Freitag, 31. Oktober 2014

Was man von Gott wissen muss hl

Losung: Was verborgen ist, ist des HERRN, unseres Gottes; was aber offenbart ist, das gilt uns und unsern Kindern ewiglich. 5.Mose 29,28

Lehrtext: Jesus betete: Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Johannes 17,6


Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich mit älteren Menschen im Gespräch bin, fällt manchmal der Satz: „Nur gut, dass wir nicht wissen, was kommt.“ Wenn wir es denn wüssten, würden wir den heutigen Tag verfehlen und uns ganz und gar auf das konzentrieren, was auf uns zukommt sei es Gutes oder Böses. So können wir die Sorge um die Zukunft Gott überlassen und diesem Tag heute unsere Aufmerksamkeit schenken. Er ist ja der erste Tag vom Rest unseres Lebens, und darum sollten wir ihn nicht vergeuden.
Dietrich Bonhoeffer hat es in seinem Bekenntnis so formuliert: »Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.«

Wir wissen von Gott nicht viel. Aber immerhin so viel, wie wir wissen müssen. Darüber werden wir in der Heiligen Schrift informiert. Insbesondere erkennen wir Gott in Jesus. Da schauen wir ihm sozusagen in sein freundliches Herz. Von ihm erfahren wir, dass Gott unser himmlischer Vater ist, der uns geschaffen hat, uns segnet, behütet und liebt. Der Schuld vergibt und aus dem Tod errettet. Von Jesus haben wir das Gebot, dass wir diesen Gott von ganzem Herzen und mit aller Kraft lieben sollen und unsere Nächsten wie uns selbst. Das alles zusammen reicht zum Leben und zum Sterben. Mehr müssen wir im Grunde von Gott nicht wissen.

Nun gibt es aber noch ein paar Schlaumeier, die meinen, sie wüssten noch mehr göttliche Geheimnisse. Zum Beispiel wann und wie die Welt untergeht. Oder wer von Gott gerettet ist und wer nicht. Oder welcher Glaube richtig ist und welcher falsch. Naja, wenn sie es nötig haben, so etwas wissen zu müssen, was sie doch nicht wissen können, dann sollen sie sich damit gegenseitig aufregen, aber die anderen in Ruhe lassen.

Gebet: Herr, das, was ich von Dir weiß, langt mir, um mit Dir zu leben und mit Dir zu sterben. Du umgibst mich von allen Seiten und hältst Deine Hand über mir. Was immer geschieht, wo immer ich bin: Du bist da. Das reicht. Amen

Herzliche Grüße zum Reformationstag


Hans Löhr 

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Zufall oder Geschenk? hl

Losung: Die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete, die dann zum Herrn riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten und führte sie den richtigen Weg…: Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut, dass er sättigt die durstige Seele, und die Hungrigen füllt er mit Gutem. Psalm 107,9

Lehrtext: Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Johannes 1,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

was echter Hunger ist, wissen die meisten von uns nicht. Natürlich kann man mehrere Tage fasten und spürt dann das Hungergefühl. Aber es ist ein großer Unterschied, ob Du weißt, dass Du nur den Kühlschrank öffnen musst, um wieder essen zu können oder ob Du nicht weißt, wann Du jemals wieder satt wirst.
Die Israeliten auf ihrem jahrelangen Zug durch die Wüste Sinai hungerten zeitweise so sehr, dass ihre Seele verschmachtete, dass die Hoffnung austrocknete und die Zuversicht starb, mit dem Leben davon zu kommen. Und dann erlebten sie unerwartet Gottes Güte und Wunder, fanden rechtzeitig Nahrung und schöpften neue Hoffnung. Oder war das nur Zufall?
Wenn Du schwer krank bist und gerade noch so mit dem Leben davon kommst - ist das dann Zufall? Wenn Deine Ehe aussichtslos zerrüttet scheint, und ihr Euch dann doch wieder annähert – ist das dann Zufall? In Deinem Leben sind schon viele gute Dinge passiert, die Du nicht für möglich gehalten hattest. War das alles Zufall?
Vielleicht haben ja die Israeliten damals in der Wüste auch so gedacht. Aber im Psalm 107 werden sie aufgefordert, auf Gott zu schauen und ihm zu danken für seine Güte und seine Wunder. Damals wie heute, wir alle leben aus Gottes Fülle, „aus seinem göttlichen Reichtum, mit dem er uns immer und immer wieder mit seiner grenzenlosen Liebe beschenkt.“ So sagt es die Bibel (Lehrtext nach HFA) So will ich es glauben. Wie schön, auf so einen Gott vertrauen und hoffen zu können in guten, aber erst recht in schlechten Zeiten!

Gebet: Herr, ich vertraue darauf, dass Du mir auch künftig gibst, was ich zum Leben brauche, so wie Du das schon bisher getan hast. Denn Du bist nicht nur ein Gott, den ich bitten muss, sondern einer, dem ich auch danken kann. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Mittwoch, 29. Oktober 2014

bleiben, glauben, kämpfen hl

Losung: Ich traue auf den HERRN. Wie sagt ihr denn zu mir: Flieh wie ein Vogel auf die Berge! Psalm 11,1

Lehrtext: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hebräer 10,35

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, manchmal möchte man am liebsten davonlaufen, „fliehen wie ein Vogel auf die Berge“ (Losung), weil einem alles zu viel ist oder die Probleme über den Kopf wachsen. Aber das ist keine Lösung. Ich muss mich meinen Problemen und den Herausforderungen, die mir begegnen, stellen. Nun gut, das sagen alle möglichen Lebensberater auch. Aber was die meisten von ihnen nicht sagen, ist, woher man die Kraft nehmen soll, den Schwierigkeiten standzuhalten und woher die Zuversicht, sie zu überwinden.
König David wusste das. Als er in Bedrängnis war und seine Leute ihm rieten, doch auf die Berge zu fliehen, sich dort zu verstecken und zu hoffen, dass der Feind ihn schon nicht finden werde, sagte er sinngemäß: ‚Nein! Ihr habt Angst, und ich habe auch Angst. Aber zugleich verlasse ich mich auf Gott. Er wird mir helfen. Wenn ich mein Bestes gebe, wenn ich standhaft bleibe und kämpfe, wird auch er sein Bestes geben und mir beistehen. Wenn ich mich aber drücke, wird er sich von mir zurückziehen. Er wird und er kann mir nicht helfen, wenn ich ihm nicht vertraue. Aber er wird es mir lohnen, wenn ich mich auf ihn verlasse und tue, was in meinen Kräften steht.‘

Gebet: Herr, von Dir kommt meine Lebensfreude. Aber Du ersparst mir auch nicht die Härte des Lebens. Doch die Probleme, die vor mir liegen, sollen mir zu Treppenstufen werden, wenn ich auf Deine Hilfe vertraue. Es bleibt anstrengend, diese Treppe hinauf zu steigen, aber damit hilfst Du mir  über die Schwierigkeiten hinweg. Gib mir den Mut, mich ihnen zu stellen und die Kraft, sie zu besiegen. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Dienstag, 28. Oktober 2014

Der rote Faden im Chaos hl

Losung: HERR, deine Ratschlüsse von alters her sind treu und wahrhaftig. Jesaja 25,1
Andere Übersetzung (HFA): Was du vor langer Zeit beschlossen hast, das hast du in großer Treue ausgeführt.

Lehrtext: Da nun die Schrift voraussah, dass Gott die Völker aus Glauben gerecht machen würde, hat sie dem Abraham das Evangelium im Voraus verkündigt: In dir werden alle Völker gesegnet werden. Galater 3,8
Andere Übersetzung (HFA): Die Heilige Schrift selbst hat schon längst darauf hingewiesen, dass Gott auch die anderen Völker durch den Glauben retten wird. Gott verkündete schon Abraham die gute Botschaft: "Durch dich sollen alle Völker gesegnet werden."

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir leben in einer chaotischen Zeit. Eine Krise jagt die andere: Ukraine, Irak, Syrien, Ebola, Terroranschläge, Flüchtlingsströme, … Wo soll das noch hinführen? So fragen sich jetzt viele. Auch in den Zeitungen gehen die Kommentare auseinander. Der eine sagt dies, der andere das.
Ich weiß nicht, wo das hinführen soll. Aber ich lese in der heutigen Losung, dass Gott in großer Treue ausführt, was er vor langer Zeit beschlossen hat. All die Krisen können ihn nicht daran hindern, das zu tun, was er geplant hat weder mit der Welt im ganzen noch mit Dir und mit mir ganz persönlich. Das ist in all dem Durcheinander der rote Faden, an dem ich mich orientieren kann. Das mindert auch die Sorgen, die ich mir um die Zukunft mache.
Manchmal vergesse ich, dass diese Welt noch nicht erlöst ist und dass die Mächte der Finsternis nach wie vor wüten und erschrecke über die Ausbrüche von Gewalt. Aber das ist die Wirklichkeit. Nach wie vor sollen wir im Vaterunser bitten: »Erlöse uns von dem Bösen«. Gott sei Dank haben wir wenigstens einen Erlöser. Wen bitten, worauf hoffen andere? Ich hoffe auf das, was die Heilige Schrift sagt: ‚Es ist der Glaube, das unbedingte Gottvertrauen, durch das Menschen gerettet werden‘ (Lehrtext), immer wieder in diesem Leben und endgültig im ewigen Leben. ‚Es ist der Glaube, der durch die Liebe wirksam ist‘ (Galater 5,6), durch den ich aufmerksam werde auf das Leid anderer Menschen, um etwas dagegen zu tun.

Gebet: Allmächtiger Gott, ich möchte es glauben können, dass Du einen Plan mit dieser Welt und auch mit mir hast. Manchmal kann ich es nicht glauben, weil ich die bösen Ereignisse nicht mit Dir zusammen bringe. Und trotzdem war das schon immer so. Durch all die Kriege und Katastrophen der Vergangenheit hast Du Deine Gemeinde und Deine Gläubigen hindurch geführt, durch all die finsteren Täler des Todes und der Gewalt. Du wirst das auch weiterhin tun. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Montag, 27. Oktober 2014

Lippenbekenntnisse und Gschaftlhuberei hl

Losung: So halte nun die Gebote des HERRN, deines Gottes, dass du in seinen Wegen wandelst und ihn fürchtest. 5.Mose 8,6

Lehrtext:  Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel. Matthäus 7,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

von dem fabelhaften Kinderbuch-Autor, Erich Kästner, stammt der Satz: »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.« Dieser Satz könnte so auch in der Bibel stehen. Denn darin sind sich Mose (Losung) und Jesus (Lehrtext) einig: Lippenbekenntnisse allein taugen nichts. Doch, es ist schön, Psalmen zu beten und Lobpreislieder zu singen und in der Kirche oder auch anderswo Gottesdienste zu feiern. Aber auch das taugt nichts, wenn es nur Lippenbekenntnisse sind. Die Probe aufs Exempel ist für den Sonntagsgottesdienst der Alltag. Da zeigt es sich, ob in den Kirchen nur geblubbert wurde, oder ob die Bibelworte, die Gebete und Lieder die Herzen bewegt und das Verhalten der Gottesdienstbesucher im Alltag verändert haben.
Denn, und das folgere ich aus der heutigen Losung und dem Lehrtext: Nur der hält die Gebote Gottes und tut seinen Willen, der eine lebendige, persönliche Glaubensbeziehung zu ihm hat. Und nur der glaubt an Gott, der auch an seine Mitmenschen glaubt und Gott in ihnen dient. Sonst ist alles Glauben pure Selbstsucht und alles Tun ist Gschaftlhuberei. 

Gebet: Herr, in dem was ich tue, was ich sage, wie ich mit anderen umgehe, soll deutlich werden, dass Du mir wichtig bist. Leicht fällt mir das nicht. Aber ich will's versuchen. Immer wieder. Auch in dieser neuen Woche. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Sonntag, 26. Oktober 2014

Wo wohnt Gott? hl

Losung: Salomo sprach bei der Einweihung des Tempels: Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? 1.Könige 8,27

Lehrtext: Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Johannes 12,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

wo wohnt Gott? Im Tempel? In der Kirche? Er wohnt da, wo man ihn einlässt. Er, den „die Himmel und aller Himmel Himmel nicht fassen können“ (Fortsetzung unseres heutigen Losungswortes), wohnt im Herzen eines kleinen Kindes. Doch das Gehirn selbst des klügsten Menschen auf Erden ist zu klein, um Gott zu fassen. In unsere Logik, in unsere Vernunft passt er einfach nicht hinein. Die einen meinen, weil der Glaube an Gott ohnehin unvernünftig und unlogisch sei. Ich meine, weil Gott dafür zu groß ist. Natürlich brauchen wir die Vernunft. Ohne sie könnten wir nicht leben. Aber sie ist nicht das Haus, in das Gott passt.
Wo also wohnt Gott? In der Bibel lese ich: An Weihnachten wohnte er in einem kleinen Kind im Stall. Am Karfreitag allein im finsteren Grab (Lehrtext). Seit Ostern aber in den Herzen der vielen, die ihm mehr vertrauen als dass sie den Tod fürchten.
Wo wohnt Gott? Da wo Du ihn einlässt.

Gebet: Herr, danke für beides, für die Vernunft und den Glauben, für den Verstand und das Vertrauen. Beides ist ein Geschenk von Dir. Lass es mich recht einsetzen, damit es bewirkt, was es soll. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

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Samstag, 25. Oktober 2014

engherzig – weitherzig hl

Losung: Ich gebiete dir und sage, dass du deine Hand auftust deinem Bruder, der bedrängt und arm ist. 5.Mose 15,11

Lehrtext: Macht auch ihr euer Herz weit. 2.Korinther 6,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

sind Sie / bist Du schon mal ausgenützt worden? Und was hast Du Dir dann gedacht? Vielleicht etwas in der Art: ‚Das passiert mir nicht noch einmal!‘ oder ‚Das habe ich nun davon, dass ich so dumm und großzügig war.‘ Und was war dann die Konsequenz? Bist Du seitdem vorsichtiger, misstrauischer, zurückhaltender, geiziger…?
Mich ärgert es auch, wenn ich ausgenützt werde. Sehr sogar. Aber inzwischen sage ich mir: „Ich lass mir doch von dem, der mich ausgenützt hat, nicht vorschreiben, wie ich mich künftig verhalte. Andere sollen nicht büßen, dass einer so hässlich zu mir war.“ Okay, das sage ich mir. Manchmal gelingt es mir dann, auch weiterhin großzügig zu sein, wenn jemand Unterstützung braucht. Manchmal aber auch nicht. Und dann ärgere ich mich hinterher über mich selbst, warum ich ohne Not so engherzig war.
»Tu Deine Hand auf« und »mach Dein Herz weit« sagt die Bibel. Damit ist alles gesagt, was gesagt werden muss. Da muss ich nicht erst lang und breit überlegen, diskutieren oder mein Verhalten rechtfertigen. Das ist eine klare Anweisung. Lieber lasse ich mich ein weiteres Mal ausnützen, als mein Herz eng zu machen. Hoffentlich schreibe ich das jetzt nicht nur so hin, sondern gelingt mir das dann auch, wenn es soweit ist. Ich möchte jedenfalls nicht an seelischer Angina Pectoris leiden, an Herzensenge. Das ist ohnehin eine Volkskrankheit. Wobei, die Hilfsbereitschaft in diesen Wochen gegenüber den Flüchtlingen in unserem Land ist erstaunlich. An diesem Punkt sind viele Bürgerinnen und Bürger weiter als manche Politiker.

Gebet: Gott, Dir sei Dank, dass Du ein weites Herz für Deine Menschen hast, auch für mich. Wie kann ich da gegenüber meinen Mitmenschen engherzig sein? Ich will großzügig sein so gut ich kann. Hilf mir, meinen Vorsatz in die Tat umzusetzen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

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Freitag, 24. Oktober 2014

Wer glaubt denn noch an Gott?! hl

Losung: Haltet dem HERRN, euerm Gott, die Treue, so wie ihr es bisher getan habt. Josua 23,8

Lehrtext: Christus spricht: Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme! Offenbarung 3,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Ich bin doch nicht blöd« – oder doch? Warum nur glaube ich an Gott? Könnte ich ohne diesen Glauben nicht leichter leben? Vielleicht würde ich dann mehr Geld verdienen, hätte einen anderen Beruf, hätte mehr Macht, ein großes Auto, ein tolles Haus. Vielleicht könnte ich mich dann besser durchsetzen und diese Welt, mit allem was sie bietet, wie eine Auster ausschlürfen… Doch so muss ich mich von manchen mitleidig anschauen lassen, wie rückständig ich doch bin, dass ich überhaupt an einen Gott glaube. Wer macht den heutzutage so etwas noch? Welcher Mensch mit höherer Bildung und einigermaßen Intelligenz glaubt denn noch an Gott, geschweige denn an Jesus Christus? Wer ist denn noch so blöd?
Ich. Ich komm einfach von ihm nicht los. Und wenn ich's versuche, wenn ich mich verhalte wie es ihm nicht gefällt, kriege ich ein schlechtes Gewissen und rote Ohren und habe Skrupel und es geht mir nicht gut.
Und wenn ich die Sache mit Gott einfach sein ließe? Wenn ich meinen Glauben aufgäbe und mitmachte beim Tanz auf dem Vulkan, auf dem Rücken meiner Mitmenschen, auf Kosten der Schöpfung? Vielleicht ginge es eine Zeit lang. Aber dann, so fürchte ich, käme der Tag, an dem ich nicht mehr in den Spiegel schauen könnte. An dem ich den Blick Jesu nicht mehr aushalten könnte so wie Judas, der Verräter oder wie Petrus, der Leugner. An dem ich unter dem Treuebruch selbst zerbrechen würde. Wenige Verse nach unserem heutigen Losungswort steht noch dieser Satz: »Darum achtet ernstlich darauf um euer selbst willen, dass ihr den HERRN, euren Gott, lieb habt.« – Um meiner selbst willen. Genau darum geht es, um meine Selbstachtung, um meine Zukunft, darum, dass ich weiterhin Gottes Liebe spüre und das Privileg habe, ihn wieder zu lieben.
Wenn mir einer die Krone des Glaubens nehmen könnte, dann wohl nur ich selbst. Aber ich bin doch – hoffentlich – nicht so blöd.

Gebet: Herr, wenn ich auf Abwegen bin, bin ich darauf angewiesen, dass Du mir in Deiner Treue nachgehst und mich zurückholst in die Gemeinschaft mit Dir. Ich weiß nicht, ob ich Dir wirklich bis zuletzt treu sein kann. Aber ich weiß, dass Du mir auch dann noch treu bleibst wenn ich es nicht bin. Du lässt mich nicht verloren gehen. Darauf verlasse ich mich. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

kostbare Lebenshilfe ebl


Lehrtext: Christus sagt: "Ich komme bald. Du aber halte an dem fest, was dir geschenkt wurde, damit dir niemand mehr deinen Siegeskranz nehmen kann." (Off. 3, 11)

Liebe Leserinnen und Leser,

"lasst nicht nach in eurem Vertrauen auf Gott". So können wir Losung und Lehrtext für uns auf den Punkt bringen. Wer glaubt, gewinnt nämlich nach den Worten von Jesus. Und zwar nicht irgendwann in einem fernen, schwer vorstellbaren Jenseits, sondern schon jetzt. "Frau Pfarrer, ich bin froh um meinen Herrgott", hat neulich bei einem Besuch eine ältere Frau zu mir gesagt. Sie lebt allein und ist ziemlich krank. Gründe zum Lamentieren hätte sie genug - stattdessen war sie gefasst und hat eine ganz eigene Art der Zuversicht ausgestrahlt. Ich habe mir gedacht: "Wer sein Vertrauen auf Gott setzt, der kann gerade in sehr unruhigen oder wirklich schweren Zeiten seines Lebens stark im Durchhalten werden. Weil er darauf baut, dass letzten Endes sogar das, was wir jetzt nicht verstehen, doch mit Gott zu tun hat." Diese Haltung ist nach meinem Empfinden eine kostbare Lebenshilfe.

Gebet: HERR, du ermutigst uns heute, unser Vertrauen in dich immer mehr zu vertiefen. Das können manche von uns heute gut hören, anderen fällt das sehr schwer. Hilf uns durch deinen guten, deinen Heiligen Geist, dass wir darin wachsen. Damit wir in stürmischen Zeiten so gefestigt sind in dir, dass uns nichts von dir fortreißen kann. Amen.

Einen guten Start ins Wochenende und Zeit zum Durchatmen wünscht dir und Ihnen


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Gott reden hören hl


Lehrtext: Jesus sagte zu ihnen (gemeint sind mit 'ihnen'  Theologen, die zu ihm kamen und ihn aufforderten, ihnen mit einem übernatürlichen Zeichen zu beweisen, dass er wirklich im Auftrag Gottes unterwegs war): "Wenn der Abendhimmel rot ist, dann sagt ihr: 'Morgen gibt es schönes Wetter.' Und wenn der Morgenhimmel rot und trübe ist, sagt ihr: 'Heute gibt es Sturm.' Ihr könnt also das Aussehen des Himmels beurteilen und schließt daraus, wie das Wetter wird. Warum versteht ihr dann nicht auch, was die Ereignisse dieser Zeit ankündigen?" (Matthäus 16,3)

Liebe Losungsgemeinschaft,

die Gabe, Gott reden zu hören, ist unter uns Christen unterschiedlich verteilt, wie mir scheint. Das ist wie im zwischenmenschlichen Bereich auch: Da gibt es ausgezeichnete Zuhörer/innen, die neben dem unmittelbar Gesagten auch die Zwischentöne und vorherrschenden Stimmungen wahrnehmen. Und es gibt die anderen, denen die Gabe des Zuhörens nicht unbedingt gegeben ist. Manche unter uns können klar sagen, dass sie von Gott diese oder jene Aussage in ihrem Leben schon klar und deutlich vernommen haben, andere warten ein Leben lang vergeblich auf eine solche Erfahrung.
Jesus geht davon aus, dass wir als sehr aufmerksame Beobachter/innen die Zeichen der Zeit und darin die Absichten Gottes durchaus erkennen können. Wach sein - das ist eine Aufforderung, die an verschiedenen Stellen in der Bibel immer als wichtige Eigenschaft von Christen herausgestellt wird. (Matthäus 25, 1 - 13 stellt das sehr einprägsam am Beispiel von zehn Frauen dar - Nachlesen lohnt sich ...) Nutzen wir doch in unserer Gemeinschaft als Christen diese unterschiedlich ausgeprägten Gaben gemeinsam. Lassen wir uns von den Begabten etwas sagen. Vielleicht braucht es auch eine besondere Geduld und die so selten und kostbar gewordene völlige Stille, damit sich Gott in uns zu Wort melden kann.

Gebet: Vater, manchmal wünsche ich mir, ich könnte dich klar reden hören. Dann wieder macht mich diese Vorstellung nervös, weil ich dann ja nicht mehr sagen kann, ich hätte es nicht besser gewusst. Geh du mit uns die Wege, die für uns machbar sind. Lass uns wissen, was du in deiner Güte mit uns vorhast. Danke für deine Geduld, HERR, wenn wir manchmal schwehrhörig sind. Amen.

Herzliche Grüße sendet dir und Ihnen


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Ausprobieren ebl


Lehrtext: Das gilt ohne Unterschied für Juden und Nichtjuden. Sie alle haben ein und denselben Herrn: Jesus Christus. Aus seinem Reichtum schenkt er allen, die sich zu ihm als ihrem Herrn bekennen, ewiges Leben. (Römerbrief, Kapitel 10, Vers 12)

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute fordern Losung und Lehrtext zum Ausprobieren heraus. Das ist wie beim Kuchen backen. Ich kann ein Rezept hundertmal lesen - den Kuchen kriege ich erst dann, wenn ich mit dem Zusammenrühren der Zutaten anfange. Gleiches gilt für die Bibelverse.
Jeder, der sie liest, ist dazu herausgefordert, Gott sein Herz auszuschütten, mit ihm zu reden und ihn um Rat und Hilfe zu bitten. Und dann wachsam zu bleiben für das, was in seinem Leben an Veränderung passiert. Und Gott dafür dankbar zu sein, wenn er die Erfahrung macht, dass Gott lebt und nachweislich in unseren Lebensgeschichten 'mitstrickt'. 
Der Lehrtext macht klar, dass es nicht darauf ankommt, ob ich katholisch oder evangelisch bin oder zu einer Freikirche gehöre oder aus jeder Kirchengemeinschaft ausgetreten bin. Jesus schenkt jedem ein verändertes, neues Leben, der sich zu ihm als dem Herrn seines Lebens bekennt. Ganz einfach. Und doch ein lebenslanger (Lern)Weg.

Gebet: Herr Jesus Christus, du sprichst mit uns, du hilfst uns, du gibst uns das Gefühl der Geborgenheit und du zeigst uns Auswege aus Krisen. Alles, was wir dafür tun müssen, ist dir in unserem Leben Platz zu machen. Wenn wir das tun, verliert sogar der Tod seinen Schrecken für uns, weil du ihn besiegt hast und uns ein ganz anderes, ein ewiges Leben eröffnest. Danke, Herr. Amen.

Einen Tag, an dessen Ende du sagen kannst: "Heute war's gut."

wünscht dir und Ihnen


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 21. Oktober 2014

Von Irrwegen, Umwegen und Auswegen ebl


Lehrtext: In Jesus Christus haben wir Erlösung, nämlich die Vergebung der Sünden. (Kolosser 1, 14)

Liebe Losungsgemeinschaft,

das mit dem Beichten ist so eine Sache. Ich weiß nicht, welches Bild Sie bei diesem Thema vor Ihrem inneren Auge haben. Ich sehe mich, nachdem ich als Kind einmal eine ziemlich teure (grüne!) Kristallvase zerschmissen hatte, zerknirscht zu meiner Mutter schleichen und 'beichten'. Sie hat damals zum Glück nicht wirklich geschimpft - aber angenehm ist die Erinnerung an diese Szene für mich nicht.
Gott gegenüber geht es um etwas viel Tiefgehenderes, um eine Sache von existenzieller Tragweite: Es geht um meine Trennung von ihm und meine Nähe zu ihm. Da zieht uns etwas tief in uns (immer wieder einmal) weg von Gott - seien es Gefühle oder Interessen oder Zweifel auch Gleichgültigkeit. Darunter leidet Gott. Denn als unser Schöpfer sucht er unsere Nähe und hat Pläne mit uns.
Diesen Abstand, den wir zwischen Gott und uns legen, überbrückt Jesus. Immer wieder neu, wenn es uns zurückzieht zum HERRN und wir wieder seine Nähe suchen. Wir bleiben 'Sünder' als Menschen, wir bleiben Zeit unseres Lebens 'Abstandschaffer'. Aber da ist Jesus, der sich Zeit unseres Lebens als 'Überbrücker' für uns anbietet und uns den Weg zu Gott immer wieder frei macht. Das ist großartig!

Gebet: Herr, danke, dass ich bei dir die Chance von Vergebung und Neuanfang habe. Du kennst mich, meine Irrwege und Umwege. Großartig, dass du mir, wo immer ich gerade herumirre, die Brücke zu dir zurück in Jesus baust. Du bist der Ausweg und das Ziel in einem. Hab Dank dafür.

Herzliche Grüße aus dem Sommersdorfer Pfarrhaus!


Ihre / eure Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 20. Oktober 2014

Gegen die Armut angehen ebl

Losung: Der Herr wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht ewig verloren sein. (Psalm 9, 19)
Lehrtext: Jesus sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. (Lk. 6, 20)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Losungsvers ist aus einem Psalm herausgenommen, der die Überschrift hat: "Gott sorgt für Recht." David, der dieses Gebet spricht, ist voller Vertrauen, dass Gott diejenigen nicht vergisst, die gerade schwere Zeiten durchmachen. Wenn ich daran denke, wie viele Zigtausende in diesen Tagen das zusammenraffen, was sie tragen können und sich in Sicherheit bringen, sei es in Syrien aus Angst vor radikalisierten Islamisten, sei es in Westafrika vor der unsichtbaren Todesgefahr von Ebola, dann bleibt uns nur zweierlei: Einerseits da helfen, wo wir helfen können - sicher gegenwärtig auch durch eine offene Haltung gegenüber Fremden, die in Deutschland ein Obdach suchen. Und andererseits Gott im Gebet bestürmen, dass er helfend eingreift und Menschen in Machtpositionen zur Besinnung ruft.
Damit der Lehrtext auf dem Hintergrund dieser Gedanken nicht zynisch klingt, hören wir ihn noch einmal anders formuliert: "Ihr seid gesegnet, wenn ihr vor Gott bettelarm dasteht. Ihr werdet erfahren, was es heißt, unter seiner Herrschaft leben zu dürfen." Was wirtschaftlich schwer zu ertragen ist - nämlich bettelarm zu sein - ist in geistlicher Hinsicht eine große Chance: Wer mit leeren Händen vor Gott hin tritt und sagt: "Vater, ich habe nichts, was ich dir geben könnte, füll du mir bitte die Hände", der wird von Gott reich beschenkt. Gottes Liebe ist nämlich bedingungslos.

Gebet: So kommen wir vor dich, Vater - mit ausgestreckten Händen. Darin liegt vielleicht Angst und Unsicherheit, Trotz und Eigensinn. Nimm diese Gefühle weg und füll unsere Hände mit der Bereitschaft zum Zuhören, zum Sorgen und zum Teilen. Greif ein, Vater, wo von Menschen verursachte Not zu groß wird. Schütze besonders die Kinder, die zu den ersten Opfern von Unruhen und Krieg gehören. Amen.

Einen behüteten Start in die neue Woche wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 19. Oktober 2014

Mit Kreide geschrieben hl

Losung: Der HERR war mit Samuel und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen. 1.Samuel 3,19

Lehrtext: Paulus schreibt: Unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit. 1.Thessalonicher 1,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

wissen Sie / weißt Du ein Wort, das Gott zu Dir gesagt hat und das er auch erfüllt? Ich weiß eines. Es hat nur zwei Buchstaben und heißt: Ja. Wie unsicher Du auch Deiner selbst sein magst, wie brüchig Dein Glaube sein mag, wie wenig Du Dich auch selbst lieben magst, wie sehr Du von anderen infrage gestellt oder angegriffen und abgelehnt wirst – Gott hat ‚ja‘ zu Dir gesagt und er steht zu seinem Wort (2. Kor 1,19f.). Er lässt es nicht »zur Erde fallen« (Losung). Bei Deiner Taufe hat er ein für alle Mal ‚ja‘ zu Dir gesagt: „Ja, ich habe Dich gewollt, ich habe Dich geschaffen. Du gehörst zu mir (Hes 34,31). Ja, ich habe Dich gesegnet und durch Jesus gerettet. Du bist nicht verloren. Ja, ich habe Dich geliebt und liebe Dich noch und werde Dich immer lieben.“
Die Sache hat nur einen Haken. Sein göttliches Ja hat nur dann eine Bedeutung und ist nur dann wirksam für Dich, wenn Du darauf vertraust, wenn auch Du „ja“ zu ihm sagst. Das ist die einzige Bedingung, die Gott Dir jemals stellt.
Wenn Martin Luther verunsichert war und im Glauben angefochten, dann hat er eine Kreide genommen und damit auf seinen Tisch geschrieben: »Ich bin getauft!!!« Er glaubte und er wusste: Das gilt und kann von keiner Macht der Welt mehr ausgelöscht werden. Danach war er wieder zuversichtlicher.
Was immer Du von Dir selbst halten magst, was immer andere von Dir halten mögen, über Dir, über Deinem Leben steht das große göttliche „Ja“. Es ist das positive Vorzeichen vor allem was zwischen Deiner Geburt und Deinem Ende steht, das Licht auf deinem Lebensweg. Diese Zusage kann ich Dir geben, weil nicht ich sie mir ausgedacht habe, sondern weil sie das Evangelium, die gute Nachricht aus der Bibel für Dich ist. Und sie kommt zu dir nicht als Schall und Rauch, sondern »in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit« (Lehrtext).

Gebet: Herr Jesus, Du bist das große Ja Gottes für mich. In dem was Du gesagt, getan und erlitten hast erkenne ich, was ich Dir bedeute. Weil Du ja zu mir sagst, will ich mich nicht selbst entwerten. Weil Du ja zu mir sagst, sage ich auch ja zu Dir - und zu mir. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Samstag, 18. Oktober 2014

Antwort von Gott hl

Losung: Ihr sollt einer mit dem andern reden: »Was antwortet der HERR?« und »Was sagt der HERR?« Jeremia 23,35

Lehrtext: Werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Epheser 5,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

kann man denn so ohne weiteres bei einer wichtigen Entscheidung Gott fragen, was er dazu sagt? Nein, so ohne weiteres geht es nicht. Aber wenn Sie / Du  eine persönliche Beziehung zu ihm hast und im Gebet ohnehin im Gespräch mit ihm bist, dann auf jeden Fall. Als Marion zu ihrer Mutter sagte: »Mama, ich weiß einfach nicht, was ich nach meinem Schulabschluss machen soll«, da sagte sie: »Hast Du über dieser Frage schon mal gebetet?« Mir ist bewusst, dass manche es komisch finden, so direkt mit Gott im Gespräch über persönliche Angelegenheiten zu sein. Sie rechnen gar nicht damit, eine wegweisende Antwort zu bekommen. Nun ja, und darum kriegen sie auch keine. Aber wie sonst kann ich wissen, was Gott will (Lehrtext), wenn ich ihn nicht frage?
   Mir scheint es so, als ob nicht wenige Christen heute ein verkrampftes Verhältnis zu Gott haben. Sie wissen nicht so recht, wer denn nun dieser Gott ist, ob er vielleicht ein besonderer Geist ist, oder Energie, oder eine kosmische Idee. Oder wenn sie schon Gott als eine Person glauben, als ihren Vater im Himmel, dann wissen sie nicht, wo er ist und wie sie zu ihm Kontakt aufnehmen können  (In Klammern gesagt: Weißt Du das?). Vielleicht hatten sie auch nie jemanden, der ihnen das gesagt hat.
   Die Bibel ermuntert mich, ein ganz unmittelbares und unverkrampftes Verhältnis zu Gott zu haben, einen ganz normalen Umgang mit ihm zu pflegen, ganz selbstverständlich davon auszugehen, dass er da ist, hier und jetzt, und mich hört und mir auf verschiedene Weise sagt, was er will. Im heutigen Losungswort ermuntert sie mich, auch mit anderen Menschen darüber im Gespräch zu sein, was denn Gott antwortet und sagt. Was meint er wohl zur Situation der Flüchtlinge in unserem Land? Was meint er wohl zum Streit in der Familie? Was meint er zu meinen schlechten Angewohnheiten? Was meint er zur Situation unserer evangelischen Kirche? Über all das kann man mit anderen Menschen im Gespräch sein. Und oft genug antwortet mir Gott auch aus ihrem Mund, ohne dass sie es wissen.

Gebet: Herr Jesus, je mehr ich darauf achte, was Du in der Bibel gesagt und getan hast, je mehr ich mir darüber im Klaren bin, für welche Menschen Du Dich eingesetzt und welchen Du widerstanden hast, desto mehr erkenne ich auch in meiner Zeit und in meinem Leben Deinen Willen. Denn durch Dich spricht Gott mich an. Und durch Dich bin ich mit ihm verbunden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

P.S: "Gutes tun" - Anregung: Kleinkredite zur Selbsthilfe für Menschen in der Dritten Welt: KIVA (je Kredit 25 $. Rückzahlquote: 98 %. Jeder Kredit kann wieder ausgezahlt oder neu geliehen werden. Meine persönlichen Erfahrungen seit 3 Jahren: Sehr positiv! WEB-Site nur auf Englisch)

P.P.S. Unsere Gemeinde-Website: http://www.sommersdorf-thann.de

Freitag, 17. Oktober 2014

Wer Gott am Herzen liegt hl

Losung: Nach dir, HERR, verlanget mich. Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden. Psalm 25,1-2

Lehrtext: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Lukas 19,10

Liebe Leserin, lieber Leser,

jetzt frage ich Sie / Dich einfach mal, ob es Dir sonnenklar ist, worum es Gott im Hinblick auf uns Menschen geht... Was will Gott von Dir, von mir, von uns allen? Was für eine Antwort hat man Dir als Kind oder als Jugendlichem auf diese Frage gegeben? Ich fürchte, dass die Antwort oft irgendwie mit Moral zu tun hatte. Etwa der Art: „Gott will, dass Du ein anständiger Mensch bist, keine Sünde begehst, die zehn Gebote beachtest, mit einem Wort, dass Du fromm bist. Dann findet er an Dir Gefallen.“ Wenn Du so etwas gehört hast und noch immer meinst, dass Gott so sei, dann – und jetzt bin ich einmal etwas grob und direkt – dann bist Du vielleicht ein Jude, oder ein Moslem, oder gehörst sonst irgend einer Religion an. Aber Christ bist Du nicht. Und diejenigen, die so etwas zu Dir gesagt haben, auch nicht.
Es gehört zum absoluten Zentrum des christlichen Glaubens, dass Gott nicht die Reinen und Gerechten und Frommen am Herz liegen, sondern die Schmutzigen, die Versager, die Sünder, die Gottlosen. Für sie ist Jesus geboren worden. Für sie hing er am Kreuz. Für sie ist er auferstanden. Sie, die Verlorenen, sucht und rettet er (Lehrtext). Das ist mein Glück! Sonst hätte ich keine Chance. Auch als Pfarrer bin ich nicht gerecht, fromm und rein so wie sich das der kleine Fritz gern vorstellt. Gerade in meinem Beruf bin ich auf Gottes Barmherzigkeit besonders angewiesen, weil es leicht sein kann, dass ich einen anderen Anschein erwecke als den, wie ich als Mensch wirklich bin. Ich werde jetzt hier keinen Seelen-Striptease machen und „mein Herz auf den Tisch so hungriger Leut“ legen. Wie's wirklich um mich steht, das geht Gott an, und niemand sonst. Aber so viel kann ich sagen: Es war für mich eine große Befreiung, als mir klar geworden ist: Du musst dich vor ihm nicht verstecken, wenn du etwas falsch gemacht hast oder schuldig geworden bist. Im Gegenteil, du darfst dann erst recht mit seiner Liebe und Hilfe rechnen. Genau das ist es, was er von dir will.
Wenn ich als Kind irgendetwas angestellt hatte, habe ich mich nicht heim getraut aus Angst vor Strafe. Jetzt ist es umgekehrt. Jetzt suche ich den, der mir vergibt, der mir hilft, der mir den Frieden wiedergibt, den ich verloren habe. Nach diesem Gott verlangt mich, auf ihn hoffe ich. Er lässt mich nicht zuschanden werden. (Losung) Und die Meinung der Leute, der Kollegen, der Vorgesetzten? – Die kann mir gestohlen bleiben.

Gebet: Herr Jesus, Du warst Dir nicht zu schade, zu den Sündern zu gehen. Du gehst auch heute noch zu denen, die Deine Liebe brauchen. Das zu wissen, tut mir gut. Darauf verlasse ich mich. Sende Du auch mich zu denen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen und die meine Sympathie brauchen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Selbstüberschätzung hl

Losung: Wer den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat. 1.Könige 20,11

Lehrtext: Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth: Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft. 1.Korinther 2,3-4

Liebe Leserin, lieber Leser,

Qualifikation zur Fußballeuropameisterschaft: Holland, die drittbeste Mannschaft beim Weltmeisterschaftsturnier in Brasilien, verliert in Island 2: 0. Gegen Island!!! Und Deutschland, der Weltmeister? Er kommt vorgestern nach einer Niederlage gegen Polen nicht über ein 1:1 gegen Irland hinaus. Die Niederlagen und das unrühmliche Unentschieden haben mehrere Ursachen. Eine ist, dass Holland und Deutschland ihre Gegner bereits vor dem Anpfiff im Kopf besiegt und damit krass unterschätzt und sich selbst überschätzt hatten. Aber ein Fußballspiel endet erst mit dem Schlusspfiff. Dann wird zusammen gezählt. Dann stehen Sieg und Niederlage fest. Wie heißt das Sprichwort aus der Bibel? „Hochmut kommt vor dem Fall.“
Ahab, der König von Israel, antwortet im heutigen Losungswort seinem siegesgewissen Feind Ben-Hadad, dem König der Aramäer: »Wer den Harnisch (die Rüstung) anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat.« Wir sagen heute: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ (Losung). Beide Sprichwörter möchte ich auch den Politikern ins Stammbuch schreiben, die jetzt in bester Absicht davon reden, mit Bodentruppen in Syrien einzugreifen und den Islamischen Staat zu bekämpfen. In einen Krieg zu ziehen, ist kein Problem. Aber ihn erfolgreich zu beenden.
Selbstüberschätzung ist auch in Glaubensdingen problematisch. Es ist leicht in guten Tagen Gott zu loben. Aber irgendwann kommen auch die schlechten. Und dann steht Dein Glaube, dann steht jeder Glaube auf dem Prüfstand. Jesus hat schon gewusst, warum er zu Petrus sagte: »Ich habe darum gebetet, dass Dein Glaube nicht aufhöre.« Ohne Gottes Geist und seine Kraft (Lehrtext) hält niemand im Glauben durch. Denn das Leben und mit ihm der Glaube ist erst nach dem Schlusspfiff zu Ende, dann, wenn Gott sagt, dass es aus ist.

Gebet: Herr, so wie Du für Petrus gebetet hast, bete bitte auch für mich. Komm Du mir mit Deinem Geist und Deiner Kraft zu Hilfe wenn ich mit meiner am Ende bin. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Im Zeichen des Fisches hl

Losung: Wahrlich, es hat Israel keine andere Hilfe als am HERRN, unserm Gott. Jeremia 3,23

Lehrtext: Jesus half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren. Markus 1,34

Liebe Leserin, lieber Leser,

eigentlich müssten die Badenden an der Atlantikküste wissen, wie gefährlich das Meer ist. Eigentlich müsste es genügen, Schilder aufzustellen auf denen steht: „Lebensgefahr! Bei Sturm Baden verboten!“ Eigentlich müssten wir Menschen so gescheit sein, dort, wo schon andere ihr Leben gelassen haben, nicht noch einmal das eigene Leben zu riskieren. Eigentlich! Aber in Wirklichkeit ist es eben nicht so. Jahr für Jahr kommen an der Atlantikküste Portugals und Frankreichs Dutzende  ums Leben. Und deshalb haben die Behörden Wachtürme aufgestellt, auf denen Rettungsschwimmer sitzen, die mit ihren Ferngläsern das Wasser nach unvernünftigen Badegästen absuchen. Ab und zu springen sie herunter, schieben ein stark motorisierte Schlauchboot ins Wasser und retten solche, die kurz vor dem Ertrinken sind. Alle Warnschilder, alle Baderegeln helfen leider nur bedingt. Aber soll man die Leichtsinnigen nicht einfach untergehen lassen und sich den kostspieligen Rettungsdienst sparen? Sie sind doch selber schuld, wenn sie sich unnötig in Gefahr bringen. Warum also der ganze Aufwand? Warum riskieren die Retter gar ihr Leben und sterben hin und wieder bei einer solchen Aktion?
Nahezu dieselben Fragen kannst Du auch Gott stellen oder Jesus. Die Bibel ist voll von Geschichten, wie Menschen alle Gebote und Warnungen Gottes in den Wind schlagen und ihr Glück ohne ihn suchen. Und sie ist ebenso voll von Geschichten, wie sie dabei scheitern, schlimmste Katastrophen erleiden und schließlich von Gott, den sie zuerst missachtet haben, gerettet werden (Losung). Immer wieder das gleiche Muster, jahrtausendelang bis in unsere Tage.
Wie an der Atlantikküste, so bezahlen sonst manche ihr falsches Verhalten mit dem Leben. Viele aber werden auch gerettet. Als vor 70 Jahren unsere Eltern und Großeltern aus Nazi-Wahn, Krieg und Vertreibung herausgekrochen kamen, waren die Gottesdienste plötzlich wieder gut besucht. Viele kehrten reumütig zu Gott zurück. Das ist vorbei.
Aber nicht vorbei ist und wird auch niemals sein, dass da ein Lebensretter über uns wacht, der sein eigenes Leben dran gegeben hat, damit wir nicht untergehen. Die ersten Christen hatten ein Geheimzeichen, welches davon erzählt: Den Fisch. Schreibt man dieses Wort auf Griechisch, dann ist jeder einzelne Buchstabe eine Abkürzung für folgende Wörter: „Jesus Christus, Gottes Sohn, unser Retter!“ Das gilt damals. Und das gilt heute noch. Und das ist auch meine Hoffnung, dass Gott mich nicht untergehen lässt, selbst wenn ich wieder mal auf eigene Faust unterwegs bin.

Gebet: Herr, Du hast viele Kranke geheilt. Heile auch mich von der Krankheit der Gottesblindheit. Und wenn ich blindlings in mein Unglück renne, dann, bitte, hole mich wieder heraus. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Dienstag, 14. Oktober 2014

So wird Gott auf Dich aufmerksam hl

Losung: Ich danke dem HERRN von ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder. Psalm 9,2

Lehrtext: Seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. 1.Thessalonicher 5,18

Liebe Leserin, lieber Leser,

„O Gott, bitte gib mir dies und das!“ - So klingt es unablässig von überall her seit eh und je an Gottes Ohr. Es ist wohl eines der größten Wunder, dass er darüber nicht müde wird und trotzdem immer noch hinhört. Aber wenn Du willst, dass Gott auf Dich aufmerksam wird, dann sage ein kleines Wörtlein, das er nicht so oft zu hören bekommt, das aus der Flut der zahllosen Bitten einsam heraus ragt. Sage einfach mal zwischendurch am Tag und ohne großartigen Anlass ‚danke, Herr!‘ Aber danke nicht nur für das, was Du hast, sondern auch für das, was Du nicht hast, und wenn's ein schmerzhaftes Hühnerauge ist. Wenn Du erst einmal darüber nachdenkst, was Gott Dir alles erspart, dann wirst Du schnell wieder dankbar und zufrieden. Und manchmal ist es vielleicht auch so, wie das Sprichwort sagt: ‚Wen Gott strafen will, dem erfüllt er seine Wünsche.‘ Ich jedenfalls bin rückblickend dankbar, dass nicht alles, was ich mir jemals gewünscht hatte, in Erfüllung gegangen ist.

Gebet: »Danke, ach Herr ich will Dir danken, dass ich danken kann!« Amen
(EG 334. Letzte Zeile aus dem Lied ‚Danke für diesen guten Morgen‘)

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 13. Oktober 2014

Schau nicht zurück! hl

Losung: Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Jesaja 43,18-19

Lehrtext: Als Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt. Matthäus 11,2-5

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht gehören Sie / gehörst Du zu denen, die möchten, dass alles so bleibt wie es ist. Das hat durchaus etwas für sich. Da weiß man, was man hat. Da kennt man sich aus. Da ist man vor unliebsamen Überraschungen gefeit. Aber zugleich bedeutet das Stillstand und letzten Endes Rückschritt. 
Vielleicht gehören Sie / gehörst Du zur Zeit zu denen, die sich nach etwas Neuem sehnen, vielleicht nach einem neuen Partner, vielleicht nach einem neuen Beruf, einem neuen Haus, oder gleich nach einem neuen Leben. Aber Sehnen allein bringt Dich nicht dahin. Du weißt, dass Du für Deine Wünsche und Träume etwas tun musst, wenn Du eine Chance haben willst, dass sie sich verwirklichen. Wer sich nach einem neuen Partner sehnt und dabei immer nur zu Hause rumsitzt, der hat bestenfalls eine Chance beim Postboten oder bei den Zeugen Jehovas. 
Ich meine, dass noch etwas hinzu kommen muss. Es hilft Dir, darüber klar zu werden, was Du wirklich willst und ob das auch gut für Dich ist, wenn Du darüber betest. Und wenn Du dann den Eindruck hast, dass Gott Dein Vorhaben unterstützen kann, solltest Du auch etwas dafür tun.
Du und ich, wir haben einen Gott, dem die Zukunft gehört. Wir haben einen Herrn, der kommen wird, während alle anderen Herren dieser Welt gehen müssen. Egal wie alt wir sind, wir können neugierig auf die Zukunft sein und das, womit Gott uns überraschen wird. Die Popgruppe Fleetwood Mac hat dazu einen passenden Song geschrieben:
»Hör nicht damit auf, über das nachzudenken, was morgen sein kann. Es wird bald so weit sein. Und es wird besser sein als das, was vorher war. Das Gestern ist vergangen. Schau also nicht zurück.« Dieser Satz ist eine Allerweltsweisheit. Aber für Dich, der Du an Gott glaubst, ist er ein Versprechen.
 
Gebet: Herr, wo Du bist, bleibt nichts beim Alten. Du willst, dass auch ich innerlich immer wieder neu werde auch wenn ich äußerlich älter werde. Schenke mir ein junges Herz. Schenke mir einen frischen Glauben. Schenke mir einen neuen, beständigen Geist. Und lass mich getrost in die Zukunft gehen. Denn das, was auf mich zukommt, bist Du. Dich grüße ich mit jedem neuen Tag. Amen

Und hier ist der Song: Don’t stop! Dreh die Lautsprecher auf und tanze. Das wird Dir gut tun.

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Sonntag, 12. Oktober 2014

Was bestimmt mein Verhalten? (Predigt) hl

Predigttext: Epheser 4, 1-6  Übersetzung: ‚Willkommen daheim‘
Predigt am 12. Oktober 2014 von Hans Löhr

Liebe Gemeinde,

das Thema der heutigen Predigt heißt: Was bestimmt mein Verhalten?
Wir sind dazu berufen, so zu leben wie auch Jesus gelebt hat, schreibt der Apostel Paulus. Und damit meint er nicht nur die Christen, sondern uns heute. Aber was könnte das denn sein, wie Jesus zu leben?
Jeder von uns kann sich unterschiedlich verhalten.  Auf der Arbeit verhältst Du Dich anders als daheim. In der Öffentlichkeit sind viele kontrollierter, beherrschter, freundlicher und höflicher als hinter der eigenen Haustür. Das ist schon bei Konfirmanden so.
Nina zum Beispiel fühlte sich im Unterricht vom Deutschlehrer ungerecht behandelt. Kevin, der hinter ihr sitzt, hat sie dauernd geärgert und so lange gereizt, bis sie sich umdrehte und wütend seine Bücher und Hefte vom Tisch fegte. Das hatte der Deutschlehrer gesehen und gab ihr einen Verweis. Für den Rest der Stunde sagte sie nichts mehr. Auch im Schulbus nach Hause kein Wort. Sie musste mit den Tränen kämpfen, wollte sie aber niemandem zeigen. Sie hätte am liebsten ihre Wut hinausgebrüllt, aber sie wollte sich nicht lächerlich machen. Doch als sie endlich daheim war und die Haustür hinter ihr ins Schloss gefallen ist, gab‘s kein Halten mehr. Sie schrie ihre Wut hinaus und die Tränen liefen ihr übers Gesicht. Es dauerte einige Zeit, bis sie sich wieder beruhigt hatte und dann doch zum Mittagessen aus ihrem Zimmer kam.
Ja, in der Öffentlichkeit wollte Nina ihre Gefühle nicht so zeigen. Da hatte sie Angst, zum Gespött anderer zu werden. Diese Angst war stärker als ihre Wut.
Und, so frage ich, geht es nur Nina so? Kämpfen nicht auch Erwachsene mit ihrer Wut und manchmal mit Tränen, wenn sie in der Firma gedemütigt worden sind oder wenn sie mitbekommen, dass andere schlecht über sie reden? Oder wie ist es, wenn Du einfach nur schlecht drauf bist und Dich am liebsten im Bett verkriechen würdest. Aber Du musst auf die Arbeit, musst hinter dem Bankschalter stehen oder an der Supermarktkasse sitzen und freundlich sein. Und selbst wenn ein Kunde Dir gegenüber unhöflich ist, erwartet Dein Chef, dass Du Dich zusammennimmst und höflich bleibst.
Hört auf diesem Hintergrund das Bibelwort für den heutigen Sonntag. Es steht im Brief des Apostels Paulus an die Christen in Ephesus und heißt:
»Ich kann Euch nur ermutigen, ein Leben zu führen, das Eurer Berufung entspricht. Ihr seid berufen, so zu leben, wie auch Jesus gelebt hat. Folglich wird Euer Leben geprägt sein von seiner Demut, seinem liebevollen Umgang mit Menschen und seiner unerschöpflichen Geduld. Durch ihn habt ihr gelernt, liebevoll miteinander auszukommen.«
Anders gesagt ich soll nicht nur in der Öffentlichkeit, nicht nur in der Schule oder am Arbeitsplatz, sondern auch daheim freundlich sein, liebevoll, geduldig und rücksichtsvoll. Die Bibel sagt: Der Maßstab für Dein Verhalten soll nicht die Frage sein „Was denken die Leute? Was will der Chef?“ Der Maßstab soll Jesus selbst sein, das was er gesagt, getan und wie er sich verhalten hat.
Ich bin zum Beispiel verletzt, ich bin wütend, ich hätte große Lust meine Wut raus und meine Frustration an andern auszulassen. Doch halt! Das ist nicht mein Weg. Nicht meine Gefühle und Gedanken sollen mich beherrschen, sondern Jesus. Er verbietet mir nicht meine Gefühle und Gedanken. Er verbietet mir auch nicht meine Wut. Aber er fragt mich: „Überlege erst einmal, was ist jetzt gut für Dich? Wem hilft Dein Ärger, wem hilft Deine Wut und wem schadet sie?“ Da liegt dann die Antwort auf der Hand. Mit meinen unkontrollierten Gefühlen schade ich mir selbst am meisten. Damit beschädige ich meine Selbstachtung und auch die Achtung, die andere vor mir haben sollen. Damit beschädige ich auch meine Beziehung zu ihnen. Ist es das wert? Ist der Anlass für meine Wut, für meinen Ärger, für meine Enttäuschung das alles wirklich wert? In den allermeisten Fällen nicht. Und wenn man dann mit ein bisschen Abstand darauf zurückblickt, worüber man sich schon alles aufgeregt hat, dann sagt man sich: Na so hättest Du damals auch nicht aus der Haut fahren müssen.
 „So zu leben, wie auch Jesus gelebt hat“ Das ist die Folge davon, dass ich Christ bin. Was anders heißt denn „Christ sein“ als so leben zu wollen, wie er?
Das geht nicht von selbst. Gerade als Christ muss ich mich im Griff haben und mir Mühe geben, mit anderen gut auszukommen. Aber nicht, weil sie es von mir erwarten oder weil ich vielleicht Angst vor Gott oder dem Gerede der Menschen habe. Nein, sondern weil ich es selber so will. Christ bist Du nicht gezwungenermaßen, sondern freiwillig. Entweder willst Du es selbst, so wie Jesus zu leben, so wie er auf Gott zu vertrauen oder Du lässt es sein.
Doch wie will ich denn sonst leben, wenn ich nicht wie er leben will? Nach welchen Maßstäben richte ich mich denn dann? Will ich mich nur noch danach richten, wie andere leben, wie sie sich verhalten, was sie von mir erwarten? Dann werden die Leute und ihre Meinung, ihre Mode und ihr Gerede zu meinem Gott. Aber die, liebe Gemeinde, sind alles andere als barmherzig. Das weiß doch jeder von uns, wie gnadenlos Arbeitskollegen, Nachbarn, Mitschüler ja selbst Verwandte sein können.
Was bestimmt mein Verhalten? – So heißt das Thema dieser Predigt. Als Christ wünsche ich mir, dass es nicht die Gebote sind, nicht die Angst vor Strafe oder einem bösen Gerede. Als Christ wünsche ich mir, dass mein Verhältnis zu Jesus mein Verhalten bestimmt.
Wenn es nur um das richtige Verhalten ginge, um die richtige Moral, bräuchte ich nicht Christ zu sein. Darum geht es bei den Juden und bei den Muslimen auch. Aber im Glauben an ihn geht es zu aller erst um ein Verhältnis, um ein persönliches Verhältnis zu Gott und zu Jesus. Wo das besteht, verhalte ich mich freiwillig so, wie er es sich wünscht, besser: Wie es mir gut tut. Das ist wie unter uns Menschen auch, wo zwei sich lieben, verhalten sie sich auch entsprechend zueinander.
Ich glaube, je wichtiger Jesus in meinem Leben wird, desto besser komme ich mit mir und meinen Mitmenschen zurecht. Je mehr ich seinen Frieden in mir spüre, desto weniger leicht lasse ich mich aus der Bahn werfen.

Und wenn ich doch scheitere, wenn meine Gefühle mich doch wieder einmal übermannen und Ärger und Wut mir den Kopf vernebeln, wenn ich andere mit Worten verletze, weil ich selbst verletzt bin, dann ist er es, der mir vergibt. Er verlangt von mir nicht, dass ich perfekt bin, dass ich genauso bin wie er ist. Aber er freut sich, wenn ich mich darum bemühe. Und das nicht, weil ihm das gefällt, sondern weil mir das gut tut und denen, die mit mir zusammen sind. Amen

Samstag, 11. Oktober 2014

Lass nicht locker! hl

Losung: Das Verlangen der Elenden hörst du, HERR; du machst ihr Herz gewiss. Psalm 10,17

Lehrtext: Das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. 1.Johannes 5,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

geschieht nur das, was Gott will? Sollte man meinen, oder? Aber warum sollte ich dann noch beten? Die Bibel weiß viele Geschichten, in denen Menschen mit ihrem Gebet Gott umstimmen, und er schließlich dann doch tut, was sie wollen. Ja sie ermutigt mich geradezu, Gott seinen Willen nicht zu lassen, sondern ihn so lange mit meinen Gebeten zu bedrängen und zu bestürmen, bis er mich erhört.“
Das prominenteste Beispiel ist jene Mutter aus Syrophönizien, also eine Heidin und Ausländerin, die Jesus bittet, ihrer kranken Tochter zu helfen. Erst will er nicht, weil er sich nur zu den Juden gesandt weiß. Aber als sie nicht locker lässt, ist er ihr doch zu Willen und heilt. Jesus rühmt ihren Glauben, weil er die Kraft hatte, ihn umzustimmen. (Matthäus 15,21-28)
Lass also auch du nicht locker, wenn Du von Gott etwas willst. Solange es um eine gute Sache geht und Du anderen damit nicht schadest, hast Du gute Aussichten, dass er Dein Gebet erhört.
Unterm Strich erhört Gott die weitaus meisten Gebete. Du merkst das, wenn Du täglich zu ihm betest. Vielen mag das, worum du betest, selbstverständlich erscheinen. Aber das ist es nicht, weder das tägliche Brot, noch dass Gott Dich und Deine Familie behütet, noch der Friede in unserem Land, noch dass du auf Reisen bewahrt wirst und aus einer Krankheit wieder genest. Nichts davon ist selbstverständlich, sondern Gnade.
Aber manchmal erfüllt Gott Dir Dein Gebet nicht oder zumindest nicht gleich. Das kann sehr wehtun. Das kann Dich im Glauben verunsichern. Doch er hat seine Gründe, auch wenn ich sie nicht kenne und nicht verstehe. Dann bete ich „Dein Wille geschehe!“ Und das nicht, weil ich so fromm wäre, sondern weil es das Letzte ist, was ich dann noch beten kann.

Gebet: Mein Herr und mein Gott, Du hast schon so viele meiner Gebete erhört, mehr als die, für die ich mich bedankt habe. Immer wieder falte ich zuversichtlich meine Hände und vertraue darauf, dass Du mich auch dieses Mal wieder hörst. Doch ich bitte Dich ebenso für die vielen, die jetzt aus großer Not zu Dir beten. Erhöre auch sie. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

p.s.: Gestern, am 10.10.2014, war ein besonderer Tag. Siehe hier

Freitag, 10. Oktober 2014

10 Jahre Sonntagskinder hl

Losung: Als die Zeit herbeikam, dass David sterben sollte, gebot er seinem Sohn Salomo und sprach: Ich gehe hin den Weg aller Welt. So sei getrost und diene dem HERRN, deinem Gott. 1.Könige 2,1-2.3

Lehrtext: Sieh auf das Amt, das du empfangen hast in dem Herrn, dass du es ausfüllst! Kolosser 4,17

Liebe Leserin, lieber Leser,

haben Sie / hast Du ein Kind, ein Enkelkind, ein Patenkind? Dann hast Du auch ein Amt. Und das Amt, das Du „in dem Herrn empfangen hast“ (Lehrtext) beinhaltet, Dein Kind, Dein Enkelkind, Dein Patenkind im Glauben zu begleiten und zu unterstützen. Wir alle wären ungläubig oder andersgläubig und würden Gott, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat, nicht kennen, wenn es nicht in allen Generationen vor uns Menschen gegeben hätte, die die gute Nachricht von Gott weiter erzählt haben und in ihrem eigenen Glauben für andere ein Vorbild waren. So haben sie „dem Herrn gedient“ (Losung). Und das ist auch unsere Aufgabe.
Am Sonntag feiern wir das zehnjährige Jubiläum unseres innovativen Kindergottesdienstprojekts „Sonntagskinder“. Damit haben wir in unserer Gemeinde die Kindergottesdienstkrise der Landeskirche überwunden. In all den Jahren hatten wir regelmäßig zwischen 25 und 50 Kinder, die sich für unsere Art Kindergottesdienst zu feiern begeistern ließen. Und wir hatten erstaunlich viele Mitarbeitende, die wir auch gebraucht haben, darunter etliche Männer, auf die wir besonders stolz sind. Schließlich ist das die große Ausnahme, dass Männer beim Kindergottesdienst mitarbeiten. Nun ja, was unsere Mitarbeiter alle 14 Tage für 90 Minuten im Gemeindehaus in Thann auf die Beine stellen, ist auch alles andere als langweilig:
Die Sonntagskinder beginnen mit einer 30-minütigen Spielzeit, in der Erwachsene mit Kindern spielen. Das ist für viele Kinder eine komplett neue Erfahrung. Anschließend singen wir zeitgemäße, geistliche Kinderlieder mit passenden Bewegungen. Danach gibt es fast immer ein kleines Theaterstück, in dem eine biblischen Geschichte von Mitarbeitenden und von Kindergottesdienstkindern vorgespielt wird. Das ist der Höhepunkt der Sonntagskinder. Oder vielleicht auch die anschließende Kleingruppe, in der Kinder ihrem Alter entsprechend zusammengefasst werden und wo ihre Kleingruppenleiter noch einmal mit ihnen über das, was sie gerade erlebt haben, sprechen, wo man Geburtstag feiert, miteinander trinkt und isst und nicht zuletzt betet. Wir sind sehr dankbar, dass diese Arbeit nun schon so lange sichtbar gesegnet ist. Wir wissen aber auch, dass unsere Bemühungen bei den Kindern nur dann auf fruchtbaren Boden fallen, wenn sie auch im Elternhaus im Glauben unterstützt werden. Da ist der alles entscheidende Ort, wo sie den Glauben lernen und leben können.

Gebet: Herr, ich danke Dir für unsere Mitarbeitenden bei den Angeboten für Kinder. Du hast uns tolle Menschen geschickt und segnest ihre Arbeit. Ich danke Dir auch für die Kinder, die zu uns kommen. Lass sie bei uns erfahren, wie schön es ist, an Dich zu glauben. Du tust uns allen gut, ob jung oder alt. Und das will ich nicht für mich behalten, sondern anderen weitersagen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

p.s.: Besuchen Sie auch unsere neuen Internetseiten mit vielen interessanten Informationen, Themen und Glaubensimpulsen: Hier!