Mittwoch, 31. Dezember 2014

Er regiert hl

Silvesterpredigt 2014 von Hans Löhr

Bibelworte zur Predigt:
Tageslosung: Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll. Hesekiel 34,23
Lehrtext: Der Gott des Friedens, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten. Hebräer 13,20-21

Stilles Gebet

Und, liebe Leserin, lieber Leser, wie war 2014 für Sie / für dich?
War es ein gutes Jahr? War es ein schlimmes Jahr? Oder war es durchwachsen? Was es auch gebracht hat, gut, dass du mit den anderen jetzt hier bist und am Ende des alten und an der Schwelle zum neuen Jahr Gottesdienst feierst. Du wärest wohl nicht hier, wenn es nicht auch etwas gäbe, wofür du danken kannst und wenn es nur das ist, dass du ein weiteres Jahr erlebt hast . Du wärst vermutlich nicht hier, wenn du dir nicht Gottes Segen für das neue Jahr wünschen würdest mit Gesundheit, Schutz und Kraft.
Weltweit gab es dieses Jahr gute und schlechte Nachrichten, wie eigentlich in jedem Jahr. Katastrophenmeldungen und Freudenbotschaften wechselten sich ab. Für Fußballfans war es ein besonderes Jahr. Da gab es den unglaublichen 7:1 Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Brasilien und dann im Endspiel noch das Tor zum 1:0 Sieg über Argentinien. Ein Tor für die Ewigkeit: Schürle flankt kurz vor Schluss von links. Götze nimmt den Ball mit der Brust an und schießt volley ins Glück. Weltmeister! Ganz Deutschland flippt aus. Ganz Deutschland? Naja, da gab es schon noch ein paar Millionen, die sagten: Mir ist das alles wurscht. Ich interessiere mich nicht für Fußball.
Doch 2014 war auch überschattet vom Konflikt um die Krim und in der Ukraine, von der Ebola Seuche in Afrika und von Katastrophen wie in den letzten Tagen: Flugzeugabstürze, Schiffsunglücke, Naturkatastrophen. Und dann die vielen Flüchtlinge aus dem mittleren Osten, aus Syrien und dem Irak. Das alles wird uns auch im neuen Jahr beschäftigen. Doch zwischendrin war wieder das Gedenken an ein echtes Wunder, an den Mauerfall vor 25 Jahren.
Den ausführlichen Jahresrückblick überlasse ich lieber den Medien. Heute geht es in der Predigt um den, der dich und mich durch das Jahr hindurch geführt hat und uns auch im neuen leiten wird, um Jesus Christus, den »Großen Hirten der Schafe« wie es im biblischen Lehrtext dieses Tages heißt. Denn wir hier haben noch einen anderen Blick als die Medien, als Fernsehen und Zeitung. Wir schauen mit den Augen des Glaubens auf das alte Jahr zurück und blicken damit auch voraus auf das neue.
Wir? Ich jedenfalls glaube, dass wir nicht ziellos durch die Zeit taumeln, vom Zufall und einem blinden Schicksal herumgeschubst. Vielmehr vertraue ich darauf, dass Gott einen Plan für hat für dich und für mich und uns durch Jesus Christus führt durch gute und schlechte Zeiten dorthin, wo wir alle daheim sind. Das glaube ich. Und was glaubst du?
Einmal fragte mich eine Frau bei einem Besuch, was denn mit denen sei, die sich nach ihrem Tod verbrennen lassen. Wird es für sie auch eine Auferstehung geben? Ich habe damals gesagt: »Wissen Sie, das ist nicht mein Problem. Das überlasse ich ganz und gar Gott. Dafür ist er zuständig. Wie er das macht, ist seine Sache.« Und das sage ich jetzt mehr zu mir selbst: Ich wünsche mir nur, dass ich einmal auf meinem Sterbebett sagen kann: „So, Herr, bis hierher bin ich auf eigenen Füßen gelaufen. Jetzt bist du dran. Jetzt musst du mich tragen und alles zu einem guten Ende bringen, wie du es versprochen hast.“
In einem solchen Glauben schaue ich auch auf das neue Jahr. Warum soll ich mir über etwas Gedanken, ja sogar Sorgen, was ich nicht weiß und was ich darum auch nicht steuern kann? Ich habe nur den Tag heute. Durch den will ich gut und anständig hindurch kommen, im Frieden mit meinen Angehörigen, im Frieden mit mir selbst und mit meinem Gott. Da habe ich schon genug zu tun.
Freilich weiß ich auch von den Gefahren, die uns drohen, dass der Ukraine-Konflikt aus dem Ruder laufen könnte, dass es in Deutschland wegen der Flüchtlinge Unruhen geben könnte, dass es Katastrophen aller Art geben könnte im Großen wie im Kleinen. Und nicht zuletzt weiß ich, dass ich auf dünnem Eis lebe. Denn die Gesundheit ist ein zerbrechliches Gut. Aber  ändere ich etwas, wenn ich jetzt aus Angst vor möglichen Katastrophen zittere und mich verkrieche?
Egal ob ich danach frage, wie es nach dem Tod mit mir weitergeht oder danach, was morgen kommen wird, Gott ist der Herr! Er regiert Zeit und Zukunft! Ihm lege ich meine Fragen und Sorgen in die Hand. Ihn lasse ich machen. Meine Aufgabe ist, dass ich heute tue, was in meinen Kräften steht und zugleich darauf vertraue, dass Gott tut, was in seinen Kräften steht. Sein Job ist es, dass er die Welt regiert. Mein Job ist es, dass ich glaube.
Er hat mir und dir den großen Hirten Jesus Christus erweckt und aus den Toten herauf geführt, wie es die beiden Bibelworte für diesen Tag sagen. Er hat das nicht getan, weil ich einen Anspruch darauf hätte. Er hat dir und mir diesen Hirten geschenkt, weil dieser, weil Jesus Christus aus Liebe zu uns beiden am Kreuz gestorben ist. Er ist der „gute Hirte“, der sein Leben lässt für seine Schafe. Er ist es, der dich und mich durch das alte Jahr und all die Jahre davor geführt hat, der uns in guten wie in schlechten Zeiten behütet hat. Er wird uns auch im neuen Jahr führen und behüten, was immer auch kommt.
Lass uns, liebe Predigthörerin, lieber Predigthörer, ihm unser Leben schenken, es gehört ihm ja sowieso. Er steht vor der Tür und wartet nur darauf, dass wir ihm auftun und den Satz sagen, mit dem die Bibel endet: „Amen, ja komm Herr Jesus!“ Weil er der Hirte ist, deiner und meiner, brauchen wir vor dem, was kommt, jetzt keine Angst zu haben. Weil er der Hirte ist, deiner und meiner, wird er uns die Kraft geben, das zu tun, was Gott gefällt und was uns gut tut. Und um diese Kraft bitte ich ihn, um Kraft für den nächsten Schritt. Das reicht schon. Was danach kommt, dafür ist er zuständig. Amen
Gebet:
1 Gib mir Kraft für diesen Tag!
Herr, ich bitte Dich nur für diesen,
dass mir werde zugewiesen,
was ich heute brauchen mag.

2 Jeder Tag hat seine Last,
jeder Tag bringt neue Sorgen,
und ich weiß nicht, was für morgen
Du mir, Herr, beschieden hast.

3 Aber eines weiß ich fest,
dass mein Gott, der seine Treue
täglich mir erwies aufs neue,
sich auch morgen finden lässt.

4 Und so will ich meine Bahn
ohne Sorgen weiterschreiten.
Du wirst Schritt für Schritt mich leiten,
bis der letzte Schritt getan.

Gottes Segen zum neuen Jahr!

Er kümmert sich um uns ebl

Losung: Ich will ihnen einen einzigen Hirten erwecken, der sie weiden soll. (Hes. 34, 23)

Lehrtext: Der Gott des Friedens, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig zu allem Guten. (Hebräer 13, 20 - 21)

Liebe Losungsgemeinschaft,

einer wird es letztlich richten. Ein guter, höchst verantwortungsvoller Hirte wird sich um die Herde kümmern anstelle vieler, von denen mancher zuerst seinen Vorteil sucht. Diesen Hirten schickt Gott selber.
Weil viele Leute damals von der Weidewirtschaft gelebt haben, hat das Bild, das der Prophet Hesekiel im Auftag Gottes zeichnet, jeder verstanden. Die Herde ist das Volk Israel. Sie verläuft sich, wenn sie überhaupt keinen Hirten hat. Teile davon verirren oder verletzen sich, wenn sie mehrere verantwortungslose Hirten haben, die es sich irgendwo gemütlich machen und ihre Schafe sich selber überlassen. "'Ich selbst', so heißt es ein paar Verse vorher, 'will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen', spricht Gott der HERR." (Hes.34, 15)
Gott kümmert sich um uns Menschen, Er überlässt uns nicht uns selber oder gewissenlosen Machtmenschen, sondern er selbst führt.

Wer darauf vertraut, dessen Lebenseinstellung und Verhalten ändern sich. Da ist eine gewisse Gelassenheit möglich, weil nicht alles in unseren Händen liegt. Zugleich nehmen wir den Auftag ernst, 'Gottes Hände und Füße' zu sein. Wir sind uns unserer Verantwortung als Christen bewusst, Gutes zu tun. Dazu werden sich im kommenden Jahr wieder viele Möglichkeiten eröffnen.Wenn Gott uns durch seinen Heiligen Geist stärkt, werden wir offen und fröhlich so Manches in seinem Sinn bewegen können!

Gebet: Vater, wir danken dir für viele Spuren deines Segens im letzten Jahr. Danke, dass du uns begleitet hast und dass wir uns bei dir geborgen wissen dürfen. Schenke uns diese Erfahrung auch in dem neuen Jahr, das heute Nacht beginnt. Wirke als der lebendige Gott hinein in unser Leben, in unsere Familien, in die Politik und in das, was auf der Welt passiert. Amen.

Einen behüteten Jahresabschluss und Gottes reichen Segen für 2015 wünscht dir und Ihnen im Namen der ganzen Pfarrfamilie


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Dienstag, 30. Dezember 2014

Keine kalte Schulter ebl

Losung: Die Israeliten sprachen zum HERRN: Wir haben gesündigt, mache du es mit uns, wie's dir gefällt; nur errette uns heute! (Richter 10, Vers 15)

Lehrtext: Als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien, nicht aufgrund von gerechten Taten, die wir getan hätten, sondern weil er Erbarmen hatte mit uns, da rettete er uns. (Titus 3, 4 - 5)

Liebe Leserinnen und Leser,

das Verhalten der Israeliten erinnert mich ein bisschen an einen Handel: Zum wiederholten Mal haben sich sich für die fremden Gottheiten entschieden, die in den verschiedenen Regionen des Nahen Ostens angebetet wurden. Nun, da sie von diesen Fremd-Völkern angegriffen werden, packt sie die nackte Angst. Sie erinnern sich wieder an den HERRN, der sie einst aus der Ägyptischen Sklaverei herausgeführt hat. "Mach mit uns, was du willst - nur hilf uns jetzt! Bitte!" flehen sie Gott um Beistand an.
Und Gott? Könnte ihnen zu Recht gekränkt und verletzt durch ihre Untreue die kalte Schulter zuwenden und sagen: "Mit Sicherheit nicht. Ihr erntet jetzt die Früchte, die ihr selber gesät habt. Seht, wie ihr zurecht kommt."

Warum Gott sich immer wieder unser erbarmt und Mitleid mit uns hat? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich darum persönlich sehr froh bin. Denn selbst wenn ich es wollte, es würde mir nicht gelingen, immer nach dem Willen Gottes zu leben. Ich bin angewiesen auf seine Vergebungsbereitschaft. Immer wieder neu.

Gebet: Danke, HERR, dass deine Zuneigung zu uns nicht begrenzt ist. Danke, dass du nicht so denkst wie wir. Hilf uns, diese deine Gnade und Vergebung anzunehmen als das, was es ist: ein kostbares Geschenk, das unser menschliches Verstehen weit übersteigt. Amen.

Gottes Segen und liebe Grüße!


Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 29. Dezember 2014

wohlhabend und großzügig ebl

Losung: Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran. Psalm 62,11

Lehrtext: Die Weisen taten ihre Schätze auf und schenkten dem Kindlein Gold, Weihrauch und Myrrhe. Matthäus 2,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der heutigen Losung ist eine Gefahr angedeutet: Wer unter uns mehr hat als das, was er unmittelbar zum Leben braucht, der muss aufpassen. Aufpassen darauf, dass sich nicht die Frage "Wie mache ich aus meinem 'überschüssigen' Geld noch mehr Geld?" hartnäckig als Thema im Kopf festsetzt, das Zeit und Energie kostet, die ansonsten für andere Aktivitäten frei wäre. Gegen ein sicheres finanzielles Polster hat der Verfasser unseres Psalmverses grundsätzlich nichts. Doch er spricht sich klar gegen jede 'Geiz-ist-geil-Mentalität' aus.

Denn dann ist es auch möglich, großzügig zu sein, anderen eine Freude zu machen mit schönen Geschenken (siehe die drei Weisen) oder Leuten unter die Arme zu greifen, die unsere Hilfe nötig haben. Da bieten sich in den kommenden Monaten viele Gelegenheiten. 2015 werden nach der Prognose von Fachleuten noch deutlich mehr Menschen als 2014 vor Krieg und Hunger in sichere Länder flüchten. Deutschland gehört auch zu diesen sicheren Ländern. Wir sind aufgefordert, zu helfen.

Gebet: Herr, danke dafür, dass die meisten unter uns in sicheren wirtschaftlichen Verhältnissen leben und keine Not leiden. Danke dafür, dass wir uns manches Schöne leisten können. Bewahre uns bitte davor, dass wir gierig und hartherzig werden. Mach uns fähig dazu, dass wir hilfsbereit und gegebenenfalls auch großzügig handeln. Amen.

Einen guten Start in diese neue Woche wünscht dir und Ihnen


deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 28. Dezember 2014

Warum Verliebte in die Kirche gehen hl

Losung: Gib acht auf deine Füße, wenn du zum Hause Gottes gehst. Und tritt hinzu, um zu hören. Prediger 4,17

Lehrtext: Legt alles Gemeine und Schlechte ab und nehmt bereitwillig das Wort an, das Gott euch ins Herz gepflanzt hat. Es hat die Macht, euch zu retten. Jakobus 1,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

können Sie / kannst du unterschreiben, was im Lehrtext steht, dass Gottes Wort die Macht hat, dich zu retten? Falls es so ist, dass Gott dich bisher noch nicht retten musste, bist du gut dran. Obwohl er dich bereits gerettet hat; denn bei deiner Taufe ging es um nichts anderes als, dass du gerettet wurdest aus diesem vergänglichen ins ewige Leben. Doch mit Gottes Wort verhält es sich wie mit einem Gutschein, der an Weihnachten unterm Christbaum liegt. Ihn musst du einlösen, damit du den Gegenwert bekommst. Gottes Wort musst du glauben, musst darauf vertrauen, damit du seine Wirksamkeit und Macht erfährst.
Und dieser Gutschein wird, hoffentlich, in jedem Gottesdienst ausgeteilt. Du musst nicht einmal was dafür bezahlen. Doch du solltest schon wissen, warum du hingehst.
Manche, so heißt es, gehen nur in die Kirche, um von anderen gesehen zu werden. Ehrlich gesagt, als ich 17 war, bin ich aus diesem Grund in die Laurentiuskirche gegangen, weil die Mädchen vom Internat nebenan hingehen mussten. Ich wollte, dass eine ganz bestimmte von ihnen mich sieht und dass ich sie sehe. Vermutlich war das zu allen Zeiten so. Okay, einem 17-jährigen kann man das nachsehen, eigentlich jedem und jeder Verliebten in jedem Alter, der /  die aus ähnlichen Motiven in die Kirche geht.
Aber du bist ja hoffentlich nicht dauernd wie ein Teenager verliebt. Das wäre auf die Dauer auch zu anstrengend. Wenn du also aus anderen Gründen einen Gottesdienst besuchst, dann achte mal auf das heutige Losungswort aus dem Buch des Predigers Salomo: »Halte inne und denk erst darüber nach, was du vorhast, wenn du zum Hause Gottes gehst. Geh nur hinein, wenn du wirklich hören willst, was er dir zu sagen hat (Übersetzung HL) Es ist schön, wenn du einen Gottesdienst besuchst, weil dir die Musik gefällt oder die Atmosphäre oder der Kirchenraum. Aber all das sollte nur ein Weg dahin sein, worum es im Gottesdienst wirklich geht: zu hören, was Gott zu sagen hat – dir und mir. Und manchmal ist das ein Wort, das ein Menschenleben retten kann.

Gebet: Herr, höre nicht damit auf, mir immer wieder ins Gewissen zu reden, wenn ich dein Wort höre oder lese. Tröste mich, wenn ich trostbedürftig bin. Fordere mich heraus, wenn du etwas Bestimmtes von mir willst. Und rette mich, bevor ich dich verliere. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Samstag, 27. Dezember 2014

Josef war kein Stallhocker hl

Losung: Mach dich auf und handle! Und der HERR möge mit dir sein! 1.Chronik 22,16

Lehrtext: Es erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir's sage. Matthäus 2,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

‚nur wer nichts macht, kann nichts falsch machen‘ -  heißt ein Sprichwort. Aber nur dasitzen und Däumchen drehen, ist keine Lösung. Wir müssen und wir sollen handeln auch auf die Gefahr hin, etwas falsch zu machen. Einen Unternehmer zeichnet aus, dass er etwas riskiert. Er kann Geld verlieren, er kann pleite gehen. Er kann aber auch erfolgreich sein. Vorher weiß man das nie. Man muss es probieren.
Wie ist das bei Ihnen / bei dir? Bist du risikobewusst und risikobereit? Bist du bereit, gegebenenfalls auch neue Wege zu gehen? Oder wartest du lieber ab, richtest dich danach, was andere tun und gehst in ausgetretenen Pfaden? Das ist sicher auch eine Typfrage. Wer nun mal keine unternehmerische Ader hat, den kann und sollte man auch nicht dazu zwingen, etwas zu wagen. Aber der sollte auch nicht die anderen ausbremsen oder von denen schlecht reden, die etwas riskieren. Denn dass die Menschheit in ihrer Entwicklung so weit gekommen ist, wie sie ist, hat sie nicht den Zauderern und Übervorsichtigen zu verdanken, sondern denen, die sich aufgemacht und gehandelt haben, die Neues riskiert, fremde Erdteile erkundet oder das Evangelium in fremde Länder zu fremden Völkern getragen haben.
Ja, ja, natürlich hat das, wie letztlich alles, auch seine Kehrseite. Wer Angst vor neuen Wegen hat, soll sich mit Blaise Pascal trösten:  »Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.« Mich tröstet das nicht.
Nach meinem Geschmack haben wir in unserer evangelisch-lutherischen Kirche viel zu viele Stubenhocker, Zauderer und Traditionalisten in verantwortungsvollen Positionen. Da wird Langeweile zum Programm. Weiß der Himmel, warum! Entsprechend sieht es auch hinter den mit viel Kirchensteuer-Geld getünchten Fassaden unserer Kirche aus. So besteht beispielsweise bei den Kindergottesdiensten oder der theologischen Ausbildung in unserer Landeskirche dringender Handlungsbedarf. Eigentlich muss das Sprichwort heißen: ‚Wer nichts tut, macht erst recht alles falsch!‘
Nur gut, dass Josef kein „Stallhocker“ war, sondern dem Wort des Engels gefolgt ist. Er hätte bestimmt viele Gründe dagegen vorbringen können, mit dem neugeborenen Jesuskind zu flüchten und als Asylbewerber im fremden Ägypten um Aufnahme zu bitten. Wer flieht schon freiwillig?! Aber Josef hat sich auf den Weg gemacht und dabei erfahren, was schon viele andere Wagemutige erfahren haben: Nicht nur das Glück, auch Gott ist mit den Tüchtigen, mit denen, die handeln – nicht immer, aber ziemlich oft.

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


Freitag, 26. Dezember 2014

Stayin' alive - lebendig bleiben hl

Losung: Gott spricht durch den Mund seines Propheten: Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Jesaja 55,1

Lehrtext: Der auf dem Thron saß, sprach: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Offenbarung 21,5.6

Liebe Leserin, lieber Leser,

also ich möchte was erleben. Bloß zu Hause rumsitzen und warten bis der Tag vorbei geht – das ist doch kein Leben! Wenn ich in Pflegeheimen Besuche mache und sehe, wie Menschen nur noch von einer Mahlzeit auf die andere warten, denke ich unwillkürlich: ‚O Gott, nur das nicht!‘ Ich habe Durst nach Leben, ich will Spaß haben, will was unternehmen: Fußball schauen, mit anderen lachen, Pisten runter rasen, Konzerte besuchen, ab und zu mal tauchen….. Stayin‘ alive – lebendig bleiben, sangen die Bee Gees in den 70ern und hatten damit einen riesen Disco-Hit. Wer’s wieder mal hören, wer darauf mit John Travolta tanzen will, bitte sehr (klick): Stayin‘ alive!
leben, leben, LEEEBEN!!! Darum geht’s doch, in jedem Alter. Aber womit auch immer du deinen Durst nach Leben stillst, letzten Endes bleibt er unstillbar. Alle Vergnügungen dieser Welt können diesen Durst nicht endgültig löschen. Er brennt immer wieder von neuem und lässt dich nicht zur Ruhe kommen.  Und was sagt Gott dazu?: „Ihr habt Durst? Kommt her, hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen. Nehmt euch Brot und esst! Hierher! Hier gibt es Wein und Milch. Bedient euch, es kostet nichts! Warum gebt ihr euer sauer verdientes Geld aus für Brot, das nicht sättigt? Hört doch auf mich, und tut, was ich sage, dann bekommt ihr genug! (Losung in der Übersetzung: Hoffnung für alle)
Bis zum heutigen Tag gehen Menschen in Klöster, um ihr Leben lang auf dieses Wort, auf Gott zu hören. Und wenn man sie trifft, hat man nicht den Eindruck, dass sie in ihrem Leben etwas verpasst haben. Ja manche scheinen sogar noch in hohem Alter lebendiger zu sein als andere außerhalb der Klostermauern. Offenbar kann Gottes Wort tatsächlich den Durst nach Leben stillen. Kann ausgeglichen und zufrieden machen.
Ich bin nicht im Kloster und will da auch nicht hin. Aber meinen Durst nach Leben will ich trotzdem stillen. Ich will was erleben wie andere auch. Und ich will Gott erleben wie andere auch. Das muss doch zusammengehen! Und das geht auch zusammen. Stayin‘ alive!

Gebet: Herr Jesus, du warst kein Kind von Traurigkeit. Du bist ein Kind der himmlischen Freuden und hast auch die irdischen nicht verschmäht. Du wolltest kein Asket sein. Du hast dich aber auch nicht an diese Welt verloren. Auf diesem Weg will ich dir folgen. So bleibe ich lebendig, so kriege ich genug. Amen

Herzliche Grüße und einen gesegneten Zweiten Weihnachtsfeiertag!


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Auf seinen Armen hl

Losung: Zuflucht ist bei dem alten Gott. 5.Mose 33,27

Lehrtext: Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes 1,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

na sowas, ist Gott denn alt? Ist er am Ende doch der alte Mann mit dem weißen Bart über den Wolken? Das glauben leider immer noch mehr Menschen, als man glaubt! Nein, Gott ist zeitlos, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und darum heißt auch unser heutiges Losungswort in einer anderen Übersetzung: »Er, der ewige Gott, breitet seine Arme aus, um euch zu tragen und zu schützen.« Das gilt von Anbeginn der Menschheit. Ohne die ausgebreiteten Arme des ewigen Gottes, gäbe es uns nicht und auch nicht unsere Vorfahren und auch nicht das Volk der Israeliten und auch nicht alle Völker und Menschen davor. Er breitet für alle seine Geschöpfe seine Arme aus, um sie zu tragen und zu schützen. In alten Zeiten genauso wie heute. Und das tut er auch für dich und für mich.
Wie das im Einzelnen geschieht, und warum manche Menschen trotzdem in Leid und Unglück stürzen, ist eine andere Frage, die schon in unseren früheren Losungsauslegungen zur Sprache gebracht worden ist und uns auch künftig beschäftigen wird. Heute, am ersten Weihnachtsfeiertag, wollen wir uns dadurch nicht beunruhigen oder gar verunsichern lassen. Heute, so schlage ich vor, lass uns die Tageslosung in der neueren Übersetzung als das Geschenk des Tages annehmen. Heute, und nicht nur heute, darfst du dieses Wort ganz und gar auf dich selbst beziehen und sagen: »Gott breitet seine Arme aus, um mich zu tragen und zu schützen. Das hat er bisher getan. Das wird er auch weiterhin tun!« Und wenn du das zu dir selbst nicht sagen kannst oder willst, dann sage ich es dir mit diesem Text.
Bedenke, im Lehrtext ist davon die Rede, dass Gottes Herrlichkeit in seinem Sohn Jesus Christus unter uns wohnte. Und der sagt von sich: »Ich bin der gute Hirte!« Er nimmt die verlorenen Schafe auf seine Arme, um sie zu tragen und zu schützen in Freud und Leid, auch dich und mich.

Gebet: Ja, Herr, du trägst mich. Das habe ich bisher so erlebt. Du hast mich nicht nur in guten Zeiten getragen, sondern mehr noch in schlechten. Das wirst du auch künftig tun, bis du mich heimgetragen hast, wo alles begonnen hat und alles vollendet wird, bei deinem Vater und meinem Vater. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Der Geruch von Weihnachten (Predigt) hl

Christvesper 2014 in Thann und Sommersdorf. Predigt von Hans Löhr
Predigttext: Philipper 2,6-9(Der Pfarrer schiebt eine Schubkarre mit frischem Kuhmist durch den Mittelgang und stellt ihn vorne bei der ersten Bankreihe ab)

Was für ein Glück, liebe Freunde, dass es damals in Bethlehem nach Stallmist gestunken hat! Stellt euch vor, beim ersten Weihnachten, hätte es nach Rosenwasser geduftet und nach den wohlriechenden Essenzen Arabiens. Das wäre ein untrügliches Zeichen dafür gewesen, dass Gott seinen Sohn Jesus in einem Palast hätte zur Welt kommen lassen. Dann wäre er für die oberen Zehntausend geboren. Dann hätten die wieder mal gewonnen, und ihr und ich und vor allem die vielen Armen auf der Erde hätten wieder mal verloren. Aber so ist Jesus zu denen gekommen, die ganz unten sind, die unter Brücken schlafen oder in Ställen übernachten, und da stinkt es nun mal nach Kuhmist und Eseldung. Das, liebe Freunde, ist der wahre Geruch von Weihnachten.

Ein anderer Plan

Wenn es damals nach Maria und Josef gegangen wäre, hätten die beiden in einem ordentlichen Gasthaus übernachtet und nicht in einem Stall. Aber es ist nicht nach ihnen gegangen. Da war ein anderer, der hatte einen anderen Plan. Der sagte zu seinem Sohn: „Du weißt, wenn du auf die Erde kommst um Mensch zu werden, dass du dann ganz nach unten musst. Ganz unten wirst du geboren und ganz unten musst du sterben. Willst du das?“ Und Jesus sagte: „Ja, Vater, ich will. Mir tun die Menschen leid, die selber ganz unten sind. Die mit sich selbst und anderen nicht zurechtkommen. Die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Sie werde ich retten mit deiner Liebe, Vater, und mit meinem Leben.“
Im Bibelwort, das dieser Predigt zugrunde liegt, heißt es dazu: Jesus Christus war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde als Mensch in dieser Welt geboren und teilte das Leben der Menschen.
Er war Gott gehorsam und erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod am Kreuzgalgen auf sich nahm. Darum hat Gott ihn auch erhöht und ihm den Rang und Namen verliehen, der ihn hoch über alle stellt.
(Philipper 2,6-9)
Was für ein Glück, liebe Freunde, dass es an Weihnachten nach Stallmist stinkt, dass Jesus Christus nach ganz unten kommt, damit er auch dich und mich erreicht, wenn wir ganz unten, wenn wir am Ende sind: finanziell oder in der Partnerschaft, gesundheitlich oder mit unserer seelischen Kraft. ‚Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand‘ heißt es. Das hat schon manchen davor bewahrt, sich nach einem Absturz auch noch das Leben zu nehmen. Ganz unten ist schon mancher dem barmherzigen Gott begegnet, dem er weiter oben noch aus dem Weg gegangen ist. Ganz unten ist er im Jesuskind zu uns gekommen, damit jeder, wirklich jeder eine neue Chance hat.

Joe Cocker: Wo die Adler schreien

Am Montag starb Joe Cocker an Lungenkrebs, der Rocksänger mit der Reineisenstimme. Als junger Mann stieg er auf dem Woodstock-Festival wie eine Rakete in den Rock-Himmel auf, um gleich darauf in die Hölle der Drogensucht zu stürzen. Dass er überhaupt 70 Jahre werden konnte, hat er einem Engel zu verdanken, seiner Frau Pamela, die ihn vor vielen Jahren von seiner Sucht weggebracht hat. Nachdem er das Schlimmste überstanden hatte und es wieder aufwärts ging, sang er den Song: „Up where we belong“ auf Deutsch: „Oben, wo wir hingehören“ Und da heißt der Refrain: »Liebe hilft uns auf, hilft uns nach oben, wo wir hingehören, dort wo die Adler schreien auf dem Gipfel der Berge, weit weg von der Welt unten, oben wo die frischen Winde wehen.«
[2 Minuten des YouTube-Musikvideos (klick:) „Up Where We Belong“ werden eingespielt]
Ja, Liebe hilft denen, die unten sind, wieder auf; eine Liebe, die sich nicht scheut, auch dort hinzugehen, wo es schmutzig ist und stinkt. Gott ist diese Liebe. Seit dem Stall von Bethlehem damals kannst du dich darauf verlassen, dass er dir aufhilft, wenn du am Boden liegst und dich dorthin bringt, wo du hingehörst, wo die Adler schreien, oben auf den Höhen des Lebens. Up were we belong. Und er hat seine Menschen, die diesen Weg mitgehen zu denen ganz unten in den Krankenhäusern, psychiatrischen Kliniken und Pflegeheimen, wo das Elend mit den Händen zu greifen ist und das Herz empfindsamer sein muss als die Nase, um es dort auszuhalten.
Jetzt aber ist Joe Cocker dort, wo es nun wirklich nicht mehr tiefer geht, bei den Toten, zu denen auch wir einmal hinunter müssen, jeder zu seiner Zeit. Und da zeigt sich die eigentliche Kraft von Weihnachten, die Kraft der göttlichen Liebe, die in Jesus Mensch geworden ist. Er selbst hat alles auf sich genommen, Schmach und Folter, Sterben und Tod. Von ihm sagen wir im Glaubensbekenntnis: »Hinabgestiegen in das Reich des Todes.« Jetzt ist er ganz unten, ganz und gar. Gegen den Gestank des Todes dort riecht der Kuhmist hier geradezu angenehm. Tiefer geht es nicht mehr.
Aber schon im nächsten Satz unseres Bekenntnisses heißt es: »Auferstanden von den Toten.« Das, liebe Freunde, war der Plan, den Gott damals mit seinem Sohn Jesus hatte, dass er dich und mich auch dann noch rettet, wenn wir unter der Erde sind: ‚Stille Nacht, heilige Nacht – Christ der Retter ist da!‘

Das Wunder in der Atacama-Wüste

Manchmal passieren mitten in unserer Wirklichkeit Dinge, die an ein Wunder grenzen, wenn es plötzlich irgendwann und irgendwo auf der Welt Weihnachten wird, wenn plötzlich Menschen, die ganz unten sind, Gottes Hilfe erleben.
Wer weiß noch, was am 13. Oktober 2010 war? Damals waren die Nachrichten auf der ganzen Welt voll von einem Wunder, das sich in Chile ereignet hat, mitten in der Atacama-Wüste in einer Tiefe von 688 Metern unter der Erde. 33 Bergarbeiter sind am 5. August verschüttet worden. Sie hatten keine Chance, sich selbst zu befreien. Wenn überhaupt, dann konnte die Hilfe nur von oben kommen. Am 22. August konnten die Rettungskräfte mit einem Spezialbohrer zu ihnen vordringen. Mario Gomez, der älteste von den Verschütteten, kann mit dem Bohrgerät durch den 8 cm schmalen Bohrschacht einen kleinen Zettel nach oben schicken auf dem steht: »Gott ist groß, und mit seiner Hilfe werden wir es schaffen, lebend herauszukommen.« 36 Grad Celsius ist es da unten heiß. Keine Duschen. Kein Klo. Es stinkt wie die Pest. Aber Mario Gomez macht seinen Kumpeln immer wieder Mut, durchzuhalten. Oben werden Bohrungen gestartet, um einen Rettungsschacht zu graben. Am 4. Oktober sieht es danach aus, dass das Vorhaben  gelingen könnte. Nach insgesamt 69 Tagen in der Tiefe ist es dann in der Nacht vom 12. zum 13. Oktober endlich soweit.
Die oben schicken den Soldaten Manuel Gonzalez mit der Rettungskapsel Phoenix zu den Eingeschlossenen hinunter. Er soll die Kumpel auf den Aufstieg vorbereiten. Nach und nach wird ein Bergmann nach dem anderen nach oben ins Leben zurückgeholt. Dorthin, wo sie hingehören. Mario Gomez und andere Kumpel gehen oben in die Knie und danken Gott. Sie alle tragen ein T-Shirt, auf dem steht: „Danke, Herr!“ Und danach Worte aus dem Psalm 95: »In Gottes Hand sind die Tiefen der Erde, sein sind die Gipfel der Berge. Ihm gebühren Ehre und Ruhm.« Ja, damals am 13. Oktober 2010 ist in der Atacama-Wüste 688 Meter unter der Erde ein Wunder geschehen, ein Gleichnis dafür, was Weihnachten bedeutet.
‚Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand‘. Das galt für die Hirten von Bethlehem, das galt für die Bergleute aus der Atacama-Wüste, das gilt für Joe Cocker und das gilt für dich und für mich.

Wo es stinkt

Und wenn dich später irgendwann mal jemand fragt: ‚Kannst du mir sagen, was der Sinn von Weihnachten ist?‘  Dann erinnre Dich an den Heiligen Abend 2014, als es in der Kirche in Thann / Sommersdorfer nach Kuhmist gerochen hat. Und dann kannst du sagen: ‚Weihnachten, das heißt: Gott ist sich nicht zu fein und nicht zu schade, in Jesus Mensch zu werden und nach ganz unten zu gehen, wo es stinkt nach Sünde und Schuld, nach Krankheit und Elend, nach Verzweiflung und Tod. Daraus will er seine Menschenkinder erlösen. Denn dort, ganz unten, will er uns nicht haben. Da gehören wir nicht hin, sondern zu ihm ins Licht, wo die Adler schreien und die frischen Winde wehen. Dahin bringt uns seine Liebe hinauf.‘
Vielleicht wirst du ja heute Abend schon, wenn du nach Hause kommst, gefragt: „Du riechst aber komisch, wo warst du denn?“ Und vielleicht sagst du dann: „Im Stall von Bethlehem. Da, wo es nach Mist riecht, da bin ich Jesus begegnet, da habe ich mich von ihm finden lassen.“
Was für ein Glück, liebe Freunde, dass es damals in Bethlehem nach Stallmist gestunken hat. Seitdem gibt es für jeden eine Hoffnung egal wie tief er gesunken ist. Amen

Frohe Weihnachten!

Mein Weihnachtsgeschenk: Gott ist glücklich! hl

Losung: Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise. Psalm 19,8

Lehrtext: Die Hirten fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren. Lukas 2,9-11

Liebe Leserin, lieber Leser,

keine Sorge, Gott stellt uns kein Zeugnis aus, falls jemand die Tageslosung so verstanden haben sollte. Deshalb bringe ich sie noch einmal in einer neuen Übersetzung: »Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es macht glücklich und froh. Auf seine Gebote kann man sich verlassen. Sie machen auch den klug, der bisher gedankenlos in den Tag hineinlebte.« (Übs.: Hoffnung für alle) Keine Sorge, Gott hat auch kein Strafgesetzbuch geschrieben. Er umzingelt uns nicht mit Verboten, dass wir unseres Lebens nicht mehr froh würden. Sein ‚Gesetz‘ liegt heute in der Krippe und heißt Liebe. Denn er handelt nach dem gleichen Gesetz, das er auch uns gibt: dass wir einander lieben sollen, so wie er uns in Jesus Christus liebt (Johannes 15,14).
Ja, dieses Gesetz macht »glücklich und froh« und gibt dem Leben eines jeden Menschen Sinn, der bisher »gedankenlos in den Tag hinein lebte«. Denn was erfüllt dich mehr, als dass du einem anderen deine Zuneigung schenkst? Und sind wir heute nicht glücklich, wenn wir mit unseren Geschenken andere glücklich machen? Darum glaube ich, dass auch unser Gott glücklich ist, weil er uns mit Jesus ein so wunderbares Geschenk gemacht hat.
Nein, nicht du musst Gott glücklich machen, indem du dich abrackerst, sein Mustermensch zu sein. Er ist schon glücklich, weil er dich beschenkt und freut sich, wenn du dich mit ihm freust.

Gebet: Himmlischer Vater, dass ich das nicht schon früher kapiert habe, wie glücklich du bist, weil du mich mit Jesus so reich beschenkst. Und auch das ist heute ein großes Geschenk für mich, dass ich dir, meinem glücklichen Gott vertrauen und dich so erst recht lieben kann. Danke!

Herzliche Grüße und frohe Weihnachten!

Hans Löhr 

Dienstag, 23. Dezember 2014

Schach der Furcht! hl

Losung: Richtet euer Herz zu dem HERRN und dient ihm allein. 1.Samuel 7,3

Lehrtext: Zacharias sprach: Gott hat besucht und erlöst sein Volk aus der Hand unserer Feinde, dass wir ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen. Lukas 1,68.75

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Wort ‚dienen‘ hat zu unserer Zeit ein ‚Gschmäckle‘, wie die Schwaben sagen. Wer will denn heutzutage noch Diener sein? Auch ‚Diener Gottes‘ ist nicht gerade der schönste Titel unter uns Christen. Doch wenn du das Wort Diener übersetzt als: ‚sich Gott hingeben und ihm ganz und gar vertrauen‘, klingt es schon wieder anders. Und genau darum geht es sowohl in der heutigen Tageslosung als auch im Lehrtext.
Wieder mal ist es ein kleines Kind, mit dem Gott Großes ankündigt (Lehrtext): Johannes, der Täufer, wird geboren, und sein Vater Zacharias, der damit nicht mehr rechnen konnte, ist ganz aus dem Häuschen. Auch Johannes bekommt, wie Jesus, seinen Namen von einem Engel. Auf Deutsch heißt er: „Gott ist gnädig“. Und darum singt Zacharias: »Wir können Gott dienen ohne Furcht unser Leben lang, als Menschen, die ihm gehören und nach seinem Willen leben.«
‚Ohne Furcht unser Leben lang‘? Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Okay, Zacharias war überschwänglich. Das kann man einem Mann nachsehen, dem nach vielen, vielen Jahren endlich das heiß ersehnte Kind geboren wird. Und doch, so meine ich, ist an dem, was Zacharias sagt, was dran. Wer Gott ganz und gar vertraut, müsste keine Furcht mehr haben. Nur, wer kann das schon? Aber immerhin hält Gottvertrauen die Furcht in Schach. Das ist doch auch was. Das ist sogar ziemlich viel!

Gebet: Ja, himmlischer Vater, du bist gnädig. Das sehe ich an Jesus, den du uns schenkst. Das ist die gute Nachricht, die alle schlechten überstrahlt. Durch ihn zeigst du mir, was für ein liebenswerter Gott du bist. Das zu glauben, darauf zu vertrauen, macht mich zuversichtlich. Amen

Herzliche Grüße


Hans Löhr 

Montag, 22. Dezember 2014

Ein neues Zeitgefühl' hl

Losung: Dein ist der Tag und dein ist die Nacht; du hast Gestirn und Sonne die Bahn gegeben. Psalm 74,16

Lehrtext: Unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. Römer 13,11-12

Liebe Leserin, lieber Leser,

ob Sie / du jung bist oder kurz vor dem Ruhestand wie ich, jeder wünscht sich mal einen schönen Lebensabend. Zum Ende hin will man doch sein Leben noch ein bisschen genießen bis irgendwann die Sonne ganz untergegangen ist. So denken wir wohl alle, ob wir gläubig sind oder nicht. Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Christen in Rom von einem ganz anderen Zeitgefühl. Vor ihm liegt nicht der Lebensabend, sondern der Morgen, der neue Tag. Für ihn ist nicht der Tod wie ein Schlaf, sondern sein Erdenleben. Und so wartet er darauf, wann die Stunde gekommen ist, da Christus für ihn und die ganze Welt das Heil bringt. Dann erst wird es für ihn wirklich Tag.
Mein Zeitgefühl ist eher wie das anderer Menschen auch. Doch was Paulus schreibt, macht mich nachdenklich. Er will nicht in den Tag hinein und auf den Abend zu leben, sondern schon heute leben wie an dem Tag, da Christus wiederkommt und mit ihm Gottes Herrlichkeit. Er lebt sozusagen von morgen her, im Licht des kommenden Tages. Er nimmt mit seiner Lebensweise und seinem Glauben vorweg, was erst noch sein wird. Zumindest versucht er das.
Das hat was. Ich selbst will das mal ausprobieren und ab und zu wenigstens so leben wie einer, der nicht auf den Tod zugeht, sondern auf Gottes Herrlichkeit, wie einer, der nicht in vergänglichen Wünschen und Interessen aufgeht, sondern für den das Beste noch kommt.
Das wird mir, wenn überhaupt, wohl nur ansatzweise gelingen. Aber es verlockt mich schon, vom Licht her zu leben und nicht auf die Dunkelheit hin. Ja, ich wünsche mir einen schönen Lebensabend und dir auch. Auch das ist ein Gottesgeschenk. Aber ich wünsche uns beiden auch einen neuen Morgen.

Mit diesem Wunsch grüße ich Sie / dich in der dunkelsten Zeit des Jahres.
Ab heute werden die Tage wieder länger, und es geht wieder aufwärts!

Hans Löhr

Gebet: Herr, dein ist der Tag und dein ist die Nacht. Dein ist das Leben und dein ist der Tod. Dein ist die Zeit und dein ist die Ewigkeit. Ich bin dein Tag und Nacht, ob ich lebe oder sterbe, hier in dieser Zeit und in Ewigkeit. Amen

Sonntag, 21. Dezember 2014

‚Alles ist Gnade‘ hl

Losung: So hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. Psalm 103,11

Lehrtext: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Offenbarung 1,4

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wechselnde Pfade, Schatten und Licht,
alles ist Gnade, fürchte dich nicht!

Dieser Vers soll ein Hausspruch aus dem Baltikum sein. Woher er auch immer kommt, er ist ein gutes Wort, um das ganze Leben mit seinen Licht und Schattenseiten mit Gott zusammensehen zu können. Was Sie / was du im Augenblick auch immer erleben magst, die Tatsache, dass du am Leben bist, und das nun schon einige Jahre, ist Gnade, ist ein Geschenk Gottes. Mir tut es gut, wenn ich mein Leben alles in allem als sein Geschenk sehen und annehmen kann. Manchmal waren ja auch die schweren Zeiten ein Segen, selbst wenn ich das zunächst nicht so habe sehen können. Und so gehört es zum Kern meines Glaubens, dass ich einen gnädigen Gott habe, der sich mir liebevoll zuwendet. Und wenn er mich auch nicht vor dem einen oder anderen finsteren Tal bewahrt, so geht er doch mit und bringt mich wieder ans Licht.
Der Lehrtext bringt es auf den Punkt: Es ist derselbe Herr, von dessen Gnade ich gestern gelebt habe, von der ich heute lebe und morgen leben werden.

Gebet: Ja, Herr, alles ist Gnade. So kann ich es im Nachhinein sagen, weil ich es erlebt habe, wie du mich wechselnde Pfade geführt hast bis zu diesem Tag. Und da du auch morgen derselbe sein wirst, der du gestern warst und heute bist, muss ich mich nicht fürchten vor dem, was zukommt. Amen

Herzliche Grüße und einen gesegneten 4. Advent!

Hans Löhr 

Samstag, 20. Dezember 2014

Stürmische Zeiten hl

Losung: Du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben. Psalm 89,10

Lehrtext: Jesus stand auf und bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz stille. Matthäus 8,26

Liebe Leserin, lieber Leser,

stürmische Zeiten – wer kennt sie nicht, wenn die Wogen der Angst hochgehen und die Wellen des Leids dich überfluten? Nein, Gott bewahrt weder dich noch mich davor. Und als die Jünger damals Jesus in das Boot gefolgt sind, sind sie auch mit ihm in einen schrecklichen Sturm geraten. Ruhige Zeiten – wer kennt sie nicht, wenn sich die Wogen der Angst wieder glätten und die Wellen des Leids verebben, wenn der Sturm nachlässt, und es wieder still und friedlich wird? Auch die Jünger damals haben nach dem Sturm ruhige Zeiten erlebt. Und sie haben damals auf dem See Genezareth eine Erfahrung gemacht, die auch uns noch zugute kommt: Wind und Meer mögen mächtig sein. Angst und Leid mögen dein Lebensglück bedrohen. Aber da ist einer, der ist mächtiger als Wind und Meer, als Angst und Leid. Der hat auch diese Gewalten in seiner Hand und setzt stürmischen und bösen Zeiten in deinem Leben ein Ende. Alles hat seine Zeit, auch Sturm und Leid. Wie sie gekommen sind, so müssen sie, so werden sie auch wieder gehen. Gott aber bleibt und hat die Zeit – in seinen Händen.

Gebet: Herr, wenn der Sturm losbricht in der großen Welt oder in meinem kleinen Leben, sei du der Anker, der mich hält. Dann werde ich fest bleiben und auch in stürmische Zeiten bestehen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Freitag, 19. Dezember 2014

Das Rettungsprogramm auf zwei Beinen ebl

Losung: Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken. Jeremia 31,34

Lehrtext: Der Engel sprach zu Josef: Maria wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Matthäus 1,21

Tja, liebe Leserinnen und Leser,

"dieser Name ist Programm", sagen wir manchmal sprichwörtlich. Bei Jesus ist es tatsächlich so. 'Jesus' heißt übersetzt ( - wer im letzten Lichtblick-Gottesdienst war, weiß  es bereits - ) 'der HERR hilft'. Er ist Gottes Rettungsprogramm auf zwei Beinen, zu uns geschickt, weil wir uns sonst heillos verzetteln würden. Jesus kommt in die Welt, um zurecht zu bringen, was falsch und krank ist.
Die Not in der Welt war vor Tausenden von Jahren schon groß, als der Prophet Jeremia im Auftrag Gottes geredet hat. Schon damals waren die Sehnsucht nach einem heilen Leben und nach Entlastung bei vielen Leuten riesig. Sie hat bis heute nicht abgenommen. Das sieht Gott und wird deshalb wie du und ich - ein Mensch. In Jesus verwirklicht Gott seine Idee der Gnade, die die ganze Welt überspannt. Zugänglich für jeden, der ihm sein Herz öffnet.

Gebet: HERR, danke dafür, dass du uns entlastest und uns immer wieder unsere Schuld vergibst. Wir haben in Jesus einen Freund und Fürsprecher und Befreier, wie wir ihn besser nicht haben könnten. Durch ihn segnest du uns und machst uns den Weg zu dir frei. Es ist wahr: Du, HERR, hilfst. Amen.

Einen gesegneten vierten Advent wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr


PS: Ihr seid alle herzlich eingeladen zum 'Lichtblick'-Gottesdienst am Sonntag Vormittag - um 9 Uhr treffen sich die Frühaufsteher und um 10.30 Uhr treffen sich die 'Gemütlichen'.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Gebet in der Nacht ebl

Losung: Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf. Psalm 127,2

Lehrtext: Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. 1.Petrus 5,7

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Freunde dieser kurzen Auslegungen,

wie es sich anfühlt, wenn man nachts wach liegt und von Sorgen gequält wird, wissen wahrscheinlich die meisten von uns. Manchmal hilft es, sich Stift und Zettel zu nehmen und das, was einen nicht loslässt, aufzuschreiben. Damit werden nagende Sorgen ein bisschen kleiner. Noch besser haben es diejenigen unter uns, die - selbst in tiefster Nacht - einen lieben Menschen wecken und ihre Not mit ihm teilen können. Auch das kann wunderbar entlasten. Wer auf sich allein gestellt ist, hat noch eine andere Möglichkeit. Er kann Licht machen, eine Kerze anzünden, in ihr tröstliches Licht schauen und dann mit Gott reden. Wem selber die Worte fehlen, der kann das Gesangbuch aufschlagen. Dort finden wir 'Gebete in der Nacht', die wir nachsprechen können.

In deine Hände lege ich meine unruhigen Gedanken,
meine wirren Gefühle, mein Leben.
In deinen Schoß lege ich meinen müden Kopf,
die Früchte meines Tuns, meine Sorgen.
Unter deinen Mantel lege ich meinen schutzlosen Leib,
meine wunde Seele, meinen angefochtenen Geist.
In deine Hände lege ich meine Freunde, meine Feinde, mein Leben. Amen.

Einen guten Tag und an dessen Ende einen geruhsamen Schlaf.

Deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

PS: Die Gebete in der Nacht stehen im evangelischen Gesangbuch auf den Seiten 1449 - 1450.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Von sich erzählen ebl

Losung: Von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich, HERR. Ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde. Psalm 40,11

Lehrtext: Schäme dich nicht, Zeugnis abzulegen für unseren Herrn. 2.Timotheus 1,8

Und hier dieselben Bibelworte noch einmal in einer neuen Übersetzung:

Losung: Was du getan hast, behalte ich nicht für mich, ich bezeuge es allen, dass du treu bist und hilfst. Ich will der Gemeinde nicht verschweigen, wie gütig und zuverlässig du bist. (Psalm 40, Vers 11 nach der 'Guten Nachricht für dich')

Lehrtext: Bekenne dich offen und ohne Scheu zur Botschaft von unserem Herrn! (2. Tim. 1, 8 'Gute Nachricht für dich') 

Liebe Leserin, lieber Leser,

alle zwei Jahre fahren wir, die 'Pfarrers' und alle interessierten Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher unserer Pfarrei, auf einen großen christlichen Kongress. Die amerikanische 'Willow Creek Community Church' bietet ihn als Fortbildung für Leute mit Führungsverantwortung an. Dort kommen Christen verschiedener Konfessionen in Vorträgen zu Wort, oft ist es ein buntes Nationengemisch. Manche von ihnen sind rhetorisch sehr begabt und blühen am Pult richtiggehend auf. Andere reden mit leiser Stimme, formulieren ihre Gedanken mit einer gewissen Mühe. Und doch ist es immer wieder für Augenblicke in dem riesigen Rund mit Tausenden von Zuhörern mucksmäuschenstill: dann, wenn diese Leute von sich erzählen. Von sich und davon, was sie mit Gott erlebt haben. Sie bekennen Gott vor den Menschen und machen uns, die wir ihnen zuhören, Mut zum 'Selber-Glauben'. Wir lassen uns anstecken von ihrem Vertrauen in die Güte und Zuverlässigkeit Gottes.

Gebet: Vater, danke für die Männer und Frauen und Kinder, die in der Vergangenheit den Mut hatten und heute so mutig sind, von dir zu reden. So ist dein Evangelium die Jahrhunderte hindurch lebendig geblieben und erreicht auch uns. Schenk uns die Courage, dass wir anderen davon erzählen, wie du mit uns deine Geschichte in der Welt schreibst. Amen.

Ermutigte Grüße aus dem Sommersdorfer Pfarrhaus von deiner / Ihrer


Elfriede Bezold-Löhr

Montag, 15. Dezember 2014

Kostbare Kontakte ebl

Losung: Die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. Daniel 12,3

Lehrtext: Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach. Hebräer 13,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

Menschen, die uns in ihrem Lebensstil als gläubige Christen inspirieren und ermutigen, sind kostbar. Ein Fürther Pfarrer, der hauptsächlich im Schuldienst tätig war, ist für mich ein solcher 'Schatz' geworden. Ich glaube, dass er selber gar nicht gewusst hat, wie viel mir unsere kurzen Unterhaltungen bedeutet haben und wie klar mir manche Äußerungen von ihm im Gedächtnis geblieben sind. Nein, ich habe ihn nicht ausnehmend gut gekannt. Aber ich habe in unseren Begegnungen einen unverstellten Menschen erlebt, der in seinem Glauben Zweifel und Überzeugung nebeneinander ausgehalten hat, dem die Tränen der Trauer in den Augen standen und der bei anderen Gelegenheiten gelacht hat, bis ihm die Tränen herunterliefen. Auf seine Predigten habe ich mich als Teenager gefreut, weil ich sie verstanden habe und weil sie etwas mit mir zu tun hatten. In gewisser Weise war er einfach. Ganz normal. So wie du. Oder wie Sie. Und er hat mich mit seiner Art, als Christ zu leben, in meinem Glauben gestärkt, ohne es zu wissen.

Gebet: HERR, danke für Menschen, die uns im Glauben an dich weiterbringen und uns ermutigen. Du sprichst durch sie mit uns. Nutze uns auch in dieser Weise. Lass uns Gedanken äußern und Dinge tun, die andere Menschen in deine Nähe führen und ihnen zeigen: Du bist ein lebendiger Gott. Amen.

Einen guten Start in die neue Woche wünscht dir und Ihnen

deine / Ihre Elfriede Bezold-Löhr

Sonntag, 14. Dezember 2014

Christen schauen nach unten hl

Predigt am 3. Advent von Hans Löhr.

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

heute am dritten Advent predige ich über den biblischen Lehrtext dieses Sonntags. Da sagt Jesus im Johannesevangelium: »Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein
Anders gesagt und mit unseren Worten: Wo Jesus ist, da sollst auch du, da soll auch ich sein. Aber wo ist er? Wer ihn kennt, ahnt gleich, dass er sich nicht in den Komfortzonen dieser Welt aufhält. Du findest ihn nicht bei den Reichen und Mächtigen, bei den Schönen und Berühmten, sondern dort, wo er sich seinen Platz in dieser Welt ausgesucht hat. Wo könnte das sein? Im Vatikan beim Papst? Nein. Im Landeskirchenamt in München beim Landesbischof? Nein. In der Kirche (in Thann) oder im Pfarrhaus in Sommersdorf? Nein. Sein Platz ist bei denen, die ganz unten sind, die nicht genug zu essen haben, die auf der Flucht sind und eine Bleibe suchen. Sein Platz ist bei denen, die sich keinen Mantel leisten können, bei den Menschen in der Brauhausstraße in Ansbach, also im Gefängnis, und du findest ihn bei den Patienten im Krankenhaus und im Pflegeheim. Woher ich das weiß? Nun, vor 14 Tagen erst haben wir es in der biblischen Lesung hier im Gottesdienst gehört:
Wenn der Menschensohn in seiner ganzen Herrlichkeit kommt, dann wird er auf dem Thron Gottes sitzen und zu den Menschen an seiner rechten Seite sagen: 'Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet… Denn als ich hungrig war, habt ihr mir zu essen gegeben. Als ich Durst hatte, bekam ich von euch etwas zu trinken. Ich war ein Fremder bei euch, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt, ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen… Denn was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan!“ 

 Auge und Herz für ganz unten

Am Donnerstag vor acht Tagen haben wir auf dem Diakonie-Friedhof in Neuendettelsau den ehemaligen Pfarrer unserer Pfarrei, Johannes Meister, beerdigt. Er ist fast 88 Jahre alt geworden. Auf dem Weg zum Diakonie-Friedhof kommt man am Dialog-Hotel vorbei. Früher war es das sogenannte Sonnenheim, ein Internat für Mädchen.
Die 7 Werke der Barmherzigkeit
Wandfries am Dialog-Hotel
in Neuendettelsau
Als es vor etwa 60 Jahren gebaut wurde, hat man an der Fassade einen Bilderfries angebracht, der heute noch zu sehen ist. Ich bin damals als Kind oft vorbeigelaufen und habe mir die sieben Bilder angeschaut. So richtig verstanden habe ich sie aber nicht, bis sie mir jemand erklärt hat. Es sind Bilder von denen, die ganz unten sind und bei denen Jesus ist. Bilder von Menschen, denen man zu essen und zu trinken gibt, die fremd sind und denen man die Tür öffnet, die im Winter einen Mantel bekommen, die hinter Gittern sind, im Krankenbett liegen und im Sarg. Bis auf das letzte Bild sind sie eine Darstellung dessen, was Jesus gesagt hat: »Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan!« Später hat man zu diesen Werken der Barmherzigkeit noch ein siebtes hinzugefügt, nämlich Tote begraben.
Um diese sieben Werke geht es nicht nur in der Diakonie, sondern auch bei uns. Jene Geschichte aus der Bibel und jene Bilder an der Wand in Neuendettelsau fragen mich: Wie ist das bei dir? Hast du ein Auge und ein Herz für solche Menschen, die ganz unten sind?
Ehrlich gesagt, mir fällt es gar nicht so leicht, anderen so entgegenzukommen, vor allem, wenn sie mir fremd sind. Auch in Tansania musste ich mir einen Ruck geben, um mich den Armen dort zuzuwenden. Und wenn jemand an der Pfarrhaustür klingelt und um eine finanzielle Unterstützung bittet, frage ich mich unwillkürlich, ob er es denn auch wirklich nötig hat. Auch die Flüchtlinge, die jetzt in unser Land, in unsere Dörfer kommen, sie sind erst einmal Fremde, die man kennen lernen und an die man sich gewöhnen muss. Das braucht seine Zeit. Und Tote bestatten – nun, das gehört nun mal zu meinem Beruf. Darauf brauche ich mir nichts einzubilden genauso wenig wie auf die Krankenbesuche.
Aber wo will ich denn Jesus sonst finden, wenn nicht da? Wenn er schon selbst sagt, dass er mir in den Menschen begegnet, die ganz unten sind, dann brauche ich ihn erst gar nicht bei denen zu suchen, die oben sind. Dann muss ich nach unten schauen. Ich bin froh, dass ich nicht zu denen gehöre, die ganz unten sind. Uns geht es im Sommersdorfer Pfarrhaus gut, und wenn wir uns mit den Menschen  vergleichen, die in den Bretterhütten in Kilanya leben, dann geht es uns hier sogar sehr gut. Und vielleicht ist es ja auch gar nicht mal so schlecht, dass wir nicht zu den Reichen in unserem Land gehören. Du musst schon eine starke Persönlichkeit sein, damit Reichtum dich nicht verbiegt und deinen Charakter beschädigt. Aber arm möchten wir auch nicht sein. Das müssen wir auch nicht. Jesus geht es nur darum, dass wir die Armen in der Nähe und in der Ferne nicht übersehen, sondern in ihnen unsere Menschenbrüder und Menschenschwestern erkennen, in denen er uns begegnet.

22 Milliarden Euro von Zuwanderern für unser Land

Gestern konnten wir den Medien entnehmen, wie in Vorra nördlich von Nürnberg Häuser für Flüchtlinge angezündet wurden bevor sie einziehen konnten. Und in Dresden gingen über 10.000 auf die Straße aus Angst vor den Muslimen. Ja, die Angst dieser Menschen muss man schon ernst nehmen. Aber man darf sie nicht durch unbedachtes Reden noch schüren. Erst vor 14 Tagen wurde die neueste Bertelsmann-Studie veröffentlicht, derzufolge wir in Deutschland von den Zuwanderern, also auch von den Flüchtlingen und Asylsuchenden, profitieren. Da heißt es, dass allein im Jahr 2012 die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass 22 Milliarden Euro mehr an Steuern und Abgaben gezahlt haben als sie an Sozialleistungen bekommen haben. Und gerade weil die einheimische Bevölkerung in Deutschland immer älter wird, sind wir auf jüngere Zuwanderer aus anderen Ländern angewiesen. Schon jetzt könnten die meisten Krankenhäuser und Pflegeheime ohne diese Menschen ihren Betrieb einstellen. Wollen wir das? Darüber muss man reden und den Menschen so die Angst nehmen,  auch mit Fakten, die jeder nachprüfen kann. Denn die Fremden, die zu uns kommen, geben uns deutlich mehr, als sie nehmen. Und diese Fremden, was sind sie denn anderes, als Mitmenschen, die zur selben Zeit mit uns auf dieser Erde leben. Die ebenso von Gott geschaffen wurden wie wir. Für die Jesus ebenso am Kreuz gestorben ist wie für uns.

Jesus in Guantanamo

Das gilt auch für die Terrorverdächtigen, die die USA im Folterlager Guantanamo eingesperrt haben. In mir stieg eine Wolke der Wut auf, als ich vergangene Woche lesen musste, wie die wehrlosen Gefangenen von Amerikanern auf bestialische Art und Weise gequält worden sind, obwohl bei der Folter nichts herausgekommen ist. Mit oder ohne Ergebnis, Folter ist immer ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.  Es ist gut, dass es wiederum Amerikaner waren, die diese Verbrechen aufgedeckt haben. Es ist schlecht, dass die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung und die rechtsgerichtete Partei der Republikaner Folter nach wie vor gutheißt. Auch wenn es Muslime sind, die gefoltert werden, auch wenn sie in Terroranschläge verstrickt sein mögen, was oft gar nicht bewiesen ist, so gehören doch auch die in den Folterzellen zu den Geringsten der Brüder von Jesus. Er fragt nicht nach Religionszugehörigkeit oder Bekenntnis, wenn es darum geht, einem hilflosen Menschen beizustehen. Doch er sagt: ‚Was ihr christlichen, amerikanischen Soldaten den muslimischen Folteropfern angetan habt, das habt ihr mir angetan.‘
Erinnern wir uns noch einmal an das Bibelwort für diese Predigt: Jesus sagt: »Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein.« Ich weiß jetzt, wo Jesus zu finden ist. Und ich weiß auch, wo ich hingehöre, falls auch ich zu ihm gehören will. Ich gehöre an die Seite derer, die ganz unten sind, an die Seite der Geringsten seiner Brüder und Schwestern. Deshalb muss ich nicht Tag und Nacht mit ihnen zusammen sein, wie das zum Beispiel Schwester Teresa in Kalkutta getan hatte. Aber so viel habe ich schon kapiert, dass wenigstens mein Herz bei diesen Menschen sein soll und mit dem Herz meine Gebete und mit meinen Gebeten auch etwas von meiner Zeit, die ich für sie aufwände und manchmal auch ein bisschen was von meinem Geld.

Beschenkt mit Freude und Dankbarkeit

Aber ich bin auch froh, dass es nach wie vor Christen gibt, die sich den Bedürftigen besonders zuwenden, zum Beispiel Ärzte und Pflegende, die freiwillig und ohne Bezahlung für einige Wochen auf den Hospitalschiffen „Mercy Ships“ arbeiten, um dort den mittellosen Kranken in Afrika oder Asien zu helfen.
Und hier bei uns gehen manche zu den Flüchtlingen, um ihnen in ihrer schweren Lage in einem für sie fremden Land beizustehen. Aber es ist auch schon viel getan, wenn man jemanden im Pflegeheim besucht oder im Krankenhaus, auch wenn man nicht ihm verwandt ist.
Wenn du dich überwinden kannst und zu den Bedürftigen gehst, ihnen Zeit schenkst und ein Ohr, wirst du erfahren, dass sie dich reich machen. Das ist schon merkwürdig, wie die, die wenig bis nichts haben, dich mit ihrer Freude und Dankbarkeit beschenken können.
Vierzehn Tage noch bis Weihnachten. Werde ich, werden wir Jesus bis dahin gefunden haben? Und wenn wir es immer noch nicht wissen, wo er ist, dann lasst uns mit den Hirten nach Bethlehem gehen, in einen stinkenden Stall und dort im Dreck von Ochs und Esel auf die Knie gehen und ein kleines Kind in einem Futtertrog anbeten. Da, ganz unten, tut sich für uns der Himmel auf. Und wenn wir selbst einmal ganz unten sind, dann ist das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz bei uns und mit ihm die Menschen, die ihm dienen. Amen

p.s. Das Bild ist ein Wandfries am Dialoghotel (früher „Sonnenheim“) in Neuendettelsau: Die sieben Werke der Barmherzigkeit – Hungernde speisen, Dürstende tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Gefangene besuchen, Kranke pflegen, Tote bestatten.