Montag, 31. August 2015

Alles! hl

Losung: Der HERR sprach zu Mose: Das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk sehen. 2.Mose 34,10

Lehrtext: Viele, die Jesus zuhörten, verwunderten sich und sprachen: Woher hat er das? Und was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und solche mächtigen Taten, die durch seine Hände geschehen? Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn? Markus 6,2-3

Liebe Leserin, lieber Leser,

was sind die auch für dich und für mich sichtbaren Werke und Taten des Herrn? Alles! Das gesamte Universum mit allen Galaxien und Sternen und Planeten, auch die Erde mit allem Leben darauf ist das sichtbare Werk des Herrn. Warum sollte nur die unverhoffte Heilung eines Schwerkranken das sichtbare Werk des Herrn sein und nicht auch die Pappel am Bach? Warum sollte nur die Sonne am Himmel das sichtbare Werk des Herrn sein und nicht auch ein Haar auf deinem Kopf? Wir Menschen sind immer auf Sensationen aus, auf große, bedeutende und eindrucksvolle Ereignisse und übersehen darüber die zahllosen kleinen Wunder Gottes, die uns zu jeder Zeit umgeben, von denen wir auch selbst ein Teil sind. Wer meint, Gott nur im Besonderen zu entdecken, übersieht ihn im Alltäglichen. Und noch etwas: Wenn dir bei Daimler in Stuttgart jemand eine Schraube und eine Mutter zeigt, dann siehst du eine Schraube und eine Mutter. Doch der Mitarbeiter dieser Firma weiß, dass es sich um Teile eines Mercedes SLK 500 handelt. Er sieht im Kleinen schon das große Ganze. Er sieht sozusagen in Schraube und Mutter schon das Auto, zu dem diese Teile gehören.
Auch ich sehe von Gottes großen Werken oft nur die kleinen Teile. Ich beachte sie kaum, weil ich nicht weiß und nicht verstehe, dass sie zu einem größeren Ganzen gehören. Ich sehe ein kleines Flüchtlingskind. Aber Gott sieht in ihm bereits den Professor, der ein entscheidendes Mittel zur Bekämpfung von Krebs entdecken wird.
Was sind die sichtbaren Werke und Taten des Herrn? Alles! Nichts von dem, was ist, ist bedeutungslos. Alles spielt eine Rolle im großen Plan Gottes, auch wenn wir das nicht verstehen. Sein größtes Werk aber ist kein Professor, kein König und kein Papst, keine berühmte Künstlerin und keine Präsidentin, sondern ein Handwerker, ein Zimmermann. Ein solcher »fertigt, errichtet und repariert Bauwerksteile, wie Dachkonstruktionen, … auch ganze Bauwerke aus Holz…« (Wikipedia). Einer aus dieser Zunft hat nicht nur Dachbalken getragen, sondern auch den Kreuzbalken und mit ihm die Sünde der Welt. Einer aus dieser Zunft hat alles auf sich genommen, damit es dir und mir leichter wird. Einer aus dieser Zunft hat uns, die wir oft so gottesblind sind, die Augen des Glaubens geöffnet für die großen Werke und Taten des Herrn.

Gebet: Herr, schenke mir Augen des Glaubens, dass ich deine Werke auch in meinem Alltag sehen kann, dass ich erkenne, was du für mich getan hast und tust. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Sonntag, 30. August 2015

Sich besinnen und die Konsequenzen ziehen hl

Losung: Ich bin gnädig, spricht der HERR, und will nicht ewiglich zürnen. Allein erkenne deine Schuld, dass du wider den HERRN, deinen Gott, gesündigt hast. Jeremia 3,12-13

Lehrtext: Der Herr hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. 2.Petrus 3,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich nach Hause komme, loggt sich mein Smartphone automatisch ins private WLAN-Netz ein. Ich muss also die Verbindung nicht extra manuell herstellen. Ob das bei Gott auch so ist, dass, wenn ich an ihn denke, mir automatisch, also ohne mein Zutun, die Fehler und Sünden vergeben sind? Die beiden Bibelworte heute sprechen nicht dafür. Und ich selbst bin auch nicht dafür. Ich brauche eine zweite Chance, aber nicht, um es genauso wieder, sondern um es anders und besser zu machen. Und dazu muss ich mich meinem Versagen und meiner Schuld stellen, darüber nachdenken und daraus Konsequenzen für die Zukunft ziehen. Dann kan,n ich mich auch darauf verlassen, dass Gott mir vergibt.
In eine ähnliche Richtung geht der heutige Lehrtext. Der Herr will nicht, dass jemand verloren werde. Das gehört zu den Grundüberzeugungen meines Glaubens. Die Geschichte vom Verlorenen Schaf, die Jesus erzählt, bringt das auf den Punkt (siehe Losungsauslegung vom 16.8.15). Doch er will noch mehr. Er will, dass ich mich besinne, wenn ich mich in meinem Verhalten ihm und meinen Mitmenschen gegenüber ‚verirrt‘ habe und dass ich dann einen anderen, einen besseren Weg einschlage. Nur so lerne ich aus meinen Fehlern.

Gebet: Herr, du gibst mir die Maßstäbe, mit denen ich mein Leben überprüfen kann. Darum ist es mir auch recht, wenn du von mir erst einmal eine gründliche Besinnung erwartest und die Bereitschaft es künftig besser zu machen, bevor du vergibst. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr

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Samstag, 29. August 2015

Versuchung zur Undankbarkeit hl

Losung: Dein Volk spricht: »Der HERR handelt nicht recht«, während doch sie nicht recht handeln. Hesekiel 33,17

Lehrtext: Führe uns nicht in Versuchung. Matthäus 6,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

soviel hat man als Erwachsener gelernt: Das Leben ist nicht gerecht. Begabungen, Schönheit, Reichtum, Schicksalsschläge und Glück, – das alles ist höchst ungleich verteilt. Manchmal kann man für das Eine oder das Andere etwas tun, zum Beispiel kann man mit Ausbildung und Arbeit den Wohlstand steigern oder du kannst durch deine Lebensweise Krankheiten vermeiden. Für vieles aber kannst du nichts tun. Nein, das Leben ist nicht gerecht. Und was ist mit Gott? Ist er gerecht, handelt er recht?
Du hast einen Angehörigen, der nach längerer Therapie und einem Aufenthalt auf der Palliativstation an Krebs stirbt. Ist die Sache mit dem Krebs gerecht? Handelt Gott da vielleicht unrecht? Es ist schwierig, als Außenstehender dazu Stellung zu nehmen. Und trotzdem möchte ich zu bedenken geben: Ist es nicht auch eine Gnade, dass, wenn man schon Krebs hat, dann in unserem Land lebt, ärztlich gut versorgt wird, in einem sauberen Krankenhausbett liegt, Schmerzmittel bekommt und am Ende auf der Palliativstation noch optimal betreut wird?
Und wenn du jetzt an die Dinge denkst, die in deinem Leben schwierig sind, sind da nicht so viele andere Dinge, die gut sind? Vielleicht bist du von deinem Partner verlassen worden, vielleicht hat dich das tief verletzt und die Wunde schmerzt noch immer. Aber erlebst du nicht gleichzeitig so viele Dinge, von denen Menschen in anderen Ländern nur träumen können? Vielleicht hast du eine gut bezahlte Arbeit, eine schöne Wohnung oder gar ein Haus, Kinder, die dich lieben, Freunde, die dich unterstützen, ein Auto, ein Bankkonto und darüber hinaus lebst du noch in einem reichen Land, in einem Rechtsstaat und kannst die sozialen Absicherungen wie Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Rente in Anspruch nehmen, musst keine Angst haben vor Krieg, musst nicht auf die Flucht, musst nicht hungern…
Also, ist nun Gott gerecht, handelt er recht, oder nicht? Kannst du ihm alles in allem für dein Leben danken oder hast du nur noch Grund zur Klage und Anklage?
»Führe uns nicht in Versuchung.« – Diese Bitte aus dem Vaterunser hat für mich auch den Sinn, dass ich mich nicht versuchen lasse, undankbar zu sein und nur noch die negativen Dinge zu sehen. Es gibt auch eine Versuchung zum Neid, zur Undankbarkeit, zum Jammern, zur Übellaunigkeit, zum Trübsinn und zur Hypochondrie.
Bevor ich Gott anklage und ihm vorwerfe, nicht recht zu handeln, will ich mich erst selbst fragen, ob ich im Recht bin oder nicht vielleicht doch zu selbstgerecht.

Gebet: Ja Herr, es geschehen viele Dinge auf dieser Welt, die ich nicht verstehe und bei denen ich mich frage, ob du recht handelst. Aber bevor ich mich in allgemeinen Vorwürfen ergehe, will ich mich selbst fragen, wie schlecht oder besser wie gut mir es eigentlich geht und ob ich nicht allen Grund habe, dir zu danken. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 28. August 2015

Raus aus der Schublade hl

Losung: Ich will sie sammeln von den Enden der Erde, auch Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen. Jeremia 31,8

Lehrtext: Der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Lukas 14,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gott ist der große Sammler. Aber wen oder was sammelt er? Der Prophet Jeremia sagt: Die zerstreuten Menschen seines jüdischen Volkes, auch die kleinen, schwachen und kranken.
Jesus ist der große Lumpensammler. Aber wen oder was sammelt er? Dazu ein Ausschnitt eines Textes von Theo Lehmann:
»Als er am Kreuz hing, hing er nicht zwischen zwei feierlichen Altarkerzen, sondern zwischen zwei fiesen Terroristen. Einer der beiden hatte einen Mord auf dem Gewissen. Er kann jetzt nur noch fluchen oder beten. Und da betet er: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Es ist eine groteske Situation. Ein Lump, der am Kreuz hängt, bittet in letzter Minute Jesus, der auch am Kreuz hängt, um Aufnahme ins Reich Gottes. Und Jesus, der größte Lumpensammler aller Zeiten, nimmt ihn auf. „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Dieser Mann ist der erste, der durch das Kreuz gerettet wurde. Er starb in Frieden. Der auf der anderen Seite starb mit einer Lästerung, obwohl er direkt neben Jesus hing. Jesus ist gekommen, um die Verlorenen zu retten. Keiner ist für ihn zu schlecht. Egal, wie tief einer gefallen ist – die Liebe von Jesus reicht bis in die untersten Schubladen menschlicher Schuld. Jesus, der sogar für seine eigenen Mörder um Vergebung bat, vergibt jedem, der ihn darum bittet. Die Bibel sagt: „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden.(Apostelgeschichte 2,21)«
In welcher „Schublade menschlicher Schuld“ steckst du? Mir musst du diese Frage nicht beantworten, sondern dir selbst. Ich jedenfalls vertraue darauf, dass er meine Schublade aufzieht, um mich da rauszuholen. Und ich glaube, bei dir ist das genauso.

Gebet: Herr, es ist kein gutes Leben in der Schublade der eigenen Schuld. Aber es ist auch nicht hoffnungslos. Obwohl ich nicht die Kraft habe, mich selbst daraus zu befreien, vertraue ich doch deiner Kraft, die mich aus aller Schuld, aus allem Leid, ja selbst aus dem Tod herausholen wird. Ich mag mich vielleicht verirrt haben. Aber verloren bin ich nicht, weil du mich aufsammelst, wo ich auch bin. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 27. August 2015

Vom Umgang mit den Schwachen hl

Losung: Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer. Sprüche 14,31

Lehrtext: Paulus schreibt: Obwohl meine leibliche Schwäche euch ein Anstoß war, habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern wie einen Engel Gottes nahmt ihr mich auf, ja wie Christus Jesus. Galater 4,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

lange, vielleicht zu lange hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den fremdenfeindlichen Brandanschlägen und den Schreiorgien von Rechtsradikalen geschwiegen. Die Bibel schweigt nicht. Sie gibt eine klare Antwort:  Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer. Auch ein Muslim, der aus Syrien geflohen ist, auch ein Flüchtling aus Eritrea ist ein Geschöpf Gottes, ist nicht mehr aber auch nicht weniger wert als du und ich und hat von Gott die gleiche Menschenwürde bekommen. Etwas anderes kann und darf auch die Kirche, etwas anderes können und dürfen auch wir Christen in unserem Land nicht sagen.
Trotzdem wächst bei vielen die Sorge, wie es mit den vielen Flüchtlingen weitergehen soll, wie sie sich integrieren, ob sie sich an die hier geltenden Spielregeln und Gesetze halten und was das für unsere Zukunft bedeutet. Ich finde, diese Sorgen muss man ernst nehmen. Die Sache mit den Flüchtlingen bei uns darf weder verharmlost noch dramatisiert werden.
Natürlich gibt es Probleme, wenn plötzlich so viele Menschen aus anderen Kulturkreisen und Ländern und mit anderen Religionen zu uns kommen. Mit staatlichen Maßnahmen und Geld allein kann man diese Probleme nicht lösen. In gewisser Hinsicht ist jeder von uns gefragt, wie er auf diese Situation reagiert.
Wie sich da wohl Jesus verhalten hätte, ist nicht schwer zu erraten. Aber wer von uns ist schon Jesus? Wer kann so sein wie er? Wer hat seine Kraft und sein Gottvertrauen, sein Herz und seinen Mut? Ich finde, wir dürfen uns jetzt nicht gegenseitig überfordern. Ich freue mich über jede und jeden, die sich den Flüchtlingen vorbehaltlos öffnen können und sich für sie einsetzen, wie das in unserer Gemeinde geschieht. Aber ich verurteile auch den nicht, der Sorgen, ja, der auch Angst hat; der erst einmal Vorbehalte äußert und auf Abstand geht.
In einem Punkt aber gibt es keinen Kompromiss: Wer Gewalt gegenüber den Schwachen anwendet, wer Flüchtlingsheime anzündet und den Zufluchtsuchenden Todesangst einjagt, der verhält sich kriminell und gehört strafrechtlich verfolgt. Der lästert Gott.
Jeder von uns wird wohl einmal in eine Situation kommen, in der er auf das Verständnis und die Hilfe anderer angewiesen ist und sei es später einmal im Pflegeheim. Wer will dann als „unnützer Esser“, als sozialer Ballast oder gar als „unwertes Leben“ bezeichnet werden? Wir hatten das in Deutschland vor gerade mal 70 Jahren schon einmal, als man die Behinderten vernichtete. Wer heute noch stark ist, kann morgen schon schwach sein. Wer heute meint, alles im Griff zu haben, kann morgen schon auf die helfenden Hände anderer angewiesen sein. 
Der Apostel Paulus war körperlich behindert. Manche hatte seine Krankheit abgestoßen. Manche sind ihm deswegen aus dem Weg gegangen oder haben sogar vor ihm ausgespuckt. Aber die Menschen, die nicht zuletzt durch ihn Christen geworden waren, haben ihn aufgenommen wie einen Engel, ja wie Jesus selbst. Sie sind auch für uns heute noch ein Beispiel.

Gebet: Herr, ich will nicht nur mit dem Mund bekennen, sondern mit dem Herzen glauben und lieben. Ich will nicht nur schöne Worte machen, sondern ihnen auch Taten folgen lassen. Allein schaffe ich das nicht. Aber wenn du mir dabei hilfst, wird es gehen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 26. August 2015

Was meint Gott? hl

Losung: Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN! 2. Chronik 18,4

Lehrtext: Diese aber sind's, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen's an und bringen Frucht. Markus 4,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

rumms, raus aus dem Bett. Schnell, schnell: Zähneputzen, duschen, rasieren, anziehen, kurz frühstücken. Noch einen Blick in die Zeitung, dann zum Auto, durch dichten Verkehr ins Büro. Das Telefon klingelt schon, der Kalender zeigt für heute vier Termine an, das E-Mail-Postfach quillt über…
Wo bleibt Gott? Hat er auch noch ein Wörtchen mitzureden? Oder gehen Sie  / gehst du in den Tag und triffst du deine Entscheidungen ohne ihn?
»Frage doch zuerst nach dem Wort des Herrn!« – Es gäbe viele Anlässe, sein Gewissen zu prüfen und zu fragen, was Gott von dem hält, was man vorhat. Und womöglich würde einiges besser laufen, wenn man das auch tatsächlich täte. Mit „man“ meine ich sowohl dich als auch mich. Ich selbst lebe allzu oft drauf los, ohne danach zu fragen, ob diese oder jene Entscheidung auch Gott recht ist.
Im Lehrtext ist davon die Rede, dass diejenigen, die auf Gottes Wort hören und es annehmen, Gutes bewirken, für sich und andere. Gutes, das kann auch heißen, auf Vorteil, Gewinn und Erfolg zu verzichten, wenn das zu Lasten anderer geht.
„Was wird wohl Gott dazu sagen? Was würde Jesus jetzt an meiner Stelle tun?“ Diese Fragen sind wie ein Kompass, anhand dessen ich den Kurs meines Lebens korrigieren und finden kann.

Gebet: Herr, schweige nicht zu dem, was ich vorhabe. Sprich mir ins Gewissen und wecke mein Ohr, dass ich deine Stimme aus den vielen Stimmen des Tages heraushöre. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 25. August 2015

genug ist genug hl

Losung: Der HERR sprach zu seinem Volk: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr genug daran haben sollt. Joel 2,19

Lehrtext: Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel, dankte und brach's und gab die Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk. Und sie aßen alle und wurden satt. Matthäus 14,19-20

Liebe Leserin, lieber Leser,

wann ist genug genug? So allgemein lässt sich diese Frage nicht beantworten. Das muss jeder für sich entscheiden. Darum frage ich jetzt noch einmal anders: Wann hast du von den Dingen, die dir wichtig sind, so viel, dass du zufrieden sein kannst? Wann hast du genug Geld, Macht, Essen, Ansehen, Sex, Schuhe (das betrifft nur die Damen), Hobbys, Wellness, Kleider, Abenteuer, Alkohol…?

Genug ist nicht genug

Konstantin Wecker singt:
Dieser Stadt schwillt schon der Bauch,
und ich bin zum großen Knall bereit.
Auf den Dächern hockt ein satter Gott
und predigt von Genügsamkeit:

Genug ist nicht genug,
ich lass mich nicht belügen.
Schon Schweigen ist Betrug, genug kann nie genügen.

Komm, wir brechen morgen aus,
und dann stellen wir uns gegen den Wind.
Nur die Götter gehn zugrunde,
wenn wir endlich gottlos sind.

Ich kann sie nachvollziehen, diese Gier nach Leben. Jeder hat wohl mehr oder weniger davon in sich. Aber wenn sie uferlos wird, wird sie zerstörerisch für einen selbst und für die Mitmenschen. Konstantin Wecker war eine Zeit lang dem Kokain verfallen bevor er auf die harte Tour lernen musste, dass man nicht ständig im Rausch leben kann. Genug muss eben auch mal genug sein.

Gesellschaftsfähige Gier

Doch die grenzenlose Gier ist in unserem Land politik- und gesellschaftsfähig, wenn es um das ständige Wirtschaftswachstum geht. Hauptsache Wachstum, ist die Devise des Kapitalismus. Das ist aber auch die Devise von Krebs: Wachsen, wachsen und wachsen bis der Organismus, von dem sich der Krebs ernährt, tot ist und er selbst dazu. »Genug ist nicht genug«.
Es gehört zu den Eigentümlichkeiten, dass weniger die Armen als vielmehr manche Reichen den Hals einfach nicht voll kriegen und mit Steuerhinterziehung, Bestechung und kriminellen Geschäften versuchen, ihren ohnehin schon beträchtlichen Reichtum noch mehr zu mehren. Uli Hoeneß ist da nur die Spitze des Eisbergs. »Genug ist nicht genug«.
Trotz des massenhaften Einsatzes von Pestiziden, Fungiziden, Kunstdünger und Gülle mussten manche Landwirte in diesem heißen Sommer die Erfahrung machen, dass sie die Erträge nicht uferlos steigern können. Auch in der Landwirtschaft wirkt die Gier zerstörerisch für Mensch und Tier. Und trotzdem gilt auch hier die Devise: Wachsen oder weichen. »Genug ist nicht genug«.
Dabei haben wir doch in unserem Land weiß Gott genug. Brauchen ich das wirklich alles, was im Supermarkt angeboten wird? Brauchen ich wirklich alles, was Amazon liefern kann?

Das Wunder des Teilens

In der heutigen Losung sagt Gott, dass er seinen Menschen so viel für ein gutes Leben geben wird, dass sie genug haben. Nein, er ist nicht knauserig. Gott ist großzügig. Auch das ist ein Wesenszug an ihm. Aber er sorgt auch dafür, dass unsere ‚Bäume nicht in den Himmel wachsen‘. Er begrenzt das Wachstum. Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist dafür ein aufschlussreiches Beispiel. Auch für andere soll noch etwas da sein, auch für unsere Kinder und Enkel. Genug ist genug.
Als Jesus damals die vielen Menschen sah, die oft weite Wege gelaufen waren, um ihn zu hören, spürte er nicht nur ihren geistlichen Hunger. Er wusste: Zwar lebt der Mensch nicht vom Brot allein, sondern auch vom Wort Gottes, aber Brot braucht er ebenso. Und so geschah jenes Wunder von den fünf Broten und zwei Fischen, jenes Wunder des Teilens, das dazu geführt hat, dass alle satt wurden, dass alle genug hatten. 

Genug ist genug

Nein, gottlos werden, wie Konstantin Wecker singt, ist nicht die Lösung für unsere Verteilungsprobleme auf dieser Welt. Im Gegenteil. Die Verantwortung vor Gott und für die Mitmenschen begrenzt die Gier. Wenn ich Gott um das tägliche Brot bitte, wenn ich ihm dafür danke, wird mir klar, dass nichts selbstverständlich ist, sondern alles Geschenk. Doch er schenkt das tägliche Brot nicht mir allein, sondern allen seinen Menschen. Es wäre genug da, wenn wir in den reichen Ländern nicht so gierig und ungerecht wären. Wenn wir endlich einmal genug hätten und von dem, was dann immer noch reichlich übrig bleibt, anderen etwas abgäben.

Gebet: Herr, du gibst mir mehr als ich zum Leben brauche. Danke, dass ich so viel habe, dass ich auch anderen etwas abgeben kann. Erhalte mir ein empfindsames Herz, dass ich angesichts der vielen Not nicht abstumpfe, sondern meinen Beitrag leisten kann, sie zu lindern. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 24. August 2015

Wie wichtig ist dir der Glaube hl

Losung: Der HERR hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. Jesaja 52,10

Lehrtext: Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Johannes 1,9

Liebe Leserin, lieber Leser,

Mitte August habe ich um 2:30 Uhr den Meteoritenschwarm der Perseiden am Nachthimmel betrachtet. Innerhalb weniger Minuten zogen 10 Meteoriten über mich hinweg und hinterließen kurz eine leuchtende Spur. Alle, die ich daraufhin angesprochen habe, lagen um diese Zeit im Bett, obwohl manche von dem Schauspiel wussten. Es war ihnen nicht wichtig genug. Viele mussten am nächsten Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen, deshalb ruhten sie sich lieber aus. Ich habe dafür volles Verständnis. Aber manchmal verpasst man dann halt etwas im Leben.
Und so ist es meiner Meinung nach auch eine Frage der Priorität, nach dem Licht Ausschau zu halten, »das alle Menschen erleuchtet« (Lehrtext). Ist es mir wichtig genug, Zeit für meinen Glauben aufzuwenden, mir Zeit zu nehmen, diese Losungsauslegung zu lesen oder in der Bibel, oder einen Gottesdienst zu besuchen, Lieder zu singen und vor allen Dingen: Ist es mir wichtig genug, mir Zeit für Gott zu nehmen und zu ihm zu beten?
Wer die Perseiden sehen will, muss sich den Wecker stellen und das warme Bett verlassen. Und zuvor musst du dich für diese Himmelserscheinung interessieren und Bescheid wissen, wann und wo du sie sehen kannst. Mit dem Glauben an Jesus ist das ähnlich. Ohne die Bereitschaft, mich für ihn zu interessieren, ohne die Bereitschaft, von ihm zu hören, über ihn zu lesen, kurz und gut: mir Zeit für ihn zu nehmen, ohne das alles wird sich zwischen mir und ihm keine persönliche Beziehung einstellen. Einerseits ist der Glaube ein Geschenk, ist Gnade. Andererseits muss man sich den Glauben aber auch erarbeiten wie zum Beispiel die Liebe zur klassischen Musik. Einfach so in den Schoß fällt einem selten etwas, nicht mal eine Sternschnuppe.
Du kannst natürlich auch warten bis ans Ende der Welt, wenn dann nach dem Zeugnis der Bibel Christus wiederkommt und Gott seine Macht vor aller Augen sichtbar macht (Losung), wenn wir nicht mehr nur glauben, sondern auch schauen. Aber es wäre doch schade, Gott bis dahin zu verpassen und sich allein durch dieses Leben zu schlagen.

Gebet: Herr, im Glauben zeigst du mir jetzt schon deine Herrlichkeit und dein Licht. Das ändert mein Bild von dieser Welt und von mir selbst. Das wirkt sich unmittelbar aus auf meinen Alltag, weil du es bist, der mich ermutigt und mir neue Kraft gibt, wenn ich mich schwach fühle. Stärke du in mir die Bereitschaft und die Kraft, dich zu suchen und dir zu vertrauen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 23. August 2015

Die Kraft der Schwachen hl

Losung: Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jesaja 40,29

Lehrtext: Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark. 2.Korinther 12,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

Gewaltherrscher machen einen dummen Fehler, wenn sie Christen verfolgen. Sie meinen, ihnen mit Schikanen, Gefängnis, Folter und Mord den Glauben nehmen zu können. Aber sie bewirken das Gegenteil. Würden sie die Bibel lesen, zum Beispiel den heutigen Lehrtext, wüssten sie von Paulus, dass sie die Schwachen dadurch nur stark, die Ohnmächtigen nur umso mächtiger machen.
Wer Christen wirklich schwächen will, muss ihren Glauben schwächen, sie hofieren, muss ihnen erlauben, Steuern zu erheben, muss den Eindruck erwecken, als würde man auf sie hören und jeglichen Druck von ihnen nehmen. Und wenn es ihnen dann in einem solchen Staat so richtig gut geht, dann werden sie auch so richtig schwach. Dann fängt ihr Glaube an zu verkümmern, dann zählen hauptsächlich die Äußerlichkeiten: Riten und Rituale, Rechtssammlungen und Traditionen.Dann folgen sie nicht mehr ihrem Herren, sondern ihren Interessen. Dann gehen sie mit den Vielen durch das große Tor auf der breiten Straße und nicht mehr durch die enge Pforte auf dem schmalen Weg (Matthäus 7,13 +14).  Dann wird Kirche zum Religionsbetrieb.
Ist das nicht etwas zu einfach, zu pauschal und ungerecht? Vielleicht. Aber schauen Sie / schau doch mal genau hin, wie es um den Glauben in unserer Kirche, in unseren Gemeinden bestellt ist und dann bilde dir dein eigenes Urteil.
Natürlich will ich nicht, dass es uns Christen schlechter geht, nur damit wir besser glauben. Aber es würde dem Glauben gut tun, wäre die Kirche bereit, sich endlich völlig vom Staat zu lösen, auf Steuergelder und Einfluss zu verzichten und ihre Angelegenheit aus eigener Kraft zu regeln, aus der Kraft ihres Herrn, die in den Schwachen mächtig ist. Gewiss wäre sie dann kleiner und ärmer, aber auch glaubwürdiger und lebendiger.

Gebet: Herr, ich wünsche mir so sehr, dass wir Christen mit unserer Art zu leben und zu glauben eine klare Alternative in dieser Gesellschaft wären. Aber wie soll daraus etwas werden, wenn ich nicht selbst damit beginne? Ich schaff das nicht aus eigener Kraft. Ich fühle mich ohnmächtig und allein. Sei du meine Kraft und Stärke. Amen

Herzliche Grüße 

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 22. August 2015

Guten Appetit! hl

Losung: Der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harrt, und dem Menschen, der nach ihm fragt. Klagelieder 3,25

Lehrtext: Ihr habt ja geschmeckt, dass der Herr freundlich ist. 1.Petrus 2,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den sechziger Jahren gab es eine Werbekampagne der Bildzeitung mit dem Motto: „Seid nett zueinander!“ Man erhoffte sich offenbar, mit diesem Aufruf die Auflage zu steigern, also mehr Profit zu machen. Aber was heißt das: ‚nett‘?
Nett ist vielleicht ein Onkel, der seiner Nichte zehn Euro schenkt. Und vielleicht tut er das auch, weil die Nichte brav ist und nett ausschaut. Wenn jemand ‚nett‘ ist, möchte er einem anderen gefallen. Bist du aber freundlich, so ist das ein Ausdruck deiner inneren Einstellung. Gott ist nicht nett. Er ist nicht so etwas wie der nette große Onkel. Ich möchte auch keinem ‚netten‘ Kuschelgott gehören, sondern dem Heiligen und Lebendigen, der mich herausfordert, ihm in Freude und Leid bedingungslos zu vertrauen. Aber dass ER, der Herr, freundlich zu mir ist, darüber freue ich mich, weil er mir nicht feindselig gesinnt ist oder mit Misstrauen begegnet. Denn für Gott gehört Freundlichkeit zu seinem Wesen.
Es soll immer noch Christen geben, die Angst vor Gott haben. Das liegt aber nicht an ihm, sondern an Menschen, die ihnen mit einem strengen Gott Angst einjagen wollen. Sie missbrauchen den Namen Gottes und verstoßen gegen das Zweite Gebot. Demgegenüber zieht sich die Ermutigung „Fürchte dich nicht!“ wie ein roter Faden durch die ganze Bibel und mit ihr immer wieder die Rede vom ‚freundlichen Gott‘. Ja, unser Gott ist menschenfreundlich (Titus 3,4), das hat er in Jesus gezeigt. Kann man das ‚schmecken‘? Ich meine schon, dass die Freude am Leben und die Freude am Glauben gut schmecken (Lehrtext). Guten Appetit!

Gebet: Herr, ich hoffe auf dich, den freundlichen Gott, der mir mit Liebe begegnet. Du forderst mich aber auch heraus, gegenüber meinen Mitmenschen freundlich und liebevoll zu sein. Dafür will ich mir Mühe geben, um dir so für deine Freundlichkeit zu danken. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 21. August 2015

Gericht im Licht hl

Losung: Gott weiß, was in der Finsternis liegt, denn bei ihm ist lauter Licht. Daniel 2,22

Lehrtext: Richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. 1.Korinther 4,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

zu den Eigenschaften, die man Gott zuschreibt, gehört, dass er das ist, was die amerikanischen NSA-Spione oder Google gerne sein möchten: allwissend. Doch das ist nicht mal der Teufel, der in Goethes ‚Faust‘ sagt: »Allwissend bin ich nicht, doch viel ist mir bewusst «. Im Gegensatz zu NSA und Google missbraucht Gott sein Wissen nicht zum Nachteil anderer, sondern setzte es zu deinen und meinen Gunsten ein. So hat er zum Beispiel dem Propheten Daniel die Deutung des Traums von König Nebukadnezar offenbart, die in der Finsternis lag (Losung), und damit das Leben vieler Menschen gerettet.
   Ja, in seinem Licht kommt alles ans Licht, auch die Hintergründe der Dinge, von denen ich nur die Oberfläche kenne, auch die genetischen und sozialen Bedingungen, durch die ich zu dem wurde, der ich bin.
   Im Grunde ist es unmöglich, dass ein Mensch dem anderen gerecht werden kann. Du beurteilst eine Verhaltensweise oder Tat nach deinen Maßstäben und so, wie du sie wahrnimmst. Aber wo überall die Tat in der Vergangenheit eines Menschen wurzelt, das siehst du nicht. Und selbst wenn du dich bemühst, die lebensgeschichtlichen Hintergründe aufzuhellen, wirst du nur einen kleinen Ausschnitt zu Gesicht bekommen. Auch ein Richter kann nur nach den vorliegenden Erkenntnissen und den sich wandelnden Gesetzen Recht sprechen. Aber er wird einem Angeklagten niemals gerecht.
   Deshalb mahnt mich der heutige Lehrtext, dass ich über andere nicht richten und erst recht nicht den Stab brechen soll. Nur Gott sieht ins Verborgene. Nur er weiß, was war, was ist und was sein wird und warum alles so ist wie es ist. Deshalb hat er andere Maßstäbe als ich und kommt zu anderen Ergebnissen. Dafür bin ich im Hinblick auf mich selbst dankbar, weil ich auf seine Gnade vertraue.
   Einmal wird alles ans Licht kommen. Alles. Auch die geheimsten Wünsche und Gedanken. Wie wird das dann sein, wenn Jesus Christus kommen wird, »zu richten die Lebenden und die Toten«? Werden wir dann vor Angst zittern müssen? Nein, das glaube ich nicht. Aber dass wir uns alle ohne Ausnahme gründlich schämen werden, das glaube ich schon.

Gebet: Herr, du bist Licht. In dir ist keine Finsternis. Wo du bist, ist alles hell und klar. Dein Licht vertreibt auch meine Schatten. Dein Licht ist nicht grell und kalt, sondern warm und gnädig. In diesem Licht möchte ich leben hier und dort, jetzt und dann. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 20. August 2015

Das Geheimnis der Taufe hl

Losung: Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland. Jesaja 45,15

Lehrtext: Jesus sprach: Der Menschensohn wird überantwortet werden den Heiden, und er wird verspottet und misshandelt und angespien werden, und sie werden ihn geißeln und töten; und am dritten Tage wird er auferstehen. Die Zwölf aber begriffen nichts davon, und der Sinn der Rede war ihnen verborgen. Lukas 18,32-34

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute kreist unser gemeinsames Nachdenken über die Bibel um eines der größten Geheimnisse des Glaubens, um den Grund und Abgrund von Theologie:
Wo war Gott, als Jesus gequält, gekreuzigt und umgebracht wurde? Hatte er sich in irgend einen fernen Himmel zurückgezogen? Hat er sich in dunklen Wolken verborgen?

unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich

Die Antwort ist ungeheuerlich und für Muslime, Juden, Buddhisten oder Ungläubige, ja selbst für viele Christen nicht nachzuvollziehen: Er selbst war der Gekreuzigte. Er litt in und mit seinem Sohn. Er starb durch die Grausamkeit der Menschen, die er doch geschaffen hatte. Er wehrte sich nicht, sondern liebte. Er strafte nicht, sondern vergab. So ist Gott gestorben! - - - So und nur so hat er aber auch den Tod und die Macht der Finsternis besiegt. Ja, das ist paradox, widersinnig. Da kommt man im Denken nicht mehr mit. Aber gerade im Leiden und Sterben Jesu war Gott mit ihm auf das Engste verbunden: unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich.
Wenn du dich in Leid und Not, in deinen seelischen und körperlichen Schmerzen fragst, wo denn jetzt Gott ist, auch dann heißt die Antwort: bei dir. Vielleicht verstehst du das nicht. Vielleicht spürst du das nicht. Und trotzdem, es ist so.

Gott im Flüchtlingsboot…

Er sitzt auch im Boot bei den Flüchtlingen im Mittelmeer. Er leidet in den geheimen Folterkellern. Er sitzt in den Todeszellen. Er ist bei den Krebspatienten und bei den Menschen mit Demenz im Pflegeheim. Selbst bei den misshandelten Kindern... Wie soll man das begreifen? Ich kann das nicht.
Freilich rettet Gott auch immer wieder aus allen diesen Schrecken. Aber dann rettet er auch wieder nicht, dann stirbt Jesus, dann gehen die Boote unter, dann leiden Gefangene unter den Qualen der Folter, dann werden die zum Tod Verurteilten getötet, dann sterben Krebspatienten, Menschen mit Demenz kehren daraus nicht mehr zurück, und die misshandelten Kinder bleiben geschädigt ihr Leben lang. So ist die dunkle Seite der Wirklichkeit. Wir alle wissen das, doch niemand weiß warum.
Manche sagen, einen solchen Gott, der das zulässt, wollen wir nicht und brauchen wir nicht. Aber welchen dann? Würde denn ein anderer Gott nützen oder keiner?
Mein Problem ist jetzt, dass ich etwas nahezu Unsagbares in Worte fassen muss. Deshalb geht es mir nun nicht darum, mit Argumenten einen Zweifelenden zu überzeugen, sondern einen Glaubenden zu stärken, ja mich meines eigenen Glaubens zu vergewissern. Da hilft es nichts, wenn ich mir selbst etwas ausdenke. Da muss und will ich mich an der Bibel festhalten, am Wort Gottes.

Das Geheimnis der Taufe

Und so sage ich nun in Übereinstimmung mit dem Apostel Paulus (Römer 6) von dir und von mir, was ich weiter oben von Jesus gesagt habe: In der Taufe wurden wir mit diesem Jesus, mit seinem Leiden und Sterben auf das Engste verbunden: Unauflöslich, unzertrennlich, unwiderruflich. In der Taufe sind wir seinen Tod mit ihm gestorben, im Taufwasser ‚ertrunken‘. In der Taufe wurden wir aus diesem Element des Todes herausgezogen, gerettet in ein neues Leben hier und jetzt und ins ewige Leben: »Denn wenn wir mit Jesus verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein (Paulus: Römer 6, 5) .«
Das alles ändert nichts daran, dass – und jetzt spreche ich von mir, weil ich dich nicht vereinnahmen will –, dass ich, der ich glaube, die dunkle Seite der Wirklichkeit erleide wie alle anderen auch: Angst, Schmerzen, Leid, Sterben und Tod. Aber ich erleide dies als Getaufter, der in alledem mit Jesus und durch ihn mit Gott auf das Engste verbunden ist und bleibt. Dazu musste ich nichts tun. Doch damit das für mich Wirklichkeit wird, vertraue ich darauf, dass es so ist, wie die Bibel sagt.

Mit Kreide auf den Tisch geschrieben

Ob mir das einmal helfen wird, wenn ich in Todesangst bin? Wenn es mit mir zu Ende geht? Ich weiß es nicht. Als Martin Luther nicht mehr wusste, was er noch glauben sollte, hat er mit Kreide auf den Tisch geschrieben „Ich bin getauft!“. Das, so heißt es, habe ihm geholfen, am Glauben festzuhalten.
Ja, Gott mag dir manchmal verborgen sein. Aber dann hat er sich nicht in einen fernen Himmel zurückgezogen, sondern sich ‚eingewickelt‘ in deiner Angst, in deiner Not, in deinem Leid. Da wirst du ihn finden als deinen ‚Heiland‘ (Losung), deinen Retter und Erlöser. Er bleibt bei dir, was auch immer mit dir geschieht. Das glaube ich.

Gebet: Herr, das Leben kann so schön sein. Warum kann es nicht so bleiben? Warum hat es auch seine dunkle, grausame Seite? Es geschehen so viele Dinge, die ich nicht verstehe. Aber ich hoffe, dass du verstehst, was geschieht. Du bist nicht nur ein Gott für die guten Zeiten. Du bist in Jesus in die tiefsten Tiefen des Leids hinabgestiegen, um auch denen nahe zu sein, die abgestürzt sind. Auch da bist du bei mir. Auch auf der Schattenseite des Lebens bist du mein Licht. Halte du auch dann an mir fest, wenn ich nicht mehr die Kraft habe, an dir festzuhalten. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr

Mittwoch, 19. August 2015

Er schont deine Gefühle hl

Losung: Der HERR ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not und kennt die, die auf ihn trauen. Nahum 1,7

Lehrtext: Paulus schreibt: Epaphroditus war todkrank, aber Gott hat sich über ihn erbarmt; nicht allein aber über ihn, sondern auch über mich, damit ich nicht eine Traurigkeit zu der anderen hätte. Philipper 2,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie wichtig bin ich Gott? Schont er zum Beispiel auch meine Gefühle? Oder ist es vermessen zu denken, dass der Allmächtige, der Schöpfer von Himmel und Erde, darauf achtet, ob ich traurig bin oder nicht?
Der Bibel, dem heutigen Lehrtext zufolge ist genau das der Fall. So schreibt Paulus den Christen in Philippi, dass Gott nicht nur seinen Mitarbeiter Epaphroditus wieder gesund gemacht, sondern ihm selbst eine weitere Traurigkeit erspart hatte. Und in der Losung ist ausdrücklich davon die Rede, dass Gott die Menschen persönlich kennt, die ihm vertrauen.
Damit ist die Frage beantwortet, wie wichtig ich Gott bin und wie wichtig du ihm bist. Lass dich also nicht durch deine eigenen Zweifel oder das Gerede anderer verunsichern. Schließlich geht es im Glauben um die persönliche Beziehung zwischen Gott und dir und nicht um irgendwelche unpersönlichen Wahrheiten. Vielleicht magst du deine Gefühle anderen Menschen nicht so ohne weiteres zeigen. Bei Gott ist das etwas anderes. Er weiß damit umzugehen. Er verletzt deine Gefühle nicht, sondern achtet sie und ist darauf bedacht, dich zu schonen.

Gebet: Herr, mehr noch als meine Gedanken bewegen mich meine Gefühle. Du weißt das und kennst sie. Dir kann ich sie zeigen. Danke, dass du gütig und behutsam bist. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 18. August 2015

Herz und Geist hl

Losung: Ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben. Hesekiel 11,19

Lehrtext: Ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater! Römer 8,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

nein, ich möchte kein Herz aus Stein, hart und kalt, verschlossen und bitter, lieblos und unbarmherzig. Ich möchte es auch dann nicht, wenn es mir in dieser Welt viele Vorteile einbrächte: Ehre und Ruhm, Einfluss und Geld. Ich möchte ein Herz aus Fleisch und Blut, warm und barmherzig, mitfühlend und liebend, gläubig und treu, das aber auch zornig sein kann gegen Unrecht und sich gegen die Lügner empört, ein Herz, das tapfer und aufrichtig ist auch vor dem Freund, voll Mut und trotzdem nicht überheblich, ein Herz, das die eigenen Fehler bereut und zum eigenen Versagen steht.
   Die heutige Losung sagt, dass ein solches Herz ein Geschenk Gottes ist. Kann ich den gar nichts dafür tun? Nun, ein solches Herz kann ich nicht machen. Aber ich kann Gott die Gelegenheit geben, an meinem Herzen zu arbeiten, indem ich ihm nicht die kalte Schulter zeige, sondern ihn um ein solches Herz bitte, indem ich ihm zutraue, dass er mich verändern kann und ich mich von ihm verändern lasse. Ein neues Herz, ein neuer Geist – ich brauch das immer wieder, ich brauche Gott immer wieder, den Abba, den Vater im Himmel, dessen Kind zu sein ich mich nicht schäme (Lehrtext). Im Gegenteil. Gibt es etwas Schöneres, als Gottes Kind zu heißen und nicht nur zu heißen, sondern auch zu sein?
   Ich habe meinen verstorbenen Vater gern gehabt und war auch ein wenig stolz auf ihn, obwohl ich durchaus auch seine Schwächen kannte. Um wie viel mehr kann ich auf meinen himmlischen Vater stolz sein. Er gibt mir das Gefühl, dass ich wer bin, egal, was andere Menschen meinen. Er stärkt mein Selbstbewusstsein und mein Selbstvertrauen. Er macht mich unabhängiger von der Meinung anderer. Er  schenkt mir einen freien Geist und ein empfindsames Herz.

Gebet:
»Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir. Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe und mit einem willigen Geist rüste mich aus.« Amen (Psalm 51,12-14)

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 17. August 2015

reden oder schweigen? hl

Losung: Wo viel Worte sind, da geht's ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen im Zaum hält, ist klug. Sprüche 10,19

Lehrtext: Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Matthäus 12,37

Liebe Leserin, lieber Leser,

sie ist wieder mal zu spät gekommen. Darauf angesprochen, erklärt sie das mit vielen Worten. Sie rechtfertigt sich damit, dass sie eine Umleitung hätte fahren müssen und es da einen unvorhersehbaren Stau gegeben habe. Der Chef und die Kollegen sagen nichts dazu. Aber sie schauen sich vielsagend an. Warum hat die Kollegin nicht einfach gesagt: „Ich bin daheim zu spät losgefahren. Das tut mir leid. Ich bitte um Entschuldigung.“ Mehr hätte es gar nicht gebraucht, und sie hätte mit dem Verständnis der Kollegen rechnen können. Aber so? Die windigen Ausreden, was sind sie anderes, als sich aus der Eigenverantwortung für die Situation herauszureden?!
Es ist immer problematisch, wenn man sich für sein Verhalten mit vielen Worten rechtfertigt. Je mehr man sagt, desto unglaubwürdiger wird man. Aber es ist noch problematischer, lang und breit über andere herzuziehen und vielleicht auch noch Gerüchte zu verbreiten.
Nun sind wir Menschen unterschiedlich. Da sind die Introvertierten, die Stillen und mehr In-sich-gekehrten die wenig bis nichts sagen, aber umso begieriger zuhören, um nichts zu versäumen. Sind sie besser als die Extrovertierten, die von Natur aus viel reden, die kommunikativ und gesellig sind, dafür aber auch manches sagen, was sie hinterher bereuen? Es kommt wohl immer auf die Situation an, wann es besser ist, auch mal den Mund zu halten und wann es nötig ist, den Mund aufzumachen und gegebenenfalls auch eine unbequeme Wahrheit zu sagen. Es kommt also nicht nur darauf an, dass ich schweige, sondern mehr noch darauf, was ich sage. Manch einer hat sich schon um Kopf und Kragen geredet. Manch einer hat mit dem richtigen Wort zur richtigen Zeit vielen einen großen Dienst erwiesen.

Gebet aus dem Lied „O Gott du frommer Gott“ (EG 495 Vers 3):

Hilf, dass ich rede stets womit ich kann bestehen,
lass kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen;
und wenn in meinem Amt ich reden soll und muss,
so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn‘ Verdruss. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 16. August 2015

Der Schlüssel zu den 99 hl

Predigt von Hans Löhr im Lichtblickgottesdienst. Predigttext: Matthäus 18, 12+13

Liebe Freunde,

wie stehen Sie / wie stehst du zu Gott? Bist du ihm gegenüber reserviert oder vorsichtig abwartend oder bist du vertrauensvoll aufgeschlossen? Das kommt wohl darauf an, wie er aus deiner Sicht zu dir steht. Von den Erfahrungen, die du mit Gott gemacht hast, hängt es ab, ob du ihm trauen kannst oder ob du ihm gegenüber besser in der Reserve bleibst. Wer Angst vor Gott hat, wird sich ihm wohl kaum vertrauensvoll öffnen und wer ihm gegenüber ein schlechtes Gewissen hat, wird ihm wohl eher aus dem Weg gehen.
Um deutlich zu machen, wie Gott zu uns Menschen steht, hat Jesus kurze, aufschlussreiche Geschichten erzählt. Eine davon möchte ich für euch jetzt nacherzählen. Sie steht im Evangelium des Matthäus und ist wohl den meisten von euch bekannt. Trotzdem lohnt es sich, genau hinzuhören, denn in dieser Geschichte geht es nicht um irgendjemand, sondern um dich.
Jesus sagt:  
Was meint ihr: Wenn ein Mann hundert Schafe hat und eins läuft ihm davon, was wird er tun?

Bleiben wir zunächst bei dieser Frage und nehmen wir an, dass die neunundneunzig Schafe, die ihm geblieben sind, die Worte des Hirten verstehen können.

Was denken die Schafe vom Hirten?

Falls der Mann zu sich sagt: „Na gut, ist zwar schade um das eine, aber das ist nur ein Prozent Verlust. Das kann ich verschmerzen“, was denken da die Neunundneunzig, als sie das hören? Was denkt da jedes einzelne von ihnen?
Vielleicht: „Na, ich bin dem Hirten aber nicht viel wert. Mein Leben zählt nicht viel. Ich bin ihm im Grunde egal.“

Vielleicht sagt der Hirte aber auch laut zu sich: „Ich hätte schon gern auch noch das letzte Schaf. Aber jetzt ist es schon spät. Bald wird es dunkel. Ich werde es nicht mehr finden. Am Ende stolpere ich noch und breche mir ein Bein. Und außerdem werden es in der Nacht bestimmt die wilden Tiere reißen. Es hat keinen Zweck, sich auf die Suche zu machen und sich noch selbst in Gefahr zu bringen.“

Was denken wohl die Schafe, wenn sie das hören? Vielleicht: „Dieser Mensch wird sich meinetwegen keine Mühe geben und für mich nichts riskieren. Der lässt mich im Stich, wenn‘s schwierig wird.“

Oder die dritte Möglichkeit. Der Hirte sagt: „O weh, das hilflose Schaf! Es hat sich bestimmt verirrt und nicht mehr zur Herde zurückgefunden. Jetzt läuft es irgendwo da draußen in der Nacht schutzlos umher. Vielleicht wird es von wilden Tieren gerissen. Nein, ich kann und will es nicht seinem Schicksal überlassen. Ich will mich gleich auf die Suche machen, auch wenn die Chance es zu finden, noch so klein ist.“
Was denken die neunundneunzig Schafe, was denkt jedes einzelne von ihnen jetzt? Vielleicht:
„Ich hab aber einen guten Hirten! Ich brauche keine Angst zu haben, wenn mir etwas zustößt. Er wird sich um mich kümmern. Ich bin ihm so viel wert, dass er sich auch meinetwegen mitten in der Nacht auf den Weg machen würde, um mich zu suchen und zu finden, um mich vor den wilden Tieren zu retten und sicher nach Hause zu bringen.“

Soweit, was der Hirte tun und die Schafen von ihm denken könnten.Und jetzt die Geschichte im Ganzen, wie sie Jesus erzählt:
Was meint ihr: Wenn ein Mann hundert Schafe hat und eins läuft ihm davon, was wird er tun?
Lässt er nicht die Neunundneunzig in den Bergen zurück, um das verirrte Schaf zu suchen? 
Und ich versichere euch: Wenn er es endlich gefunden hat so legt er sich's auf die Schultern und freut sich über dieses eine mehr als über die Neunundneunzig, die sich nicht verlaufen hatten.

Jeder ist dieser eine.

Liebe Freunde, wie der Hirte das eine Schaf behandelt, zeigt, wie er die neunundneunzig anderen sieht. Das eine Schaf ist der Schlüssel zu den Neunundneunzig. Sie erkennen sich in dem einen wieder, denn letzten Endes ist jedes von ihnen dieses eine Schaf.

Ein Vater erzählt: Als mein Sohn Josua noch ziemlich klein war, hat er mir oft eine zu Herzen gehende Frage gestellt. Er war so verletzlich und ehrlich, dass er mir jedes Mal, wenn ich auf irgendjemanden überreagierte, auch nur ein klein bisschen ungeduldig oder lieblos war, in die Augen schaute und fragte: »Papi, liebst du mich?«
Wenn er dachte, ich würde einen wichtigen Grundsatz im Verhalten gegenüber anderen verletzten, zum Beispiel, dass ich einem anderen gegenüber nicht freundlich oder ehrlich war,  dann fragte er sich, ob ich das nicht auch bei ihm tun würde, ob ich ihn wirklich lieben würde, oder ob das nicht auch gelogen ist.
Und der Mann erzählt weiter: Als Lehrer wie als Vater habe ich festgestellt, dass der Schlüssel zu den Neunundneunzig der eine ist – besonders der eine, der die Geduld und die gute Laune der vielen auf die Probe stellt. Es ist die Liebe und die Art des Umgehens mit dem einen Schüler, dem einen Kind, dem einen Arbeitskollegen, in der sich die Liebe für die anderen ausdrückt. Wie du den einen behandelst, verrät, was du von den Neunundneunzig hältst; denn letzten Endes ist jeder dieser eine.

In der Umkleidekabine

Um diese Sache noch etwas deutlicher zu machen, möchte ich euch jetzt in den Umkleideraum einer Fußballmannschaft mitnehmen.
Das Vorrundenspiel um den Fußballpokal ist zu Ende. Man hat gegen eine Mannschaft, die zwei Klassen tiefer spielt, verloren und ist für dieses Jahr aus dem Pokalwettbewerb ausgeschieden. Der finanzielle Verlust ist beträchtlich. Der Verein hätte die zusätzlichen Einnahmen gut gebrauchen können. Der Trainer weiß, was auf ihn zukommt. Die Vereinsführung wird ihn kritisch befragen, die Fans werden ihn beschimpfen, die Presse wird hämische Kommentare schreiben.
Mit diesen Gedanken im Kopf geht er nach dem Spiel in die Umkleidekabine zu seiner Mannschaft. Vor ihm steht der Mittelfeldspieler, der den entscheidenden Elfmeter verschossen hat, und schaut zu Boden. Auch die übrigen Spieler schauen ihren Trainer nicht an. Aber ihre Ohren sind gespitzt. Was wird er jetzt wohl sagen? Wird er sie alle zusammenstauchen? Wird er den Mittelfeldspieler zur Schnecke machen?
Der Trainer hat die Wahl: Er kann seinen ganzen Ärger, seine Enttäuschung und Wut an dem einen Spieler auslassen. Er kann ihn anschreien, ihm drohen, ihn augenblicklich aus der Mannschaft werfen. Und er hat auch alle Lust, das zu tun. Doch bevor er den Mund aufmacht, stellt er sich die entscheidende Frage: „Was werden wohl die anderen Spieler denken, wenn ich mich dem einen gegenüber sich so negativ verhalte?“
Der Trainer schluckt seinen Ärger runter, beherrscht sich, sieht in dem geknickten Mittelfeldspieler nicht den Versager, sondern den unglücklichen Pechvogel. Er geht auf den Spieler zu, legt ihm den Arm um die Schulter und sagt: Du bist nicht allein schuld an der Niederlage. Die ganze Mannschaft hat heute nicht das gebracht, was ich von ihr erwartet habe. Und ich selbst habe bei meiner Taktik auch Fehler gemacht. Wir alle haben gemeinsam verloren. Und wir alle werden das nächste Spiel gemeinsam gewinnen. Ich brauch jetzt niemanden einzelnen zu kritisieren. Jeder von uns weiß selbst, was bei ihm heute nicht so gut gelaufen ist.
Jetzt schauen ihn alle Spieler an. Sie sind stolz auf ihren Trainer. Im nächsten Spiel werden sie sich für ihn zerreißen. Das nehmen sie sich fest vor. Denn jetzt weiß jeder einzelne von ihnen: Wenn es auch mal in einem Spiel nicht so gut läuft, wird mich der Trainer nicht vor den anderen bloßstellen und fertig machen.
Als der Trainer später vor die Presse tritt, stellt er sich vor seine Mannschaft und sagt: Ich bin schuld an der Niederlage, ich habe die falsche Taktik gewählt. Schreiben Sie das in Ihrer Zeitung.

Grundlegende Lebensweisheit

Wie stehen Sie / wie stehst du zu Gott? Bist du ihm gegenüber reserviert oder vorsichtig abwartend oder bist vertrauensvoll aufgeschlossen? Das kommt wohl darauf an, wie er zu dir steht.
Um das deutlich zu machen, hat Jesus jene Geschichte vom Hirten und seinem verlorenen Schaf erzählt. Deinetwegen hat Jesus diese Geschichte erzählt, damit du wie die Neunundneunzig anderen, wie jetzt alle anderen hier in diesem Raum, erfährst, wer Gott für dich ist, damit du sagen kannst: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“.
Zugleich aber lehrt mich diese Geschichte eine grundlegende Lebensweisheit. Denn in ihr geht es auch darum, wie andere Menschen zu mir stehen: Reserviert oder vorsichtig abwartend oder vertrauensvoll aufgeschlossen. Egal ob die eigenen Kinder oder Enkel, Schüler oder Arbeitskollegen, Nachbarn, Freunde und Bekannte – sie alle achten darauf, wie ich mit anderen umgehe und ziehen daraus ihre Schlüsse, was ich für einen Charakter habe, was ich wirklich von ihnen halte. Auch da gilt, dass der Schlüssel zu den Neunundneunzig, der eine ist. So wie ich ihn behandle, so fühlen sich auch alle anderen behandelt. Denn in dem einen erkennen sie sich wieder.

Wo bist du?

Die Geschichte Jesu schließt mit dem Satz: »Und wenn er das Schaf gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude.« Wo bist du gerade? Bist du bei deinem guten Hirten oder läufst du ohne ihn durch die Welt, hast dich vielleicht sogar verirrt und weißt im Grunde deines Herzens gar nicht genau, wem du gehörst, was du willst und welchen Weg du gehen sollst?
Lass dich von ihm finden, gib Antwort, wenn er dich ruft. Er lässt dich nicht im Stich, er überlässt dich nicht einem bösen Schicksal, er behütet dich und freut sich, wenn er dich gefunden. Amen

490 + X hl

Losung am 16.08.15: Josefs Brüder baten ihn: Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters! 1.Mose 50,17

Lehrtext: Petrus trat zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder, der an mir sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal? Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal. Matthäus 18,21-22

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich weiß nicht, wie gut Petrus in Mathematik war. Aber er wird wohl schnell herausgefunden haben, dass er seinem Bruder, der an ihm gesündigt hat, insgesamt 490 mal vergeben muss. 490 mal! Haben Sie / hast du jemandem schon mal so oft vergeben? Und wenn es einmal dazu kommen sollte, was machst du dann, wenn die 490 voll sind? Kurz und gut, wer so denkt und so rechnet, hat nichts begriffen. Denn siebenmal siebzigmal heißt nichts weniger als ‚immer‘. Weder du noch ich haben eine andere Möglichkeit als jemandem, der an dir und an mir gesündigt hat, zu vergeben, immer, weil auch Gott dir und mir immer vergibt, immer. Was für eine Herausforderung!
Aber wenn ich meinen Glauben ernst nehme, muss ich diese Herausforderung annehmen. Und wenn ich es nicht kann, muss ich Gott bitten, mir dieses Versagen zu vergeben.
Ich kenne einen Menschen, der mich so schwer enttäuscht und so tief verletzt hat, dass es nicht reicht, ihm einmal zu vergeben. Ich muss ihm ein und dieselbe Sache immer wieder vergeben. Und wenn ich meine, jetzt wäre es gut, jetzt wäre ich darüber hinweg, dann passiert es doch wieder, dass die innere Wunde aufbricht und die Bitterkeit zurückkommt. Dann muss ich von neuem vergeben. Der andere kriegt davon so gut wie nichts mit. Ich tu‘s ja auch um meinetwillen, damit mir die Enttäuschungen nicht die Lebensfreude raubt und mich die seelische Verletzung nicht ‚kränkt‘, also krank macht. Ich muss mich aber auch selbstkritisch fragen, warum ich mir diese Sache gar so zu Herzen nehme.
Die Brüder von Josef, haben ihre ‚Missetat‘ wenigstens eingesehen und um Vergebung gebeten. Aber Jesus sagt mir, ich soll meinem Schuldiger ohne Vorbedingung vergeben, weil er auch mir meine Schuld bedingungslos vergibt.

Gebet: Herr, vergib mir meine Schuld, wie auch ich dem vergebe, der an mir schuldig geworden ist. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 15. August 2015

Treue bis ans Ende hl

Losung: HERR, deine Augen, sind sie nicht auf Treue gerichtet? Jeremia 5,3

Lehrtext: Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach. Hebräer 13,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt keine Garantie, für niemanden. Es gibt keine Garantie dafür, dass dich ein anderer immer liebt. Und auch nicht dafür, dass er dir immer treu bleibt. Wer sich vor dem Traualtar Liebe und Treue verspricht, sagt damit, dass er das will. Aber ob der Wille bis zu dem Augenblick reicht, da der Tod den einen Partner vom andern scheidet, das kann niemand garantieren.
Und so kann ich auch Gott nicht garantieren, dass ich ihm für immer treu sein werde. Ich kann mir das fest vornehmen, kann es versprechen, aber garantieren kann ich es nicht.
Er weiß das. Er hat das in der Geschichte mit seinem Volk und mit all denen, die schon einmal gesagt haben »Ich glaube an Gott, den Vater, den …«, zahllose Male erlebt: Man feiert ihm Gottesdienste, bringt ihm Opfer, singt ihm Lieder, hört seine Worte, betet – und dann wird Gott doch vergessen oder nicht ernst genommen. Dann gehört er vielleicht schon noch irgendwie mit dazu, aber eben nur „irgendwie“, sozusagen als fünftes Rad am Wagen. »Du, Herr, suchst nach aufrichtigen Menschen«, heißt die Losung in einer neuen Übersetzung. Ein Wunder, dass er noch immer sucht, trotz so vieler Enttäuschungen.
Und doch gibt es auch Menschen, die ihm bis zum Ende treu bleiben und ihm in guten wie in schlechten Zeiten rückhaltlos vertrauen. Davon spricht der heutige Lehrtext. Wohl dem, der so jemanden kennt, der so einen Lehrer hatte, ein Vorbild im Glauben!
Mein väterlicher Freund und Pfarrer Karl Steinbauer war so einer. Dafür bin ich dankbar. Er ist mir noch heute ein Vorbild, weil er sich weder gegenüber den Mächtigen im nationalsozialistischen Staat noch in unserer lutherischen Kirche gebeugt hat. Er war kein Opportunist, kein angepasster Karrierist wie manch andere, die ich im Lauf meines Lebens kennengelernt habe. Er hat auch in seiner Kirche Nachteile und Schwierigkeiten in Kauf genommen, weil er seinem Herrn Jesus Christus bis zuletzt treu geblieben ist. So ist er für mich zu einem leuchtenden Beispiel geworden.
Werde auch ich einmal bis zuletzt meinem Herrn treu sein? Werde ich meinen Glauben weder verraten noch verleugnen? Werde ich nicht nur vor meinen Gegnern, sondern vor allem vor meinen Freunden tapfer sein und aufrichtig bleiben, auch wenn es schmerzt? Ich weiß es nicht. Wie gesagt, eine Garantie gibt es nicht, aber den festen Wunsch und Willen. Dazu helfe mir Gott!

Gebet: Herr, stärke meinen Glauben, dass ich mit dir leben kann bis ans Ende. Aber wenn ich dir nicht mehr treu bin, dann bleibe du mir treu und hilf mir, wieder zu dir zurückzufinden. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 14. August 2015

Für sich und andere beten hl

Losung: Der Höchste ist deine Zuflucht. Psalm 91,9

Lehrtext: Jesus betete: Ich bitte dich nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Johannes 17,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

manchmal sage ich zu einem Menschen, der in einer schwierigen Lage ist: Ich bete für dich. Mein Eindruck ist, dass das auch Leute gut finden, die nicht glauben. Und selbst tut es mir auch gut, wenn ich weiß, dass andere für mich beten. Aber was kann dir und mir Besseres geschehen, als dass Jesus selbst für uns betet? Vielleicht wendet jetzt einer ein: Aber Jesus hat doch damals nur für seine Jünger gebetet und nicht für uns heute. Ich lasse diesen Einwand nicht gelten. Was er seinen Jüngern gesagt hat, das sagt er heute zu dir und zu mir. Wir gehören genauso zu ihm wie jene. Wir haben es genauso nötig, dass Gott uns vor dem Bösen bewahrt wie jene. Wir sind genauso in dieser Welt mit all ihren Schmerzen und all ihrem Leid wie jene.
Jesus weiß das, was uns hier alles zustoßen kann. Er weiß auch, wie das Böse uns zusetzen kann: Krankheit und Streit, Lüge und Betrug, Verleumdung und Gewalt… Diese Welt ist beides: Wunderbar und schrecklich. Ich freue mich über all das Gute, das ich erlebe. Ich weiß aber, dass es auch die andere, die dunkle Seite gibt. Und deshalb bete ich ganz bewusst im Vaterunser diese Bitte: ‚Erlöse uns von dem Bösen.‘ Mir hilft es zu wissen, dass ich im Gebet immer eine Zuflucht habe, was auch geschieht. Und mir tut es gut, aus der Bibel zu erfahren, dass Jesus auch für mich betet – und für dich auch.

Gebet: Danke Herr, dass ich mit allem, was ich auf dem Herzen habe immer wieder zu dir kommen kann. Ich will aber nicht nur für mich beten, sondern auch für andere, die mein Gebet brauchen. So wie auch du nicht nur für dich zu unserem gemeinsamen Vater im Himmel betest, sondern für alle, die das brauchen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 13. August 2015

Die Kraft des Lobens hl

Losung: Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unbegreiflich ist, wie er regiert. Psalm 147,5

Lehrtext: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Römer 8,28

Manchmal, liebe Leserin, lieber Leser, manchmal muss man Gott einfach loben. Einfach so, auch ohne einen konkreten Anlass. Manchmal, irgendwann in der Woche oder irgendwann am Tag oder in der Nacht muss man Gott einfach loben. Damit vergewissert du dich, was für einen großartigen und wunderbaren Gott du hast, der sich um scheinbar so kleine Dinge kümmert wie um deinen Seelenkummer  und zugleich auch die größten Dinge regiert, wie die Milliarden Sterne und Galaxien im unermesslichen Weltraum. Lobe ihn, und du tauchst auf aus deinem Alltag, aus deiner augenblicklichen Stimmung, aus dem, was dich momentan innerlich gefangen nimmt. Lobe ihn, und dein Horizont weitet sich. Jedes Problem, das eben noch so groß schien, schrumpft vor Gottes Größe. Jede Macht, vor der du Angst hast, schmilzt vor seiner Kraft wie Schnee in der Sonne. So haben es die Israeliten damals erlebt. So kannst du es heute erleben. Und deshalb stimme in ihr Loblied im Psalm 147 mit ein und sage:
Halleluja - lobt den Herrn! Es ist gut, unserem Gott Loblieder zu singen; es macht Freude, ihn zu loben… 
Er heilt den, der innerlich zerbrochen ist, und verbindet seine Wunden. 
Er hat die Zahl der Sterne festgelegt und jedem einen Namen gegeben. 
Wie groß ist unser Herr und wie gewaltig seine Macht! Unermesslich ist seine Weisheit. (Losung)
Der Herr richtet die Erniedrigten auf und tritt alle, die sie unterdrückt haben, in den Staub. 
Manchmal, liebe Leserin, lieber Leser, manchmal muss man einfach dieses Bibelwort sagen: »Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen« (Lehrtext). Ich will es mir vor allem dann sagen, wenn mir nicht danach zumute ist, weil die Dinge in meinem Leben gerade furchtbar schief laufen. Das Wort erinnert mich, Gott trotzdem zu lieben und darauf zu hoffen, dass er die Situation zu meinen Gunsten verändert. Ich kann mit diesem Wort schwer einen anderen trösten. Auch Paulus, von dem es stammt, sagt es nicht anderen, sondern spricht von sich. Aber mich selbst kann dieses Wort trösten, wenn ich es mir zu eigen mache.

Gebet: Herr du weißt, was mich alles beherrscht, was meine Gefühle und Stimmungen beeinflusst, und dass ich mich dann manchmal klein und ohnmächtig fühle. – Und ich weiß, dass du regierst und alles in deiner Hand hast und auch das Schlimmste zum Guten wenden kannst. Darauf vertraue ich. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 12. August 2015

Gott dienen, befreit hl

Losung: So fürchtet nun den HERRN und dient ihm treulich und rechtschaffen und lasst fahren die Götter und dient dem HERRN. Josua 24,14

Lehrtext: Ich möchte aber, dass ihr mit Klugheit das Gute wählt und mit Entschiedenheit euch vom Bösen abwendet. Römer 16,19

Liebe Leserin, lieber Leser,

Du kannst ein überzeugter Prediger sein, oder ein Stadtrat, der Bestechungsgelder annimmt,
Du kannst in einem Friseursalon arbeiten und wissen, wie man die Haare schneidet,
Du kannst die Geliebte von jemandem sein oder du kannst erben,
Aber trotzdem musst du jemandem dienen.
Das mag der Teufel sein oder der HERR,
Aber du musst jemandem dienen - (klick): you‘re gonna have to serve somebody
So sang Bob Dylan Ende der siebziger Jahre. Stimmt das, haben wir Menschen nur die Wahl, entweder Gott zu dienen oder irgendwelchen Götzen, am Ende sogar dem Teufel? Können wir wählen zwischen Gut und Böse? Gibt es nicht noch eine dritte Möglichkeit, dass man einfach so dahin lebt, ohne Gott zu dienen oder irgendwelchen anderen Mächten und man nicht ständig wählen muss zwischen Gut und Böse? Fragen über Fragen, worüber sich schon viele Menschen den Kopf zerbrochen haben.
Viele möchten aber nicht wählen oder sich entscheiden müssen. Da würde man sich doch festlegen. Und wer will das schon. Losung und Lehrtext aber rufen mich auf, zu wählen und zu entscheiden, wem ich dienen will: dem lebendigen Gott oder irgendwelchen anderen Mächten, denen ich Macht über mich gebe. Doch so einfach ist das nicht zu beantworten. Wer oder was hat denn tatsächlich den größten Einfluss auf mein Leben? Ist das wirklich Gott oder gibt es da andere Dinge, nach denen ich mich richte? Meine Karriere zum Beispiel oder mein Hobby, das Geld oder der Alkohol, mein Ehrgeiz oder das Ansehen bei den Leuten?
Im Lehrtext fordert mich der Apostel Paulus auf, das Gute zu wählen und mich mit Entschiedenheit vom Bösen abzuwenden. Wo Gut und Böse leicht zu erkennen sind, ist das in der Regel kein Problem. Aber manchmal kommt das Böse in der Gestalt des vermeintlich Guten daher, so wie die Nationalsozialisten bei unseren Eltern und Großeltern.  Sie propagierten klare Werte, versprachen für Zucht und Ordnung zu sorgen, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen sowie Kriminelle und Kommunisten in Lagern zu konzentrieren. Deshalb wurden sie auch von der großen Mehrheit der Christen gewählt. Doch je länger sie an der Macht waren, desto mehr zeigte sich das Böse in ihren Taten.
»Es mag der Teufel sein oder der HERR, aber du musst jemandem dienen.« – Ob diese Alternative so stimmt, soll jeder selbst entscheiden. Aber dieser Satz vom Bob Dylan lässt mich selbstkritisch fragen, wer denn wirklich mein Herr ist und mein Gott.

Gebet: Herr, wenn ich dir diene, darf niemand sonst mehr über mich herrschen. Dann bin ich frei in dieser Welt gegenüber allen Herren und Autoritäten in Staat, Gesellschaft und Kirche. Dann bin ich vor allem frei gegenüber meinen eigenen Neigungen, Interessen und Süchten. Dann muss ihnen nicht mehr nachgeben, sondern kann mich nach dir richten. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr