Donnerstag, 23. Februar 2017

Evangelischer Glaube in Reinkultur hl

LosungSchaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Psalm 51,12 

LehrtextDer Sohn im Gleichnis sprach: Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen. Lukas 15,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

David, ausgerechnet König David, ein Liebling Gottes und der Menschen, dessen Name über so vielen Psalmen steht und zu dessen Nachkommen auch Jesus zählt. Ausgerechnet David holt sich die attraktive Batseba ins Bett und lässt, weil sie verheiratet ist, ihren Mann töten. Als König kann er sich das doch herausnehmen, so denkt er. Da hat er schon recht, was Menschen betrifft. Aber bei Gott kann er sich das nicht herausnehmen. Darum wird ihm vom Propheten Nathan die Ungeheuerlichkeit seines Verbrechens vorgehalten.
     König David lässt sich das gefallen anders als viele altorientalischen Könige, die ihren Kritikern gleich den Kopf abgeschlagen haben. Er ist sich seiner Schuld bewusst und betet die Worte aus der heutigen Losung: »Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen und willigen Geist.« Schließlich will David trotzalledem König bleiben. 
     Er weiß, es genügt nicht, wenn er an seinem Herzen ein bisschen rumradiert. Er braucht eine grundsätzlich neue Einstellung zu Gott und den Menschen. Und weil er sich nicht selbst ein reines Herz und einen neuen Geist schaffen kann, bittet er seinen Schöpfer darum und sagt sinngemäß: ‚Herr, du weißt was los ist. Du siehst, dass ich mit mir nicht zurechtkomme. Ich will's auch gar nicht erst versuchen. Sondern bitte dich, das du mir hilfst, damit ich neu anfangen kann.‘ 
Sauber, jetzt hat Gott wieder den Ball. Doch er 'spielt' ihn nicht zurück, sondern nimmt ihn an. David hat hinfort mit den Folgen seiner Untat zu leben. Aber er darf Batseba behalten und König bleiben. Bei Gott gilt nicht „Schwamm drüber“, sondern Gnade. Das ist etwas anderes.
     Ich kenne einige, die sich in einer ähnlichen Lage nicht mehr an Gott wenden. Sie brauchen Hilfe, das ist wahr. Aber sie haben die Vorstellung von einem moralisierenden Zeigefinger-Gott. Vor dem wollen sie nicht zu Kreuze kriechen und sich eine Strafpredigt abholen, in der ihnen gesagt wird, was sie doch für schlechte Menschen sind. Gott, wie ich ihn aus der Bibel kenne, hat ein solches Interesse ebenfalls nicht, aber manche Menschen, die sich daran weiden, wenn andere scheitern und nun moralisch fertiggemacht werden. 
     Und wie reagiert Gott? Darauf antwortet Jesus mit seinem Gleichnis vom ‚Verlorenen Sohn‘. Nachdem dieser sein Erbe verjubelt hat und bis zum Schweinetrog herabgesunken ist, nimmt er sich vor, wieder zu seinem Vater zurückzugehen (Lehrtext). Und warum? Aus Reue? Aus Schuldbewusstsein? Um zu beichten? Nein. Schlicht und einfach, weil er Hunger hat. Und als der Vater ihn kommen sieht, wartet er nicht mit verschränkten Armen ab, bis sich sein Sohn vor ihm gedemütigt und er ihm den Kopf gewaschen hat. Stattdessen rennt (!) er ihm mit offenen Armen entgegen, übergeht (!) sein Schuldbekenntnis und drückt ihn an sich. Die ganze Moral ist dem Vater herzlich egal. Hauptsache, er hat sein Kind wieder. Und das muss gefeiert werden. So also, sagt Jesus, ist Gott zu dir und zu mir.
     Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist evangelischer Glaube in seiner reinsten Form, ein Glaube, der sich strikt am Evangelium orientiert, nicht an Buchstaben, sondern am Geist der Liebe, der Freiheit und der Barmherzigkeit.

Gebet: Herr, du bist kein Gott, der hinrichtet, sondern die Gescheiterten aufrichtet. Keiner, der verurteilt, sondern der Gnade vor Recht ergehen lässt. Keiner der Menschen vernichtet, sondern vergibt. Denn du kennst mich ja durch und durch, besser als ich mich. Du verstehst meine Gedanken und Motive. Du weißt, dass ich nicht Strafe braucht, sondern Hilfe, um wieder neu beginnen zu können. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr 

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Mittwoch, 22. Februar 2017

Die Alten sollen sich zu den Jungen bekehren hl

LosungIch will auch fernerhin mit diesem Volke wunderbar verfahren, wunderbar und wundersam, und die Weisheit seiner Weisen wird zunichte werden. 
Jesaja 29,14 

LehrtextDer Engel sprach von Johannes: Er wird viele der Israeliten zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia, zu bekehren die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn ein Volk, das wohl vorbereitet ist. 
Lukas 1,16-17 

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Lehrtext heute enthält einen Satz, der ist wie ein Angelhaken, an dem meine Gedanken zappeln und nicht davon loskommen. Was mag das wohl bedeuten: Johannes der Täufer »wird viele der Israeliten zu Gott ... und die Herzen der Väter zu den Kindern bekehren «? Sonst ist es doch eher umgekehrt, dass sich die Kinder nach den Eltern richten sollen. Und jetzt das! Und dazu noch aus dem Mund eines Engels.
     Mir fällt ein Vers von Bob Dylan ein aus seinem Lied "The Times They Are A-Changing“ (Die Zeiten ändern sich). Da heißt es:
»Kommt, Mütter und Väter aus dem ganzen Land, 
Und kritisiert nicht, was ihr nicht versteht
Ihr könnt eure Söhne und Töchter nicht mehr kontrollieren
Euere alten Pfade verrotten
Bitte, steht euren Kindern nicht im Weg, wenn ihr schon nicht mitgehen wollt. 

Denn die Zeiten ändern sich jetzt.«
     Mit diesem Lied, das 1963 entstanden ist, traf Bob Dylan den Nerv der Zeit und trug mit dazu bei, dass in den Folgejahren eine globale Jugendbewegung entstand, durch die sich die alten Verhältnisse in den westlichen Gesellschaften grundlegend änderten.
     Doch zurück zum Lehrtext. Der Mann, zu dem der Engel gesprochen hatte, war Zacharias, ein Tempelpfarrer. Der Gottesbote hatte ihm angekündigt, dass Zacharias trotz seines hohen Alters einen Sohn bekommen würde. Den sollte er Johannes heißen, auf Deutsch: Gott ist gnädig. Er würde einmal dem Herrn auf seinem neuen Weg vorangehen, weil die alten Wege der Tempelkirche zu nichts mehr führen. Und er sollte die Väter und Mütter dazu bringen, ihren Kindern auf diesem Weg zu folgen. Denn offenbar würden die Kinder am ehesten dazu bereit sein, den neuen Weg zu gehen und sich von den Bedenken der alten Autoritäten nicht mehr aufhalten lassen.
     Für mich heißt das: Gott will mich mitnehmen auf seinen neuen Weg und ich soll das Alte hinter mir lassen. Er ist immer gut für Überraschungen, und ich muss mich fragen, ob ich mich von ihm noch überraschen lassen möchte. Natürlich kann ich einiges dagegen einwenden, das Alte aufzugeben, das mir doch so vertraut ist und mir Sicherheit zu geben verspricht. Und dabei kann ich mich auf kluge Leute berufen, was zum Beispiel die Kirche betrifft. Auf Theologieprofessoren und Kirchenführer, die genau zu wissen scheinen, warum der alte Trott nach so vielen Jahrzehnten immer noch weitergehen soll. Warum trotz erschreckend hoher Kirchenaustrittszahlen grundlegende Reformen in der evangelischen Kirche, die doch immerhin die Kirche der Erneuerung sein möchte, lieber nicht angepackt werden (vergleiche Losung). Nun, da unsere Kirche so viel Geld hat wie nie zuvor in der Geschichte, gibt es offensichtlich zu viele, die von den bestehenden Verhältnissen profitieren und an einer Veränderung nicht interessiert sind.
     Das war zur Zeit Jesu ähnlich. Auch da beharrten die kirchlichen Autoritäten auf ihrem alten Weg und wollten seinen neuen nicht mitgehen. Aber die Zeiten hatten sich geändert. Ihre Zeit war abgelaufen. Und Jesus ist seinen Weg konsequent weitergegangen. Sie wollten ihn aufhalten, indem sie ihm den Kreuzgalgen in den Weg stellten. Aber selbst der Tod konnte ihn nicht stoppen, weil er den Weg Gottes ging und nicht in den der Menschen. 
Ihm auf seinem Weg zu folgen, ist nicht bequem, für die Kirche nicht und für mich nicht. Ob ich dazu bereit bin?
Die Kinder ihren eigenen Weg gehen zu lassen, ist nicht einfach. Aber gibt es dazu eine Alternative?
Alte, schlechte Angewohnheiten aufzugeben, fällt schwer. Aber soll der alte Trott immer so weitergehen?...
Ich meine, es ist an der Zeit, dass sich die Herzen der Alten zu den Jungen bekehren und eine neue Zeit anbricht.

Mutmachlied::
Vertraut den neuen Wegen,
auf die der Herr uns weist,
weil Leben heißt: sich regen,
weil Leben wandern heißt.
Seit leuchtend Gottes Bogen
am hohen Himmel stand,
sind Menschen ausgezogen
in das gelobte Land.

Vertraut den neuen Wegen,
auf die uns Gott gesandt!
Er selbst kommt uns entgegen.
Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen
in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen.
Das Land ist hell und weit.
(Gesangbuch # 395, Klaus Peter Hertzsch, 1989)

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Dienstag, 21. Februar 2017

Alles in Gott hl

LosungHebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen. Jesaja 40,26 

LehrtextIn ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare. Kolosser 1,16 

Liebe Leserin, lieber Leser,
heute erlaube ich mir, mich kurz zu fassen. Was soll man zu Losung und Lehrtext auch anderes sagen als 'Ja und Amen'? Dass Gott alles geschaffen hat, ist für mich eine Glaubenstatsache. Wie er das gemacht hat, darüber kann man diskutieren. Für mich liefern die Naturwissenschaften und somit die Evolutionstheorie das überzeugendste Modell. Aber natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass auch sie nur ein Versuch sein können, mit unserem menschlichen Gehirn Vorgänge darzustellen, die komplexer sind als man begreifen kann.
Der heutige Lehrtext lässt mich diese einfache Feststellung treffen: Du findest, wie manche meinen, Gott nicht in der Natur, nicht auf den Gipfeln der Berge, nicht am Sternenzelt, nicht im Wald. Aber du findest Natur, Berge, Sternenzelt, Wald und nicht zuletzt dich selbst in Gott. »In ihm«, so sagt es die Bibel an anderer Stelle, »leben weben und sind wir« (Apostelgeschichte 7,28), in ihm wurden wir geboren, in ihm werden wir sterben, in ihm bleiben.

Gebet:  Auszüge aus Psalm 104

1 Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr groß; in Hoheit und Pracht bist du gekleidet.
2 Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt.
14 Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
15 dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.
27 Es wartet alles auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.
28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du weg ihren Lebensatem, so vergehen sie und werden wieder Staub.
30 Du sendest aus deinen Hauch, so werden sie geschaffen, und du machst neu das Antlitz der Erde.
31 Die Herrlichkeit des HERRN bleibe ewiglich, der HERR freue sich seiner Werke!  Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 
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Montag, 20. Februar 2017

Regenbogen, Friedenspfeife, Kreuz hl

LosungGott sprach: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. 1.Mose 9,13 

LehrtextBleibt im Glauben, gegründet und fest, und weicht nicht von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt und das gepredigt ist allen Geschöpfen unter dem Himmel. Kolosser 1,23 

Liebe Leserin, lieber Leser,

in den letzten Tagen fand in München die 53. Sicherheitskonferenz statt mit rund 80 Außen- und Verteidigungsministern und 30 Staats- und Regierungschefs. Man diskutierte die politische und militärische Weltlage, brachte Unterschiede, Gegensätze aber auch Gemeinsamkeiten zur Sprache und versuchte die Konflikte zwischen verschiedenen Staaten zu entschärfen. Hätten an der Konferenz Indianer teilgenommen, hätten sie bestimmt ihre Friedenspfeifen mitgebracht und am Ende der Konferenz alle eingeladen, sie gemeinsam zu rauchen. Nun ja, vielleicht habe ich ein bisschen zu viel Karl May gelesen. Aber die Idee gefällt mir. Am liebsten möchte ich für die nächste Sicherheitskonferenz 2018 eine solche Friedenspfeife besorgen. Wäre doch kein schlechtes Zeichen, wenn Herr Putin und Herr Trump mit Frau Merkel, falls sie dann noch Kanzlerin ist, gemeinsam an der Pfeife ziehen.
     Auf die Friedenspfeife hat mich die heutige Losung gebracht. Denn der Regenbogen, von dem darin die Rede ist, soll nach einer naheliegenden Deutung der Kriegsbogen gewesen sein, den Gott aus der Hand gelegt und in die Wolken gesetzt hat. So ist aus dem Bogen, der ein Symbol war für Gottes  Kampf gegen die sündige Menschheit, ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung geworden, ein Zeichen dass Gott und wir Menschen künftig nicht mehr Feinde sind, sondern Bundesgenossen. Daran erinnert der Regenbogen noch heute, auch wenn wir inzwischen die physikalischen Gesetzmäßigkeiten kennen, wie er zustande kommt.
     Gott hat also, um im Bild zu bleiben, mit uns die Friedenspfeife geraucht oder er hat sie uns zumindest angeboten.
 Aber der Bibel zufolge war dieses alte Bündnis (= Altes Testament) nicht fest genug, weil zwar er, aber nicht die Menschen sich daran gehalten haben. So hat er ein anderes Zeichen für einen neuen Bund (= Neues Testament) gemacht, nicht mehr den Bogen in den Wolken, sondern das Kreuz auf der Erde. In seinem Sohn Jesus Christus hat er sich mit dir und mir verbunden. Und das ist kein Zeichen mehr, sondern Wirklichkeit.
     Mit anderen Worten: Gott der Vater hat sich durch den Geist der Liebe mit dem Sohn Jesus verbunden, welcher für die gesamte Menschheit steht. Seitdem ist er auch mit dir und mir verbunden. Das genau ist das Evangelium, die gute Botschaft, von der im Lehrtext die Rede ist. Das ist das Zentrum unseres christlichen Glaubens, in dem wir gegründet und fest bleiben sollen (Lehrtext). Dass du mit Gott versöhnt bist und für immer mit ihm verbunden, ist längst geschehen, bevor du darauf hättest Einfluss nehmen können. Du bist als ein solcher versöhnter Mensch auf die Welt gekommen und wirst als ein solcher auch wieder gehen. Deine und meine Aufgabe ist es, in der Zwischenzeit als ein solcher zu leben: versöhnt mit sich selbst, versöhnt mit den Mitmenschen, versöhnt mit Gott.
     Wenn das die Mitglieder der Münchner Sicherheitskonferenz auch so sehen und glauben könnten, bräuchten sie keinen Regenbogen, keine Friedenspfeife, ja nicht einmal eine Konferenz. Dann würden sie von sich aus aufeinander zugehen, sich die Hand geben und in Gottes Namen Frieden halten.

Gebet: Herr, du hast alles getan, um mich mit dir zu versöhnen, mehr als ich jemals tun könnte, und hast dich mit mir verbunden – unauflöslich. Halte mich in diesem Glauben, so kann auch ich versöhnlich, getröstet und zuversichtlich leben. Lenke mit deinem Geist die politisch Verantwortlichen, dass sie den Frieden bewahren.  Amen

Herzliche Grüße und eine gute neue Woche!

Hans Löhr 
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Sonntag, 19. Februar 2017

Der Glaube - Kette des Segens hl

LosungDer HERR wird sich wieder über dich freuen, dir zugut, wie er sich über deine Väter gefreut hat. 5.Mose 30,9 

LehrtextPaulus schreibt an Timotheus: Ich erinnere mich an den ungeheuchelten Glauben in dir, der zuvor schon gewohnt hat in deiner Großmutter Lois und in deiner Mutter Eunike; ich bin aber gewiss, auch in dir. 2.Timotheus 1,5 

Liebe Leserin, lieber Leser,

von wem hast du den Glauben gelernt? 
     Bei mir waren es fast ausschließlich Frauen. Das begann, wie nicht anders zu erwarten, mit meiner Mutter. Ich erinnere mich noch gut, wie sie mit mir an meinem Gitterbett gebetet hat, meistens vorformulierte Gebiete wie „Breit aus die Flügel beide" oder "Müde bin ich, geh zur Ruh". Oder sie hat mir Gesangbuchlieder vorgesungen. Später bin ich mit ihr am Sonntagabend ab und zu in die sogenannte Vesper gegangen, einen Kurzgottesdienst für Neuendettelsauer Schwestern, der auch für andere offen war.  
     Meine Großmutter, eine fränkische Bäuerin, hat mir ein Bild geschenkt, auf dem ein großer Engel zu sehen war, der Kinder  beschützt hat, die an einem Abgrund spielten. Dieses Bild hing über meinem Bett. Ich habe es heute noch. Aber da war auch noch eine Näherin aus dem Betrieb meines Vaters, die extra Überstunden gemacht hat, um mir fromme Geschichten aus der Mission zu erzählen.
     Und schließlich meine Patin, die mir zur Konfirmation eine Bibel mit Goldschnitt und Ledereinband geschenkt hat. Als Widmung hat sie mir das Losungswort vom Tag meiner Geburt hineingeschrieben: »Mose trat in das Tor des Lagers und sprach: 'Her zu mir, wer dem Herrn angehört!'« (2. Mose 32,26) Dieses Losungswort wirkt in mir nach bis heute.
     Als ich später als Pfarrer Taufgespräche mit jungen Eltern geführt habe, versuchte ich sie zu ermutigen, wenigstens den Glauben weiterzugeben, den sie selbst empfangen hatten und mit ihrem Kind vertraute Gebete zu beten und aus Kinderbibeln Geschichten vorzulesen. Vielleicht haben es manche getan. Es würde mich freuen.
     Ich meine, dass es gut ist, sich der Menschen zu erinnern, von denen man einen hoffentlich gesunden Glauben ohne mahnenden Zeigefinger gelernt hat. Ich jedenfalls bin ihnen dafür dankbar. Ich bin aber auch denen dankbar, die meinen Eltern, Großeltern und Urgroßeltern usw. den Glauben gelernt haben. Das ist eine lange Kette, die weit in die Vergangenheit zurückreicht, viel weiter als die Erinnerung, eine Kette des Segens, die nicht abgerissen ist und die hoffentlich bei meinen Kindern und Enkeln weitergeht.
     Und vom wem hast du den Glauben gelernt? Vielleicht magst du ja diesen Menschen mal ein kleines Dankeschön dafür sagen und, falls sie nicht mehr am Leben sein sollten, dass du dann Gott für sie dankst. Und vielleicht magst du ja von deinem Glauben auch anderen erzählen und mit ihnen beten, mit deinen Kindern, mit deinen Eltern oder auch mit deinem Partner.

Soeben habe ich eine Werbung für eine sündhaft teure Uhr gesehen. Man muss nur den Namen der Uhr durch das Wort ‚Glauben‘ ersetzen und dann ist das ein richtig guter Spruch:
»Der Glaube gehört einem nie ganz allein. Man erfreut sich ein Leben lang an ihm, aber eigentlich bewahrt man ihn schon für die nächste Generation.« (Süddeutsche Zeitung Magazin', 17.2.2017, Rückseite)

Gebet: Herr, ich bin so froh, dass ich den Glauben gelernt habe. Und wenn er sich auch seit meiner Kindheit geändert hat, so sind es doch die Wurzeln, die ihn, die mich bis heute tragen. Danke, dass ich Menschen begegnet bin, die mir wichtige Anstöße gegeben haben. Das war deine Gnade, dein großes Geschenk an mich. Lass mich trotz aller Schwankungen im Glauben bleiben. Stärke auch andere darin; denn was hilft uns mehr, als dir zu vertrauen? Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 18. Februar 2017

"von Familie" hl

LosungIch ließ mich suchen von denen, die nicht nach mir fragten, ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten. Jesaja 65,1

LehrtextGott hat euch berufen von der Finsternis in sein wunderbares Licht; die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid. 1.Petrus 2,9-10 

Liebe Leserin, lieber Leser,

worin liegt der Unterschied, wenn man sagt: „Dieser junge Mann ist aus einer guten Familie“ oder wenn man sagt „er ist von Familie“? In seinem amüsanten Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ schreibt Thomas Mann, dass es schon eine gewisse Auszeichnung ist, wenn man sagt, er ist „von guter Familie“. Das weist darauf hin, dass er gut erzogen wurde und auch entsprechende Manieren hat.
     Aber wer „von Familie“ ist, kommt aus einem Adelsgeschlecht. Und selbst wenn er ein Rüpel ist, stand er zumindest zu Beginn des letzten Jahrhunderts im gesellschaftlichen Ansehen immer noch hoch und unerreichbar über einem aus gutbürgerlichem Haus.
     Die Israeliten glaubten in biblischen Zeiten von Gott auserwählt und damit „von Familie“ zu sein, also Mitglieder seines Volkes. Entsprechend schockiert waren sie, als sie lasen, was der Prophet Jesaja in der heutigen Losung geschrieben hat. Auf einmal galt bei Gott die Herkunft nichts mehr, sondern, wie es im Lehrtext heißt, nur noch seine Gnade. Und da kann man auf nichts verweisen, weshalb Gott einen bevorzugen sollte. Es ist ausschließlich und allein seine freie Entscheidung, wem er gnädig sein, wen er annehmen will und wen nicht.
     Das, liebe Leserin, lieber Leser, ist auch deine und meine einzige Chance, die wir bei ihm haben. Nicht unsere Frömmigkeit, nicht unsere Tugenden, nicht unsere Leistungen, nicht unsere Moral, ja nicht einmal unsere Religion oder unser Bekenntnis zählen bei ihm, sondern einzig und allein, dass er uns wegen seines Sohnes Jesus gnädig sein will, „ohn all Verdienst und Würdigkeit“ wie Martin Luther schreibt. 
    Und nun liegt es an dir und an mir, ob wir diese Berufung annehmen, ob wir es uns gefallen lassen, dass Gott uns als ‚Familienmitglied‘ adoptiert hat. Er zwingt niemanden „von Familie“ zu sein. So frei wie er ist, uns seine Gnade zu schenken, so frei sind wir, sie anzunehmen oder abzulehnen.
     Doch was ist nun mit dem „wunderbaren Licht“, von dem im Lehrtext die Rede ist? Für mich heißt das: Ich lebe im Licht von Gottes Gegenwart, im Vertrauen darauf, dass ich zu ihm gehöre und er für mich da ist gerade auch in schwierigen Zeiten. Weil ich „von Familie“ bin, bin ich sein Kind und darf ihn meinen Vater nennen. Und weil er das ist, vertraue ich, dass er auch dann zu mir hält, wenn ich der Familie wenig Ehre mache.
     In diesem Licht also lebe ich wie auch du. Und während einmal alle anderen Lichter verlöschen, bleiben wir in seinem Licht in dieser und in jener Welt.

Gebet: Vater im Himmel, ich bin nicht einfach nur ein Geschöpf, ein Mensch, sondern dein Kind und gehöre zu dir von jeher und für immer. Ich habe dafür nichts tun müssen. Aber ich will etwas dafür tun, dass du siehst, wie sehr ich es schätze, ‚von deiner Familie‘ zu sein und entsprechend leben. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 17. Februar 2017

Unzufrieden mit dem Leben? hl

LosungWarum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«? Jesaja 40,27

LehrtextWerft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Hebräer 10,35 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was meinst du, haben wir einen Anspruch, dass es uns gut geht? Hat irgendjemand dir oder mir einen „Rosengarten“ auf dieser Erde versprochen? Paradiesische Zustände in unserer Zeit? Ein Leben voll ungetrübten Glücks? Gott bestimmt nicht. 
     Wer so etwas will, soll sich seinen Glücksgott suchen. Ob er fündig wird? Der lebendige Gott aber hat uns dieses Leben gegeben wie es ist: Mit Licht und Schatten, Glück und Leid, Liebe und Enttäuschung, Wohlbefinden und Schmerz, Zweisamkeit und Einsamkeit, Versöhnung und Streit, mit guten und schlechten Zeiten, mit Geburt und Tod. Ein anderes gibt es nicht. Ein anderes kenne ich nicht. 
     Und jetzt muss sich jeder selbst fragen: War es gut, dass ich geboren wurde? Möchte ich trotz aller Schattenseiten noch einige Zeit unter  der Sonne weiterleben? Kann ich mich freuen an denen, die mir nahe stehen, an Blumen und Tieren, an Natur, an Kunst, insbesondere an Musik?  Wiegt also das Gute in meinem Leben das Böse auf? 
     Ich habe das große Glück, besser, die große Gnade, dass ich in dieser Zeit in diesem Land leben kann. Deswegen ist bei mir längst nicht alles gut. Aber ich habe Möglichkeiten, meine Situation zu ändern, um es besser zu machen. 
     Nein, ich möchte zu keiner anderen Zeit leben und in keinem anderen Land. Und ich wünsche mir, dass alle, die unzufrieden sind, mal darüber nachdenken, wo sie denn sonst leben wollen: in Somalia oder Libyen, im Gazastreifen oder in Pakistan oder jetzt gar in der Türkei, um vom Irak und von Syrien gar nicht erst zu reden? Vielleicht würde dann manche Wut verrauchen.
     Aber Unzufriedenheit und Jammern sind seit biblischen Zeiten hervorstechende menschliche Eigenschaften. Dass da Gott gerade bei seinem Volk immer wieder mal „der Gaul durchgegangen ist“, weil er das Misstrauen und die Undankbarkeit einfach satt hatte, wundert nicht. Und so heißt die heutige Losung im Zusammenhang:
     "Wer hält einem Vergleich mit mir stand?", fragt der heilige Gott. Blickt nach oben! Schaut den Himmel an: Wer hat die unzähligen Sterne geschaffen? Er ist es! Er ruft sie, und sie kommen hervor; jeden nennt er mit seinem Namen. Kein einziger fehlt, wenn der starke und mächtige Gott sie ruft. Ihr Nachkommen Jakobs, ihr Israeliten, warum behauptet ihr: "Der Herr weiß nicht, wie es uns geht! Es macht unserem Gott nichts aus, wenn wir Unrecht leiden müssen."? Begreift ihr denn nicht? Oder habt ihr es nie gehört? Der Herr ist der ewige Gott. Er ist der Schöpfer der Erde. Alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und werden nicht matt. (Jesaja 40,25-31)
     Stimmt schon, Gott bewahrt uns nicht vor negativen Erfahrungen. Die meisten davon haben wir Menschen uns selbst eingebrockt nicht zuletzt deshalb, weil wir zu oft meinen, ohne ihn zurechtzukommen. Doch er überlässt uns nicht unserem Schicksal sondern hilft dem, der darauf vertraut, dass Gott ihn auf neue Wege führen kann und bereit ist, mit ihm zu gehen.

Gebet: Wenn Herr, wenn ich mein Vertrauen wegwerfen würde, was bliebe mir noch? Dann wäre die Krippe verwaist und kein Stern stünde über Bethlehem. Dann wäre das Kreuz bloß ein Galgen und kein Zeichen des Heils. Dann wäre der Himmel leer und die Erde die Hölle. Wer würde mir dann mein Versagen vergeben? Wer mich lieben, wenn ich nicht liebenswert bin? Wer mich behüten? Wer mich segnen? Solange ich noch einen Tropfen Glauben und einen Funken Hoffnung habe, will ich auf dich vertrauen. Du wirst mich nicht enttäuschen. Amen

Viele Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 16. Februar 2017

Wir sind Sternenstaub hl

LosungEr weiß, was für ein Gebilde wir sind; er gedenkt daran, dass wir Staub sind. Psalm 103,14 

LehrtextJesus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. Johannes 14,19 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Staub sind wir, sagt die Bibel. Und zu welcher Erkenntnis kommt 2000 Jahre später die Naturwissenschaft? Staub sind wir, sagen die Astrophysiker, Sternenstaub. Und damit meinen sie die atomaren Bestandteile, aus denen unser Körper besteht und die letzten Endes, wie das Wasserstoffatom, so alt sind wie die Welt, wie die Schöpfung selbst, 15 Milliarden Jahre: Sauerstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Calcium, Chlor, Phosphor, Kalium, Schwefel, Natrium, Magnesium dazu noch Spurenelemente wie Eisen, Flur, Zink usw. Daraus also bestehen wir, unsere Haare und Zähne, Knochen und Organe, unser Blut und unsere Haut. Das sind wir für eine kurze Zeit.
     Alle diese Elemente sind nach und nach entstanden indem Sterne im Todeskampf (Supernova-Explosion)  ihre Atome in den Weltraum geschleudert haben, die dann durch die Schwerkraft wieder eingefangen wurden und woraus neue Sterne entstanden sind, die durch Kernfusion aus den alten Elementen zum Teil neue gebildet haben. Aus allen diesen kleinen und kleinsten Teilchen ist schließlich auch der Planet Erde entstanden und auf ihm und aus seinen Atomen wir selbst.
     Du kannst das einfach nur so zur Kenntnis nehmen. Du kannst das auch ignorieren. Oder du kannst das als ein fantastisches, unglaubliches Wunder ansehen so wie ich das tue. Was für einen Aufwand hat die Natur, so sagen die Nichtgläubigen, was für einen Aufwand hat Gott getrieben, so sage ich, damit es dich und mich geben kann! Da kann ich nur ehrfürchtig staunen. Da kann ich nur mit David und seinem Psalm 103, aus dem das heutige Losungswort kommt, sagen: »Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!«
     Ja, Gott denkt an dich, dessen Körper, dessen Gehirn aus Sternenstaub ist, und doch bist du beseelt mit seinem Geist, begabt mit Verstand und Vernunft. Und so wie in dir die Gene von Mutter und Vater wirksam sind, so sind in dir die „Gene“ Gottes wirksam: der Glaube, die Hoffnung und die Liebe. Denn du bist sein Kind, von göttlichem Geblüt, von ihm in Menschenwürde gekleidet.
     Einmal wirst auch du wieder zu Staub zerfallen und die Atome, aus denen du bestehst, gehen wieder ein in den großen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Und doch, so sagt es die Bibel, so sagt es Jesus, bist und bleibst du sein Gotteskind, unabhängig von aller Materie. Du wirst geistlich auferstehen, auch wenn dir niemand sagen kann, was genau das bedeutet. Du wirst in Gott sein und in ihm bleiben für immer, jenseits von Zeit und Raum, jenseits von Sterben, Tod und Vergänglichkeit. Denn wir haben das Versprechen Jesu, mit dem Gott dir und mir versprochen hat: »Ich lebe und ihr sollt auch leben.« Er wird sein Wort halten. Ihm vertraue ich.

Gebet: Herr, ich will nicht vergessen, dass du an mich denkst, unablässig. Und ich will auch nicht vergessen, an dich zu denken, wenigstens hin und wieder. Als du Mensch geworden bist, hast du mein Leben mit deinem zusammengebunden, unauflöslich und für immer. Das ist dein neuer Bund (= neues Testament). Dazu stehst du in großer Treue, auch wenn ich dir untreu werde. Denn du hältst dein Wort. Dafür preise ich dich und danke ich dir. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Zeile aus dem Song „Woodstock“ von 1969. Gedichtet von Joni Mitchell, gesungen von Crosby, Stills, Nash & Young

Mittwoch, 15. Februar 2017

Goldmedaille für jeden hl

LosungWohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Jesaja 55,1 

LehrtextUm Jesus war eine große Schar seiner Jünger und eine große Menge des Volkes aus ganz Judäa und Jerusalem und aus Tyrus und Sidon, am Meer gelegen, die gekommen waren, ihn zu hören und von ihren Krankheiten geheilt zu werden; und die von unreinen Geistern umgetrieben wurden, die wurden gesund. Lukas 6,17-18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jesus hat nicht Israel „great“ (groß) gemacht, sondern kleine Leute. Er hatte sich ihrer Sorgen und Nöte angenommen. Hat ihnen von Gott erzählt und ihnen geholfen. Er hat ihnen damit gezeigt, dass sie ihm wichtig sind, dass sie für Gott groß genug sind, dass er sich um sie kümmert. Damit hat er ihnen ihren Wert und ihre Würde bewusst gemacht. Damit hat er ihr Selbstwertgefühl gestärkt und ihnen deutlich gemacht, dass Gott sie nicht nur wertschätzt, sondern liebt. Dass sie nicht nur irgendwelche unbedeutenden Geschöpfe sind, sondern seine Söhne und Töchter. Größer kann auch der seinem Einfluss nach größte Mensch nicht sein. Wichtiger kann auch der wichtigste Mensch auf dieser Welt nicht sein. Wertvoller kann auch der reichste Mensch nicht sein. Bei Gott stehen alle auf dem Siegertreppchen, alle auf Platz eins. Bei Gott bekommen alle die Goldmedaille, auch ein schwerbehindertes Kind, auch ein demenzkranker Greis.
Um diese Botschaft weiterzugeben und zu leben, dafür gibt es Kirche, dafür sollte sie zumindest da sein, dafür gibt es christliche Gemeinden. Ihr Auftrag ist, das zu leben, was Jesus ihnen und damit uns allen vorgelebt hat.
Und nun frage ich: Welche Rolle spielen die Kleinen in deiner Gemeinde? Die Kinder zuerst und dann die in unserer Welt nicht so Bedeutungsvollen, die Putzfrauen und Lastwagenfahrer, die Kassiererinnen und Friseurinnen, die Mechaniker und Paketboten, die Ausländer, die Ungelernten, die Behinderten, die mit den kleinen Renten, die Alleinerziehenden, die Suchtkranken, die chronisch Kranken, die Hartz IV-Empfänger, die Obdachlosen, die Straffälligen ...? Welche Rolle spielen sie in deiner Gemeinde und welche in deinem Bekanntenkreis? Bei Jesus spielen sie eine genauso große Rolle wie du und ich.
Er will ihren und unseren Durst stillen nach Trost, nach Vergebung, nach Geborgenheit, nach Hoffnung und Liebe. Wollen und können wir ihnen die Quelle zeigen?

Gebet: Herr, ohne dich vertrocknet meine Seele wie eine Topfpflanze auf dem Fensterbrett, die niemand gießt. Aber in deiner Nähe spüre ich neue Kraft, schöpfe ich Hoffnung, blühe ich auf. Bleibe mir nah, denn du bist die Quelle, aus der ich lebe. Mach mich bereit, mit anderen zu dir zu kommen, damit auch ihre Seele nicht mehr dürsten muss. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 14. Februar 2017

Dieser Gott ist tot hl

LosungHERR, du bist's allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist. Nehemia 9,6 

LehrtextVon ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Römer 11,36 

Liebe Leserin, lieber Leser,

     nein, Gott kann „man“ nicht beweisen. Auch nicht aus der Schöpfung. Alle Versuche, dies zu tun, sind widerlegt. Ebenso kann man nicht beweisen, dass Gott nicht ist. Aber, und das sage ich jetzt mit allem Selbstbewusstsein: Ich bin mir selbst ein Gottesbeweis. Die Tatsache, dass ich überhaupt bin, ist mir Beweis genug. Das gibt mir ein ganz bestimmtes Bewusstsein meiner selbst. So verstehe ich mich nicht als Produkt eines kosmischen Zufalls, den niemand erklären kann. Ich verstehe mich als ein Geschöpf, das Gott gewollt und ins Leben gerufen hat, das er liebt und bis heute behütet, dem er treu ist, dem er gnädig ist, dem er vergibt, das er aus dem Tod rettet und bei sich vollendet. 
     Nein, das alles kann ich nicht beweisen. Das kann ich nur glauben. Aber was heißt schon „nur“? Ich finde das wunderbar, dass ich das glauben kann und zwar nicht aus eigener Einbildungskraft, sondern weil ich der Bibel vertraue und insbesondere Jesus, wie er mir Gott zeigt und wie Gott mir in ihm begegnet.
     Hand aufs Herz, was wäre denn die Alternative zu einem solchen wunderbaren Glauben? Irgend so ein armseliger Atheismus? Die Anbetung meines begrenzten Verstandes? Das Mitschwimmen im breiten Strom der Gottesblinden? Was hätte ich denn davon? Den zweifelhaften Ruhm, ein aufgeklärter Intellektueller zu sein? Die Anerkennung, ein ganzer Kerl zu sein, der allein zurechtkommt und keinen Gott braucht? Wie erbärmlich ist das denn?!
     Ich kenne sie doch, die Agnostiker, denen Gott wurscht ist und die militanten Atheisten, die meinen, ihn mit ihrem Verstand entzaubern und in Luft auflösen zu können. Manchmal lächeln sie nachsichtig oder vielsagend über mich. Aber öfter noch überkommt den einen oder anderen auch so etwas wie Heimweh danach, im Glauben geborgen zu sein, wenn er erlebt, wie ich unbeirrt an meinem Gottvertrauen festhalte. Natürlich erlebe auch ich Glaubensschwankungen. Aber sie führen nicht dazu, dass ich an Gott zweifeln würde, sondern wenn schon, dann an mir.
     Manchmal denke ich mir, was habe ich doch für eine Gnade, dass ich nicht diesen Gott glauben oder ablehnen muss, den so viele im Sinn haben, wenn von ihm die Rede ist, den Wolken-Gott mit langem Bart oder den Zeigefinger-Gott, der mir aus Moral-Gründen ein schlechtes Gewissen machen will. Dieser Gott ist tot. Da hat Nietzsche recht. Jedenfalls für mich. Ebenso jener Gott, der seine Geschöpfe verdammt, wenn sie nicht den „richtigen“ Glauben haben. Ich frage mich, was bilden sich eigentlich die ein, die sich für erwählt halten auf Kosten aller anderen, die verloren sein sollen? Nun gut, wenn sie das brauchen, um sich ein bisschen bedeutend zu fühlen, sollen sie das denken, solange sie anderen damit nicht das Leben zur Hölle machen.
     Der Lehrtext sagt es mit wünschenswerter Klarheit, dass alles - und alles meint alles - von ihm und durch ihn und zu ihm gemacht ist. Damit ist eigentlich alles gesagt. Diese Welt und mit ihr alle Geschöpfe - und alle meint alle - sind nicht des Teufels, sondern Gottes. Daran halte ich fest, auch wenn manchmal das Gegenteil zu stimmen scheint. Und wenn wir beide, du und ich, gemeinsam daran festhalten, können wir uns gegenseitig in diesem Glauben bestärken und gemeinsam beten:

Gebet: Herr, du bist's, der uns beide gemacht hat. Du allein. Wir sind von dir und durch dich und zu dir. Das ist unser Weg, Anfang und Ende. Den wollen wir gehen im Vertrauen auf dich und im Glauben, dass wir gewollt, geschaffen und geliebt sind -  von dir . Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Montag, 13. Februar 2017

Die Sonne bringt es an den Tag hl

LosungUnsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. Psalm 90,8 

LehrtextEs ist nichts verborgen, was nicht offenbar werde, auch nichts geheim, was nicht bekannt werde und an den Tag komme. Lukas 8,17 

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Die Sonne bringt es an den Tag“ – sagt das Sprichwort und bringt damit eine allgemeine Erfahrung zur Sprache, dass so gut wie alles irgendwann rauskommt (Lehrtext). Ich erinnere mich noch gut, wie in den achtziger Jahren ein Aufschrei der Empörung durch unsere Gesellschaft ging wegen einer Ausstellung über die Kriegsverbrechen der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Damals lebten noch verhältnismäßig viele Kriegsteilnehmer. Sie wollten oder konnten nicht wahrhaben, dass sie an einem Raub- und Vernichtungskrieg vor allem gegen die Sowjetunion teilgenommen hatten. Das Märchen vom „ritterlich kämpfenden deutschen Soldaten“ im Unterschied zum hinterhältigen „Iwan“ sollte fortbestehen. 
     Auch der Krieg der Amerikaner gegen die kommunistischen Vietcong in Vietnam war nicht weniger bestialisch, als Zivilisten, darunter Kinder, mit Napalm verbrannt, mit agent orange vergiftet und gefangene feindliche Soldaten aus Hubschraubern in den Tod gestoßen wurden. Auch diese Gräueltaten konnten nicht lange totgeschwiegen oder als Feindpropaganda abgetan werden. Ähnlich verhält es sich mit den Lügen, die zum Irakkrieg und in dessen Folge zum Aufstieg der Terrorbanden Alkaida und Islamischer Staat geführt haben. Inzwischen wirkt sich dieser Terror bis nach Europa, bis in unser Land aus und versetzt nicht wenige in Angst und Schrecken. 
     Ich habe gelernt, dass, wenn es zum Krieg kommt, die Wahrheit immer das erste Opfer ist. Ich glaube diesbezüglich prinzipiell niemand mehr, auch nicht, was die Berichterstattung westlicher Medien über Syrien betrifft. Aber wie gesagt: „Die Sonne bringt es an den Tag“ und wenn es lange dauern muss, bis ein solcher Tag kommt.
     Und das gilt auch für mich. Auch ich muss damit rechnen, dass alles irgendwann rauskommt, was ich verheimlichen möchte. Und selbst wenn es nicht herauskommen sollte, weil ich mir vielleicht manches Selbstbetrugs gar nicht bewusst bin und auch dessen nicht, was ich mir in die eigene Tasche gelogen habe, so gilt doch, was die Losung sagt: »Unsere Schuld liegt offen vor dir, auch unsere unerkannten und geheimsten Verfehlungen bringst du ans Licht.«
     Das Jüngste Gericht stelle ich mir so vor, dass ich mit allem konfrontiert werde, was ich jemals Böses und Falsches gedacht, gesagt und getan habe, mit jedem Versagen, mit jeder Sünde, mit jeder Schuld. Und dann werde ich in einer langen, nicht enden wollenden Reihe mit meinen Mitmenschen stehen. Und jeder von uns ist tief schamrot im Gesicht. Jeder schaut vor sich auf den Boden und niemand blickt schadenfroh auf seinen Nachbarn.
     Und es ist nicht Gott, der mich beschämt, sondern meine eigenen Sünden. Und besonders beschämt bin ich darüber, was ich vor anderen Menschen und auch vor mir als Leistungen und gute Taten „verkauft“ habe. Ich werde beschämt sein über das, womit ich mich gebrüstet habe und was ich nicht hätte sagen sollen.
     Ja, so stelle ich mir das Jüngste Gericht vor, dass jeder von sich selbst, von seinem eigenen Versagen, von seinen eigenen Sünden gerichtet wird und dass Jesus Christus dann sagen wird: „Nun ist es gut. Kommt, feiern wir gemeinsam das große Fest der Versöhnung!“

Gebet: Herr, bei dir komme ich nicht mit der kleinsten Unaufrichtigkeit durch. Dir kann und will ich nichts vormachen, denn du bist das Licht und kennst mich durch und durch. Meine Lügen machen mich krank, aber deine Wahrheit heilt mich. Du bist bereit, mir alles zu vergeben. Mach du mich bereit, dir alles zu bekennen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr 

Sonntag, 12. Februar 2017

Was ist und was werden soll. hl

LosungIhr werdet Völker rufen, die ihr nicht kennt; und Völker, die euch nicht kennen, werden begierig zu euch kommen, wenn sie sehen, was ich an euch tue. Jesaja 55,5

LehrtextEs werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. Lukas 13,29 

Liebe Leserin, lieber Leser,

»Ihr werdet Völker rufen, die ihr nicht kennt …« – Was für ein Satz in einer Zeit von Abschottung, Einreiseverboten und geschlossenen Grenzen! Wer ist das: „ihr“? Also wir hier in Deutschland sind es nach dem Ende der Willkommenskultur nicht mehr so recht. Und andere Völker schon gleich gar nicht. Nun gut, die heutige Losung weist auch auf das Ende der Zeit voraus, wenn die Zeiten des Unheils auf der Erde für immer vorbei sind und Gottes Heilszeit begonnen hat. Dann soll, so der Prophet Jesaja, Israel ein leuchtendes Beispiel für alle Völker sein, dass sie kommen werden, um zu sehen, wie großartig Gott zu seinem Volk ist. 
Doch die heutige Losung verheißt, dass Gott nicht ein einziges Volk zum Nachteil aller anderen erwählt. Sondern sein Volk soll für andere ein Beispiel sein, dass auch diese sich ihm zuwenden und alle gemeinsam ihn anbeten und ehren. Das also ist nach den Verheißungen der Bibel die Zukunft der Menschheit, an der wir uns jetzt schon orientieren können, auch wenn sie noch in weiter Ferne liegt.
Der Lehrtext erinnert mich an ein sogenanntes Hungertuch des katholischen Hilfswerks „Misereor" aus dem Jahr 1982. Es hat ein Maler aus Haiti gemalt, einem der ärmsten und am meisten geschundenen Länder der Erde. Am unteren Rand sieht man die Verhältnisse, wie sie sich seit damals nicht geändert haben und vielleicht in dieser Weltzeit auch nicht grundsätzlich ändern werden, man sieht Krieg und ein Flüchtlingsboot mit Jesus an Bord. Man sieht, wie er gefesselt am Boden liegt und von einem Soldaten mit einem Knüppel geschlagen wird. Man sieht Ausbeutung und Zerstörung der Erde. Man sieht wie einer auf Kosten der anderen nach oben zu kommen versucht, während ihm Geldscheine aus der Tasche fallen. Man sieht, wie Jesus die aus der Kirche vertreibt, die mit Gott Geschäfte machen wollen. 
Aber inmitten dieser Verhältnisse sieht man auch Anzeichen von Menschlichkeit: Eine Rotkreuzschwester, die einen Verletzten behandelt, zwei, die Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten, während andere unbeteiligt und ungerührt zu sehen. 
Und mittendrin das Kreuz Jesu, welches zum Lebensbaum geworden ist und dessen Wurzeln in unsere Zeit und Vergangenheit hinabreichen, dessen Krone sich in den Himmel erstreckt, dessen Früchte aber jetzt schon allen Menschen zugute kommen sollen: die Früchte der Gerechtigkeit und des Friedens, der Liebe, der Versöhnung und der Bewahrung der Schöpfung. Und daran hängt der, durch dessen Leiden und Liebe aus dem Kreuz dieser Baum geworden ist. Man sieht links oben in der Ecke die Zehn Gebote als Menschenrechte, oben in der Mitte Adam, Eva und das künftige Paradies. Aber rechts davon sieht man Menschen, die die Früchte des Lebensbaumes ernten und servieren. Und damit sind wir beim heutigen Lehrtext. Denn im Schatten des Lebensbaum steht der Tisch an dem diejenigen sitzen, die aus allen Himmelsrichtungen, allen Rassen, allen Religionen, allen Nationen kommen werden und mittendrin wieder Jesus. Sie essen gemeinsam, sind eine Tischgemeinschaft, in der jeder satt werden kann, wo keiner dem anderen neidisch ist, wo keiner vor dem anderen Angst hat, wo sie endlich das geworden sind, wozu Gott sie geschaffen und bestimmt hat: Brüder und Schwestern einer großen Menschenfamilie, deren Vater er ist.
An diesem Tisch wird auch ein Platz für dich und für mich freigehalten. Wir sind eingeladen.

Gebet: Vater im Himmel, dein ist das Reich und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr