Sonntag, 28. August 2016

Kraft von Gott hl

Losung: Du bist mein Schutz und meine Zuflucht, mein Heiland, der du mir hilfst vor Gewalt. 2.Samuel 22,3

Lehrtext: In allem sind wir bedrängt, aber nicht in die Enge getrieben, ratlos, aber nicht verzweifelt, verfolgt, aber nicht verlassen, zu Boden geworfen, aber nicht am Boden zerstört. 2.Korinther 4,8-9

Liebe Leserin, lieber Leser,

kannst du das auch sagen, was der heutige Lehrtext sagt? Es gibt ganz unterschiedliche Gründe, warum ein Mensch bedrängt, verfolgt oder zu Boden geworfen wird. Bei Paulus waren es Gegner, die ihn mundtot machen wollten, damit der nicht länger den Glauben an Jesus Christus weitergebe. Aber dich kann auch eine schwierige finanzielle Situation bedrängen. Dein eigenes Kind ratlos machen. Eine unglückliche Kindheit dein Leben lang verfolgen. Eine Krankheit aufs Bett, eine Scheidung, ein Todesfall zu Boden werfen. Da wärst du nicht der Erste und nicht der Letzte. Und vielleicht hast du ja das eine oder andere schon erlebt und erlitten.
Nein, dass auch gläubige Menschen bedrängt, ratlos, verfolgt und zu Boden geworfen werden, ist nichts Ungewöhnliches. Aber vielleicht ist ungewöhnlich, wie sie damit umgehen. Paulus sagt: Die Kraft in mir kommt nicht aus mir. Sie kommt von Gott. Und auch, dass ich nicht verzweifle, mich nicht verlassen fühle, nicht am Boden zerstört bin, kommt von ihm. Denn er ist »mein Schutz und meine Zuflucht, mein Heiland, der mir hilft« (Losung).
Kannst du das auch sagen, was die heutige Losung sagt? Ich wünsche es dir und ich wünsche es mir.

Gebet: Herr, wenn es soweit ist, dass ich deine Kraft brauche, wirst du sie mir geben so wie du sie zahllosen anderen und auch mir schon früher gegeben hast. Mit deiner Hilfe komme ich immer wieder auf die Beine. Darum bleibe ich nicht liegen, sondern nehme die Herausforderungen an, die angenommen werden müssen. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 27. August 2016

Gott urteilt anders als Menschen hl

Losung: Viele, die unter der Erde ruhen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. Daniel 12,2

Lehrtext: Gott wird an dem Tag das Verborgene der Menschen durch Christus Jesus richten. Römer 2,16

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich kann dich gut verstehen, wenn du so denkst, wie es in der heutigen Losung gesagt wird. Ich kann mich gut verstehen, wenn ich den Menschenschindern und Terroristen, denen, die Frauen und Kinder versklaven, die geil auf Krieg und Gewalt sind, die ihren Profit auf Kosten der Armen erwirtschaften, die von ihrem Hass auf Menschen leben, die anders sind als sie selbst, und sich deswegen selbst hassen… Ich kann mich gut verstehen, wenn ich ihnen allen die Pest an den Hals wünsche und dass einmal Gerechtigkeit werde und sie alle ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.
Die nach Babylon verbannten Juden hatten so ähnlich gedacht. Ich kann es ihnen nicht verdenken. Und so sind ihre Gedanken und Gefühle der Ohnmacht auch ins Alte Testament eingeflossen.
Aber Gott ist kein Quentin Tarantino, der in seinen Filmen Django Unchained und Inglouious Basterds die grausamen Sklavenhalter und die menschenverachtenden Nazis durch seine Filmhelden gewaltsamen ausrotten lässt. Er richtet nach seinen Maßstäben und nicht nach meinen. Sein Maßstab heißt Jesus Christus. Und so ungerecht ich das auch jetzt empfinden mag, er richtet mit Barmherzigkeit und Vergebung. Für mich selbst nehme ich das gerne in Anspruch. Aber wie kann ich mir von Gott etwas wünschen, wenn ich es nicht auch anderen gönne, gerade auch denen, die es in meinen Augen am wenigsten verdienen?
Ich weiß nicht, durch welche Hölle die einmal müssen, die jetzt anderen Menschen das Leben zur Hölle machen. Darüber zu befinden, ist meine Sache nicht. Das überlasse ich dem, der wiederkommen wird, »zu richten die Lebenden und die Toten.« Ich weiß aber im Glauben, dass ich jetzt und für immer bei Gott bin, der zu mir barmherzig ist und mir durch Jesus Christus vergibt. Auf ihn vertraue ich. Und das kannst du auch.

Gebet: Herr, dass du uns  Menschen richten wirst, dass du gerade richten wirst, was jetzt krumm ist und aufrichten wirst, was darnieder liegt und uns  ausrichten wirst nach deinem Plan, darauf hoffe ich. Ich will das auch ganz und gar dir überlassen und mir nicht anmaßen, dass ich es besser wüsste, was letzten Endes gerecht ist und ungerecht. Ich vertraue darauf, dass du mich mit Barmherzigkeit und Vergebung richten wirst. Und so will auch ich zu meinen Mitmenschen barmherzig und versöhnlich sein. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 26. August 2016

Am Gottvertrauen festhalten hl

Losung: Sie zogen Daniel aus der Grube heraus, und man fand keine Verletzung an ihm; denn er hatte seinem Gott vertraut.
Daniel 6,24

Lehrtext: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat.
Hebräer 10,35

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Bibel beschwört uns geradezu am Vertrauen auf Gott festzuhalten (Lehrtext). Sie weiß von beiden Erfahrungen, von Menschen, die im Vertrauen auf Gott durch Feuer und Wasser gegangen sind (Losung) und von solchen, die es weggeworfen haben.
Von Daniel wird erzählt, dass man ihn unverletzt wieder aus der Löwengrube herausgezogen und unversehrt aus dem Feuerofen herausgeholt hat. Man kann das als Märchen abtun. Und in der Tat ist das kein historisches Ereignis, das man hätte filmen und auf YouTube ins Netz stellen können. Aber diese Geschichten wurden und werden erzählt um Mut zu machen, unter allen Umständen am Vertrauen auf Gott festzuhalten buchstäblich bis zum letzten Atemzug. In ihnen wird eine kostbare Glaubenswahrheit weitergegeben. Denn zu viele geben zu früh auf, wenn die Schwierigkeiten immer größer werden. Sie schauen nur auf ihre eigene kleine Kraft und nicht auf die Kraft des Höchsten. Sie schauen nur auf ihre eigenen Möglichkeiten und übersehen die Möglichkeiten Gottes. Sie hören nur auf die Worte anderer Menschen und hören nicht, dass Gott das letzte Wort hat.
Nein, liebe Leserin, lieber Leser, wir werfen unser Vertrauen nicht weg. Das sollten wir uns gegenseitig versprechen. Das sollten wir ihm versprechen, auf den wir unser Vertrauen setzen und der es rechtfertigt.

Gebet: Herr, aus menschlicher Sicht scheint manches ausweglos und unmöglich. Aber du kannst Türen öffnen, wo ich keinen Ausweg sehe. Und wo meine Möglichkeiten enden, fangen deine erst an. Es tut mir einfach gut, im Vertrauen auf dich zu leben. Das macht vieles leichter. Und wenn mir das Leben schwer wird, vertraue ich darauf, dass du mich mit meinen Lasten trägst. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 25. August 2016

Lass dich befreien hl

Losung: Meine Lippen und meine Seele, die du erlöst hast, sollen fröhlich sein und dir lobsingen. Psalm 71,23

Lehrtext: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Lukas 10,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

na gut, vielleicht ist dir ja heute nicht zum Jubeln zumute. Vielleicht drücken dich Sorgen. Vielleicht bist du an eine Krankheit gefesselt. Vielleicht leidest du an einer tiefen Enttäuschung oder es sind andere Dinge, die deine Seele gefangengenommen haben. In unserer Welt und Zeit mangelt es ja nicht an schlechten Nachrichten, die uns die Lebensfreude nehmen können. Und auch privat können so viele Dinge passieren, die uns die innere Freiheit rauben.
Aber, das war nicht immer so und das wird auch nicht immer so bleiben. Du musst nur mal zurückdenken, worüber du dir schon alles Sorgen gemacht, wovor du schon alles Angst gehabt hast und was von alledem übrig geblieben ist. Mit Gottes Hilfe konntest du schon manche Last abschütteln und manches Leid überwinden. Das ist auch heute möglich. Lass dich von ihm befreien.
Und wenn es dann so ist, dass du wieder froh und frei sein kannst, dann nimm dir immer wieder mal Zeit, deinem Gott zu danken und noch besser, ihm ein Loblied zu singen. Es reicht ja, wenn er es hört. Du musst es ja nicht anderen Menschen vorsingen. In seinen Ohren wird auch noch die schrägste Melodie zu einem wunderbaren Gesang.
Er hört deine Stimme aus den vielen Stimmen der Menschen heraus, die er geschaffen hat. Denn er kennt dich von Anfang an und wird dich nicht vergessen. Er weiß wie du heißt. Er weiß wie es dir geht. Er weiß auch, wie es mit dir weitergeht.

Dazu als Gebet der letzte Vers des Liedes „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, das Georg Neumark drei Jahre nach dem 30-jährigen Krieg gedichtet hat (klick):

(Georg Neumark, 1641/1657)

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Mittwoch, 24. August 2016

Liebe, die wahrhaftig und gerecht ist hl

Losung: Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Hosea 10,12

Lehrtext: Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten, ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei, habt Geduld mit allen! Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte. Jagt vielmehr allezeit dem Guten nach, füreinander und für alle. 1.Thessalonicher 5,14-15

Liebe Leserin, lieber Leser,

manche kaufen sich einen Erziehungsberater, damit sie wissen, wie sie ihre Kinder erziehen sollen. Dabei würde es schon helfen, wenn sie den heutigen Lehrtext beherzigten. Glücklicherweise machen das viele, ohne dass ihnen das bewusst ist, weil sie die Bibel nicht kennen. Denn in der Erziehung kommt es darauf an, dass alles nach der Maßgabe der Liebe (Losung) geschieht. Dann akzeptieren Kinder auch Grenzen und sind am ehesten bereit, zu tun, was man ihnen sagt.
Aber die Ratschläge des Paulus gelten ja nicht nur für die Kindererziehung. Sie sind insgesamt hilfreich, wo erwachsene Menschen zusammen leben und zusammen arbeiten. Wichtig ist, dass wenigstens einer einen inneren Kompass hat, der ihm zeigt, in welche Richtung es geht. Noch besser ist, wenn wenigstens einer innere Werte hat, die ihm helfen, im Sinn des heutigen Lehrtextes zu handeln und auf andere einen guten Einfluss auszuüben.
Augustinus (354 - 430), der als Bischof von Hippo schwierige Leitungsaufgaben wahrzunehmen hatte, beschreibt in Anlehnung an den heutigen Lehrtext die Art, wie er Menschen geführt hat, folgendermaßen: »Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen, sich vor Nachstellern hüten, Ungebildete lehren, Träge wachrütteln, Händelsucher zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Streitende besänftigen, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen und - ach - alle lieben
‚Und - ach - alle lieben ‘– Das kann auch heißen, jemandem etwas im gemeinsamen Interesse zuzumuten und eine Struktur vorzugeben. Liebe, die sich nicht scheut, wahrhaftig und gerecht zu sein  ist das Geheimnis, mit anderen zurechtzukommen, auch wenn's manchmal schwer fällt. In der heutigen Losung heißt es dazu: »Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe!« Würden sich alle danach richten, wären unsere meisten Probleme gelöst im Kleinen wie im Großen.

Gebet: Herr, du hast uns vorgelebt, wie wir miteinander gut umgehen können. Du hast Menschen geliebt, ohne die Wahrheit zu verraten und warst wahrhaftig, ohne die Liebe zu verraten. Du bist jedem auf seine Weise gerecht geworden, ohne damit anderen Unrecht zu tun. Du hast Menschen gestärkt, getröstet, ermutigt, zum Guten angestiftet und ihnen vergeben. Das alles brauche ich auch heute von dir. So will auch ich mich beim Zusammenleben mit meinen Mitmenschen an dir orientieren. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 23. August 2016

Einfach mal Ruhe geben hl

Losung: Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun. 2.Mose 20,9.10

Lehrtext: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht. Markus 2,27

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich bin froh, dass ich nicht wie die Juden so viele religiöse Gesetze und Vorschriften beachten muss. Aber um eine Sache beneide ich sie fast ein bisschen, um die Art und Weise, wie sie ihren Sabbat, also ihren wöchentlichen Ruhetag am Samstag begehen. Sie schlurfen nicht einfach so in ihn hinein, sondern beginnen ihn feierlich am Freitagabend (Rüsttag) mit dem Sabbatsegen (Kiddusch), sobald man einen blauen nicht mehr von einem grauen Faden unterscheiden kann. Danach beginnt oft ein festliches Abendessen. Am nächsten Tag besuchen sie die Synagoge, hören Worte aus den Heiligen Schriften und beten. Den Tag über werden keine Arbeiten verrichtet, die in irgendeiner Weise mit dem Lebensunterhalt zu tun haben. Stattdessen nehmen sie sich Zeit für Gott, für die Familie, für sich selbst. Nach Sonnenuntergang endet der Sabbat mit einem Weinsegen. Dazu wird die Hawdala-Kerze angezündet und man wünscht sich gegenseitig eine gute Woche.
Natürlich könnte ich als Christ den Sonntag in ähnlicher Weise begehen. Aber ohne eine prägende Tradition und ein entsprechendes Umfeld ist das nicht so ohne weiteres möglich. Immerhin ist noch in vielen Köpfen das Dritte Gebot, dass man am Sonntag endlich einmal Ruhe geben und nicht weiterwursteln soll. Abgesehen davon, dass es Berufe gibt, bei denen man auch am Sonntag arbeiten muss, wird das gesetzlich festgelegte Arbeitsverbot für diesen Tag immer mehr aufgeweicht. Aber auch viele, die an diesem Tag nicht arbeiten müssen, haben inzwischen den berüchtigten Sonntagsstress, wenn man von einem Ereignis zum nächsten muss, um nur ja nichts zu verpassen.
Mediziner sagen, dass auf Dauer ein Leben ohne regelmäßigen Ruhetag an die Substanz geht mit gesundheitlichen Folgen nicht nur für den Körper, sondern mehr noch für die Seele. Nicht selten ist es dann eine Krankheit, die mal eine dringend notwendige Auszeit erzwingt.
Der wöchentliche Ruhetag (Sabbat oder Sonntag) ist, wie Jesus sagt, für den Menschen gemacht. Nicht um ihm eine Last aufzulegen und ihn unter ein Gesetz zu zwingen, sondern ihn durchatmen und wieder Kraft schöpfen zu lassen. Im Grunde gilt das für alle Gebote, dass sie für uns Menschen da sind, damit wir möglichst gut leben können.
Eine Sache will ich mir von den Juden abschauen und mal ausprobieren, dass ich schon am Samstag für den Sonntag vorkoche. Mal sehen, wie's dann schmeckt.

Gebet: Herr, ich danke dir für die Kräfte, die du mir gegeben hast. Du hast mir aber auch die Verantwortung dafür gegeben, dass ich damit haushalte. Dass ich mich weder verausgabe noch meine kostbare Lebenszeit tot schlage. Hilf mir, das richtige Maß zu finden. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 22. August 2016

Nicht in der Finsternis bleiben hl

Losung: Du, HERR, bist meine Leuchte; der HERR macht meine Finsternis licht. 2.Samuel 22,29

Lehrtext: Christus spricht: Ich bin in die Welt gekommen als ein Licht, damit, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe. Johannes 12,46

Liebe Leserin, lieber Leser,

als David sein Dankgebet sagte, aus dem das heutige Losungswort stammt, war er voll Adrenalin. Seine zahlreichen Feinde waren ersteinmal geschlagen. Und auch der Mordversuch von König Saul, der ihn aus Eifersucht beseitigen wollte, war fehlgeschlagen. Er fühlte sich, wie sich ein Olympiasieger im Licht der Scheinwerfer fühlt, der nach langen, entbehrungsreichen Trainingsjahren und hartem Kampf die Goldmedaille errungen hat. Aus einem solchen Menschen sprudeln Freude und Erleichterung nur so heraus. Und das war auch bei David so. Er wusste, wem er seine Rettung zu verdanken hatte, und hielt damit nicht hinterm Berg. Und so lobte er Gott überschwänglich, dankte für seine Hilfe (siehe 2. Samuel 22 = Psalm 18) und sagte:  »Herr, du machst die Finsternis um mich hell, du bist mein Licht.«
Aber da gibt es noch andere „Olympiasieger“ und andere „Davids“, von denen kaum jemand Notiz nimmt. Auch sie haben einen langen, schweren Kampf in Nacht und Schatten hinter sich. Und nun, nachdem alles vorbei ist, stehen auch sie im Licht, im Licht der Gnade Gottes. Ich denke an Mütter, die nach einer langwierigen Risikoschwangerschaft ein gesundes Kind glücklich auf die Welt gebracht haben, an Hinterbliebene, die eine furchtbare Zeit von Trauer und Schmerz durchlebt haben und nun wieder ins Leben zurückgekehrt sind, an ehemalige Krebspatienten, die nach Operation, Chemotherapie und Bestrahlung als geheilt gelten. Sie alle können sagen, und nicht wenige von ihnen tun das auch: Du, Herr, bist mein Licht. Du hast mich durch die Nacht der Leiden gebracht und lässt mich wieder das Licht das Lebens sehen.
Und was ist mit den anderen?
Bert Brecht dichtete in seiner Moritat von Mackie Messer:
Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man sieht nur die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht. 
Wer weiß schon, auf wie viele Sieger wie viele Verlierer kommen? Wie viele im Dunkeln sind, die man nicht sieht? Die mit ihrer Last unbeachtet bleiben. Die ganz unten sind. Sie bringen es nicht auf die Titelseiten. Von ihnen kann man keine Heldengeschichten erzählen, keine Siegesmeldungen verkünden.
Sie zu suchen und zu finden hat Gott sich in Jesus auf den Weg gemacht. Er hat sie in der Nacht von Bethlehem auf einem Feld bei ihren Schafen gefunden. Er hat sie gefunden in den stinkenden Höhlen, in die die Aussätzigen verbannt waren. Er hat sie in der Nacht ihres Blindseins gefunden, in ihrer geistigen Umnachtung, in der Finsternis ihrer Sünde und Schuld.
Er sucht auch heute noch Menschen, die mit ihm hinabsteigen ins Dunkel, wo die sind, die man nicht sieht, um ihnen ein Hoffnungslicht zu sein, das auch dann noch leuchtet, wenn alle anderen Lichter erloschen sind. Er soll auch mein Licht sein, das mir den Weg zu ihm zeigt, wenn das Licht meines Lebens verlischt.

Gebet:
Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht',
wie schön sind deine Strahlen!
(Paul Gerhardt, EG 37,3)

Herzliche Grüße und eine gute neue Woche!

Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 21. August 2016

Größer als mein Herz hl

Losung: Ich weiß sehr gut, dass ein Mensch nicht recht behalten kann gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eins antworten. Hiob 9,2.3

Lehrtext: Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können unser Herz vor ihm damit zum Schweigen bringen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge. 1.Johannes 3,19-20

Liebe Leserin, lieber Leser,

es soll Menschen geben, denen alles im Leben gelungen ist. Ich gehöre nicht dazu. Und ich kenne auch niemand, bei dem das so wäre. Aber ich kenne Menschen, deren Herz andere verdammt. Sie leben sozusagen in einem Dauerkrieg mit bestimmten Mitmenschen und können und wollen ihnen nicht verzeihen. Und dann soll es noch solche geben, von denen der heutige Lehrtext spricht, Menschen, die sich ihre Fehler, ihr Versagen, ihre Schuld nicht verzeihen können und sich selbst beschimpfen. Die Erstgenannten brauchen Gott nicht. Und die anderen?
Der Prophet Jeremia sagt: »Des Menschen Herz ist ein trotzig und verzagt Ding.« (Jeremia 17,9) Einmal ist es allem guten Zureden und allem Trost unzugänglich und schreit seine Wut, seinen Schmerz, seine Enttäuschung hinaus. Und dann ist es wieder verzagt, quält sich mit Selbstanklagen und versinkt in Selbstmitleid. Die Wahrheit aber, so sagt es der Lehrtext, ist, dass mein Herz nicht die höchste und letzte Instanz ist. Gott ist immer noch darüber und weiß mehr als mein Herz weiß. Ihm kann ich es öffnen. Ihm kann ich meinen Schmerz oder meine Wut geben. Vor ihm kann ich loslassen, worin ich mich verkrallt habe.
Der große Theologe der alten Kirche, Augustinus, sagt: »Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.« Ja, vor meinem großen Gott, wird mein kleines Herz ruhig. Ich muss ja nicht die Last der Welt auf meinen Schultern tragen und nicht einmal die eigene. Ich darf ihm geben, was mich quält und darauf vertrauen, dass sein Wille geschieht. Er weiß, was ich nicht weiß. Er sieht, was ich nicht sehe. Er tut, was ich nicht kann.
Was hat es da dafür einen Sinn, mich über Dinge aufzuregen, die außerhalb meiner Reichweite liegen? Was hat es da für einen Sinn, mit Gott über das zu streiten, was er mir vielleicht vorenthalten hat? (Losung). Wer streitet mit ihm schon über die guten Dinge, die ihm geschenkt worden sind? »Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?«, sagt Hiob an anderer Stelle (Hiob 2,10).
Aber so sind wir Menschen nun mal, dass wir schnell aus dem Häuschen geraten. Nein, schlimm ist das nicht. Gott hält das aus, auch unsere Anklagen und unsere Bitterkeit. Und wenn er uns schon nichts vorwirft, warum sollen wir uns mit Selbstvorwürfen das Leben verderben?

Gebet: Herr, wenn mir mein Herz bis zum Hals klopft, weil ich aufgewühlt bin, dann lege deine Hand auf mein Herz und beruhige mich durch dein Nahesein. In aller Aufregung und in allem Streit bist du mein Friede. In der Unruhe dieser Welt, finde ich Ruhe bei dir . Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 20. August 2016

Gotteskind hl

Losung: Gedenket seiner Wunderwerke, die er getan hat, seiner Zeichen und der Urteile seines Mundes! Psalm 105,5

Lehrtext: Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen. 1.Johannes 3,1

Liebe Leserin, lieber Leser,

vorgestern hätte ich um ein Haar einen schweren Unfall gehabt mit unabsehbaren Folgen. Danach schlug mir das Herz bis zum Hals und ich habe mehrmals „O mein Gott!“ vor mich hingesagt. Einfach so. Mann, hatte ich ein Glück! Glück? Naja, wenn alles sowieso nur Zufall ist, dann hatte ich eben Glück. Manche sagen auch „Schwein gehabt“. Aber ich glaube nicht an den Zufall. Ich glaube an Gott. Und darum glaube ich, dass er seine Hand schützend über mich gehalten hat. Ich weiß nicht, warum er das getan hat. Ich hätte es auch hinnehmen müssen, wenn es anders gekommen wäre. Aber nun ist es mal so, dass ich verschont geblieben bin – durch ihn.
     Nein, ich will das nicht mehr so schnell vergessen. Ich will mich noch lange erinnern, wem ich verdanke, dass alles gut gegangen ist. Ich will das vor allem dann tun, wenn ich im Glauben unsicher werde, wenn ich Gewissheit brauche, dass Gott auch jetzt für mich da ist, so wie er es früher war. Vielleicht könnte mein Glaube gar nicht bestehen, wenn ich nicht immer wieder mal daran denken würde, was ich Gott bisher alles verdanke. Man nennt so etwas „Erinnerungskultur“.
     In der Bibel spielt sie eine große Rolle. Immer wieder werden da die Menschen aufgefordert, sich dessen zu erinnern, was Gott in ihrem Leben und im Leben des Gottesvolkes Großes getan hat (Losung). Das soll sie dankbar machen. Das soll in ihnen die Zuversicht stärken, dass sie auch mit den Problemen der Gegenwart zurechtkommen werden.
     Damals wie heute gehören unsere Feiertage zu dieser Erinnerungskultur. In vier Monaten ist Weihnachten. Dann erinnert uns das göttliche Kind in der Krippe, dass wir nicht einfach nur menschliche Wesen sind, sondern Gotteskinder (Lehrtext).      Ich lege Wert darauf, ein solches zu sein. Denn ein Kind ist nicht allein. Es kann sich darauf verlassen, dass die Eltern ihm beistehen. Es spürt, dass es geliebt wird und weiß, wem und wohin es gehört. Normalerweise ist das so. Und wenn schon ein Menschenkind so etwas erfährt, um wie viel mehr ein Gotteskind.

Gebet: Danke, Herr, ich sage einfach nur danke! Nie will ich all das Gute vergessen, das du mir schon getan hast. Ich nehme es als Zeichen deiner Liebe. Amen

Herzliche Grüße von Gotteskind zu Gotteskind

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 19. August 2016

Gott und das Unheil hl

Losung: So spricht der HERR: Gleichwie ich über dies Volk all dies große Unheil habe kommen lassen, so will ich auch alles Gute über sie kommen lassen, das ich ihnen zugesagt habe. Jeremia 32,42

Lehrtext: Paulus schreibt: Unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: wie ihr an den Leiden teilhabt, so werdet ihr auch am Trost teilhaben. 2.Korinther 1,7

Liebe Leserin, lieber Leser,

wie? Lässt Gott Unheil nicht nur zu, sondern lässt es bewusst über seine Menschen kommen? Ist es so, dass manchmal erst Unheil kommen muss, damit hernach auch alles Gute über uns kommen kann, das er versprochen hat? Ich will diese Fragen weder mit Ja noch mit Nein beantworten. Ich weiß es einfach nicht. Aber ich mache mir meine Gedanken. Und dazu gehört,
  • dass letzten Endes nichts geschehen kann, was gegen Gottes Willen wäre,
  • dass »Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will« (Dietrich Bonhoeffer in seinem Glaubensbekenntnis von 1934),
  • dass Gott nicht das Gute ist, sondern das Ganze (Thomas Mann, Zitat aus dem Roman „Joseph und seine Brüder“).
Paulus macht im Lehrtext den Christen in Korinth Mut, nicht im Leiden zu verzweifeln, sondern darauf zu vertrauen, dass sie getröstet und Gottes Kraft erfahren werden. Manchmal muss einem das ein anderer sagen, weil man in der augenblicklichen Misere nicht die Hoffnung dazu aufbringen kann. Ich hoffe für mich, dass ich mir das sagen lasse, wenn ich einen solchen Zuspruch brauche.

Gebet: Herr, stärke meinen Glauben, damit ich auch in schweren Zeiten auf dich vertrauen kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr