Dienstag, 6. Dezember 2016

heiß oder kalt hl

Losung: Elia sprach: Wie lange hinkt ihr auf beiden Seiten? Ist der HERR Gott, so wandelt ihm nach, ist's aber Baal, so wandelt ihm nach. 1.Könige 18,21

Lehrtext: Jesus sprach: Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab und der Riss wird ärger. Markus 2,21

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Keine faulen Kompromisse! Entscheidet euch!“ sagt der Prophet Elia zu seinem Volk (Losung). „Richtet euch nach Gott oder richtet euch nach der Welt (Baal)! Beides zugleich geht nicht.“ Und Christus sagt nach dem Zeugnis der Offenbarung des Johannes: »Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach dass du kalt oder warm wärest!  Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.« Auch der Lehrtext lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig: Keine Flickschusterei! Entweder gleich ein neues Kleid, gleich ein Leben im Glauben an Jesus Christus oder weiter so im alten Trott.
Das ist rigoros. Da wird uns jeder Ausweg verbaut.
Als ich jung war, hat mich diese Herausforderung fasziniert. Da war ich, was meinen Glauben und was meine politische Einstellung betraf, auch rigoros. Da wollte ich kompromisslos die Veränderung, das Neue, kein Hinken auf beiden Seiten mehr. Jetzt hinke ich selber.
Einerseits bedaure ich das. Die vielen Kompromisse, die in der Kirche eingegangen werden, die ich aber auch selber im Lauf meines Lebens eingegangen bin, sind nicht unproblematisch. Sie führen dazu, dass man zweideutig wird, ein klares Profil vermissen lässt und manchmal orientierungslos wirkt. Andererseits stößt man auch viele vor den Kopf, wenn man klare Vorstellungen hat und sie sich nicht durch alle möglichen Einwendungen verwässern lassen will. Das sind entscheidende Gründe, warum ich mich in meiner eigenen Kirche immer fremder fühle. Ich kann nur den Kopf schütteln, wenn ich sehe, wer alles aus welchen Motiven nun 500 Jahre Reformation und Martin Luther feiern will. Leider kann er sich nicht mehr dagegen wehren.
Letzten Endes kommt man aber aus diesem Dilemma nicht heraus, dass man einerseits klare Vorstellungen hat und durchsetzen will und andererseits mit anderen zusammenleben und zusammenarbeiten will, die nicht unbedingt die eigene Meinung teilen. Als ich noch jung und unabhängig war, meinte ich, nicht so viel Rücksicht nehmen zu müssen. Inzwischen sehe ich das anders. Trotzdem wünsche ich mir, ich hätte, zumindest was den eigenen Glauben und die eigene Lebensführung betrifft, mehr von der Eindeutigkeit und Klarheit, von der Losung und Lehrtext heute reden.

Gebet: Herr, mir zuliebe bist du unbeirrt deinen Weg gegangen, hast dich auf keine Kompromisse mit den Mächtigen in Staat und Kirche eingelassen, sondern warst klar und treu bis in den Tod. Ich aber hinke hinter dir her und treffe immer wieder auch zweifelhafte Entscheidungen. Und trotzdem oder gerade deswegen kommt es nicht auf mich an, wie unbeirrt, klar und kompromisslos ich in meinem Glauben und Leben bin, sondern auf dich. Nicht mein Weg bringt mich zu Gott, sondern deiner. Darum brauche ich dich als meinen guten Hirten, der mir immer wieder nachgeht auf meinen Irrwegen, um mich zu meinem himmlischen Vater zurückzubringen, dem ich gehöre. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 5. Dezember 2016

Gottes Mühlen hl

Losung: Freut euch und seid fröhlich im HERRN, eurem Gott. Joel 2,23

Lehrtext: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils im Hause seines Dieners David. Lukas 1,68-69

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich nehme mal an, dass du heute satt geworden bist, ich nehme weiter an, dass du ein Dach überm Kopf hast und ein Bett, in dem du schlafen kannst. Ich nehme drittens an, dass du diese beiden Grundbedürfnisse auch morgen stillen kannst. Und ich nehme an, dass das für dich nicht der Rede wert ist. Denn das alles ist schon seit Jahren so, vielleicht schon immer, solange du lebst. Satt werden und im eigenen Bett schlafen können – was ist das schon Besonderes?
Doch damit das möglich ist, braucht es eine ganze Reihe von Voraussetzungen: Politische Stabilität, Frieden, eine funktionierende Wirtschaft, wenigstens einen bescheidenen Wohlstand, ertragreiche Ernten aufgrund von genügend Sonne und Regen und viele Menschen, die mit ihrer Hände Arbeit und mit ihren Planungen und Entscheidungen dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft einigermaßen funktioniert.
Ist das alles Zufall? Ist das alles Ergebnis menschlicher Leistung? Naja, Sonne und Regen nicht. Und all die anderen Dinge?
Das hängt davon ab, was ich Gott zutraue. Ich glaube schlicht und einfach, dass ich gemeinsam mit dir und allen anderen sein Geschöpf bin und dass er bisher seine segnende und schützende Hand über uns alle gehalten und dafür gesorgt hat, dass wir am Leben geblieben sind. Die Bibel sagt: Was Gott geschaffen hat, das will er auch erhalten. Und dazu braucht es noch viel, viel mehr als menschliche Leistungskraft und Sonne und Regen.
Der Prophet Joël hat so einen umfassenden Blick. Er sagt: »Ihr Tiere in der Steppe, habt keine Angst mehr! Eure Weideplätze sind wieder grün, die Bäume hängen voller Früchte, Feigenbaum und Weinstock bringen reiche Ernte.  Auch ihr, die ihr auf dem Berg Zion wohnt, freut euch und jubelt über den Herrn, euren Gott! (Losung). Wie treu hält er seine Zusagen! Er schenkt euch wieder erfrischenden Regen im Herbst und im Frühling, so wie er es früher getan hat.« Ich meine, dass das bis heute ziemlich selten ist, wenn Menschen, die an Gott glauben nicht nur an sich und ihresgleichen denken, sondern auch noch an die Tiere. Der Prophet sagt, dass wir einen doppelten Grund zur Freude über Gott haben, einmal, weil die natürlichen Voraussetzungen für unser Leben und Überleben bis heute gegeben waren und zum andern, weil Gott seine Zusagen einhält. Das macht mich zuversichtlich und lebensmutig. Ich verlasse mich darauf, dass er auch morgen für mich und für dich da ist.
Als dem alten Zacharias und seiner nicht wesentlich jüngeren Frau Elisabeth noch ein Sohn geboren wurde, da hat er das Lobgebet gesprochen, aus dem der heutige Lehrtext ein Ausschnitt ist. Er hatte irgendwie gespürt, dass mit der Geburt seines Johannes nun eine besondere Zeit angebrochen ist und etwas Neues geschehen würde. Zacharias glaubte, dass demnächst der Messias, der Heilskönig kommen und sein Sohn dessen Wegbereiter sein würde. 
Aber er konnte sich den Messias nicht anders vorstellen wie alle Menschen in seinem Volk. Er sah in ihm den politischen Befreier, der das Joch der römischen Besatzungsmacht zerbrechen und die Israeliten aus der Hand ihrer Feinde erretten würde. Er glaubte noch an einen Superkönig, einen Nachkommen aus der Familie des Königs David. Doch auch Zacharias musste lernen, dass bei Gott große Veränderungen ganz klein anfangen, mit einem Säugling und später mit dessen Worten, aber ohne Feuer und Schwert, ohne Macht und Geld.
Es ist schwer, wenn du dir von Gott bald eine spürbare und vielleicht auch sichtbare Veränderung wünschst, geduldig zu bleiben und auf die winzigen Anzeichen zu achten, die eine allmähliche Besserung andeuten. Alles hat seine Zeit, Regen und Sonne, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, dass Menschen genesen, dass sie aus ihren Fehlern lernen oder im Glauben wachsen. Aber es geschieht, auch wenn Gottes Mühlen manchmal langsam mahlen. Nur wäre es schade, wenn wir darüber vergäßen, uns über ihn zu freuen und ihn zu preisen.

Gebet: Herr, du weißt, wie ungeduldig ich manchmal sein kann. Ich wünsche mir, dass bestimmte Dinge sofort geschehen. Aber dann muss ich lernen, dass wichtige und große Veränderungen Zeit brauchen so wie ein Samenkorn Zeit braucht, bis aus ihm eine Pflanze herangewachsen ist, die Frucht bringt. Ich will mich darauf verlassen, dass du weißt, was wann geschehen wird. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Sonntag, 4. Dezember 2016

Segenswunsch hl

Losung: Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 4.Mose 6,26

Lehrtext: Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben. Römer 15,13

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt meines Erachtens nur wenige Worte, die sich nicht abnützen, auch wenn man sie oft gebraucht. Dazu gehört das heutige Losungswort, ein Satz aus dem Segen, mit dem am Schluss des Gottesdienstes die Besucher verabschiedet werden. Ich habe bei diesen Worten vor meinem inneren Auge, wie Gott „voll Wärme und Licht im Angesicht“ auf sie und mich schaut. Er schaut uns freundlich und liebevoll an. Er tut das mit den Augen Jesu, die barmherzig, einfühlsam und nachsichtig die Menschen angeblickt haben, denen er damals begegnet ist: Die kleinen Kinder, die Kranken, die Verachteten, die Frauen, die Furchtsamen und die Sünder, die an ihren eigenen Ansprüchen und an den Erwartungen Gottes gescheitert sind. All diesen Menschen hat er damit ihren Seelenfrieden zurückgegeben, den gerade heutzutage so viele vermissen.
Das ist ja auch, wie der Lehrtext sagt, ein Kennzeichen des Glaubens, dass, wer auf Gott vertraut, zuversichtlicher wird, froh und ruhig.
Und so wünsche ich dir an diesem Sonntag beides, dass du gesegnet bist mit dem Segen Gottes für diesen Tag und die Woche die vor dir liegt und dass Gott dich mit Freude und Frieden im Glauben (Lehrtext) erfüllt.

Gebet: Herr, segne mich und behüte mich; lass dein Angesicht leuchten über mir und sei mir gnädig; erhebe dann Angesicht über mich und gib mir Frieden. Amen


Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 3. Dezember 2016

Biblische Zweifel und sehendes Herz hl

Losung: Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. Psalm 73,1

Lehrtext: Simeon wartete auf den Trost Israels. Lukas 2,25

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Schwester des Glaubens, so sagt man, sei der Zweifel. Auch ich beginne an Gott zu zweifeln, wenn ich wieder von irgendwelchen entsetzlichen Ereignissen erfahre, die unschuldige Menschen getroffen haben. „Warum lässt Gott das zu?“ Diese Frage haben vor mir schon zahllose Menschen gestellt. Viele fragen heute so und viele werden auch in Zukunft so fragen.
Auch den Menschen in der Bibel waren Zweifel nicht fremd. Asaf hat sie in seinem Psalm 73 niedergeschrieben. Da heißt es: »Gott ist gut zu Israel (= seinen Leuten), zu allen, die ihm ganz vertrauen (Losung). Das kann niemand bestreiten! Ich aber hätte beinahe an ihm gezweifelt, fast hätte ich den Glauben aufgegeben. Sie sind stolz auf ihren Stolz und tragen ihn zur Schau.  Mit Verachtung schauen sie auf andere herab und verhöhnen sie, mit zynischen Worten setzen sie jeden unter Druck. Sie tun, als kämen ihre Worte vom Himmel; sie meinen, ihre Sprüche seien für die ganze Menschheit wichtig. Darum läuft sogar Gottes Volk ihnen nach, es hängt an ihren Lippen und glaubt alles, was man ihm vorsetzt. Denn diese eingebildeten Leute sagen: "Gott kümmert sich um nichts - wie sollte er auch? Er thront so weit oben und weiß nicht, was sich hier unten abspielt!" War es denn völlig umsonst, dass ich mir nie etwas zuschulden kommen ließ? Also versuchte ich zu begreifen, warum es dem Gottlosen gut und dem Frommen schlecht geht, aber es war viel zu schwer für mich. Da ging ich in Gottes heiligen Tempel, und dort wurde mir auf einmal klar: entscheidend ist, wie ihr Leben endet! Wie ein Traum beim Erwachen verschwindet, so vergehen sie, wenn du dich erhebst, o Herr«. 
Vermutlich muss man nur ein paar Sätze austauschen, und dann können diesen Psalm auch heute viele nachsprechen, weil sie sich darin wieder finden. Doch es wäre schon gut, wenn du dich nicht nur in den Problemen wiederfändest, die Asaf umgetrieben haben, sondern auch in seinem Gottvertrauen, wenn er fortfährt: »Als ich verbittert war und mich vor Kummer verzehrte, da war ich dumm wie ein Stück Vieh, denn ich verstand dich nicht. Jetzt aber bleibe ich immer bei dir, und du hältst mich bei der Hand. Du führst mich nach deinem Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf. Herr, wenn ich nur dich habe, bedeuten Himmel und Erde mir nichts. Selbst wenn alle meine Kräfte schwinden und ich umkomme, so bist du doch, Gott, allezeit meine Stärke - ja, du bist alles, was ich habe!« Gerade die letzten vier Sätze können ein starker Trost sein für jeden, der sie sich zu eigen macht.

Die Menschen der Bibel haben ja nicht nur ähnlich gezweifelt wie wir, sondern sie waren auch ähnlich trostbedürftig. Wie zum Beispiel Simeon, ein Greis, der sein Leben lang auf den Retter gewartet hat, den doch Gott versprochen hatte (Lehrtxt). Wahrscheinlich haben ihn deswegen nicht wenige ausgelacht. Aber Simeon ließ sich nicht beirren. Er hielt am Glauben fest und lebte entsprechend. Und tatsächlich, plötzlich sah er ihn, den Retter Israels, den Retter der Welt,  deinen und meinen. Das war kein strahlender Held auf hohem Ross in goldener Rüstung mit Feuer und Schwert und einer riesigen Streitmacht von Engeln, kein James Bond und kein Superman, sondern ein Säugling. Da musste man schon ganz besondere Augen haben, solche wie Simeon, um in ihm den versprochenen Retter zu erkennen. Wie heißt es in der Geschichte „der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry: »Man sieht nur mit dem Herzen gut«. Simeon hat so gesehen. Auch die Hirten von Bethlehem, die Weisen aus dem Morgenland, Maria und Josef. Und wen sehen wir, du und ich, wenn wir in die Krippe schauen?

Gebet: Was auch geschieht, ich bleibe bei dir, und du hältst mich bei der Hand. Du führst mich nach deinem Plan. Herr, wenn ich nur dich habe, bedeuten Himmel und Erde mir nichts. Selbst wenn alle meine Kräfte schwinden, so bist du doch, Gott, allezeit meine Stärke - ja, du bist alles, was ich habe! Dir nahe sein, ist mein ganzes Glück! Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 2. Dezember 2016

Schneller als du ist keiner hl

Losung: Ich liege und schlafe und erwache; denn der HERR hält mich. Psalm 3,6

Lehrtext: Friede sei mit euch allen, die ihr in Christus seid! 1.Petrus 5,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

was gibt dir Halt? Vielleicht deine Partnerschaft oder die Familie? Vielleicht Freunde oder dein Beruf oder deine Hobbys? Das alles und noch mehr kann einem Menschen Halt geben. Aber was hält dich Tag und Nacht, auch wenn du schläfst?
Es ist die Schwerkraft oder auch Anziehungskraft genannt. Sie hält die Sonne in ihrer Bahn, wenn sie einmal in 225 Millionen Jahren mit einer Geschwindigkeit von 86 Millionen km/h um das Zentrum unserer Milchstraße wirbelt. Und die Sonne hält dabei unsere Erde in ihrer Bahn und mit ihr die anderen Planeten. Und die Erde mit ihrer Schwerkraft hält dich auf dem Boden, wenn sie sich mit dir einmal in 24 Stunden um die eigene Achse und einmal in 365 Tagen mit einer Geschwindigkeit von 100.000 km/h um die Sonne dreht. Hättest du gedacht, dass du so schnell bist? 86 Millionen km/h schnell bei deiner Reise durch die Milchstraße und gleichzeitig 100.000 km/h schnell bei deiner Reise um die Sonne? Nur gut, dass die Schwerkraft nicht nachlässt, sonst würde im wahrsten Sinn des Wortes alles auseinanderfliegen.
Aber auf die eingangs gestellte Frage gibt es natürlich noch eine zweite Antwort. Es ist Gott, der dich hält, ob du wachst oder schläfst. Er hält dich mit der natürlichen Schwerkraft bei deiner Reise durchs Universum. Er hält dich aber auch mit der Kraft seiner Liebe bei deiner Reise durch dieses Leben.
Wir sind alle in ihm geborgen und von ihm gehalten. Das hat mir Gott durch seinen Sohn Jesus Christus gezeigt. Das gibt mir Frieden und lässt mich ruhig schlafen.

Gebet: Herr, deine Wunder sind so groß und viel, ich kann sie nicht begreifen (Psalm 40,5). Du bist der Meister des Universums und der Meister meines Lebens. Du hältst alles in seiner, von dir bestimmten Bahn. Auch mich. Das tut mir gut. Das gibt mir Sicherheit. Das lässt mich ruhig schlafen. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Was einen Christen ausmacht hl

Losung: Halte dich an die Unterweisung, lass nicht von ihr ab, bewahre sie, denn sie ist dein Leben. Sprüche 4,13

Lehrtext: Die Hauptsumme aller Unterweisung ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben. 1.Timotheus 1,5

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Losung sagt, dass ich mir von der Bibel den Weg weisen lasse, der meinem Leben Sinn gibt und auf dem ich Gott begegne. Um welchen Weg es sich dabei handelt, sagt der Lehrtext: Den Weg der Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.
Soweit ist alles klar und einfach. Ich muss also nicht eine große Zahl von Einzelgeboten auswendig lernen und befolgen. Ich muss nicht alle möglichen Verhaltensweisen an den Tag legen oder religiöse Vorschriften erfüllen. Ich bin im Glauben ein ganz und gar freier Mensch und niemand untertan. So schreibt es Martin Luther in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Aber er schreibt auch: In der Liebe bin ich jedermanns Diener. Niemand kann und darf mir vorschreiben, wie ich glauben soll. Aber jeder kann und darf mich daran erinnern, dass ich als ‚Christenmensch‘ zur Liebe verpflichtet bin. Und das heißt: Ich soll hilfsbereit sein, nachsichtig, versöhnlich, friedfertig, entgegenkommend, verständnisvoll, freundlich, barmherzig, großzügig, einfühlsam und anständig. Aber auch klar, gerecht, aufrichtig, unbestechlich, beispielhaft.
Ich weiß, dass ich das nur in Ansätzen bin. Manchmal gelingt es mir besser so zu sein und manchmal nicht. Einen anderen zu lieben, fällt mir nicht immer leicht, erst recht nicht, wenn ich ihn nicht mag. Aber mein Scheitern darf kein Argument sein, dass ich das mit der Liebe tiefer hänge oder sein lasse.
Ob es Gott immer leicht fällt, mich zu lieben? Ich weiß es nicht. Aber er tut's. Grund genug, mich am Riemen zu reißen und immer wieder neu damit anzufangen, meine Mitmenschen zu lieben. Ich will's wenigstens versuchen.

Gebet: Ja Herr, ich weiß, was ich tun soll. Aber hin und wieder fehlen mir Wille und Kraft, so zu sein wie du und andere zu lieben, ohne Ansehen der Person und ohne Hintergedanken. Reinige du mein Herz von egoistischen Absichten. Schärfe mein Gewissen und stärke meinen Glauben. Vor allem aber vergib mir meine Lieblosigkeit und lass nicht nach, mich zu lieben. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Mittwoch, 30. November 2016

Mit Gott kämpfen hl

LosungIch lasse dich nicht, du segnest mich denn. 1.Mose 32,27

Lehrtext: Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Kolosser 4,2

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennst du die Geschichte, aus der die heutige Losung stammt: »Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn«? Sie ist es wert, erzählt und erinnert zu werden:
Jakob, der Sohn Isaaks, der Enkel Abrahams und Zwillingsbruder von Esau war ein elender Betrüger. Und Gott? Er hat ihn ersteinmal durch seinen Onkel Laban selber betrügen lassen, indem dieser ihm in der Hochzeitsnacht die falsche Braut untergeschoben hat. Aber bald schon hat Gott ihn reich gesegnet. Er hat den Jakob eben geliebt. Warum? Hat schon mal ein Liebender seine Liebe erklären können?
Nach vielen Jahren in der Fremde kehrt der ehemalige, mittellose Flüchtling in die Heimat und zu seinem, von ihm betrogenem Bruder zurück. Jakob ist inzwischen wohlhabend geworden. Hat nun große Herden und sendet einen Teil als Geschenk für seinen Bruder voraus. Er will in milde und versöhnlich stimmen, bevor sie sich nach so langer Zeit wieder begegnen. Denn Jakob hat Angst vor ihm. Dann kommt die letzte Nacht vor dem Wiedersehen.
Die Bibel erzählt: »Mitten in der Nacht stellt sich Jakob ein Mann entgegen und kämpft mit ihm bis zum Morgengrauen. Als der Mann merkt, dass er Jakob nicht besiegen kann, gibt er ihm einen Schlag auf das Hüftgelenk, dass es ausgerenkt wird. Dann bittet er: "Lass mich los, der Morgen dämmert schon!" Aber Jakob erwidert: "Ich lasse dich nicht eher los, bis du mich gesegnet hast!" "Wie heißt du?", fragt der Mann. Als Jakob seinen Namen nennt, sagt der Mann: "Von jetzt an sollst du nicht mehr Jakob heißen. Du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und gesiegt. Darum heißt du von jetzt an Israel." "Wie ist denn dein Name?", fragt Jakob zurück. "Warum fragst du?", entgegnet der Mann nur, dann segnet er ihn. "Ich habe Gott gesehen, und trotzdem lebe ich noch!", ruft Jakob. Darum nannte er den Ort Pnuël ("Gesicht Gottes") und Jakob zieht weiter. Da geht ihm die Sonne auf und er hinkt, weil seine Hüfte schmerzt.«
Diese Begebenheit gehört zu den rätselhaften Geschichten der Bibel, bei denen manches im Dunkeln bleibt. Aber sie enthält für dich und mich eine wichtige Botschaft: 
Es kann Zeiten geben, in denen uns nichts mehr anderes übrig bleibt, als mit Gott zu kämpfen. In denen wir ihn im Gebet packen und nicht loslassen und ihn zwingen, uns zu helfen und zu segnen. Ich weiß, das klingt irgendwie merkwürdig. Aber wenn es drauf ankommt, soll es mir egal sein, ob irgendetwas merkwürdig klingt. Dann erinnere ich mich hoffentlich an diese Geschichte und mache es wie Jakob und kämpfe, bis Gott mir gibt, was ich will.
Noch mal: Ist das überhaupt realistisch? Ist das nicht eher lächerlich, mit dem allmächtigen Gott kämpfen zu wollen? Reicht nicht, was im heutigen Lehrtext steht, dass wir am regelmäßigen Beten festhalten und darüber nicht vergessen sollen, ihm zu danken? Meistens schon, aber immer nicht.
Für Gott ist es das Zeichen eines kühnen Glaubens, wenn wir mit ihm ringen, wenn wir alles in die Waagschale werfen, alles, und uns mit dem Mut der Verzweiflung auf ihn stürzen. Wenn es überhaupt einmal dazu kommen sollte, dann nur wenige Male in unserem Leben. Aber wenn du wirklich mit dem Rücken zur Wand stehst und es keinen anderen Ausweg mehr gibt, dann kämpfe mit deinem Gott, packe ihn mit deinem Glauben, ringe ihn mit deinen Gebeten nieder, schrei ihm die Ohren voll „Ich lass dich nicht mehr los, bevor du mir nicht hilfst“ und zwinge ihn mit deinem Gottvertrauen, dass er’s tut.

Gebet: Herr, wenn es möglich ist, so erspare mir, dass ich so mit dir kämpfen muss wie Jakob. Aber wenn es nicht anders geht, dann will auch ich dich mit dem Mut der Verzweiflung packen und so lange mit dir ringen, bis du mir hilfst. Amen

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Dienstag, 29. November 2016

Zusage für alle und jeden hl

Losung: Ich werde mich an euch als heilig erweisen vor den Augen der Nationen. Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich euch auf Israels Boden bringe, in das Land, das euren Vorfahren zu geben ich meine Hand erhoben habe. Hesekiel 20,41.42

Lehrtext: Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. Römer 11,29

Liebe Leserin, lieber Leser,

was Gott zusagt, das hält er auch. Das ist kurz und knapp die Botschaft von Losung und Lehrtext am heutigen Tag. Dieser Satz bekommt für dich eine Bedeutung, wenn du auch weißt, was er dir zusagt. Die Bibel sagt, durch die Taufe und den Glauben gehörst du zu seinen Erwählten (= Berufenen. Siehe Lehrtext). Und was ist mit den anderen?
Dazu macht der Apostel Paulus in seinem Brief an die Christen in Rom ein paar interessante Bemerkungen. Hier ist der Abschnitt mit der heutigen Losung:
Indem die Juden die rettende Botschaft ablehnen, sind viele von ihnen zu Feinden Gottes geworden. Aber gerade dadurch wurde für euch (Römer, als ihr noch Heiden wart) der Weg zu Christus frei. Doch Gott hält seine Zusagen, und weil er ihre Vorfahren erwählt hat, bleiben die Juden sein geliebtes (!) Volk. Denn Gott fordert weder seine Gaben zurück, noch widerruft er die Zusage, dass er jemanden auserwählt hat.
Früher habt ihr Römer Gott nicht gehorcht. Aber weil die Juden Christus ablehnten, hat Gott euch seine Barmherzigkeit erfahren lassen. 
Jetzt wollen die Juden nicht glauben, dass Gott jedem Menschen durch Christus barmherzig ist, obwohl sie es doch an euch sehen. Aber auch sie sollen schließlich Gottes Barmherzigkeit erfahren. Denn Gott hat alle Menschen ihrem Unglauben überlassen, weil er allen seine Barmherzigkeit schenken will.
Daran, so glaube ich, erweist Gott sich als heilig (Losung), dass er auch für diejenigen, die nicht glauben Gott ist. Denn vom Glauben oder Wissen macht er nicht abhängig, dass er einem Menschen durch Christus barmherzig ist. Ich weiß, dass das manchen Superfrommen unter Juden und Christen nicht gefällt. Aber keine Angst, Gott liebt auch sie.

Gebet: Herr, das unterscheidet dich von allen Göttern und Menschen, dass du deine Geschöpfe voraussetzungslos liebst auch und gerade dann, wenn sie von dir nichts wissen (wollen). Das erhebt dich über sie alle und macht dich zu dem, was du bist. Dafür preise ich dich. Amen

Herzliche Grüße
Ihr / dein Hans Löhr 

Montag, 28. November 2016

Voraussetzung für ein gutes Leben hl

Losung: Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten! Psalm 112,1

Lehrtext: Bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist; du weißt ja, von wem du gelernt hast und dass du von Kind auf die Heilige Schrift kennst, die dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus. 2.Timotheus 3,14-15

Liebe Leserin, lieber Leser,

möchtest du glücklich sein, hohes Ansehen genießen, reich und wohlhabend sein, aber auch großzügig und gerecht standhaft, furchtlos und unerschütterlich? Dann, so sagt es die heutige Losung, begegne Gott in Ehrfurcht und freue dich über seine Gebote.
Du meinst, das klinge doch ein bisschen arg schlicht. Dann lies mal den Psalm 112, aus dem die heutige Losung kommt:
Halleluja - lobt den Herrn! Glücklich ist, wer dem Herrn in Ehrfurcht begegnet und sich über seine Gebote freut! 2 Seine Nachkommen werden im ganzen Land hohes Ansehen genießen, denn Gottes Segen liegt auf jeder Generation, die sich von ihm nicht abbringen lässt. 
3 Bei einem solchen Menschen sind Reichtum und Wohlstand zu Hause. Unerschütterlich und treu hält er zu Gott. 4 Selbst in dunklen Stunden leuchtet ihm ein Licht, er ist voll Erbarmen, großmütig und gerecht. 
5 Gut geht es dem, der freundlich zu den Armen ist und ihnen gerne Geld leiht, der sich an das Recht hält bei allem, was er unternimmt! 6 Nichts wird ihn zu Fall bringen, einen solchen Menschen vergisst man nicht! 
7 Er fürchtet sich nicht vor schlechter Nachricht, denn sein Glaube ist stark - er vertraut dem Herrn. 8 Er lässt sich nicht erschüttern und hat keine Angst, denn er weiß, dass er über seine Feinde triumphieren wird. 9 Großzügig schenkt er den Bedürftigen, was sie brauchen; auf seine barmherzige Liebe kann man immer zählen. Darum ist er überall hoch angesehen. (Bibel: Hoffnung für alle)
Vermutlich hast du jetzt doch ein paar Einwände gegen diesen, an und für sich schönen Psalm. Ist das wirklich so einfach? Muss ich nur in den Glaubensautomaten oben die Münze der Gottesfurcht und Gebotsfreude hineinwerfen,  damit unten all das für mich herauskommt, was an Positivem in diesem Psalm steht?
Die Bibel ist mehr als dieser eine Psalm. In ihr wird auch von gegenteiliger Erfahrung berichtet, wird die Frage gestellt, warum es dem Frommen schlecht und dem Gottlosen gut geht. (Siehe Buch des Predigers Salomo). Aber nun steht mal dieser Psalm da, und ich muss mich fragen, ob ich ihm Glauben schenke oder nicht.
So viel meine ich sagen zu können: Was das Losungswort aus dem Psalm sagt, ist eine wichtige Voraussetzung für all das Positive, was dann folgt. Gott mit Ehrfurcht begegnen und sich über seine Gebote freuen – das formt den Charakter eines Menschen und lässt ihn herausragen aus der Menge derer, die nur ihren eigenen Bedürfnissen und Interessen folgen.
Aber es ist keine Garantie für all das, was im ersten Satz dieser Auslegung steht. Automatisch geht im Glauben gar nichts. Ich habe es auch da mit den Unwägbarkeiten des Lebens zu tun. Plötzlich können schwere Zeiten für mich kommen und dann auch wieder gute. Aber ich glaube, dass mich das alles von Gott nicht trennen kann. Ich glaube es. Wissen kann ich es nicht.
Und damit mich der Wind des Schicksals nicht irgendwohin weht und ich haltlos auf dem Meer der Zeit dahintreibe, bleibe ich bei dem, was ich gelernt habe (Lehrtext): Gottes Wort in der Bibel ist mein Anker, der mich hält. Ist mein Leuchtturm, der mir den Weg weist. Und der Glaube ist mein Kompass, der mich den sicheren Hafen finden lässt, wo mein Lebensschiff am Ziel ist.
Ob ich dann glücklich bin, hohes Ansehen genieße, reich und wohlhabend bin? Wer weiß. Entscheidend ist, dass da ein Kapitän ist, dem ich auf meiner Reise durch die Zeit vertrauen kann.

Gebet: Herr, alle deine Menschen möchten glücklich sein können. Wir alle möchten genug zum Leben haben und ohne Furcht sein dürfen. Darum komme auch ich zu dir und bitte, dass du mich und alle meine Lieben weiterhin segnest und beschützt. Dazu achte ich dich und höre auf dich. Doch letzten Endes liegt unser aller Schicksal in deiner Hand. Hilf uns allen über das Meer der Zeit zu dir. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr

Sonntag, 27. November 2016

Gottes Wort wirkt hl

Losung: Mein Wort wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende. Jesaja 55,11

Lehrtext: Die Jünger zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen. Markus 16,20

Liebe Leserin, lieber Leser,

man kann zum Glauben stehen wie man will. Eines ist unbestreitbar, die Worte der Bibel hatten und haben eine enorme Wirkung. Andere Worte waren oder sind auch wirkungsvoll. Doch über einen so langen Zeitraum von 3000 Jahren hatten sie nicht diese weltweite Ausstrahlung. Das ist noch kein Beweis, dass sie wahr sind. Aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass mit diesen Worten Menschen erreicht und verändert werden.
Doch die Bibel hat nur dann diese Kraft, wenn ihre Worte auf fruchtbaren Boden fallen. Anders gesagt, wenn man ihnen glaubt und darauf vertraut. Noch einmal anders gesagt, wenn man dem glaubt und vertraut, von dem in der Bibel die Rede ist und dessen Wort sie enthält. Dann bleibt Gottes Wort nicht „leer“ (Losung), sondern ist wirksam und erfüllt Menschen mit Liebe und Hoffnung, Trost und Kraft.
Ich habe das bei mir und anderen erlebt. Ich habe gesehen, wie Gottes Wort Menschen zum Guten verändert hat, wenn es bei ihnen Glauben gefunden hat. Ich meine, dass ohne sie diese zerrissene Welt ein gottloser und trostloser Ort wäre. Und darum wünsche ich mir, dass mich sein Wort auch künftig erreicht und immer wieder neu den Glauben in mir weckt. Ich möchte mit anderen zusammen eine Bewegung sein, die sich Gottes Menschenfreundlichkeit verschreibt und dazu beiträgt, dass einer im anderen den Bruder oder die Schwester erkennt, weil wir alle gemeinsam einen himmlischen Vater haben.

Gebet:
Mein Füßen ist dein heilig‘s Wort
Ein‘ Leuchte nah und ferne,
Ein Licht, das mir den Weg weist fort;
So dieser Morgensterne
In uns aufgeht,
So bald versteht
Der Mensch die hohen Gaben,
Die Gottes Geist denen verheißt,
Die Hoffnung darauf haben.
(Lazarus Spengler, 1524)

Herzliche Grüße


Ihr / dein Hans Löhr 

Samstag, 26. November 2016

Ich bin sein Esel hl

Losung: Der Gerechte ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Psalm 1,3

Lehrtext: Der Geist Gottes lässt als Frucht eine Fülle von Gutem wachsen, nämlich: Liebe, Freude und Frieden, Geduld, Freundlichkeit und Güte, Treue, Bescheidenheit und Selbstbeherrschung. Galater 5,22-23

Liebe Leserin, lieber Leser,

was meinen Sie / was meinst du: Ist jemand, der das schreibt oder sagt, was im heutigen Lehrtext steht, selber immer lieb, freudenvoll, friedlich, geduldig, freundlich, gütig, treu, bescheiden und selbstbeherrscht? Also ich bin das nicht. Jedenfalls nicht immer. Ich bin und bleibe ein Sünder, also jemand, bei dem die Verbindung mit Gottes Geist immer wieder auch dünn wird oder sogar abreißt. Dann verhalte ich mich nach alten, problematischen Mustern, die ich mir im Laufe des Lebens und im Umgang mit anderen in dieser säkularen Welt angeeignet habe. Um es deutlich zu sagen: Ich weiß, dass ich eben auch lieblos, freudlos, friedlos, ungeduldig, unfreundlich, hart, unzuverlässig, unbescheiden und unbeherrscht sein kann. Darum tauge ich weder als Heiliger noch als Gerechter (Losung) noch als Vorbild.
Ich weiß aber auch oder besser, ich glaube und vertraue darauf, dass mich gerade dann, wenn ich so bin, Gott besonders lieben muss, damit in mir auch wieder andere Früchte wachsen, wie sie im Lehrtext genannt werden. Und ich glaube und vertraue darauf, dass er das um Jesu willen auch tut. Damit will und kann ich mein problematisches Verhalten nicht entschuldigen. Aber aus diesem Glauben schöpfe ich Kraft, mich nicht den negativen Gefühlen und Gedanken zu ergeben, sondern immer wieder um den Geist Gottes zu bitten, damit durch ihn auch das Gute in mir wachsen kann.
Als Christ bin ich eben nicht nur schwarz oder weiß, sondern grau wie der Esel, den sich Jesus auswählt, um auf ihm in Jerusalem einzureiten. Diese Geschichte wird am kommenden Sonntag, am 1. Advent wieder in unseren Gottesdiensten erzählt. Und da erkenne ich mich dann in dem Esel wieder und freue mich, dass Jesus auch für einen wie mich Verwendung hat.

Gebet: Herr, ich weiß, dass ich ein Sünder bin. Ich glaube aber auch, dass du mich gerecht machst. Und so bin ich beides zugleich. Das hilft mir, dass ich nicht selbstgerecht werde. Das hilft mir aber auch, dass ich an mir nicht verzweifle. Gott sei Dank muss ich nichts aus mir machen, auch keinen Gerechten, auch kein Vorbild, weil du schon alles für mich und aus mir gemacht hast, womit ich vor dir bestehen kann. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr 

Freitag, 25. November 2016

Der Mensch denkt. Gott lenkt. hl

Losung: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt. Sprüche 16,9

Lehrtext: Ihr solltet sagen: Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun. Jakobus 4,15

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist eigentlich aus deinen Lebensträumen und Plänen geworden? Haben sie sich erfüllt? Wurden sie übertroffen? Oder bist du dahinter zurückgeblieben?
Ich kann von mir sagen, dass manches so eingetroffen ist, wie ich es erhofft hatte. Aber es sind auch manch andere Dinge geschehen, die ich nicht planen und vorhersehen konnte. Das eine oder andere hätte ich mir gerne anders gewünscht. Manches hätte ich besser machen können, wenn ich mich geschickter angestellt hätte, wenn ich mehr Geduld gehabt hätte und besonnener vorgegangen wäre. Andererseits sind durch meine Charaktereigenschaften auch wiederum Dinge möglich geworden, die mir sonst vielleicht entgangen wären.
Aber so viel ist mir klar: Dass ich jetzt da bin, wo ich bin, dass es mir so geht, wie es mir geht, das konnte ich nicht planen und das hätte ich mir auch nicht zurechtbiegen können. Da hatte Gott seine Hand im Spiel, hat mich von manchen unliebsamen Überraschungen bewahrt, vor manchem Unglück behütet, manches wieder gerade gerückt, was ich verrückt hatte und mich von manchen Irrwegen und Umwegen immer wieder zurückgebracht. Aber er hat meine Schritte nicht nur durch helle Tage gelenkt. Er hat mich auch dunkle Erfahrungen machen lassen, damit ich daraus lernen konnte und reifer geworden bin. Letzten Endes habe ich wohl keinen Schritt getan, ohne dass er es gewusst und zugelassen hatte.
Und jetzt? Ich muss mir weiterhin bestimmte Dinge vornehmen. Mein Herz muss sich weiterhin seinen Weg erdenken (Losung). Es bleibt mir gar nichts anderes übrig, als meine Tage – zumindest in gewissem Umfang – zu planen, Entscheidungen zu treffen, loszugehen, auch wenn ich mir nicht jedes Mal sicher bin, dass der Weg der einzig richtige ist. Aber ich gehe ihn getrost, weil ich nicht zuletzt aus Erfahrung darauf vertraue, dass Gott auch weiterhin meinen Schritt durch dieses Leben lenkt so wie er will (Lehrtext) und wie es für mich gut ist.

Gebet: Herr, du willst, dass ich mich auf den Weg mache und mutig in die Zukunft gehe auch wenn ich nicht weiß, was auf mich zukommt. Denn damit zeige ich dir, dass ich dir vertraue. Du wirst mir den richtigen Weg weisen. Er wird mich zu hellen Tagen führen, aber auch immer wieder einmal in ein finsteres Tal. Doch auch dann bist du ja bei mir und führst mich wieder hinaus ans Licht. Amen

Herzliche Grüße

Ihr / dein Hans Löhr