Dienstag, 19. September 2017

Kein Zwang, keine Gewalt! Ein Wahlaufruf hl

LosungDann aber will ich den Völkern reine Lippen geben, dass sie alle des HERRN Namen anrufen und ihm einträchtig dienen. Zefanja 3,9 

LehrtextAlle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. Philipper 2,11 

Liebe Leserin, lieber Leser,

würde es dir auch gefallen, wenn endlich mal aller Streit in den Familien begraben wäre, die Gräben zwischen den politischen Lagern zugeschüttet wären und die Feindseligkeit zwischen Staaten und Völkern sich wie ein Unwetter für immer verzogen hätte? Ich denke, viele tragen in sich die Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und Harmonie, wo die Menschen, die bis jetzt in verschiedene Fraktionen, Religionen und Konfessionen gespalten sind, endlich einmal einträchtig lebten und zum Wohl aller zusammenwirken würden.
     Aber wenn man nur ein bisschen weiter denkt, kommt man aufgrund geschichtlicher Erfahrung schnell zu dem Ergebnis, dass das alles andere als ein erstrebenswertes Ziel ist. Es hat viele Versuche in der Geschichte der Menschen gegeben, Einheit im Denken und Handeln herzustellen. Und alle diese Versuche endeten in einem menschenverachtenden Totalitarismus, wenn Diktatoren, Parteien oder Religionsführer ihre Ideen, ihre Sichtweise, ihre politischen und religiösen Ziele für die einzig wahren ansahen und daneben nichts anderes mehr duldeten: 
     Im Alten Ägypten galt nur das Wort des Pharao. Mohammed war nur anfangs tolerant und als zum Beispiel die Juden seine Religion nicht annehmen wollten, wurde er gewalttätig. Karl der Große zwang die heidnischen Sachsen mit brutaler Gewalt, sich taufen zu lassen. Im Dreißigjährigen Krieg schlugen sich Protestanten und Katholiken gegenseitig die Köpfe ein. Hitler ebenso wie Stalin in der Sowjetunion, wie Pol Pot in Kambodscha und Mao Tse Tung in China opferten vor wenigen Jahrzehnten Abermillionen von Menschen auf dem Satansaltar ihrer Ideologie. Sie maßten sich an, allein herrschen und bestimmen zu wollen, was sein darf und was nicht. Alle diese Gräueltaten begannen damit, dass abweichende Meinungen nicht mehr geduldet und oppositionelle Kräfte ausgerottet wurden.
     Es ist schon fast ein Gesetz, dass man es Menschen nicht erlauben darf, diktatorisch und totalitär zu werden. Ausschließlich Gott darf das Recht haben, die Völker zu einen, dass alle ihm einträchtig dienen (Losung) und bekennen, wem allein alle Macht und Ehre gebührt (Lehrtext). Wehe aber, wenn Menschen sich erdreisten, dem ein bisschen nachhelfen zu wollen. Es bleibt unsere Aufgabe, zu ertragen, dass wir unterschiedlich sind, abweichende Meinungen haben, verschiedenen Religionen und Konfessionen anhängen, unterschiedliche Ziele verfolgen und Lösungen im Streit der Meinungen finden müssen. Es bleibt aber auch dabei, dass dies alles ohne Zwang und Gewalt geschehen muss, um neue Katastrophen zu verhindern.
     Hier in Deutschland haben wir die Möglichkeit, unterschiedliche politische Auffassungen frei und ungehindert zu äußern, Parteien mit je eigenen Zielen zu bilden und geheim zu wählen. Wir haben aber dieses Recht nur so lange, wie wir davon Gebrauch machen. Darum gefährdet jeder, der nicht zur Wahl geht, unsere Demokratie und Freiheit. Ich sage das so deutlich, weil wir uns den Luxus der Politikverdrossenheit und der Wahlmüdigkeit nicht leisten dürfen. Auch wenn man mit keiner Partei übereinstimmt, ist man doch verpflichtet, unter den vielen die zu wählen, mit der man sich noch am ehesten identifizieren kann.
     Wir brauchen eine lebendige Demokratie mit einer stabilen Regierung und einer starken Opposition. Das ist nicht zuletzt auch eine Voraussetzung dafür, dass die Glaubensfreiheit in unserem Land erhalten bleibt.
     Was Losung und Lehrtext heute sagen, ist ein Versprechen, das Gott erfüllen wird und nur er allein. Würden wir Menschen das versuchen, wäre es eine verhängnisvolle Gleichschaltung mit den aus der Geschichte bekannten Folgen.

Gebet: Herr, in allen Religionen der Welt suchen dich Menschen, um dich zu ehren und dir zu dienen. Ich bitte dich, dass du dich ihnen zu erkennen gibst. Doch zuerst bitte ich dich, dass du dich uns, den Christen, zu erkennen gibst als der Gott, der in Jesus zu uns kommt, als der Gott des Friedens und der Gerechtigkeit, der menschenfreundlich und barmherzig ist, der rettet und erlöst. Gib uns die Gelassenheit und Kraft, all die anderen Religionen und abweichenden Glaubensformen zu ertragen. Wir wollen aber durch unser gutes Beispiel auch andere zum Glauben an dich einladen, dass sie mit uns bekennen: Du bist der Herr und Vater von allem was lebt. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Montag, 18. September 2017

Himmel Erde Hölle hl

LosungDer Himmel ist der Himmel des HERRN; aber die Erde hat er den Menschenkindern gegeben. Psalm 115,16 

LehrtextWem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen. Lukas 12,48 

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor acht Jahren ist von Dieter Wellershoff ein Krimi mit dem Titel „Der Himmel ist kein Ort“ erschienen. Darin schreibt er von dem jungen Pfarrer Henrichsen, der sich sich in einer tiefen Lebenskrise befindet. Sie macht auch vor seinen theologischen Überzeugungen nicht halt. Bei einer Predigt versagt ihm die Stimme, und immer mehr beginnt er, an den Inhalten seiner Religion zu zweifeln und den Himmel als leeren Ort zu begreifen. 
     Nein, der Himmel ist kein Ort. Du kannst nicht sagen: Hier ist er und dort ist er nicht. Und doch ist der Himmel nicht leer. Er ist dort, wo Gott ist. Und wo ist Gott nicht? Er ist überall im Universum und darüber hinaus. Vor allem aber ist er hier bei uns auf dieser winzigen Erde, bei dir und bei mir. Hier auf unserem Planeten ist er in seinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen, um ganz nah zu sein. So sagt es die Bibel. Und so glaube ich es. 
     Die Hölle aber, wenn man denn von ihr sprechen will, sie ist ein Ort und der ist die Erde. Denn die Hölle gibt es nur da, wo Menschen sind. Der französische Philosoph und Schriftsteller Jean-Paul Sartre sagte einmal: "Die Hölle, das sind die anderen". Ich füge hinzu: Die Hölle, das kann auch ich selbst sein, für die anderen und für mich. Wie viele machen sich nicht das eigene Leben zur Hölle.
So bekommt der alte, vor bald 50 Jahren geänderte Satz aus dem Glaubensbekenntnis noch einmal eine neue Färbung, in dem es von Christus hieß: "Niedergefahren zur Hölle. Aufgefahren in den Himmel." Ja, Gott ist in Jesus in die Menschenhölle niedergefahren, nicht nur in die Hölle der antiken Sklaverei und der modernen Menschenvernichtungslager, in die Hölle von Ausbeutung und Krieg, sondern auch und gerade in unsere kalte, zwischenmenschliche Hölle, in der nicht wenige im Eis der Lieblosigkeit und der eigenen Lebenslügen erfrieren.
Doch Gott hat uns die Erde nicht dazu gegeben, dass wir sie einander zur Hölle machen, sondern zu einem Ort des friedlichen Zusammenlebens von Mensch und Mensch, von Mensch und Tier, von Mensch und Natur. Diesen Ort zu bewahren, ist sein Auftrag, den er uns allen gegeben hat (1. Mose 2,15). Mit diesem Ort hat Gott uns viel gegeben und anvertraut, sehr viel. (Lehrtext) Er hat uns Ver-Antwort-ung gegeben für seine Erde. Und er wird von uns Menschen Antwort verlangen, was wir aus ihr gemacht haben. 
     Nein, der Himmel ist kein Ort. Aber die Erde. Sie ist unsere gemeinsame Heimat und das soll sie auch für unsere Kinder und Kindeskinder bleiben.

Gebet: Herr, ich mache mir Sorgen um unsere Zukunft auf der Erde, besonders um die Zukunft meiner Kinder und Enkel. Sie sieht zur Zeit nicht gut aus. Ich weiß nicht, wie wir wieder zu unserer Verantwortung für deine Schöpfung zurückfinden können, wenn du uns nicht dabei hilfst. Erbarme dich! Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 17. September 2017

Vom Tränenkrug zum Trostkrug hl

Losung: Ich will rühmen Gottes Wort. Ich will rühmen des HERRN Wort. Psalm 56,11 

LehrtextJesus spricht: Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Johannes 6,63 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was Gott wohl gesagt hat, dass David in der heutigen Losung sein Wort „rühmt“, sich darüber freut? So wie ich die Bibel kenne, könnte er gesagt haben: 
     »Ja, David, du bist zwar König, aber noch immer ein Mensch. Dazu gehört alles, was dein Leben reich hell und schön macht. Dazu gehört aber ebenso, dass es auch für dich in dieser Welt ohne Leiden und Angst, ohne Schmerzen und Enttäuschung, ohne Trauer und Versagen nicht abgeht. Frage nicht, warum das so ist. Du wirst die Antwort noch nicht verstehen. Was auch immer du erlebst, es ist, was es ist. Und ob du es glaubst oder nicht, du findest darin meine Liebe. Du findest sie nicht nur in den frohen Tagen. Du findest sie auch in der Finsternis. Gerade da wirst du mein Licht sehen, das dich tröstet und sagt: ‚Keine Angst, ich bin da!‘ Gerade wenn du schwach und am Boden bist, wirst du meine Kraft spüren.«
     So spricht Gott aus den Worten der Bibel auch zu dir. Darüber können wir uns heute noch freuen. Doch anders als David kannst du wissen, dass er sein Wort bereits eingelöst hat. „Jesus“ heißt dieses Wort, mit dem sein Versprechen für dich in Erfüllung gegangen ist. Bist du bereit, es zu hören und dich darauf zu verlassen?.
     David hat sich darauf verlassen und hat unmittelbar vor unserer heutigen Losung zu Gott gesagt:»Sammle meine Tränen in deinen Krug; ohne Zweifel, du zählst sie. Das weiß ich, dass du mein Gott bist. Auf dich hoffe ich und fürchte mich nicht.« (Psalm 56,10)
     Was für ein schönes Bild! Gott kommt zu den Traurigen und sammelt ihre Tränen. Keine Träne soll umsonst geweint sein. Kein Kummer soll vergeblich gewesen sein. Er hat sie alle gesammelt und sammelt sie noch, die Tränen deiner Kindheit und Jugendzeit, die heimlichen und verstohlenen Tränen, die du als Erwachsener weinst. Jede einzelne ist gezählt! Er allein weiß, warum du sie geweint hast. Und er wäre nicht unser warmherziger Gott, wenn ihn das nicht berühren würde. Wenn er nicht auch das eine oder andere Mal mit dir zusammen weinen würde über deinen Kummer und dein Leid. Wie auch Jesus geweint hat um uns Menschen und das, was uns erschüttert und was wir uns selbst und einander antun.
     Doch dabei bleibt es nicht. Wie Jesus bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelt, so verwandelt der dreieinige Gott das Wasser der Tränen in den Wein des Trostes. Aus dem Tränenkrug wird das "Herzkrüglein", von dem mitten im 30jährigen Krieg Johann Heermann gedichtet hat:
.....
Du (Jesus Christus) bist die lebendige Quelle, 
zu dir ich mein Herzkrüglein stelle.
Lass mit Trost es fließen voll,
so wird meiner Seele wohl.
     Alte Worte aus alter Zeit. Und doch berühren sie auch heute noch den, der ihnen nachlauscht und sie in sich nachklingen lässt. Ich glaube, auch die Worte der Bibel wären längst nur noch jenen bekannt, die sich für antike Schriften interessieren, wenn sie nicht das wären, was Jesus sagt: „Geist und Leben“ (Lehrtext). Sie bewegen heute noch die Herzen vieler Menschen, weil sie die Kraft haben zu trösten und aufzurichten.

Gebet: Herr, dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet (Psalm 119,105). Es ist wie der Morgenstern, der den Tag ankündigt, obwohl es noch finster ist. So schenkst du mir neuen Lebensmut. Darüber freue ich mich und darauf verlasse ich mich. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Samstag, 16. September 2017

Wie wir beten können hl

LosungSei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein. Prediger 5,1 

LehrtextHerr, lehre uns beten. Lukas 11,1 

Liebe Leserin, lieber Leser,

betest du? Betest du auch frei oder sprichst du immer wieder dieselben Gebete, die du mal als Kind gelernt hast? 
     Ich habe mitbekommen, dass sich mehr Menschen als man denkt nicht frei zu beten trauen. Sie wissen nicht, wie das geht. Sie haben Angst, nicht die richtigen Worte zu finden. Sie schämen sich deswegen vor Gott. Und wenn sie dann überhaupt beten, sprechen sie solche Gebete wie „Breit aus die Flügel beide, o Jesu meine Freude“ oder „Müde bin ich geh zur ruh, schließe meine Augen zu“ oder auch das Vaterunser... 
     Gegen solche Gebete ist nichts einzuwenden. Habe ich sie doch selbst lange Zeit gebetet. Aber dabei läufst du Gefahr, dass du sie bald nur noch mechanisch abspulst und gar nicht mehr weißt, was genau du eigentlich betest. Und dann versäumst du, dass Gott bereits etwas zu deinen Gunsten tut, während du ihn noch darum bittest.
     Darum möchte ich dir Mut machen, mit deinen eigenen Worten zu beten und Gott das zu sagen, was du auf dem Herzen hast: Deinen Dank für das, was in deinem Leben gut ist und deine Bitten für das, was dir wichtig ist. Fang einfach damit an. Auch wenn du stecken bleibst, dich versprichst oder stammelst – Gott ist nicht dein Deutschlehrer, sondern dein Vater. Er freut sich über jedes deiner Gebete. Und sei beim Beten bloß nicht zu bescheiden! Geh groß ran. Bitte gegebenenfalls auch für das, was im Augenblick noch unmöglich scheint. Gott freut sich auch darüber, wenn du ihm Großes, ja Unmögliches zutraust.
     Was von der heutigen Losung ist mir nur der letzte Satz wichtig. In einer neuen Übersetzung heißt sie: »Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde – also sei sparsam mit deinen Worten!« Ja, beim Beten muss man nicht viele Worte machen. Jesus sagt, dass Gott sowieso schon weiß, was man braucht. Deshalb genügt es ihm zufolge, dass man so lange und so viel betet wie ein Vaterunser (Lehrtext). 
     Doch nicht einverstanden bin ich damit, dass man erst nachdenken soll, bevor man betet. Natürlich soll man mit Herz und Hirn beten. Soll klar werden, worum man bittet, wofür man sich bedankt. Und je genauer ich sagen kann, was ich von Gott will, desto besser kann er darauf eingehen. Doch bevor man vor lauter Nachdenken überhaupt nicht zum Beten kommt, ist es besser, einfach mal anzufangen. Ich habe die gleiche Erfahrung wie der Apostel Paulus gemacht, wenn er im Brief an die Römer schreibt: »(Manchmal) wissen wir nicht, wie wir beten sollen, damit es Gott gefällt! Deshalb tritt Gottes Geist für uns ein.« (Römer 8,26) Ja, manchmal muss mir Gott selbst noch beim Beten helfen. Und er tut es dann auch.

Gebet: Herr, wenn einer weiß, was ich brauche und was mir gut tut, dann du. Darum wende ich mich mit meinen Anliegen auch an dich. Ich müsste das nicht, weil du sowieso für mich da bist. Aber wenn ich bete, fühle ich mich dir besonders nahe. Dann wird mir klar, was genau ich von dir will und welchen Beitrag ich selbst dazu leisten kann. Du hast es nicht nötig, dass ich zu dir bete. Du brauchst auch mein Lob und meinen Dank nicht. Aber ich. Denn meine Gebete sind wie Inseln im Strom der Zeit, wo ich mich ausruhen kann und darauf besinnen, wie es weitergeht. Wo ich mich vergewissere, dass ich nicht allein unterwegs bin, sondern du mich begleitest. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 15. September 2017

Sprudelnde Quelle, leises Klopfen hl

LosungVersiegen die laufenden Wasser aus sprudelnden Quellen? Mein Volk jedoch hat mich vergessen. Jeremia 18,14-15 

LehrtextSiehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer immer auf meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich einkehren und das Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir. Offenbarung 3,20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist ein Christ? 
Eine Quelle ist eine Quelle, wenn Wasser aus ihr hervorquillt. Manche Quellen sprudeln seit Menschengedenken. Andere versiegen in trockenen Zeiten, manchmal für immer. Dann sind sie keine Quellen mehr.
Ein Christ ist ein Christ, wenn aus ihm Vertrauen zu Gott quillt, der ihm in Jesus begegnet. Ein Papier, eine Computerdatei, eine Konfession macht einen Menschen zu einem Kirchenmitglied. Aber erst sein lebendiger Glaube, sein Gottvertrauen macht ihn zu einem Christen. 
Ein Mensch ist ein Christ, wenn er sich von Gott geliebt, gesegnet und behütet weiß und anderen als ein solcher begegnet: freundlich, hilfsbereit, zuvorkommend. Wenn er das, was andere ihm Gutes tun sollen, ihnen zuerst tut.
Ein Christ ist ein Mensch mit Schwächen, der in seinem Christsein immer wieder einmal versagt und sich das auch eingesteht. Der deshalb aber nicht verzweifelt, sondern aus Gottes Vergebung lebt und neu anfängt.
Ein Mensch ist kein Christ mehr, wenn sein Gottvertrauen und sein Glaube versiegen und im Sand der Zeit versickern.
Aber er bleibt ein Kind Gottes, von ihm geschaffen, von ihm geliebt, von ihm gefunden. Denn Gottes Liebe hängt nicht von meiner Glaubenskraft ab. 
Gottes Geschöpfe bleiben seine Geschöpfe. Gottes Volk bleibt sein Volk (Losung). Ich bleibe sein Kind, sein Sohn, und du auch. 
Denn Gottes Treue bleibt Gottes Treue.
Doch er drängt sich mir nicht auf. Er klopft an die Tür meines Herzens. Er sagt: „Ich bin's!“
Ich rege mich über etwas schrecklich auf. Er klopft.
Ich habe Angst. Er klopft.
Ich bin im Stress. Er klopft.
Ich habe Kummer. Er klopft.
Ich benehme mich daneben. Er klopft...
Ich überhöre sein Klopfen. Immer wieder. Bin zu beschäftigt mit mir selbst. Höre zu viel auf den "Lärm der Welt". Und dann höre ich es doch. Nicht immer. Viel zu selten. Aber ab und zu. Und ich höre, wie er sagt: „Ich bin's. Mach auf! Was nimmst du dir das alles so zu Herzen? Ich bin doch da und helfe dir.”
Wer ist ein Christ? Wer nicht alles mit sich allein ausmachen muss, sondern darauf vertraut, dass Gott da ist.“

Gebet: Herr, du bist die Quelle allen Lebens. Die Quelle meines Lebens und meines Glaubens. Aus dir, von dir, mit dir und in dir lebe ich. Manchmal dürste ich nach Trost wie in der Wüste nach Wasser, dürste nach Lebensmut und Zuversicht. Manchmal suche ich danach an den falschen Quellen, deren Wasser ungesund sind und versiegen. Aber sobald ich dich wieder höre, lebe ich auf. Amen

Herzliche Grüße  

Hans Löhr

Donnerstag, 14. September 2017

Er hat das letzte Wort hl

LosungMeine Zeit steht in deinen Händen. Psalm 31,16 

LehrtextLasst uns wachen und nüchtern sein. 1.Thessalonicher 5,6 

Liebe Leserin, lieber Leser,

meine Zeit und alle Zeit – wer hat sie in der Hand? Wer hat darüber bestimmt, wann sie begonnen hat und wer wird darüber bestimmen, wann sie endet?
     Es beruhigt mich in einer Zeit, da, wie in Nordkorea, wieder Atombomben getestet werden, dass nicht der dortige Diktator Kim Jong-un über mein Leben bestimmt, auch nicht über die Zukunft des Lebens auf der Erde. Auch der amerikanische oder russische Präsident bestimmt nicht darüber. Gott, der auch die Zeit geschaffen hat, bestimmt darüber - allein. Er ist der Souverän in Zeit und Ewigkeit.
     Wann immer ein Mensch, ein Politiker, ein Arzt, ein Nachbar oder du selbst sagst, dass es vorbei ist mit dir, mit dieser Welt, womit auch immer, bedenke: Erst wenn Gott sagt, dass es vorbei ist, ist es vorbei. Er hat das letzte Wort.
Ich kann das nicht beweisen, nur glauben. Aber was heißt da schon „nur“? Was für eine Chance, dass ich das glauben kann! Das ist das beste „Heilmittel“ gegen Panik und Hysterie. 
     Nein, ich muss aus Angst vor dem Ende nicht meinen Kopf in den Sand stecken, um nichts mehr mitzubekommen. Muss mich nicht betäuben mit medialer Dauerberieselung, Alkohol, Aktivismus und wie die modernen Drogen alle heißen. Muss nicht meine ohnmächtige Wut hinausbrüllen, meinen Hass in Internetforen ausscheiden und Andersdenkende beschuldigen, nur weil ich mit meinem Leben nicht zurechtkomme. 
     Ich kann in alledem wachsam, nüchtern (Lehrtext) und gelassen sein, weil ich nicht selbst alles im Griff haben muss, sondern in Gottes Hand bin. So kann ich jetzt an meinem Ort und im Rahmen meiner Möglichkeiten für eine lebenswerte Welt tun, was ich für richtig halte auch wenn ich nicht viel bewegen kann. Manches muss man um seiner selbst willen tun, unabhängig vom Erfolg.     

Gebet

Der du die Zeit in Händen hast,
Herr, nimm auch dieses Tages Last
und wandle sie in Segen.
Nun von dir selbst in Jesus Christ
die Mitte fest gewiesen ist,
führ uns dem Ziel entgegen.

Der du allein der Ewge heißt
und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
bleib du uns gnädig zugewandt
und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten. (Jochen Klepper)

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Mittwoch, 13. September 2017

Geh deinen Weg! hl

LosungDer HERR spricht: Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Psalm 32,8 

LehrtextJesus spricht: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Johannes 8,31-32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Navigationsprogramm „Maps“ auf meinem Smartphone führt mich auf schnellstem Weg ans Ziel. Das ist praktisch, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Wenn ich Motorrad fahre, möchte ich natürlich auch ans Ziel kommen, aber unterwegs auch etwas sehen und erleben. Deswegen lasse ich mir da mehr Zeit und fahre winzige Straßen in abgelegenen Gegenden. Auch dafür habe ich ein Navigationsprogramm.
     Gottes Navi für mich finde ich in der Bibel, zum Beispiel meinen Konfirmationsspruch: „Herr, wohin sollen wir gehen? Deine Worte bringen das ewige Leben. Wir glauben und wissen, dass du der bist, in dem Gott uns begegnet.« (Johannes 6,68+69) Das ist kein Wort für den schnellsten Weg, sondern gerade auch für manchen Umweg und Irrweg in meinem Leben, wenn ich mich wieder neu orientieren muss. Ich möchte auch gar nicht, dass mein Leben eine Autobahn ist ,auf der ich vom Start bis zum Ziel durchrase. Ich finde es auch nicht schlimm, dass ich manchen Umweg gehen musste und dass sich mancher Weg als Holzweg herausgestellt hat. Gerade auf solchen Abschnitten habe ich dazugelernt und wertvolle Erfahrungen gemacht.
     Der Weg auf dem ich unterwegs war und bin hat einen Namen. Er heißt nicht "Route 66", nicht A8 und nicht "Tour des Grandes Alpes".  Der, von dem es in meinem Konfirmationsspruch heißt, dass mir in ihm Gott begegnet, der sagt von sich: „Ich bin der Weg“ (Johannes 14,6) Und wenn ich den Namen „Jesus“ zusätzlich ins Deutsche übersetzte, dann bin ich auf dem „Gott hilft!“-Weg unterwegs.
     Damit man mich nicht falsch versteht, ich gehe nicht auf diesem Weg, weil ich so fromm wäre und mich ständig nach den Verbotsschildern richten würde, von denen man meint, dass sie dort aufgestellt wären. Nein, das tue ich nicht. Mein Weg, oder „My Way“ wie Frank Sinatra singt, das ist meine ganz persönliche Art und Weise zu leben mit allen Vor- und Nachteilen, mit dem, was schön ist und mit dem, was schwer ist, mit manchen Risiken und manchen Überraschungen. Auf diesem Weg habe ich Freunde gefunden und wieder verloren, Menschen erfreut und verletzt, habe mir die eine oder andere blutige Nase geholt, aber wurde deswegen auch gemocht. Auf diesem Weg bin ich manchmal gestolpert und hingefallen und wieder aufgestanden. 
     Aber immer ging es irgendwie weiter, weil mein Weg diesen Namen hat: „Jesus – Gott hilft“. Wenn es finster wurde, war er bei mir (Psalm 23, 4). Wenn ich mich verlaufen hatte, ging er mir nach und brachte mich wieder zurück (Lukas 15,4-7). Wenn ich am Ende war mit meiner Kraft, hat er mich wieder gestärkt und mir neuen Lebensmut eingeflößt (1. Buch der Könige 19,4-8). So habe ich es erlebt. Und darum will ich in diesem Gottvertrauen meinen Weg weitergehen bis es einmal heißen wird: „Hans, jetzt ist es genug. Jetzt bist du am Ziel.“ 
     Du gehst einen anderen Weg als ich. Aber dein Weg hat denselben Namen. Es kommt nicht darauf an, den einfachsten und schnellsten Weg zu finden, sondern den, auf dem du einen Weggefährten hast und auf dem du die Wahrheit erfährst über dich und dein Leben (Lehrtext), nämlich dass du als sein Jünger frei bist mit ihm zu gehen, wohin du willst. Geh deinen Weg, gehe ihn in Gottes Namen!

Gebet
Wo ich auch stehe, du warst schon da.
Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah.
Was ich auch denke, du weißt es schon.
Was ich auch fühle, du wirst verstehn.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und darum (!!!) liebst.
Und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst.
Herr, du richtest mich wieder auf,
und du hebst mich zu dir hinauf.
Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.


Herzliche Grüße 

Hans Löhr 

Dienstag, 12. September 2017

Worte, die gut tun hl

LosungFürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43,1 

LehrtextGottes Hilfe habe ich erfahren bis zum heutigen Tag. Apostelgeschichte 26,22 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die heutige Losung gehört zu meinen Goldenen Worten der Bibel. Sie macht mir Mut, tröstet und stärkt mein Gottvertrauen.
     Nun könnte jemand sagen: „Das sind doch bloß Worte. Woher willst du denn wissen, dass das stimmt?“ Ich will ihm antworten: „Ich weiß das daher, besser ich spüre, dass das stimmt, weil mir diese Worte gut tun. Sie lassen mich nicht kalt. Sie berühren mich und wenn ich sie höre, fühle ich mich bei Gott geborgen.
     Aber dass diese Worte stimmen, weiß ich noch aus einem anderen Grund. Ich weiß, dass für mich stimmt, was im Lehrtext steht. Ja, bis zum heutigen Tag habe ich Gottes Hilfe erfahren, sonst gäbe es mich schon längst nicht mehr. Erst vor ein paar Stunden kam mir in einer Kurve ein Auto auf meiner Fahrspur entgegen. Das war vielleicht knapp. Offenbar hatte der Fahrer auf sein Handy geschaut. Ich bin heftig erschrocken und hab ihn erst mit einem bösen Wort bedacht und dann meinen Dank zum Himmel geschickt. Gott ist ja nicht nur mein Schöpfer. Er ist, wie die Bibel sagt, auch mein Hirte, der mich begleitet und bewahrt. Das gibt mir Sicherheit und macht mich dankbar.
     Natürlich erlebe ich wie jeder andere Mensch auch schwierige Zeiten. Gerade in ihnen stärkt mich ein Bibelwort wie die heutige Losung. Gerade in solchen Zeiten lerne ich etwas über Gott und über mich und  wächst mein Glaube. Es sind Zeiten zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Zuversicht und Verzweiflung, zwischen Angst und Vertrauen. Doch wenn mein Leben wieder in ruhigeres Fahrwasser gerät, habe ich neue Erfahrungen gewonnen, auf die ich dann nicht mehr verzichten möchte.

Gebet: Herr, wie gut tut es mir zu lesen, dass ich dir gehöre und nicht irgendeiner anderen Macht, auch nicht dem Zufall oder ausschließlich mir selbst. Wie gut tut es mir zu lesen, dass du mich persönlich kennst und kein anonymes Schicksal bist. Vom ersten Augenblick meines Lebens an hältst du deine schützende und segnende Hand über mich. Du wirst das auch weiterhin tun. Amen

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Montag, 11. September 2017

Wer ist ein Gott wie du? hl

Losung: Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Micha 7,18

Lehrtext: Gott hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. Kolosser 2,14

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wer ist ein Gott wie du, der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt?“ – So spricht verwundert der Prophet Micha angesichts des Versagens seines Volkes und auch seines eigenen Versagens vor dem Heiligen Gott. Aber was für eine Art Versagen, was für eine Sünde ist es denn, von der in der Bibel die Rede ist und die Gott vergibt?      Ich könnte jetzt viele Sünden aufzählen, zum Beispiel die Missachtung der Zehn Gebote und vor allem die Missachtung des Liebesgebotes von Jesus, wenn er sagt: »›Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.‹ Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber ein zweites: ›Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.‹« Aber ich will anhand eines einfachen Beispiels einmal grundsätzlich darüber nachdenken, worum es dabei geht:     Mit Gottes Vergebung verhält es sich so, wie wenn ein Kind an der Hand seines Vaters an einem Bach entlang geht, sich losreißt und ins Wasser fällt. Der Vater rettete sein Kind, zieht es heraus und sagt ihm eindringlich, dass es nicht zu nah an den Bach gehen darf, weil das gefährlich ist. Die beiden gehen weiter, und es passiert das gleiche. Wieder gehen sie weiter, und wieder passiert das gleiche. Und wieder und wieder und wieder.     Und was genau passiert? Ich trenne mich von Gott (=Sünde), mache eigen-sinnig Dinge, die seinen Geboten zuwiderlaufen. Das hat zur Folge, dass ich mich in Gefahr bringe und leide. Aber Gott überlässt mich nicht mir selbst, sondern rettet mich wieder und wieder ohne mir mein Fehlverhalten, meine Dummnheit nachzutragen. Er vergibt, um das gestörte Verhältnis zwischen ihm und mir wieder ins Lot zu bringen. Er rettet mich, weil er mich liebt und nicht verlieren will. Und er tut das nicht nur einmal, sondern siebzigmal siebenmal (Matthäus 18,22), also immer. Dieser Gott begegnet mir in Jesus und nur in ihm. Er ist einzigartig und unvergleichlich:

Gebet:
Du hast Erbarmen und zertrittst all meine Schuld
Du hilfst mir auf in deiner Treue und Geduld
Du nimmst mir meine Last, nichts ist für dich zu schwer
Du wirfst all meine Sünde tief hinab ins Meer
Wer ist ein Gott wie du
Der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt
Wer ist ein Gott wie du
Nicht für immer bleibt dein Zorn bestehn,
denn du liebst es gnädig zu sein. (Albert Frey)

Aber, liebe Leserin, lieber Leser, was geschieht, wenn ich nicht auf ihn hören und mich auch nicht von ihm retten lassen will? Wenn mir die Gottes- und Nächstenliebe egal sind? Wenn es mir nur um mich geht, um meine Bedürfnisse und Interessen, um meine Gier und meinen Egoismus? Gott vergibt mir meine Sünden. Das stimmt. Aber mit den Folgen meines Fehlverhaltens, meiner Dummheit muss ich leben.

Herzliche Grüße
Hans Löhr

Sonntag, 10. September 2017

Negativer und positiver Glaube (Predigt) hl

Predigt von Hans Löhr am 13. Sonntag nach Trinitatis in Weidenbach 

Liebe Gemeinde,

in drei Monaten und zwei Wochen ist Weihnachten. Der Handel hat sich darauf schon eingestellt. In den Supermärkten kann man be lls ja, wird er wohl noch in irgendeiner Weihnachtskiste auf dem Dachboden verpackt sein. In meiner Kindheit hatten wir sozusagen als Christbaumspitze einen Rauschgoldengel vom Nürnberger Christkindlesmarkt. Als den meine Eltern gekauft haben, war ich total fasziniert. Umso größer war die Enttäuschung, als ich ihn näher untersuchte. Er hatte nur einen schönen Wachskopf und ein goldenes Papierkleid. Doch unter dem Kleid war nichts, gar nichts...
Heute haben wir einen Weihnachtsengel für die Krippe. Ich befestige ihn jedes Jahr am Krippengiebel, sodass er über der ganzen Weihnachtsszene mit Maria, Josef und dem Kind, den drei Königen und den Hirten schwebt.
Aber warum braucht es denn überhaupt einen Weihnachtsengel sei es als Rauschgoldengel oder als Krippenfigur? Darauf gibt es nur eine einzige Antwort, nämlich den Satz aus dem Weihnachtsevangelium, wo es heißt:
»Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr.« (Lukas 2,9-11)
Der Weihnachtsengel soll also nicht nur ein dekorativer Schmuck sein. Er hat uns etwas zu sagen, nämlich jenen Satz. Und daran sollten wir im Idealfall denken, wenn wir ihn am Christbaum oder in der Krippe sehen.
Weißt du jetzt noch, mit welchen Worten der Engel seine Botschaft einleitet? Er sagt „Fürchtet euch nicht!“ Was du aber bestimmt nicht weißt, ist, wie oft denn dieser Satz „Fürchtet euch nicht bzw. fürchte dich nicht!“ in der Bibel vorkommt. Ich musste auch erst nachzählen und bin auf 120 Treffer gekommen. 120 mal heißt es da „Fürchte dich nicht!“. Das kann doch nur den Grund haben, dass sich die Menschen damals ganz schön gefürchtet haben. Doch Gott sagt zu ihnen: „Dazu habt ihr keinen Grund. Ich bin doch bei euch und helfe euch auch.“ Und was Gott zu den Menschen der Bibel sagt, das sagt er auch zu uns heute, zu mir und auch zu dir, jetzt in diesem Augenblick.
Wahrscheinlich hatten die Menschen damals ganz ähnliche Sorgen und Ängste wie wir heute. Sie hatten Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Tod, Angst vor schlimmen Krankheiten, Angst vor Krieg und Katastrophen, Angst vor Armut, vor einer Prüfung, vor bösen Mächten usw. Da hat sich bis heute nicht viel geändert.
Aber deswegen kommst du doch auch hier in den Gottesdienst, deswegen glaubst du doch auch an Gott, um hier gestärkt und getröstet zu werden, neuen Lebensmut zu schöpfen und Kraft zu bekommen für die neue Woche. Der Glaube soll uns nicht zuletzt helfen, mit unseren Ängsten fertig zu werden, um unbeschwerter leben zu können.
Aber nun ist Furcht ja auch so eine Art Glaube, ein negativer Glaube, dass etwas Schlimmes passieren könnte. Manche sind wahre Meister darin, ständig an irgendwelche bevorstehenden Katastrophen zu glauben. Und warum tun sie das? Vielleicht deshalb, um innerlich irgendwie vorbereitet zu sein, wenn sie tatsächlich eintreten. Aber dieser negative Glaube ist extrem gefährlich. Er ist so etwas wie eine schlechte Prophezeiung, die sich von selbst erfüllt. Wer immer nur Schlimmes erwartet, dem wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch Schlimmes passieren.
Eine Frau fürchtete jeden Abend, wenn sie ins Bett ging, dass ein Einbrecher unten in der Küche sei. Deshalb musste ihr Mann vor dem Einschlafen immer noch mal ins Erdgeschoss, um nachzusehen. Erst wenn er glaubhaft versichert hatte, dass kein Einbrecher da war, konnte sie schlafen. Das ging nun schon 30 Jahre so.
Eines Abends war es wieder so weit. Die Frau sagte: „Du, ich habe etwas in der Küche gehört. Bestimmt ist der Einbrecher gekommen. Etwas unwillig und schon etwas schlaftrunken tappte ihr Mann die Treppe hinunter. Als er die Küchentür öffnete, schaute er in die Mündung eines Revolvers: „Keinen Laut!“, sagte der Einbrecher. „Rücken Sie alle Wertsachen raus dann passiert ihnen nichts.“ Der Mann tat wie ihm geheißen. Als der Einbrecher seine Beute hatte, wollte er wieder verschwinden. „Halt!“, sagte der Mann, „so einfach können Sie nicht gehen. Kommen Sie erst noch mit nach oben zu meiner Frau. Die wartet schon 30 Jahre auf Sie und möchte sie kennen lernen.“
Aber leider ist das mit der Furcht nicht immer so lustig wie in dieser Geschichte. Sie ist, wie gesagt, ein negativer Glaube. Setze dagegen den positiven Glauben! Vertraue darauf, dass Jesus zurecht sagt: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Ja es stimmt, er hat diesen Satz zu Jaïrus gesagt damals vor 2000 Jahren. Aber solche Sätze stehen doch gerade deshalb in der Bibel, weil sie noch heute gelten, weil sie dir und mir gelten.
Wenn also die Furcht oder ihre Schwester, die Sorge, an deine Tür klopft und in dein Leben will, so lass deinen Glauben antworten und sagen: „Für dich ist hier kein Platz. Du bist nicht eingeladen und nicht erwünscht. Also schleich dich!“
Setze den positiven Glauben gegen die Furcht. Rüste dich mit Worten der Bibel und sage zu dir selbst: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“ (Psalm 27)
Er ist es doch, der Himmel und Erde geschaffen hat, der allmächtige Gott, den du an deiner Seite hast und der dir sagt: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ich helfe dir auch.“ (Jesaja 41,10) Genau dazu haben wir doch die Bibel, dass aus ihr Gott zu uns spricht und uns im Glauben stärkt. Lass also deine Gedanken nicht um das kreisen, was du fürchtest, sondern was Gott zu dir sagt. Denn der erste Platz, auf dem wir unseren Kampf gegen die Furcht verlieren, ist unser Kopf, sind unsere Gedanken. Darum müssen darauf achten, was wir denken. Denn das, worauf ich in Gedanken fixiert bin, lade ich in mein Leben ein und erlaube ihm, Wirklichkeit zu werden. Genauso wie du dich gedanklich in Furcht hineinsteigern kannst, sodass sie dich immer mehr besetzt, genauso kannst du deine Gedanken auch auf dein Gottvertrauen lenken und sagen: »Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal meiner Sorgen und Probleme, fürchte ich doch kein Unglück; denn du, Gott, bist bei mir und tröstest mich.«  (Psalm 23,4)
Wer in der Haltung der Furcht lebt, dem geht es wie einem, der mitten in einer kleinen Nebelbank steckt. Er sieht nicht, dass ein paar Meter vor ihm und über ihm bereits die Sonne scheint. Er sieht keinen Ausweg. Er kann sich nicht orientieren. Er ist im Nebel sozusagen gefangen. So ist es auch mit der Furcht. Sie nimmt einem Lebensfreude und Zuversicht. Sie will dir weißmachen, dass es außer ihr nichts mehr in deinem Leben gibt. Aber der Glaube hilft dir, dass du nicht in der Haltung der Furcht gefangen bleibst. Gott macht dein Leben wieder hell und freundlich und sagt: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“

Liebe Freunde, in drei Monaten und zwei Wochen ist Weihnachten. Wenn dann die Feiertage wieder vorbei sind, so packe doch dieses Mal den Weihnachtsengel nicht weg. Lass ihn in deiner Wohnung. Gib ihm einen schönen Platz und denke, sooft du ihn siehst, daran, was er dir sagt. Und wenn dir eine kleine Gedankenstütze hilft, dann leg einen Zettel daneben, auf dem steht: »Fürchte dich nicht, ich verkündige dir große Freude. Für dich ist der Heiland geboren, Jesus Christus, dein Retter und Herr.« Amen

Samstag, 9. September 2017

Von Eigensinn und Feuer hl

LosungSo schau nun vom Himmel und sieh herab von deiner heiligen, herrlichen Wohnung! Wo ist nun dein Eifer und deine Macht? Jesaja 63,15 

LehrtextJesus spricht: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte! Aber ich muss mich taufen lassen mit einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie vollendet ist! Lukas 12,49-50 

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich will den Bibelabschnitt, in dem das heutige Losungswort steht, mal in die Gegenwart übertragen als das Gebet eines Einzelnen, der in eine selbstverschuldete Notlage geraten ist. Dann liest es sich etwa so:  

Gebet: »Herr, schau doch herab vom Himmel! Warum setzt du dich nicht mehr mit ganzer Kraft für mich ein? Warum hältst du dich zurück? Schlägt dein Herz nicht mehr für mich? Ist deine Liebe erloschen? Du bist doch mein Vater und Helfer! Das war doch auch früher so. Warum lässt du mich vom richtigen Weg abirren? Warum hast du mich so eigensinnig werden lassen, dass ich keine Ehrfurcht mehr vor dir habe? Bitte, wende dich mir wieder zu! Ich bin doch immer noch der Mensch, der dir gehört.« (vgl. Jesaja 63 15-17)

So ähnlich kann ich auch heute noch beten und sollte es auch tun. Sollte mir meine Gottvergessenheit eingestehen und ihn an seine Liebe erinnern und daran, dass er mein Vater ist, wenn ich seine Nähe nicht mehr spüre. Schließlich habe ich doch keine Alternative. An wen sonst sollte ich mich denn wenden? Wer sonst könnte mir denn helfen?

Der Lehrtext gehört für mich zu den schwierigsten Worten von Jesus. Er sagt unmissverständlich, dass sich am Glauben an ihn die Geister scheiden werden. Bis in die Familien hinein wird es seinetwegen Streit geben, heißt es im Anschluss an das heutige Bibelwort. Denn er ist, wenn man ihn ernst nimmt, kein Trostpflaster, sondern selbst das lodernde Feuer, in dem alles religiöse Getue verbrennt und nur noch das Gold des Glaubens übrig bleibt. Dass es sich so verhält, darunter leidet er am meisten. Denn wer ist schon gern Feuer? Wer ist schon gern Anlass zu Streit? Wer will schon, dass man ihm aus dem Weg geht oder aus dem Weg räumt, weil er radikal und kompromisslos ist? 
Und wo brennt dieses Feuer heute? In wem? Ich sehe viel Asche. Ob darunter noch Glut ist?

Herzliche Grüße 

Hans Löhr

Freitag, 8. September 2017

Hinter welchem Busch versteckst du dich? hl

LosungAdam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN. 1.Mose 3,8 

LehrtextSelig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Matthäus 5,8 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Adam und Eva, Kain und Abel – das sind in der Bibel die Repräsentanten, die Stellvertreter für alle Menschen. Auch für dich und für mich. Was von ihnen gesagt ist, ist von uns allen gesagt, dass wir Gottes Geschöpfe und gesegnet sind, dass wir unsere Würde von ihm haben, weil wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind, dass er uns versorgt und beschützt. Aber auch, dass wir versagen, die Schuld auf andere schieben, lügen, uns schämen, neidisch sind, Gottes Gebot missachten und uns verstecken. 
     Adam und Eva haben sich hinter einem Busch im Garten Eden (=Paradies) versteckt, um der Wahrheit über sich und ihr Verhalten nicht ins Auge, in Gottes Auge sehen zu müssen. Wo ist dein Busch? Wohinter versteckst du dich? Hinter Konsum, Schminke, Alkohol, Tabletten, Arbeitswut, Hobbies, Social Media, Fitness, Büchern, Fernsehserien, Youtube-Videos, Rastlosigkeit, Erfolg, Besitz, Statussymbolen, Klamotten...?
     Nichts von allem ist grundsätzlich schlecht. Die Frage ist nur, wozu das, was ich mache, wirklich dient. Tue ich das, weil es mir Freude macht, mich erfüllt, mir und anderen gut tut? Oder lenke ich mit alledem von mir selbst ab, laufe von mir selbst davon, meide wichtige Fragen, die ich mir stellen müsste, gehe einer ehrlichen Bestandsaufnahme aus dem Weg? Mit einem Wort: Verstecke ich mich vor mir selbst und vor Gott?
     Vor Gott kann ich mich nicht verstecken. Er sieht mir ins Herz. Und das ist gut, weil er so weiß, was mir fehlt und wie er mir helfen kann. Aber will ich mir auch von ihm helfen lassen? Habe ich die Größe, mein Versagen einzugestehen und ihn um Vergebung zu bitten? Habe ich die Größe, auch meine Mitmenschen um Vergebung zu bitten, wo ich ihnen nicht gerecht geworden bin? Habe ich die Größe, denen zu verzeihen, die mir nicht gerecht geworden sind?
     Nein, mein Herz ist nicht rein. Zu viele widerstreitende Gefühle rauben mir den inneren Frieden. Darum bete ich mit der Bibel (Psalm 51,12):

Gebet: Schaffe in mir Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist. Amen 

Mit ihm, aber nicht ohne oder gar gegen ihn gelingt es mir, ehrlich zu mir selbst zu sein und den Weg zu prüfen, auf dem ich mich befinde. Mit ihm, aber nicht ohne oder gegen ihn gelingt es mir, das eine oder andere in meinem Leben zu korrigieren, nicht nur einmal, sondern immer wieder. Er lässt mich nicht hinter meinem Busch sitzen und versauern, sondern holt mich hervor ins Licht vor seinem Angesicht (Psalm 90,8), damit ich erkenne: Ich bin sein Kind. Ich kann frei und ohne schlechtes Gewissen, erhobenen Hauptes und voll Gottvertrauen mein Leben führen.

Herzliche Grüße 

Hans Löhr