Montag, 2. Dezember 2013

Mut zum eigenen Weg (1000. Beitrag) hl

Losung: Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen. 2.Mose 23,2

Lehrtext: Lasst einen neuen Geist euer Denken bestimmen. Epheser 4,23

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir Menschen sind „Herdentiere”, sagt die Biologie. Wir fallen in der Menge ungern auf und versuchen uns anderen anzupassen. So sind viele von uns auch erzogen worden: »Mach mir keine Schande!« oder »Was sagen denn da die Leute?!«. Und darum fällt es auch nicht unbedingt leicht, gegenüber einer Mehrheit eine abweichende Meinung zu vertreten und abseits von den Vielen den eigenen Weg zu gehen. Das ist auch nicht immer nötig. Aber manchmal schon, besonders wenn es um Dinge geht, die deinen eigenen Werten oder gar deinem Gewissen widersprechen. »Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen«, sagt die Bibel (Apostelgeschichte Kap. 5 Vers 29). Aber wer kennt schon diesen Satz oder lebt danach?
Einerseits ist es wichtig, dass Mehrheiten entscheiden und Minderheiten ihnen nicht ihren Willen aufzwingen können. Das gehört zum Wesen der Demokratie. Aber eine Sache ist deswegen noch nicht richtig oder gut, weil die Mehrheit dafür ist. Ich muss immer selbst mit meinem Verstand und meinem Gewissen entscheiden, ob ich zustimmen und mitmachen kann oder nicht. Heutzutage sind wir eher selten vor solche Entscheidungen gestellt. Aber es sind erst 70 Jahre her, dass die Mehrheit unseres Volkes den Nationalsozialisten auf dem Weg zum Bösen nur allzu willig gefolgt ist. Und im Osten Deutschland sind es noch nicht mal 25 Jahre, dass die Mehrheit mit den kommunistischen Wölfen geheult hat. Viele sagten hinterher: „Wir hatten ja keine andere Wahl, sonst hätten wir uns selbst in Schwierigkeiten gebracht.“ Doch, es gibt immer eine andere Wahl. Die Frage ist, ob ich bereit bin, den Preis zu bezahlen, den eine abweichende Meinung und Haltung kostet. Ich selbst bin froh, dass ich nie vor eine solche Herausforderung gestellt worden bin. Und deshalb kann ich auch nicht den Stab über die brechen, die damals in großer Zahl versagt haben. Weiß ich denn, wie ich mich verhalten hätte? Und trotzdem bleibt für jeden, der Christ sein will, Gottes Anspruch bestehen, wie ihn die heutige Losung formuliert: »Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen!« Manchmal muss man zum Beispiel sich schützend vor das Mobbing-Opfer in einer Klasse oder in einer Belegschaft stellen und bereit sein, es sich mit den Kollegen zu verderben. Das ist leicht gesagt und schwer getan. Aber die Frage ist doch, was bestimmt mein Denken und Fühlen, was beeinflusst mein Gewissen? Das kann nicht immer die Suche nach dem eigenen Vorteil sein. Ich meine, zum Christsein gehört auch, um der eigenen Glaubwürdigkeit willen mal einen Nachteil in Kauf zu nehmen.

Gebet: Herr, gib mir den Mut, zur rechten Zeit das rechte Wort zu sagen und die Kraft, den Weg zu gehen, den du mir zeigst. Amen

Herzliche Grüße und Gottes Segen in der neuen Woche!
                       
Hans Löhr


p.s. Diese Auslegung ist im Rahmen unserer Reihe „Nachdenken über die Bibel”der 1000. Beitrag von meiner Frau von mir. Wir sind so weit gekommen, weil wir von unseren Leserinnen und Lesern immer wieder zum Weitermachen ermutigt worden sind und so viele motivierende Rückmeldungen bekommen haben. Dafür danken wir, nicht zuletzt deshalb, weil wir beide wohl am meisten beim „Nachdenken über die Bibel“ für unseren Glauben profitiert haben. 

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