Samstag, 21. Januar 2017

Gott sehen hl

Losung: Der HERR sprach zu Gideon: Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben. Da baute Gideon dem HERRN dort einen Altar und nannte ihn: »Der HERR ist Friede.« Richter 6,23-24

Lehrtext: Jesus spricht: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Johannes 14,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich weiß noch, wie mich das als Kind fasziniert hat, dass niemand Gott sehen darf, ohne tot umzufallen. Mose durfte Gott nicht direkt sehen, sondern nur seine Stimme aus dem brennenden Dornbusch hören. Und als er es später noch einmal wollte, sagte der Herr zu ihm: »Ich will an dir vorüberziehen, damit du sehen kannst, wie gütig und barmherzig ich bin. Mein Gesicht darfst du nicht sehen, denn kein Mensch, der mich gesehen hat, bleibt am Leben!« (2. Mose  33,20) Auch der Prophet Elia durfte Gott nicht direkt sehen, sondern hat nur „eine Stimme verschwebenden Schweigens“ vernommen und erkannt, dass dies Gott war, der ihm begegnete. Und nun der blutjunge Gideon. Er bittet um ein Zeichen von Gott, ob er die Feinde der Israeliten besiegen würde. Da erscheint ihm der Engel des Herrn, mit anderen Worten Gottes Macht, und er fürchtet, nun sterben zu müssen. Doch Gott nimmt ihm die Furcht (Losung) aus dem Herzen und schenkt ihm seinen Frieden.
Ach wie gern hätte ich als Kind Gott gesehen oder wenigstens seinen Engel. Und wenn ich meine Mutter gefragt hatte, ob sie schon mal einen Engel gesehen hat, hat sie mir nur ausweichend geantwortet.
Inzwischen weiß ich zweierlei: Ich kann Gott nicht sehen, weil ich nicht einmal in die, im Vergleich zu anderen Himmelskörpern, kleine Sonne schauen kann, ohne blind zu werden. Und was ist schon die Sonne, die, wenn ich ein Sandkorn wäre, die Größe der Zugspitze hätte, im Vergleich zum Schöpfer des Universums? Und doch lässt Gott mich sich sehen und alle, die das wollen und glauben. Ich sehe ihn im Kind in der Krippe und im Mann am Kreuz. Jesus  sagt von sich in der Bibel: „Wer mich sieht, der sieht den Vater“ (Johannes 14,10). Und Paulus schreibt im Brief an die Gemeinde in Kolossae: „Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kolosser 1,15). An ihm sehe ich, wie „gütig und barmherzig“ (2. Mose 33,20) Gott ist.
Nein, vor diesem Gott brauche ich keine Angst zu haben, aber vor Menschen, die nicht „gütig und barmherzig“, sondern brutal und grausam sind. Er gibt mir durch Jesus einen Frieden, den nur er geben kann so wie ein Kind in den Armen seiner Mutter Trost und Frieden findet, wenn es nachts aus einem schrecklichen Albtraum erwacht: ‚Ruhig, mein Kind, ganz ruhig. Es ist alles gut. Du hast nur schlecht geträumt. Hab keine Angst, ich bin ja bei dir!‘
Ich schäme mich eines solchen Vergleiches nicht. Ich weiß, dass diese Welt ein wirklicher Albtraum sein kann, wovon ich bis jetzt weitestgehend verschont worden bin. Ich weiß auch, dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass wir alle miteinander noch einen schrecklichen Albtraum erleben, aus dem es so leicht kein Erwachen gibt. Ich hoffe sehr, dass es nicht dazu kommen wird. Aber ich hoffe auch, dass ich dann in Gottes Armen Frieden finden und seine Stimme hören werde, wenn er sagt: ‚Hab keine Angst, ich bin ja bei dir!‘

Gebet: Herr, dein Angesicht ist voll Licht und Wärme. Du schaust mich liebevoll an und schenkst mir deinen Frieden. So hast du mich bisher all die Jahre gesegnet. So habe ich mich bisher bei dir geborgen gefühlt. Mögen mich auch die Nachrichten beunruhigen. Nichts darf mir den Frieden rauben, den du mir schenkst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

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Freitag, 20. Januar 2017

Ein paar Gedanken über das Sorgen hl

Losung: Besser wenig mit der Furcht des HERRN als ein großer Schatz, bei dem Unruhe ist. Sprüche 15,16

Lehrtext: Achtet auf die Raben: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie haben weder Vorratskammer noch Scheune: Gott ernährt sie. Ihr seid doch viel mehr wert als die Vögel! Lukas 12,24

Liebe Leserin, lieber Leser,

du bist viel mehr wert als ein Vogel, sagt Jesus. Wertet er damit die Tiere ab? So kann man es lesen. Doch ihm kommt es auf etwas anderes an. Er sagt damit: ‚Wenn Gott sich schon so um die Vögel sorgt, um wie viel mehr sorgt er sich nicht um dich, sein Kind.‘ Und ich möchte hinzufügen: Nicht zuletzt deswegen will ich mich auch um die Tiere kümmern, darum, wie sie in den Ställen gehalten werden und darum, ob jetzt bei Eis und Frost für die Vögel ein Futterhäuschen vor dem Fenster hängt.
     Nun mag man einwenden: Wenn Gott wirklich für uns Menschen sorgen würde, müsste es doch auf dieser Erde ganz anders zugehen. Dann dürften nicht so viele leiden und sterben durch Krieg, Hunger, Terror, Naturkatastrophen, Seuchen, Unfälle, Verbrechen und alle möglichen Krankheiten.
Da ist was dran. Man muss einen Menschen, der so spricht, ernst nehmen. Ich will diesen Gedanken auch gar nicht abtun. Ich will ihn stehen lassen, weil er in einem gewissen Umfang durchaus der Wirklichkeit entspricht. Aber ich will ein paar Gedanken daneben stellen:
     # Derjenige, der das sagt, ist offensichtlich von alledem, was er aufzählt, bisher verschont geblieben. Er fragt mit einem gewissen Recht, warum andere so viel leiden müssen. Er sollte aber mit dem gleichen Recht auch fragen, warum er bisher so nicht hat leiden müssen.
     # Und dann denke ich mir, wie sähe denn diese Welt aus, wenn Gott sich überhaupt nicht um seine Menschen und um die Schöpfung kümmerte? Der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll hat einmal eine ähnliche Frage gestellt.
     # Und schließlich denke ich mir: Offenbar ist bei allem, was schlimm ist, das Leben auf dieser Erde immer noch so gut, dass nahezu alle Menschen solange es geht darauf leben möchten.
     # Offenbar haben vor allem in den reichen Ländern Menschen genug Zeit und Bildung, dass sie solche Fragen überhaupt stellen können. Merkwürdigerweise hängen diejenigen, denen es weitaus schlechter geht als uns und die allen Grund hätten, Gott Vorwürfe zu machen oder sich von ihm abzuwenden, umso stärker an ihm.
     # Offenbar leuchtet es gerade den Menschen, die nicht wissen, ob sie morgen oder übermorgen satt werden, am ehesten ein, dass Gott mehr für sie sorgt als für die Vögel unter dem Himmel.
     Wenn ich mir Sorgen um die Zukunft mache, zum Beispiel heute am Tag der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten, dann will ich mir die Zuversicht der Armen und nicht so gebildeten Menschen als Vorbild nehmen. Dann will ich zu mir sagen: Gott wird auch morgen dafür sorgen, dass ich leben kann, so wie er bisher dafür gesorgt hat. Vielleicht werde ich künftig weniger haben als jetzt (Losung). Aber das heißt doch nicht, dass deswegen schon die Welt untergeht.

Gebet: Herr, du hast uns nicht das Paradies auf Erden versprochen. Aber in diesem reichen Land leben wir in Zuständen, die die meisten Menschen auf dieser Erde für paradiesisch halten. Auch wir haben unsere Sorgen, Nöte und Ängste. Aber zugleich will ich zufrieden und dankbar sein, wie viele Möglichkeiten es bei uns gibt, professionelle Hilfe zu bekommen. Ich will in alledem erkennen, wie du für uns sorgst, gerade auch durch andere Menschen. Ich will Zuversicht schöpfen aus den guten Erfahrungen, die ich bisher mit dir gemacht habe. Du hast mein Leben erhalten, ohne dass ich dafür etwas Besonderes geleistet hätte. Du wirst das auch in Zukunft tun solange es dir gefällt. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Donnerstag, 19. Januar 2017

Mut zum Widerspruch hl

Losung: Man soll nicht mehr von Frevel hören in deinem Lande noch von Schaden oder Verderben in deinen Grenzen, sondern deine Mauern sollen »Heil« und deine Tore »Lob« heißen. Jesaja 60,18

Lehrtext: Der Seher Johannes schreibt: Ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Offenbarung 21,3

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele trauen sich nicht, einem Mächtigeren zu widersprechen. Wie ist das bei dir? Bleibst du bei deiner Meinung selbst dann, wenn jemand etwas anderes sagt, der gesellschaftlich in hohem Ansehen steht oder über viel Macht und Geld verfügt? Hast oder hattest du dich getraut, deinen Eltern zu widersprechen oder deinen Lehrern, dem Pfarrer, dem Chef oder dem Ehepartner? Hm, na klar riskiert man dann ein Konflikt, den man gern aus dem Weg geht. Aber zu welchem Preis?
Der größten und stärksten Macht in dieser Welt aber trauen sich oft auch die größten und stärksten Menschen nicht zu widersprechen. Sie nehmen diese Macht stumm und ergeben hin und beugen sich unter ihren Willen. Aber ein paar gibt es doch, die selbst dieser Macht widersprechen. Und ich möchte dich gewinnen, das mit mir zu tun. Diese Macht ist der Tod, der für sich das letzte Wort beansprucht. Der alle mundtot machen und erreichen will, dass man ihn als die größte, stärkste und höchste Macht überhaupt akzeptiert. Sehr viele tun das auch.
Aber mein Beruf war es und mein Glaube ist es, ihm zu widersprechen. Noch bei jeder Beerdigung habe ich ihm nicht meine eigenen, so doch Worte wie aus dem heutigen Lehrtext entgegengehalten und laut vorgelesen: »Eine gewaltige Stimme hörte ich vom Thron her rufen: "Hier wird Gott mitten unter den Menschen sein! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein. Ja, von nun an wird Gott selbst in ihrer Mitte leben. Er wird alle ihre Tränen trocknen, und der Tod wird keine Macht mehr haben. Leid, Klage und Schmerzen wird es nie wieder geben; denn was einmal war, ist für immer vorbei."« Das war und ist mein Protest gegen diese Macht.
Leider ist der Tod noch immer sehr mächtig, viel, viel mächtiger als ich. Aber deswegen lasse ich mir von ihm nicht den Mund verbieten und sage kühn mit den Zusagen der Bibel: „Du bist nur eine große Macht in dieser vergänglichen Welt. Und darum bist du nur etwas Vorletztes. Du magst uns alle in Angst und Schrecken versetzen. Doch da ist einer, der sagt: »In der Welt habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe diese vergängliche Welt – und damit auch den Tod – überwunden.« Vor ihm gehe ich freiwillig auf die Knie und bete ihn an. Du kannst mich zwar in die Knie zwingen, aber nicht dazu, dich anzubeten und als höchste Macht und Autorität anzuerkennen. Das werde ich nicht tun. Denn du bist auch nur ein Werkzeug in der Hand des Ewigen und Höchsten und kannst nichts anderes tun als was er will.“
Man sagt „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, doch das gilt nicht für die Hoffnung, die ich habe. Denn sie kommt nicht aus mir, sondern ist mir von Gott ins Herz gelegt. An ihr will ich festhalten bis zuletzt. Und wenn mir die Kräfte ausgehen, wird er sie für mich festhalten und erfüllen.
Mögen andere dem Tod nach dem Mund reden, ich tu’s nicht. Mögen andere vor ihm verstummen, ich widerspreche ihm solange ich kann. Und wenn mir Gott die Gnade schenkt, will ich mit meinem letzten Atemzug sagen: „Herr, du bist da. Trage mich.“

Gebet mit dem Losungswort: Herr, du weißt, mein Glaube und meine Kraft sind begrenzt. Ich fürchte mich vor dem Verderben, das droht, vor Krankheit und Tod, vor Krieg und Gewalt. Aber ich bin ja nicht auf mich allein gestellt. Ich vertraue auf dich und glaube, dass du mir zur Seite stehst und auch in schweren Zeiten treu bleibst. Dir gehöre ich in Zeit und Ewigkeit. Das macht mich wieder froh und gibt mir neuen Lebensmut. Das gibt mir die Kraft, dich zu loben und auf dich zu hoffen bis zuletzt. Schenke mir diese Kraft. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 18. Januar 2017

Glaube kann glücklich machen hl

Losung: Ich will mich freuen des HERRN und fröhlich sein in Gott, meinem Heil. Habakuk 3,18

Lehrtext: Der Kämmerer zog seine Straße fröhlich. Apostelgeschichte 8,39

Liebe Leserin, lieber Leser,

der „Kämmerer“, von dem im Lehrtext die Rede ist, war Finanzminister der Königin von Äthiopien. Er war schwarz und Jude. In dieser doppelten Eigenschaft dürfte er heute in manchen Teilen der Welt und vielleicht auch unseres Landes angefeindet werden. Damals aber scheint das kein Problem gewesen zu sein. Vom Rassismus gegenüber Schwarzen finde ich in der Bibel keine Spur. Und da Jesus auch Jude war, verbietet sich wenigstens den Christen jede Art von Antisemitismus von selbst.
     Dieser Finanzminister war in einem eigenen Wagen unterwegs. Heute würde er in einem Privatjet reisen. Er hatte eine Wallfahrt nach Jerusalem unternommen und war auf dem Heimweg. Dabei kam er mit Philippus ins Gespräch, dem Gott den Auftrag gegeben hatte, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Sie sprachen über das Verständnis der Bibel, damals das Alte Testament, und was darin bereits auf Jesus Christus hinweist. Schließlich äußerte die hochgestellte Persönlichkeit den Wunsch getauft zu werden, um fortan als Christ zu leben. Für die äthiopischen Christen ist das noch heute eine zentrale Geschichte ihres Glaubens und das Gründungsdokument ihrer Kirche.
     Bemerkenswert ist, was der Lehrtext sagt, nämlich dass dieser Mann nach seiner Taufe frohen Herzens weitergereist ist. Offenbar ist das die Wirkung, wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus Christus kommt und getauft wird, dass er fröhlich ist. Schließlich sind wir doch als Christen erlöst von aller Macht des Bösen und des Todes. Wir werden nicht erlöst, sondern wir sind es längst und das nicht aus eigener Glaubenstüchtigkeit, sondern durch Jesus, der uns bedingungslos liebt. Wenn das kein Grund zur Freude ist!
     Das alles ist ja nun nicht neu und könnten wir alle wissen. Aber nun gibt es leider Gottes einen großen Unterschied zwischen dem, was man weiß und dem, wie es einem geht. Ich rede mal von mir. Ja, ich bin immer wieder mal froh, dass ich glauben kann. Oft ist das spät abends, wenn ich endlich im Bett liege und darüber nachdenke, wie gut alles in allem Gott zu mir ist. Und manchmal, das gestehe ich jetzt mal, obwohl es für mich etwas sehr Persönliches ist, bin ich dabei richtig glücklich. Und dann weiß ich: nie, nie, nie will ich diesen Glauben verlieren, geschehe was da wolle. Und ich weiß auch, Gott kann mich glücklich machen unabhängig davon, wie Menschen zu mir sind. Und so liebe ich es, in diesem Glauben, in diesem Gefühl einzuschlafen.
     Leider ist das nicht jede Nacht so. Manchmal bin ich eben noch so mit den Dingen des Tages beschäftigt, dass es nur noch zu einem kurzen, eher rituellen Gute-Nacht-Gebet langt. Das ist so, als ob ich einen Haken hinter eine religiöse Pflicht gemacht hätte. Dann verändert mich ein solches Gebet nicht besonders. Letzten Endes läuft es eben immer wieder auf dasselbe hinaus: Glaube braucht Zeit. Gebet braucht Muße. Je mehr Zeit ich mir für Gott nehme, desto mehr Möglichkeiten hat er, an mir zu arbeiten und in mir zu wirken. Je öfter ich mich am Tag seiner vergewissere, desto schneller komme ich wieder ins Lot. Je öfter und länger ich gottvergessen vor mich hinlebe, desto mehr verliere ich meine Mitte und damit meine Lebenszuversicht und Grundfreude.
     Wie auch immer, im Unterschied zur Schadenfreude oder zum kurzen Vergnügen an Besitz und Gewinn ist die innere Freude ein Zeichen dafür, dass es mir seelisch gut geht. Ich kann sie leider nicht auf Knopfdruck anknipsen. Aber ich kann schon etwas dafür tun, dass sie nicht wieder wie ein scheuer Vogel verscheucht wird. Und dann kommt es nur noch darauf an, dass sie von innen nach außen dringt und andere ansteckt. „Nur noch“? Wenn das nur immer so einfach wäre.

Gebet:
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinen Namen.
Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja! (siehe Losung)
(Evang. Gesangbuch Nr. 272)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr


p.s. Und hier die entsprechenden Gedanken zu einem Morgengebet

Dienstag, 17. Januar 2017

"Ich weiß, an wen ich glaube." hl

Losung: Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN. Psalm 146,5

Lehrtext: Paulus schreibt: Ich weiß, an wen ich glaube, und bin gewiss, dass er bewahren kann, was mir anvertraut ist, bis an jenen Tag. 2.Timotheus 1,12

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Losung ist ein Vers aus einem meiner Lieblingspsalmen. Und weil mir das, was darin zum Ausdruck kommt, am Herzen liegt, möchte ich es an dich weitergeben. Vielleicht berühren diese Worte auch dich, weil sie ein weiteres Mal davon reden, wie sich Gott insbesondere der Schwachen und Verfolgten annimmt. Zugleich geht es in diesem Psalm auch darum, sich von den Mächtigen dieser Welt nicht blenden zu lassen. Sie mögen Kaiser oder Könige sein, Präsidenten oder Kanzler – und doch sind sie so vergänglich wie du und ich. Wie auch sollen sie helfen, wenn es drauf ankommt? Sie werden mich nicht trösten. Sie werden mich nicht behüten. Sie werden mir nicht neuen Lebensmut geben. Sie werden mein Gottvertrauen nicht stärken. Sie werden mir meine Sünden nicht vergeben und aus dem Tod nicht retten.
Nein, ich erwarte mir von keinem einzigen Politiker Heil, von keinem „Führer“ der westlichen oder östlichen Welt, wie mächtig er oder sie auch immer sein mag. Da stimme ich mit dem Psalm 146 und der heutigen Losung überein:
Meine Hoffnung setze ich auf den Gott, auf den schon Abraham, Isaak und Jakob ihre Hoffnung gesetzt haben genauso wie Mose, David und alle Menschen der Bibel, die an ihn geglaubt haben.
Meine Hoffnung setze ich auf den Gott, an den auch meine Großmutter geglaubt hat und meine Patin. An den meine Vorfahren geglaubt haben, die vor 200 Jahren um ihres Glaubens willen aus ihrer alten Heimat in Österreich vertrieben worden sind, um sich hier in Franken neu anzusiedeln.
Meine Hoffnung setze ich auf den Gott von Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther, Jan Hus, Franz von Assisi und nicht zuletzt auf den Gott des Apostels Paulus und den Vater Jesu Christi.
Und darum sage ich mit Paulus: „Ich weiß, an wen ich glaube.“ (Lehrtext) Nein, ich bin kein Glaubensheld. Ich wünsche mir mehr Festigkeit und mehr Hingabe. Doch ich habe gelernt, nicht an Gott zu zweifeln, sondern eher an mir. Und darum stelle ich lieber mich infrage als ihn.
Nun aber der Psalm 146 (siehe auch evangelisches Gesangbuch, Nummer 303):

Gebet:
1 Halleluja - lobt den Herrn! Ich will den Herrn loben, 
2 ich will ihn loben, solange ich lebe! Zur Ehre Gottes will ich singen mein Leben lang. 
3 Setzt euer Vertrauen nicht auf Menschen, die Einfluss haben und Macht ausüben! Sie sind vergänglich wie ihr und können euch nicht erretten. 
4 Sie müssen sterben, und mit ihnen vergehen ihre Pläne. 
5 Glücklich aber ist der Mensch, der seine Hilfe von dem Gott Jakobs erwartet! Glücklich ist, wer seine Hoffnung auf den Herrn setzt! 
6 Denn er hat Himmel und Erde geschaffen, das Meer und alles, was darin lebt. Niemals bricht er sein Wort! 
7 Den Unterdrückten verschafft er Recht, den Hungernden gibt er zu essen, und die Gefangenen befreit er. 
8 Der Herr macht die Blinden wieder sehend und richtet die Niedergeschlagenen auf. Er bietet den Ausländern Schutz und versorgt die Witwen und Waisen.
9 Wer treu zu ihm steht, der erfährt seine Liebe, aber wer ihn verachtet, den führt er in die Irre. 
10 Der Herr regiert für immer und ewig. Jerusalem, dein Gott wird herrschen für alle Zeiten! Halleluja!

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 16. Januar 2017

Was Menschen von Gott wissen können hl

Losung: Ich bin der Erste, und ich bin der Letzte, und außer mir ist kein Gott. Jesaja 44,6

Lehrtext: Ich beuge meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden. Epheser 3,14-15

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn jemand seine Nasenspitze einen Zentimeter aus der Haustüre herausstreckt und dann behauptet, er hätte eine Weltreise gemacht, so ist das nur lächerlich. Noch viel lächerlicher ist, wenn Menschen zum Mond fliegen und behaupten, sie seien Weltraumfahrer oder Astronauten oder Kosmonauten. Im Vergleich zur Größe des Weltraums ist die Reise zum Mond kürzer als der Zentimeter an der Haustür. Und doch flößt uns die Berufsbezeichnung „Astronaut“ Respekt und Achtung ein. Am lächerlichsten aber ist es, wenn ein Mensch von Gott spricht und behauptet, er wisse, wer Gott sei. Da weiß ein Frosch noch mehr vom Ozean.
Gott bleibt für uns Menschen ein unauslotbares Geheimnis. Auch für jeden Theologen und sei er noch so gescheit. Wenn wir von Gott reden, so tun wir gut daran, erst einmal ganz bescheiden zu werden und uns darüber im Klaren zu sein, wie wenig ein Sterblicher den Ewigen erfassen kann. Er, der Erste und Letzte, überragt seine gesamte Schöpfung. Aber auch diese Aussage trifft noch nicht zu. Er ist das Ganze, und seine Schöpfung so viel wie eine geniale Idee.
Ja, dem größten und dem kleinsten Menschen, dem mächtigsten und dem ohnmächtigsten, dem reichsten und dem ärmsten, dem klügsten und dem dümmsten Menschen – ihnen allen, uns allen bleibt, wenn wir uns der Majestät Gottes bewusst werden, nichts anderes übrig, als vor ihm staunend auf die Knie zu gehen, ihn anzubeten und zu preisen.
So haben es die prächtigen Könige und die zerlumpten Hirten im stinkenden Viehstall vor der Futterkrippe getan, in der dieser Gott gelegen hat. So hat er sich uns gezeigt, weil wir ihn anders nicht begreifen können denn als Menschensohn. Weil wir sonst das, was wir in unserer Fantasie für mächtig und majestätisch halten mit Gott verwechseln und unsere Vorstellung von ihm in den Himmel projizieren.
Doch Jesus war kein verwunschener Gott wie der Froschkönig ein verwunschener Prinz ist. Er war ganz und gar Mensch, hatte Hunger und Durst, hat gelacht und geweint und mit den Menschen gefeiert (zum Beispiel auf der Hochzeit zu Kana) und dabei Wein getrunken und höchstwahrscheinlich auch gesungen und getanzt. Und schließlich hatte er Angst (Gethsemane), litt entsetzlich darunter, als er sich von Gott und seinen Freunden verlassen glaubte und ist qualvoll am Kreuz gestorben. Gott hat in diesem Menschen mitgelitten an unserer gottesblinden Menschenwelt und ist doch Gott geblieben.
Das gehört zu den letztlich nicht erklärbaren göttlichen Geheimnissen, dass Jesus Gott und Mensch zugleich war: Er gehörte und gehört ganz und gar auf unsere Seite und zugleich ganz und gar auf Gottes Seite. So bringt er in sich unseren himmlischen Vater mit uns zusammen. So treffen sich in ihm die Geschöpfe mit ihrem Schöpfer, die Menschen mit ihrem Gott. So versöhnt und verbindet er uns Erdenkinder mit unserem Himmelvater, uns Sterbliche mit dem Ewigen, uns Sünder mit dem Heiligen. So ist der Schnittpunkt des Kreuzes Jesu, der Treffpunkt des senkrechten mit dem waagerechten Balken, des Göttlichen mit dem Menschlichen zugleich das Zentrum seiner Botschaft, das Zentrum seines Lebens, die Antwort auf alle Fragen, die Lösung aller Geheimnisse.
Das ist es, was wir Menschen von Gott wissen  können. Mehr ist in diesem Leben nicht möglich. Mehr ist auch nicht nötig. (für Interessierte: Informationen zur Christologie)
Zuletzt bringe ich noch ein Wort aus dem Hebräerbrief, das deutlich macht, was das alles für uns bedeutet: »Doch Jesus Christus gehört nicht zu denen, die unsere Schwächen nicht verstehen und zu keinem Mitleiden fähig sind. Er musste mit denselben Versuchungen kämpfen wie wir, doch im Unterschied zu uns hat er nicht gesündigt. Er tritt für uns ein, daher dürfen wir mit Zuversicht und ohne Angst zu Gott kommen. Er wird uns seine Barmherzigkeit und Gnade zuwenden, wenn wir seine Hilfe brauchen(Hebräer 4,14.15)

Gebet: Herr, um mich für immer mit Gott zu verbinden, bist du den Menschenweg gegangen, weil du mir so in meinen Freuden, aber auch in meinen Leiden nahe sein kannst. In dir begegnet mir mein himmlischer Vater. In dir begegne ich ihm. In dir bin ich alles für ihn. In dir ist er alles für mich. Aus dir spricht sein heilsames Wort. Aus dir schaut sein liebevoller Blick. Durch dich hilft er mir mit starker Hand. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Siehe auch Losungsauslegung vom 16. Februar 2016: Für immer verbunden

Sonntag, 15. Januar 2017

Familienstreit. Familienfrieden. hl

Losung: Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern? Maleachi 2,10

Lehrtext: Jesus spricht: Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Johannes 13,35

Liebe Leserin, lieber Leser,

was für Folgen könnte denn die Einsicht haben, dass wir alle einen Vater haben? Dass uns alle ein Gott geschaffen hat?
Zunächst einmal muss man das Losungswort aus seiner nationalen Beschränkung herausholen. Gott ist auch, aber seit Jesus nicht nur der Vater der Juden, sondern Vater und Schöpfer aller Menschen. Theoretisch müsste man das in allen Religionen so sehen. Erst recht in unserer christlichen.
Aber was folgt daraus für die Praxis? Vermutlich nicht mehr und nicht weniger wie in einer Familie. Auch da verhindert die Tatsache, dass die Kinder einen Vater haben, nicht, dass sie miteinander streiten. Schon im Mythos der ersten Familie erschlägt der eine Bruder Kain den anderen, den Abel, obwohl sie gemeinsam Adam zum Vater haben. Und in der Familie des Erzvaters Jakob verkaufen die Brüder den ungeliebten Josef in die Sklaverei.
Aber natürlich gibt es auch positive Gegenbeispiele, dass sich Geschwister vertragen nicht zuletzt, weil sie eben Geschwister sind und gemeinsam ein und denselben Vater haben. Falls du noch Geschwister hast, wie war und ist es bei dir?
Der Prophet Maleachi appelliert im Losungswort an seine Brüder und Schwestern, also an das eigene jüdische Volk, sich doch nicht gegenseitig die Augen auszukratzen, sondern sich um Gottes willen, um des einen gemeinsamen Vaters willen, zu vertragen. Ähnlich Jesus im Lehrtext, der seine Jünger dazu anhält, sich untereinander zu lieben. Offenbar sind solche Appelle nötig gewesen. Und offensichtlich sind sie heute nicht weniger nötig. Dabei wäre es so wichtig, wenn wir uns nicht nur in der eigenen Familie vertrügen, sondern darüber hinaus in der Verwandtschaft, in der Nachbarschaft, im Land und wenigstens in der europäischen Gemeinschaft, wenn das schon weltweit unmöglich zu sein scheint.
Ob wenigstens eine Christengemeinde da mit gutem Beispiel vorangehen kann? Da Gott unser einziger Vater ist, könnten wir uns doch als seine Kinder seiner würdig erweisen und im anderen den Bruder oder die Schwester sehen, auch wenn diese ein anderes Bekenntnis, eine andere Religion, eine andere Hautfarbe, eine andere Heimat haben. Könnten? Ja. Aber ob wir das auch wollen?

Gebet: Herr, ohne Streit geht es in dieser Welt nun mal nicht ab. Das weißt du. Und es bringt nichts, wenn einer die Schuld auf den andern schiebt, statt vor der eigenen Tür zu kehren. Aber weil es so ist, bist du der große Versöhner, der mich mit sich versöhnt hat, damit ich mich auch mit anderen wieder versöhne. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 14. Januar 2017

Grund zur Zuversicht hl

Losung: Der HERR ist deine Zuversicht. Psalm 91,9

Lehrtext: Wir sollten einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung. Hebräer 6,18

Liebe Leserin, lieber Leser,
                                                                                                                          
ehrlich gesagt, der Blick auf das neue Jahr zeichnet mir Sorgenfalten auf die Stirn. Bei mehreren Landtagswahlen und bei der Bundestagswahl werden entscheidende Weichen für die Zukunft unseres Landes gestellt. Europa liegt krank darnieder, und niemand weiß, ob es so bald wieder auf die Beine kommt. Elend, Krieg und Gewalt erzeugen im Nahen Osten und vor allem in Afrika neue Flüchtlingsströme. Und in wenigen Tagen wird einer, der sich selbst nicht im Griff hat, die Macht ergreifen. Er wird über die schrecklichsten Atomwaffen herrschen. Sich selbst aber kann er nicht beherrschen wie seine jüngste Pressekonferenz gezeigt hat.
Sollte ich statt Sorgenfalten nicht eher Angstschweiß auf der Stirn haben?
Soviel ich weiß, war zur Zeit, als der Psalm 91 entstanden ist, das Leben nicht besser und die Zukunft nicht heller. Und dennoch heißt es in der Losung: »Der Herr ist deine Zuversicht.« Dieses Wort will ich mir gesagt sein lassen und will es an dich weitergeben. Eigentlich spricht so vieles gegen diese Zusage. Aber dieses Wort, das für die Zuversicht spricht, soll für mich wichtiger, stärker und überzeugender sein als all die vielen Wörter, die für die Angst sprechen.
Und der Lehrtext sagt in einer neuen Übersetzung:
Gott hat sein Versprechen mit einem Eid bekräftigt. So haben wir, denen seine Zusagen gelten, die unumstößliche Gewissheit, dass er sie auch einlöst.  Gottes Zusage und sein Eid ermutigen und stärken alle, die an der von Gott versprochenen Hoffnung festhalten
Das will ich tun und ihn immer wieder an seine Zusage und an seinen Eid erinnern, wenn es kritisch wird. Aber auch er wird und soll mich erinnern, dass ich ihm treu bleibe, so wie er mir treu ist in guten wie in schlechten Zeiten.

Gebet: Herr, wenn so viele Menschen keinen Grund sehen, im Blick auf die Zukunft optimistisch zu sein, so bist du doch mein Grund, dass ich zuversichtlich bleibe. Viele können sich nur an sich selbst festhalten oder an anderen, die ebenso vergänglich, schwach und fehlbar sind wie sie selbst. Ich aber halte mich an die Hoffnung, die du mir und allen deinen Menschen versprochen hast. Du bleibst bei uns und gehst mit uns durch Finsternis und Licht. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Freitag, 13. Januar 2017

Prüfung bestanden hl

Losung: Der HERR wird dir gnädig sein, wenn du rufst. Er wird dir antworten, sobald er's hört. Jesaja 30,19

Lehrtext: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Markus 10,47

Liebe Leserin, lieber Leser,

Jesus ein Sohn Davids? Was meint der blinde Bartimäus mit dieser Anrede? (Lehrtext) Offenbar will er ihm sagen: „Ich glaube, dass du etwas Besonderes bist, dass in deinen Adern königliches Blut fließt, das Blut Davids, des größten Königs, den unser Land je hatte. Also kannst du auch etwas Besonderes tun und mich heilen.“
Wäre Jesus eingebildet gewesen, hätte er vielleicht gesagt: „Du irrst, Bartimäus, ich bin der Sohn Gottes. Lerne erst mal, mit wem du es zu tun hast, bevor du mich um etwas bittest. Dann wollen wir weitersehen.“ Aber darauf kam es Jesus nicht an, sondern darauf, dass der Blinde ihm zutraute, dass er ihm helfen könne. Darum heilt er ihn und sagt: „Dein Glaube, Bartimäus, hat dir geholfen.“
Und du? Kennst du dich mit Gott und Jesus super gut aus? Weißt du alles oder das Meiste, was die Bibel dazu sagt? Kennst du auch die einschlägigen Bekenntnisse und weißt du, was sie bedeuten? Nein? Dann bist du aber bei der Konfirmandenprüfung, mindestens aber beim theologischen Examen durchgefallen.
Ja, Menschen können so ungnädig sein (Losung) und einen wegen mangelnder Kenntnisse abqualifizieren. Gott nicht. Er will nur eins von dir, dass du dich in allem an ihn wendest (Losung) und ihm zutraust, dass er dir geben kann, worum du bittest. Mit einem solchen Glauben bestehst du bei Gott alle Prüfungen. Ihm reicht das ganz und gar. Mehr verlangt er von dir nicht. Weniger aber auch nicht. Dann kann geschehen, was Jesus zu Bartimäus gesagt hat, dass dir dieser Glaube helfen wird.

Gebet: Herr, du entscheidest nicht erst, ob ich es wert bin, von dir gehört zu werden. Du stellst keine Bedingungen, ob du mir helfen willst. Denn du bist gnädig und barmherzig, so wie es Jesus zum blinden Bartimäus war. Dir genügt ein Gebet, dass du auf deine Menschen aufmerksam wirst und für uns tust, was schließlich und endlich gut für uns ist. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 12. Januar 2017

Wer regiert die Welt? hl

Losung: Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. Psalm 103,8

Lehrtext: Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen. Titus 2,11

Liebe Leserin, lieber Leser,

was reimt sich auf Welt? Geld. „Geld regiert die Welt“ heißt eines der am häufigsten gebrauchten Sprichwörter. Wer will da widersprechen? Mit entsprechend viel Geld kannst du der mächtigste Mann der Welt werden. In ein paar Tagen wird dieser Satz Wirklichkeit. Geld macht auch unattraktive Männer sexy. Geld entscheidet über Aufstieg und Niedergang, Krieg und Frieden, Leben und Tod. Alle brauchen Geld: Staaten, Banken, Unternehmen, der Profifußball, aber auch die Kirche. Und natürlich jeder einzelne von uns. Und wer keins hat, ist ein armer Schlucker und hat nicht viel zu bestellen: »Hast du Geld, so setz dich nieder, hast du keins, so scher dich wieder.«
Ja, Geld scheint in unserer Welt die größte Macht zu sein. Aber schon in der Bibel wird davor gewarnt, Geld zum Gott zu machen, zum Mammon und ihn anzubeten. Denn dieser „Gott“ ist rücksichts- und gnadenlos.
Unser Gott aber, so heißt es im heutigen Losungswort, ist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte. Er soll die Welt regieren und tut es auch. Und dazu braucht er Menschen, die ebenfalls so sind wie er.
Die Losung ist ein schönes Beispiel, wie bereits im Alten Testament etwas davon aufscheint, wie Gott in Jesus sichtbar geworden ist (Lehrtext). Sie weist auf ihn voraus. Darum ist dieses Wort für mich heute so wichtig. Es prägt mein Gottesbild. Es stärkt mein Gottvertrauen. Es weckt meine Gottesliebe.
Zu viele Gläubige mussten vor Gott zittern, weil ihnen ein problematisches Gottesbild vermittelt worden ist. Und diejenigen, die es vermittelt haben, haben oft ihre Probleme mit sich selbst hineingelegt und damit anderen das Leben schwer gemacht. Aber, das glaube ich von ganzem Herzen, Gott hat es nicht nötig, dass wir vor ihm zittern. Er wünscht sich, dass wir ihn lieben, weil wir darauf vertrauen können, dass er unter allen Umständen zu uns hält. Jesus hat uns nicht den strengen Richter gezeigt, sondern den barmherzigen Vater. An ihn glauben zu können, ist ein gutes Gefühl. Das macht mich unbeschwert, zuversichtlich und frei. Und auch nicht wenig stolz, dass ich ihn als meinen Rückhalt habe und ich mir deshalb auch gerne etwas von ihm sagen lasse.

Gebet: Herr, du bist „die heilsame Gnade Gottes“ für alle. In deiner Gegenwart wird meine Seele gesund und froh. Auf dich will ich schauen, auf dich hören, dir folgen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Mittwoch, 11. Januar 2017

Ausgleich zwischen Arm und Reich hl

Losung: Der Gerechte weiß um die Sache der Armen. Sprüche 29,7

Lehrtext: Euer Überfluss helfe ihrem Mangel ab. 2.Korinther 8,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin immer wieder verblüfft, wie viele Spenden wir in der Gemeinde für unsere Waisenkinder in Tansania bekommen, auch von Leuten, die selbst nicht so viel haben. Ich bin verblüfft über das Ausmaß an Mitgefühl, das verhältnismäßig viele Menschen zeigen, nicht nur um Weihnachten herum. Auch die kirchlichen Hilfsorganisationen Misereor (katholisch) und Brot-für-die-Welt (evangelisch) erhalten seit Jahrzehnten enorme Beträge, um Menschen aus ihrem Elend zu befreien. Und wenn dann irgendwo noch eine große Naturkatastrophe passiert, eine Überschwemmung oder ein Erdbeben, dann geben diejenigen, die doch schon gegeben haben, noch mehr. Dafür kann man nur dankbar sein.
Vor einigen Wochen habe ich gelesen, dass in den letzten Jahrzehnten die weltweite Armut deutlich zurückgegangen ist. Das lag nicht nur an den Spenden aus reichen Ländern. Das liegt mehr noch daran, dass die wirtschaftliche Entwicklung bisher armer Länder Fortschritte macht und sich in den sogenannten Schwellenstaaten, die sich im Übergangsstadium zwischen Arm und Reich befinden, eine Mittelschicht herauszubilden beginnt.
Allerdings hat das auch zur Folge, dass sich der Reichtum langsam aber sicher umverteilt. Der Wohlstand in den reichen Ländern nimmt ab und in den bisher armen nimmt er zu. Offenbar ist es wirklich so, dass sich aufs Ganze gesehen ein gewisses Maß an Gerechtigkeit durchsetzt. Für die einen mag das ein Naturgesetz sein. Für mich hat das mit Gott zu tun, der auf seine Weise dafür sorgt, was der Dichter Bert Brecht so formuliert hat:
Am Grunde der Moldau, da wandern die Steine
es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat 12 Stunden, dann kommt schon der Tag.
Auch das Wort Jesu klingt in diesem Zusammenhang nach, wenn er sagt: „Die Ersten werden die Letzten sein, und die Letzten die Ersten.“
Deswegen müssen wir in den reichen Ländern nicht gleich Panik bekommen, als ob wir nun ins Elend gerieten nur weil es vielen Menschen in anderen Teilen der Welt endlich etwas besser geht. Kluge, vorausschauende Politik und eine nachhaltige Wirtschaft wären durchaus in der Lage, den Wohlstand bei uns noch auf Jahre hinaus zu sichern und ihn gleichzeitig anderswo zu fördern. Aber das hängt zu einem großen Teil auch von den Wählerinnen und Wählern ab, ob sie eine solche Politik akzeptieren, oder ob sie kopflos werden und meinen, dass sich unser Land abschotten muss, um nichts zu verlieren. Dummerweise führt aber genau diese Politik dazu, dass es erst recht bergab geht.
Der Ausgleich zwischen Reich und Arm ist ein biblisches Gebot. Würden wir dieses Gebot beachten, sei es im Kleinen wie im Großen, so wäre allen gedient.

Gebet: Herr, nichts was ich besitze, gehört mir wirklich. Letzten Endes ist alles dein Geschenk. Du hast es mir gegeben, damit ich es nicht eigensüchtig für mich allein verbrauche, sondern andere daran Anteil haben lasse. Aber dazu brauche ich ein Herz wie das Deine, ein weises und großzügiges Herz, einen weitblickenden Verstand und das unerschütterliche Vertrauen, dass ich mir keine Sorgen machen muss, weil du für mich sorgst. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 10. Januar 2017

Im Glauben bist du frei hl

Losung: Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen! Jesaja 5,20

Lehrtext: Erträgt aber jemand Leid, obwohl er nur Gutes getan hat, dann ist das ein Geschenk Gottes. Dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand. 1.Petrus 2,21-22

Liebe Leserin, lieber Leser,

du kannst die Bibel als Vorschrift lesen. Dann heißt die Überschrift über vielen Sätzen und Geboten: „Du musst!“ Dann droht im Hintergrund die Strafe, falls du nicht spurst. Aber wo bleibt dann die froh machende Botschaft Jesu? Sie wird durch das Gesetz verdunkelt. Der Zwang beschmutzt ihr Licht mit Finsternis.
Du kannst die Bibel als Angebot lesen. Dann heißt die Überschrift: „Du kannst!“ Dann kannst du die Einleitung zum heutigen Lehrtext so verstehen: „Mich hat jemand tief verletzt, obwohl ich nur Gutes getan habe. Ich kann jetzt wütend werden, auf Vergeltung sinnen. Ich kann nun beständig meinen Zorn, ja meinen Hass nähren. Aber wird mir davon leichter und besser? Ich kann die Be-Leid-igung aber auch als "Geschenk Gottes" (Lehrtext) auffassen , sozusagen als eine Last, mit der ich meine Seele trainiere wie einer seinen Körper mit Gewichten kräftigt. Dieses Leid, diese Last wird mich nicht niederdrücken. Sie wird mich nur stärker machen, bis sie mir leicht wird. So hat es auch Jesus getan. Seinem Beispiel will ich folgen.“ Das kannst du, wenn es dir einleuchtet. Du musst es aber nicht. Du hast die Freiheit, dich zu entscheiden.
Ein anderer Mensch aber hat weder die Freiheit noch das Recht, auf dich Druck auszuüben und von dir zu verlangen, dass du das so machen musst. Wer auf dich Druck ausüben oder dir ein schlechtes Gewissen machen will, dem musst du dich nicht beugen und sei es Mose oder Petrus.
Als Christenmensch bist du im Glauben ein freier Mensch und niemandem untertan (M. Luther). Du gehörst nur Gott und keinem Menschen. Du bist von ihm mit allem begabt, um sein Wort so zu verstehen, wie es gut für dich ist. Kein anderer Mensch darf dir im Glauben Vorschriften machen. Keiner sich zwischen dich und deinen Gott drängen. Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen und ganz und gar aus eigener Kraft auf Gott zu vertrauen. Und dann entscheide, was du aus freien Stücken tun willst.

Gebet: Herr, du bist kein Sklavenhalter, der seine Menschen ausbeutet und quält. Du bist mein Vater, der für mich das Beste will. Du gibst mir die Freiheit, für mich selbst Verantwortung zu übernehmen und so zu entscheiden, wie es für mich und meine Mitmenschen richtig ist. Und wenn ich dann eine falsche Entscheidung getroffen, Fehler gemacht und Schuld auf mich geladen habe, so machst du mich nicht fertig und strafst mich nicht. Du hilfst mir, wieder den richtigen Weg zu finden, den Weg, den mir Jesus vorausgegangen ist. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr