predigt bei deiner Taufe. Darum will ich heute noch einmal eine Taufpredigt halten – für dich.
„Wir kommen weit her, liebes Kind, und müssen weit gehen.
Keine Angst, alle sind bei dir, die vor dir waren:
Deine, Mutter, dein Vater und alle, die vor ihnen waren, weit, weit zurück.
Alle sind bei dir, keine Angst!
Wir kommen weit her und müssen weit gehen, liebes Kind.”
Das hat der Schriftsteller Heinrich Böll zur Geburt seiner Enkeltochter geschrieben. Ich will es auch dir sagen. Denn wer einen neuen Menschen auf dieser alten Erde begrüßt, soll ihm auch zeigen, woher der Weg kommt, den er nun durchs Leben zu gehen hat, wer bei ihm ist und ihn begleitet und wohin der Weg führt. Auch wenn deine Taufe nun schon länger zurück liegt, so lass dir wieder von Gott erzählen, vom Gott deiner Eltern und unserem Gott. Von dem, der dich geschaffen hat und das Licht, das du siehst, den Himmel und die Erde und alles, was mit dir atmet und lebt.
Lass dir sagen, dass Gottes Ja von Anfang an über deinem Leben steht. Er selbst hat es hineingesprochen in die Zeit, die er dir schenkt. Was immer auch sein wird, das gilt: Gott sagt ja zu dir, sagt: „Du sollst leben!“ So höre sein Ja in allem, was sein wird, im Glück, das dir zuteil wird und im Unglück, da ganz besonders. Höre es in den hellen Stunden und im Dunkel von Leid und Angst. In allem und aus allem sagt Gott ja zu dir. Wer könnte dich da verneinen! So sage auch du nicht „nein“ zu deinem Leben, wenn Gott „ja“ dazu sagt.
So gilt es von Anfang an und so gilt es für dich. Denn als Gott die Tiere und die Menschen geschaffen hat, da war das Erste, was ihnen galt, sein Segen. Gut sprach Gott vom dem, was aus ihm kam, von dieser Welt, von seinen Menschen, von dir und mir. Vergiss das nicht, weil Gott am Anfang gut von uns gesprochen hat, darum wird es auch am Ende gut mit uns sein. Alles, alles wird gut sein mit dir und mit uns und mit allem, was er geschaffen hat. Lass dich darum vom Bösen nicht verwirren und von deinen schlechten Erfahrungen nicht verunsichern. Auch sie hast du nicht umsonst gemacht.
So also hat es angefangen, mit Himmel und Erde und dir und mir, dass es bei Gott gut war. So also leben wir als Gesegnete, dazu bestimmt einander selbst ein Segen zu sein. Wie Abraham, zu dem Gott sagte: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein!”
Darum erzählen wir die alten Geschichten heute und auch später noch, damit du etwas erfährst vom Glanz des Lebens und seiner Schönheit, damit du weißt, wie alles begonnen hat und wie es werden wird. Damit du die Gabe des Lebens schätzt bei dir und deinen Menschengeschwistern. Darum bist du gesegnet in Gottes Namen, dass du deine Würde erkennst, die du von ihm hast, nach dessen Bild du gemacht bist. Würdige in gleicher Weise auch die, die mit dir leben. Darum bist du gesegnet, um selbst ein Segen zu sein, damit du deinen Mitmenschen gut tust.
Sei also gesegnet mit Segen oben vom Himmel herab, dass dir nach langen Nächten voll Kampf und Leid die Sonne aufgehe und du aufs Neue Gott loben kannst für die Güte des Lebens. Sei gesegnet mit Segen von der Tiefe, in die Christus hinabgestiegen ist, um die Toten heraufzuführen. Sei gesegnet mit dem geistlichen Segen in himmlischen Gütern, mit Glaube, Hoffnung und Liebe, dass du satt werdest am Brot des Lebens und andere sättigst, dass auch du ja zum Leben sagen kannst, wie Gott ja zu dir sagt.
Und auch das wünsche ich dir, dass er dir ein gesegnetes Alter schenke und einen gnädigen Tod. Und dass dann einer an deinem Grab stehen möge, um dich ein letztes Mal zu segnen im Namen des lebendigen Gottes für die letzte Reise heim zu ihm, von dem du gekommen bist. So sei dein Leben erfüllt und umschlossen von Gottes Ja.
Liebes Menschenkind, der Segen gehört zu den Dingen, die wir uns nicht selbst machen und kaufen können. Er ist unverfügbar und eine Gabe, die mit einer anderen Kraft zu tun hat als Menschenkraft, ein Geschenk nicht von dieser Welt. Wer dich immer segnet, hüllt dich in den Schutzmantel von Gottes Versprechen, damit du den Wechselfällen des Lebens nicht schutzlos preisgegeben bist, damit du umhüllt von der heilsamen Macht des Segens, durch gute und durch schlechte Zeiten gehst.
Doch lass dir auch von Jesus erzählen, dem Menschensohn, deinem Bruder und Freund. Zu ihm haben Mütter ihre Kinder gebracht, damit er sie segne. Zu ihm bist du als Taufkind gebracht worden, damit du ihm gehörst in Zeit und Ewigkeit. Denn durch ihn kommt die Kraft, die in den Schwachen mächtig ist, die heilt, was krank und sucht, was verloren ist.
In seinem Namen bist du getauft. In seinem Zeichen wirst du gesegnet. Ihn hat Gott für uns alle zum Segen gemacht. So trage du den Segen weiter, weit hinein in unsere Zeit. Trage ihn zu denen, die den gnädigen Gott nicht kennen, auch zu denen, die dir weh tun.

„Wir kommen weit her und müssen weit gehen, liebes Kind.” Darum wirst du heute wieder gesegnet. Was auch geschieht, Gott sagt ja zu dir. Er ist für dich da und du gehörst zu ihm. Amen HL

Anschließend persönlicher Segen im Gottesdienst für alle Getauften und Ungetauften

Samstag, 22. Juli 2017

rein – unrein hl

LosungWir wurden alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid. Jesaja 64,5 

LehrtextDer Herr wandte sich und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. Lukas 22,61-62 

Liebe Leserin, lieber Leser,

rein – unrein, mit dieser Unterscheidung quälen sich Juden und Muslime bis zum heutigen Tag. Sie meinen, dass ein Mensch rein sein könne und sich davor hüten müsse, unrein zu werden. Also müssen sie zum Beispiel aufpassen, welche Speisen sie essen dürfen, die als rein gelten, und welche nicht, die als unrein gelten und die dann auch den Menschen, der sie isst, unrein machen. Damit hatte Jesus Schluss gemacht. Er sagt kurz und knapp: Nicht das, was in den Menschen hineingeht, macht ihn unrein, sondern das, was an bösen Gedanken, Worten und Taten von ihm ausgeht (Markus 7,18-23).
     Ein Mensch ist weder rein noch unrein, sondern ein Mensch mit seinen guten Seiten und seinen schlechten Seiten, mit seinen Schwächen und mit seinen Stärken. Wie die Erfahrung zeigt, ist es brandgefährlich, sich selber für rein und andere für unrein zu halten, für rechtgläubig und für ungläubig, für auserwählt und für verloren, für einen Arier und für einen Untermenschen, sich selber für einen Gerechten und andere für Sünder zu halten. Daraus ist schon viel namenloses Leid entstanden. 
     Die heutige Losung sagt mir, dass es besser ist, zur Selbstkritik fähig zu sein als zur Selbstgerechtigkeit. Das ist auch der Sinn des Sündenbekenntnisses, das ich zu Beginn eines Kirchengottesdienstes spreche: „Vor dem Heiligen Gott erkennen wir, dass wir nicht so gelebt haben wie er es von uns erwartet und wie es uns gut tut. Wir sind ihm, unseren Mitmenschen und uns selbst manches schuldig geblieben. Das tut uns leid und so bitten wir Gott um Vergebung
     Auch Petrus war zur Selbstkritik fähig und hat es bitter bereut, Jesus dreimal verleugnet zu haben. Der Blick des gefangenen Jesus traf ihn ins Herz. Nein, das hätte er unter keinen Umständen tun sollen. Aber wer hat noch nie etwas gesagt oder getan, was er unter keinen Umständen hätte sagen oder tun sollen? Du vielleicht? Ich nicht. Ich bin wie Petrus darauf angewiesen, dass Gott mir vergibt und ich wieder eine neue Chance bekomme - nicht zur Selbstgerechtigkeit, sondern zu mehr Demut.

Gebet: Herr, ich weiß, ich kann mich nicht selbst vor dir reinwaschen. Ich kann aus eigener Kraft kein Leben führen, das dir gefällt. Darum bitte ich dich, dass du mir vergibst und mich so ansiehst, wie du mich haben willst. Bewahre mich vor der Sünde der Selbstgerechtigkeit und sei mir das Beispiel für mehr Demut. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 21. Juli 2017

leben statt überleben hl

LosungGelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Psalm 118,26 

LehrtextDarin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 1.Johannes 4,9 

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den Evangelien wird Jesus mit dem Losungswort aus Psalm 118 von den Bewohnern Jerusalems willkommen geheißen, als er auf einem Esel in ihre Stadt einzieht. Doch sie fügen noch den ersten Teil dieses Psalmworts hinzu, in dem es heißt: „Hosianna!“ auf Deutsch „O Herr, hilf!“ Die Mächtigen in Staat und Kirche damals hatten das zu Recht als Kampfansage verstanden. Man erwartete sich von ihnen keine Hilfe mehr. Man hoffte auf den Messias, den neuen Heilskönig. Man hoffte auf Jesus, der alle Probleme, die privaten wie die öffentlichen lösen sollte. Und darum versuchten die Machthaber so schnell wie möglich seiner habhaft zu werden, um ihn von Pilatus ans Kreuz schlagen zu lassen. Dieser Plan ist aufgegangen. Als er in Ketten und gezeichnet von der Folter vor dem Volk stand, schrien sie nicht mehr „Hosianna!“, sondern nur noch „Kreuzige ihn!“ Sie fühlten sich von ihm getäuscht, weil er nicht die politische Macht an sich gerissen hatte.
     Die Menschen damals  merkten offenbar nicht, dass sie mit ihrem Hosianna-Ruf eine tiefere Wahrheit ausgesprochen hatten. Denn tatsächlich war er die Antwort Gottes auf ihr Rufen. Sein Name „Jesus“ war die Antwort, die er lebte. Und dieser Name heißt auf Deutsch: „Gott hilft!“ 
     Ja, dieser „Gott hilft!“ ist im Namen Gottes auf die Erde und zu uns Menschen gekommen, höchstpersönlich auch zu dir und zu mir. Er kam und kommt als die leibhaftige Liebe. Davon spricht der heutige Lehrtext und fügt hinzu: »damit wir durch ihn leben sollen«. Brot und Geld allein helfen zum Überleben. Aber zu einem erfüllten Leben gehört, dass ich geliebt werde: von Menschen und von Gott.

Gebet: Herr, dass ich überhaupt bin, ja jeder Augenblick meines Lebens – er ist ein Zeichen deiner Liebe. Und auch wenn es mir manchmal nicht gut geht, so will ich doch am Leben bleiben solange es geht und dir damit danken. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 20. Juli 2017

Nur du hl

LosungBei dir finden die Verwaisten Erbarmen. Hosea 14,4

LehrtextDas sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich kenne deine Bedrängnis. Offenbarung 2,8-9 

Also ich, liebe Leserin, lieber Leser, 

habe zunächst an arme Waisenkinder gedacht, als ich die heutige Losung gelesen habe. Ich habe mir auch gleich schon in diese Richtung Gedanken für die Auslegung gemacht. Doch dann habe ich noch mal das Bibelwort in seinem Zusammenhang nachgelesen und plötzlich ergibt es einen völlig anderen Sinn. Denn da heißt es in einer neuen Übersetzung: »Wir verlassen uns nicht mehr auf die Assyrer, wir setzen unser Vertrauen auch nicht auf Pferde und Reiter. Wir werden nie wieder das, was wir mit eigenen Händen gemacht haben, als unseren Gott verehren! Denn nur du hilfst den Menschen, die schutzlos und verwaist sind.« (Hosea 14,4)
     Hm, schon wieder so ein politischer, pazifistischer Vers. In unsere Zeit übertragen würde er dann wohl heißen: „Wir verlassen uns nicht mehr auf die Streitkräfte der Amerikaner in unserem Land, wir setzen unser Vertrauen nicht auf Panzer und Kampfjets (wie sie Deutschland und Frankreich jetzt wieder gemeinsam bauen wollen). Wir werden nie wieder das, was wir mit eigenen Händen gemacht haben (unsere Autos, Häuser, Waffen und Geld), als unseren Gott verehren. Denn nur du hilfst denen, die schutzlos und auf sich allein gestellt sind.“      
     Ich möchte es Ihnen / dir überlassen, darüber nachzudenken, was das für deine Weltanschauung bedeutet, für deine politische Einstellung und dein Verhalten bei Wahlen. »Nur du«, heißt es hier von Gott. Gilt das wirklich für das ganze Leben und nicht nur für seine religiösen Nischen, für den Gottesdienst am Sonntag und die stille Zeit am Morgen...?
     Im Lehrtext spricht Christus durch den Seher Johannes zur Gemeinde von Smyrna. Sie wird verleumdet und von der römischen Militärdiktatur verfolgt (Bedrängnis). Er sagt, dass er um ihre Not weiß. Und dann heißt es da noch: „Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! ... Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.“
     Gott sei Dank werden wir in Deutschland nicht wegen unseres Glaubens verfolgt. Aber weltweit sind es Christen, die nach wie vor am stärksten verfolgt werden, nicht zuletzt in muslimischen Ländern wie Saudi-Arabien. Mit diesem Staat machen die Christ(!)-Demokraten und die Sozialdemokraten in der Regierung dicke Geschäfte. Tja, wenn's ums Geld geht, bleibt die Moral meistens auf der Strecke. 
     Aber ich finde, dass der Lehrtext durchaus auch denen etwas zu sagen hat, die jetzt aus anderen Gründen leiden. Gerade das Leid vermag ja beides, es kann Menschen zu Gott hinführen, aber auch wieder wegführen. Und darum wird, wer leidet, ermutigt, im Glauben treu zu bleiben. Denn nicht das Leid wird das Letzte sein, sondern die „Krone des Lebens“. Mich tröstet, dass es dabei mehr noch auf Gottes Treue ankommt als auf meine. Und wenn ich einnmal nicht mehr die Kraft haben sollte, ihm treu zu bleiben. Er hat sie. Darauf verlasse ich mich.

Gebet: Herr, es tut gut zu hören, dass du es weißt, wenn es mir schlecht geht. Es tut gut zu hören, dass du dann an mich denkst, mehr noch, dass du mir auf vielfältige Weise hilfst oft ohne, dass ich es bemerke. So bitte ich dich für alle, die jetzt um sich selbst oder Angehörige Angst haben müssen, die krank sind oder verzweifelt, dass du bei ihnen bist in ihren Gebeten und nahe kommst durch Menschen, die sich ihrer annehmen. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 19. Juli 2017

Das beste Heilmittel des Arztes hl

LosungIch bin der HERR, dein Arzt. 2.Mose 15,26 

LehrtextDurch Christi Wunden seid ihr heil geworden. 1.Petrus 2,24 

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn man dich fragt, wer dein Arzt ist, wirst du vermutlich den Namen des Hausarztes oder der Hausärztin nennen. So mache ich es auch. Aber der heutigen Losung zufolge müsste ich sagen: "Gott ist mein Arzt." Für diese Antwort würde ich bestimmt schief angesehen. Aber ist es nicht wirklich so? Wenn es um Krankheit und Gesundheit geht, so ist Gott, der Schöpfer des Lebens, mein eigentlicher Arzt. Die sonstigen Ärzte können seine Instrumente sein, mit denen er mir hilft. Mehr nicht. Doch sie werden von ihren Patienten oft zum „Halbgott in Weiß“ gemacht, von dem man sich Wunderdinge verspricht, obwohl auch die besten Ärzte nur mit Wasser kochen und nicht zaubern können. 
     Ich bin froh, dass es viele tüchtige Ärzte gibt, die die richtige Diagnose stellen und mit geeigneten Mitteln und Methoden die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen. Ja, Ärzte können Leben retten und dafür sind sie zu Recht angesehen. Aber sie können nicht verhindern, dass Menschen immer wieder krank werden und sterben. Manchmal ist eben auch ein guter Arzt machtlos. 
     Das beste Heilmittel, das ein Arzt hat, ist das Vertrauen, das ich in ihn setze. Mein Vertrauen ist umso größer, wenn ich weiß, dass auch der Arzt seine Arbeit im Vertrauen auf Gott macht. Dann bin ich doppelt in guten Händen, in denen des irdischen und in denen des himmlischen Arztes. Das stärkt die Selbstheilungskräfte ungemein, die Gott mir gegeben hat. Und jeder Arzt ist gut beraten, wenn er sie nützt.
     Aber nicht nur der Körper, auch die Seele kann krank werden und leiden. Im Grunde gilt da das gleiche wie auch bei den körperlichen Leiden. Aber einen bedeutenden Unterschied gibt es doch. Die Bibel sagt, nur durch Jesu Leiden und Sterben am Kreuz ist meine Seele gesund und frei geworden von den zerstörerischen Kräften der Sünde. Das bringt kein menschlicher Seelenarzt fertig und ich selbst erst recht nicht.

Gebet: Herr, schon oft habe dich gebeten, meine Gesundheit zu erhalten. Und noch immer hast du meine Gebete erhört. Aber ich weiß auch, dass ich schon morgen schwer krank sein kann. Dann brauche ich dich erst recht. Dann musst du mir auch helfen, es zu lernen, mit meiner Krankheit so lange zu leben wie sie eben dauert. Dann brauche ich viel Geduld, viel Hoffnung und Kraft für Leib und Seele, dass ich meinen Teil dazu beitrage, wieder gesund zu werden. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr 

Dienstag, 18. Juli 2017

Mach dich nicht selbst unglücklich hl

LosungDie Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten. Psalm 25,10 

LehrtextWer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. Lukas 16,10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was meinst du, wird man von Gott belohnt, wenn man seine Gebote hält und bestraft, wenn man sie bricht? So ungefähr habe ich es als Kind und Jugendlicher gelernt. Inzwischen sehe ich das etwas differenzierter. Die Zehn Gebote sind Grundprinzipien des Lebens. Das ist auch bei Nichtgläubigen allgemein anerkannt, wenn man mal von den ersten beiden Geboten absieht. Wer sie beachtet, kann sich und anderen manches Leid ersparen. Wer sie bricht, muss mit den Folgen leben. 
     Aber die Folgen sind keine Strafe Gottes, sondern das, was ich mir selbst zuzuschreiben habe. Wenn einem als Kind verboten wird, auf die heiße Herdplatte zu langen und man tut's trotzdem, sind die Folgen keine Strafe der Eltern, sondern das Ergebnis eines nicht gerade intelligenten Verhaltens. 
     Ich finde, das Reden davon, dass Gott belohne und strafe ist ein Ausdruck von Religion, aber nicht von Glaube. Ist im Interesse bestimmter Menschen, Kleriker zumal, die sich damit Macht und Autorität anmaßen, aber nicht im Interesse Gottes. Dass im Alten Testament von Belohnung und Strafen durch Gott die Rede ist, widerspricht dem nicht. Auch das Alte Testament enthält viel Religion, aber eben auch Glaube. Und deshalb möchte ich die heutige Losung zweiteilen: der erste Teil ist Glaube, der zweite Religion. Ja, die Wege des Herrn sind lauter Güte und Treue für alle. Punkt. Wer auf ihnen geht, macht sich nicht selbst unglücklich.
     Der heutige Lehrtext heißt im Zusammenhang und in einer neueren Übersetzung: »Nur wer im Kleinen treu ist, wird es auch im Großen sein. Wenn ihr bei kleinen Dingen unzuverlässig seid, werdet ihr es auch bei großen sein. Geht ihr also schon mit dem Geld, an dem so viel Unrecht haftet, nicht gut und treu um, wer wird euch dann die Reichtümer des Himmels anvertrauen wollen? Wenn ihr schon die Güter nachlässig verwaltet, die Gott euch nur vorübergehend anvertraut hat, wie soll er euch dann die Dinge schenken, die wirklich euch gehören sollen?« So sagt es Jesus nach dem Evangelium des Lukas. Diese Lebensweisheit ist so offensichtlich, dass sie keiner weiteren Erklärung mehr bedarf.
 
Gebet: Herr, du selbst bist der Weg, auf dem ich durch die Wechselfälle des Lebens finde. Weil du gütig und treu bist, lässt du mich nicht ins Verderben rennen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 17. Juli 2017

Oder? hl

LosungEr wird Frieden gebieten den Völkern. Sacharja 9,10 

LehrtextPetrus sprach: In jedem Volk, wer Gott fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm. Er hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle. Apostelgeschichte 10,35-36 

Liebe Leserin, lieber Leser,

in fünf Monaten ist bereits Adventszeit. Dann wird in den Kirchen wieder dieses Bibelwort vorgelesen: Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9,9+10). 
     Das hört sich doch gut an. Aber wie hört es sich an, wenn man dieses Wort auf unsere Zeit überträgt? Wenn es dann heißt: Ihr Menschen in Deutschland, freut euch sehr. Jesus, euer König, kommt zu euch, arm und ohne Porsche, sondern in einem klapprigen Kleinwagen. Er wird die amerikanischen Kampfhubschrauber vernichten in Ansbach-Katterbach und die Panzer der Bundeswehr in Veitshöchheim und wird die Schlachtschiffe im Kriegshafen in Kiel versenken...
     Das hört sich doch gleich ein bisschen anders an. Oder? Warum fängt Jesus mit dem Vernichten des Kriegsgerätes nicht bei denen an, vor denen man sich in Deutschland fürchtet, bei den Russen oder Chinesen? Warum soll ausgerechnet von unserem Land Frieden ausgehen? Das haben sich die Leute damals in Jerusalem vermutlich auch gefragt. Warum wir? Warum bei uns? Und warum sollen wir uns darüber freuen?
     Am besten, man nimmt die Bibel nicht beim Wort, vor allem dann nicht, wenn es für einen selbst unangenehm wird. Oder? Und außerdem ist ja da ohnehin von einer fernen Zukunft die Rede, die mit unserer Gegenwart nichts zu tun hat und uns also nichts angeht. Oder? Und wenn schon der Herr den Völkern Frieden gebietet (Losung), dann möge er doch gefälligst erst mal bei den anderen damit anfangen. Wir sind doch sowieso schon friedlich. Oder?
     Im Lehrtext ist vom Frieden die Rede, welchen Gott durch Christus unter uns Menschen gestiftet hat. Damals hat Petrus zum Ärger der rechtgläubigen Juden gesagt, dass Gott die Person nicht ansieht, nicht ihre Stellung, nicht ihre Nationalität, ja nicht einmal ihre Religion, sondern dass ihm jeder in jedem (!) Volk angenehm ist, der ihn achtet und Recht tut. Das war damals radikal. Das war revolutionär. Das hat die bisherige religiöse Ordnung auf den Kopf gestellt. Aber das enthält auch eine entscheidende Einsicht: Ohne Frieden in und unter den Religionen wird und kann es keinen Frieden in und unter den Völkern geben.

Gebet: Herr, wir Menschen sind unfähig, den Krieg zu verbannen, auf Gewalt zu verzichten, den Irrsinn aufzugeben, als ob Waffen uns schützen könnten. Immer wieder rennen wir ins eigene Verderben. Und so klage ich dir unseren Unglauben, unser mangelndes Gottvertrauen, unsere Unfähigkeit zu einem dauerhaften Frieden. Erbarme dich! Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Sonntag, 16. Juli 2017

Steh auf! (Predigt) hl

Liebe Freunde,
ich weiß den Namen des Mädchens nicht mehr, das etwas ungelenk an unserer Reisegruppe vorbeiging, mit einem zu schmächtigen Körper für den normal ausgebildeten Kopf. Aber ich erinnere mich noch genau, wie sie uns angelächelt hat. Und mir schien, als ob es das selbstgewisse Lächeln einer Siegerin ist. Nennen wir sie Latifa, zu Deutsch: die Anmutige.
Das war vor ein paar Wochen im palästinensichen Dorf Beit Jala bei Bethlehem. Damals war ich mit einer Reisegruppe unserer Gemeinde in Israel und Palästina unterwegs.
Wir haben viele biblische Stätten aufgesucht am See Genezareth, in Jerusalem und eben auch in Bethlehem. Der See, die Städte und die Landschaft mit ihren Bergen sind immer noch da, wo sie zur Zeit Jesu waren. Aber wo genau Jesus was getan hat, lässt sich heute nicht mehr sagen. Und deshalb hat man sich schon bald Orte für die verschiedenen Geschichten gesucht, um einen Anhaltspunkt dafür zu haben, was die Bibel berichtet. Alles in allem war es eine beeindruckende und darum unvergessliche Reise in einer harmonischen Gruppe.
Aber, wie gesagt, wir haben nicht nur biblische Sehenswürdigkeiten besucht, sondern auch den Ort, an dem uns Latifa begegnet ist, das Mädchen mit dem anmutigen Lächeln. Wie alt sie wohl war? Acht Jahre oder zehn Jahre? Schwer zu sagen. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Latifa vom Personal in Lifegate mit stürmischem Applaus gefeiert, als sie ihre ersten Schritte ohne Geh-Hilfen gemacht hat, die ersten Schritte in ihrem Leben, zum ersten Mal aufrecht auf ihren Beinen.
Unter den Applaudierenden war auch Burghard Schunkert. Er hat das Zentrum 1991 gegründet und leitet diese Rehabilitationseinrichtung bis heute. Wir haben ihn Mitte Juni getroffen. Er hat uns durch das Haus geführt und von Lifegate erzählt, das von vielen Spendern aus Deutschland unterstützt wird. Im Internet heißt es dazu:
Kinder und Jugendliche mit körperlicher und / oder geistiger Behinderung leben in den Palästinensergebieten am Rande der Gesellschaft. Fördermaßnahmen und Bildungsprogramme von öffentlicher Seite, die ihnen eine Chance für ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, sind so gut wie nicht vorhanden. Ein gesetzliches Sozialversicherungssystem fehlt ebenso wie eine spezielle finanzielle Unterstützung für Menschen mit Behinderung.
Mit einem Team von palästinensischen und deutschen Fachkräften stellt sich Lifegate dieser Herausforderung. Unsere Arbeit beruht auf unserer Hoffnung und Liebe zu allen Menschen, die im christlichen Glauben wurzelt und in unsere Arbeit einfließt. Menschen mit Behinderung werden bei Lifegate das von vielen Spendern aus Deutschland unterstützt wird an- und aufgenommen. Wir helfen ihnen, ein gesundes Selbstwertgefühl und Vertrauen aufzubauen – Schlüssel zur Motivation für unser Lernprogramm und ihr ganzes Leben.
Lifegate heißt auf Deutsch „Tor ins Leben“. Dieses Tor hat sich auch für die kleine Latifa aufgetan, die jetzt aus eigener Kraft und auf eigenen Beinen durch dieses Tor in ein selbstbestimmtes Leben gehen kann. Dazu haben Mitarbeiter von Lifegate das Mädchen jahrelang behandelt und trainiert, haben die Familienmitglieder miteinbezogen und sie immer wieder motiviert, dem Kind eine Chance zu geben. Sie haben die Hoffnung für Latifa nicht aufgegeben und auch in Zusammenarbeit mit israelischen Ärzten alles versucht, um ihm zu helfen. Sie haben Spenden gesammelt und ständig die Behandlungsmethoden verbessert. Und sie haben geglaubt an Latifa, an den Erfolg ihrer eigenen Arbeit, aber zuerst und vor allem an Gott.
Dort, wo einst die Krippe gestanden hat und Jesus auf die Welt gekommen ist, dort leben, arbeiten und glauben heute Menschen in seinem Geist, im Geist der Liebe und der Hoffnung.
Als ich Latifa und ihre Geschichte kennenlernte, musste ich unwillkürlich an die Begebenheit aus dem Lukasevangelium denken. Da heißt es: »Eine Frau hörte Jesus zu. Seit achtzehn Jahren war sie verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich: „Du bist von deinem Leiden erlöst!“ Er legte seine Hände auf sie. Sofort richtete sie sich auf und dankte Gott von ganzem Herzen.«
Das war vor 2000 Jahren. Und auch heute werden immer noch Menschen in seinem Namen aufgerichtet sowie die kleine Latifa und wie viele andere, denen geholfen wird. Wir sehen darin kein Wunder mehr, sondern führen das auf die Kunst der Medizin zurück. Und das stimmt ja auch. Aber, so frage ich mich, heilt nicht Gott gerade auch durch die Medizin, durch Ärzte und das Pflegepersonal? Sind sie nicht allesamt seine Mittel, mit denen er Gutes tut? Und ist das nicht auch ein Wunder, dass vor mehr als 25 Jahren ein junger Christ aus Deutschland nach Bethlehem kommt und angesichts der behinderten Kinder dort seine Bestimmung entdeckt, ihnen aus seinem Glauben heraus zu helfen? Und was mich besonders beeindruckt und freut, er hilft nicht nur den Christen unter den Palästinensern, sondern genauso den muslimischen Kindern und ihren Angehörigen. Er tut das im Geiste Jesu, der sich auch über die Grenzen hinweggesetzt hat, die Menschen willkürlich gezogen haben.
Liebe Freunde, ich bin inzwischen lange genug auf der Welt, um zu wissen, dass auch viele, die äußerlich aufrecht gehen, innerlich verkrümmt sind. Da ist der smarte, braun gebrannte Typ in seinem Cabrio-Sportwagen, den immense Schulden drücken. Da ist die Mutter, auf der die Sorgen um ihre 17-jährige Tochter lasten, die Drogen nimmt. Da ist die Frau, die ahnt, dass ihr Mann fremdgeht und fürchtet, dass die Ehe zerbricht. Da ist der Familienvater, der in seiner Firma nur noch Druck hat und nicht mehr abschalten kann, wenn er zu Hause ist. Da hat jemand in der Familie eine Krebsdiagnose bekommen und ist am Boden zerstört.
Das alles kann Menschen seelisch verkrümmen und beugen, kann ihnen die Freude nehmen und das Leben vergällen. Und manchmal ist es auch eigene Schuld, die einen belastet und ein schlechtes Gewissen, das einen niederdrückt.
Doch ich kann zu allen diesen Menschen nicht einfach sagen: „Du musst halt glauben, dann wird es dir schon wieder gut gehen.“ Auch die Mitarbeiter von Lifegate haben das nicht zu Latifa gesagt. Aber sie haben selber geglaubt, an dieses Mädchen und an Gott. Und haben sich seiner angenommen und mit ihm jahrelang gearbeitet, bis das Kind eines Tages auf eigenen Füßen stand und aufrecht gehen konnte.
Aber was ist mit den Menschen, von denen ich gerade gesprochen habe, die äußerlich aufrecht gehen, innerlich aber verkümmert und verkrümmt sind? Ich meine, auch sie brauchen jemanden, an dem sie sich aufrichten können, der an sie glaubt und bei ihnen aushält, der sie nicht aufgibt und nicht links liegen lässt, sondern ihnen immer wieder Mut macht und für sie und vielleicht auch mit ihnen betet. Gott sei Dank kenne ich nicht wenige in unseren Dörfern, die das auf bewundernswerte Weise tun.
Als wir dann in Jerusalem waren, haben wir auch die Anlage von Betesda besucht, eine große Zisterne, von deren Wasser man sich zur Zeit Jesu Heilung erhofft hatte. Die Bibel erzählt von einem Gelähmten, der schon 38 Jahre am Beckenrand lag und praktisch die Hoffnung aufgegeben hatte, jemals noch geheilt zu werden. Er hatte auch niemanden, der ihm in das Heilbad hinein geholfen hätte. Als Jesus ihn sieht, fragt er ihn: „Willst du gesund werden?“ Eine komische Frage. Ist das nicht selbstverständlich? Nein, Jesus will aus dem Mund des Kranken hören, was dieser tatsächlich will, ob er aus seiner Krankengeschichte wirklich aussteigen will oder ob er sich damit abgefunden und darin eingerichtet hat. Da jammert der Kranke: „Ich hab doch niemanden, der mir hilft.“ Und Jesus sagt: „Los, steh auf, steh einfach auf, nimm die Matte, auf der du liegst, roll sie zusammen und geh!“ Das tat der Mann. Und er wusste nicht einmal, wer es war, der ihm geholfen hatte.
Diese Geschichte sagt mir: „Wenn du scheiterst, wenn du am Boden liegst aus welchem Grund auch immer, bleibt nicht liegen. Wenn du niedergeschlagen bist, richte dich in diesem Gefühl nicht ein. Wenn du seelisch leidest, nimm das nicht als ein unabänderliches Schicksal hin. Sondern steh auf! Steh auf im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Stell dich aufrecht hin. Schaue auf zu Gott und sage ihm: ‚Ich verlasse mich darauf, dass du mir hilfst. Du weißt ja, was du zu tun hast. Und ich weiß, was ich zu tun habe. Ich werde alles daran setzen, wieder hochzukommen. Ich werde darum kämpfen, dass sich meine katastrophale Lage wieder ändert. Ich werde und will mit dir zusammen kämpfen und mit dir zusammen siegen. Auch wenn es dauert. Ich werde und will mich nicht aufgeben. Es wird auch für mich deine Sonne wieder aufgehen und ein neuer Tag kommen, den du mir schenkst und an dem ich mich freuen kann‘.“
Liebe Freunde, Gott hat uns nicht dazu geschaffen, dass wir gebeugt durchs Leben gehen. Ich weiß, das sagt sich leicht. Aber trotzdem, als Menschen die ihm gehören und ihm vertrauen, können wir den aufrechten Gang wagen. Und auch wenn uns Schuld oder ein schlechtes Gewissen beugen, so vergibt er uns, damit wir ihn wieder mit einem freien Herzen loben können.
Die verkrümmte Frau, der gelähmte Mann vom Teich Betesda, die kleine Latifa, die jahrelang auf dem Fußboden leben musste, weil sie ihre Beine nicht gebrauchen konnte - sie alle sind ein Beispiel dafür, dass Gott Menschen aufrichtet sei es durch Jesus Christus oder durch andere Menschen, die in seinem Geist handeln.

Das habe ich in Lifegate erlebt. Dort gehen kranke Kinder durch ein Tor gebaut aus Glauben und Nächstenliebe ins Leben. Das macht mir Mut, selbst immer wieder aufzustehen und den nächsten Schritt zu wagen. Amen
Hans Löhr 

Samstag, 15. Juli 2017

Bin ich nicht sein Mensch? hl

LosungMose sprach zu dem HERRN: Sieh doch, dass dies Volk dein Volk ist. 2.Mose 33,13 

LehrtextDer gute Hirte ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. Und wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. Johannes 10,3-4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Vielleicht muss man auch manchmal für sich selbst so beten, wie Mose für sein Volk und sagen: 
     Gebet: Herr, sieh doch, dass ich dein Mensch bin. Hast du mich nicht geschaffen? War es nicht dein Wille, dass es mich gibt? Heißt es nicht von dir, dass du mich liebst? Dann lass mich doch jetzt nicht im Stich. Wie soll ich denn leben ohne deine Hilfe? Ja, ich bin manchmal eigenmächtig und eigenwillig und frage nicht nach dir. Das stimmt. Und dann muss ich auch die Folgen für meine Entscheidungen tragen. Aber du bist doch ein Gott, der vergibt und ein Hirte, der sich um seine Herde kümmert. Auf dich vertraue ich. Du wirst, du kannst mich nicht enttäuschen. Amen
     Der Lehrtext ruft mir ins Gedächtnis, dass Jesus dich und mich beim Namen kennt. Wir sind ihm nicht fremd. Wir sind, um im Bild zu bleiben, seine Schafe. Und er ist mir nicht fremd. Ich kenne seine Stimme. Es ist die Stimme Gottes, die durch ihn aus der Bibel spricht. Sie hat einen freundlichen Klang. Sie flößt mir Vertrauen ein. Sie tut mir gut. Ja, er redet mit mir, täglich. Aber es liegt an mir, ob ich auch auf ihn höre oder ob ich anderen Stimmen folge.

Herzliche Grüße 

Hans Löhr  

Freitag, 14. Juli 2017

Treue, die sich bewährt hl

LosungGottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Psalm 85,10.11

LehrtextWir warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt. 2.Petrus 3,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob du für dich schon mal ähnlich gebetet hast wie die Nachkommen Korachs im Psalm 85, aus dem die Losung kommt? Sie sagen zu Gott: „Du bist uns doch früher gnädig gewesen, so hilf uns auch jetzt. Zeige doch, wie sehr du uns liebst! Lass uns deine Rettung erfahren! Du sagst, denen, die dir die Treue halten, sie sollen nicht in ihre alte Unvernunft zurückfallen. Du wirst bestimmt allen helfen, die dir mit Ehrfurcht begegnen, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen." (Nach der Übersetzung "Hoffnung für alle")
     Vermutlich erlebt jeder immer wieder auch schlechte Zeiten, in denen er an die guten zurückdenkt und sich wünscht, dass es wieder so ähnlich werden möge. Und dann liegt es nahe, Gott um seine Hilfe zu bitten, aber auch selbst das Seine dazu zu tun, damit es wieder besser wird. Und was ist das, das Seine? Im Psalm heißt es, dass wir Gott die Treue halten, ihm, der uns treu war, treu ist und treu bleibt. Und wie unter Menschen, so bewährt sich auch die Treue zwischen Gott und mir gerade in Krisenzeiten. Anders gesagt, meine Treue muss sich in solchen Zeiten bewähren. Seine Treue steht außer Frage.
     Ich mag das Bibelwort aus der heutigen Losung sehr, in dem Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Damit ist eigentlich alles gesagt, was für ein gedeihliches Zusammenleben im Kleinen wie im Großen erforderlich ist. Denn wie soll man ohne Güte und Treue miteinander auskommen? Und wie soll Friede werden ohne Gerechtigkeit und Gerechtigkeit ohne Friede? Wenn es in dieser Welt wieder mehr Frieden geben soll, dann muss es auch mehr Gerechtigkeit geben gerade der reichen Länder gegenüber den ärmeren. Dann darf es auf dem Weltmarkt nicht weiterhin so ungerecht und ausbeuterisch zugehen, wie schon seit vielen Jahrzehnten.
     Wir Menschen schaffen mit unserer Anstrengung, wenn überhaupt, immer nur kleine Schritte in Richtung auf mehr Gerechtigkeit und mehr Frieden. Auch diese kleinen Schritte sind nicht zu verachten. Aber den großen Durchbruch zum endgültigen Weltfrieden und zu einer wirklichen Gerechtigkeit, den schaffen wir nicht. Das schafft nur Gott, wenn er einst alles neu macht und das Alte für immer vergangen ist. (Lehrtext)

Gebet: Herr, wer weiß, was alles noch auf uns zukommt. Wer weiß, ob wir uns nicht noch einmal zurücksehnen in diese Zeit, die wir oft nicht wertschätzen, in der wir jammern und unsere Enttäuschungen pflegen. Bei allem, was jeder von uns an persönlichen Problemen hat, geht es uns doch im Großen und Ganzen gut. Dafür will ich dir ausdrücklich danken. Ich bitte dich aber auch, dass du uns treu bleibst und uns gerade dann hilfst, wenn jeder von uns darauf angewiesen ist. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Donnerstag, 13. Juli 2017

Unfassbar und doch ganz nah hl

LosungSalomo sprach bei der Einweihung des Tempels: Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? 1.Könige 8,27 

LehrtextNiemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat es verkündigt. Johannes 1,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der vollständige Vers der heutigen Losung heißt: »Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?« Ja, König Salomon hat recht, der Himmel und aller Himmel Himmel können Gott nicht fassen. Wie sollte er da auf der Erde wohnen? Gott ist einfach zu groß als dass das Wort „groß“ für ihn passen könnte. Er sprengt alle Dimensionen. Aber was können wir mit einem solchen Gott anfangen, der für uns unfassbar ist? 
     Von Augustinus, dem Bischof von Hippo aus dem vierten Jahrhundert, wird erzählt, dass er Folgendes geträumt habe: Am Strand spielt ein Kind und schöpft mit einer Muschelschale Wasser in eine Sandkuhle. Augustinus fragt: „Was machst du da?“ Und das Kind antwortet: „Ich fülle das Meer in meine Kuhle.“ „Aber das Meer ist doch viel zu groß dafür. Das wird dir niemals gelingen.“ Da antwortet das Kind: „Und du willst Gott mit deinem Verstand fassen?“
     Dieser Gott, liebe Leserin, lieber Leser, ist Mensch geworden und lag in einer Futterkrippe, damit wir ihn mit unserem Herzen fassen können. Aber für unseren Kopf bleibt er unfassbar. Niemand kann Gott begreifen. Niemand kann ihn sehen. "Doch sein einziger Sohn, der selbst Gott ist und in enger Gemeinschaft mit dem Vater lebt, hat ihn uns gezeigt." (Lehrtext)
     Gott hat sich klein gemacht, damit ich ihn mit meinem Herzen fassen kann. Aber wenn er sich uns auch in Jesus gezeigt hat, so bleibt er doch für unseren Verstand unfassbar. Für mich als Menschen gibt es nur zwei Wege, auf denen er mir nahe kommt und ich ihm, der eine heißt Vertrauen und der andere Liebe.

Gebet: Herr, ich danke dir, dass du mir in dem, wie du bist, was du sagst, was du tust und was du lebst Gott als meinen Vater zeigst. Du bist der Weg und die Tür. Durch dich komme ich zu ihm. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr