Samstag, 27. Dezember 2014

Josef war kein Stallhocker hl

Losung: Mach dich auf und handle! Und der HERR möge mit dir sein! 1.Chronik 22,16

Lehrtext: Es erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage. Matthäus 2,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

‚nur wer nichts macht, kann nichts falsch machen‘ -  heißt ein Sprichwort. Aber nur dasitzen und Däumchen drehen, ist keine Lösung. Wir müssen und wir sollen handeln auch auf die Gefahr hin, etwas falsch zu machen. Einen Unternehmer zeichnet aus, dass er etwas riskiert. Er kann Geld verlieren, er kann pleite gehen. Er kann aber auch erfolgreich sein. Vorher weiß man das nie. Man muss es probieren.
Wie ist das bei Ihnen / bei dir? Bist du risikobewusst und risikobereit? Bist du bereit, gegebenenfalls auch neue Wege zu gehen? Oder wartest du lieber ab, richtest dich danach, was andere tun und gehst in ausgetretenen Pfaden? Das ist sicher auch eine Typfrage. Wer nun mal keine unternehmerische Ader hat, den kann und sollte man auch nicht dazu zwingen, etwas zu wagen. Aber der sollte auch nicht die anderen ausbremsen oder von denen schlecht reden, die etwas riskieren. Denn dass die Menschheit in ihrer Entwicklung so weit gekommen ist, wie sie ist, hat sie nicht den Zauderern und Übervorsichtigen zu verdanken, sondern denen, die sich aufgemacht und gehandelt haben, die Neues riskiert, fremde Erdteile erkundet oder das Evangelium in fremde Länder zu fremden Völkern getragen haben.
Ja, ja, natürlich hat das, wie letztlich alles, auch seine Kehrseite. Wer Angst vor neuen Wegen hat, soll sich mit Blaise Pascal trösten:  »Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.« Mich tröstet das nicht.
Nach meinem Geschmack haben wir in unserer evangelisch-lutherischen Kirche viel zu viele Stubenhocker, Zauderer und Traditionalisten in verantwortungsvollen Positionen. Da wird Langeweile zum Programm. Weiß der Himmel, warum! Entsprechend sieht es auch hinter den mit viel Kirchensteuer-Geld getünchten Fassaden unserer Kirche aus. So besteht beispielsweise bei den Kindergottesdiensten oder der theologischen Ausbildung in unserer Landeskirche dringender Handlungsbedarf. Eigentlich muss das Sprichwort heißen: ‚Wer nichts tut, macht erst recht alles falsch!‘
Nur gut, dass Josef kein „Stallhocker“ war, sondern dem Wort des Engels gefolgt ist. Er hätte bestimmt viele Gründe dagegen vorbringen können, mit dem neugeborenen Jesuskind zu flüchten und als Asylbewerber im fremden Ägypten um Aufnahme zu bitten. Wer flieht schon freiwillig?! Aber Josef hat sich auf den Weg gemacht und dabei erfahren, was schon viele andere Wagemutige erfahren haben: Nicht nur das Glück, auch Gott ist mit den Tüchtigen, mit denen, die handeln – nicht immer, aber ziemlich oft.

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


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