Samstag, 18. November 2017

Licht auf der Bühne des Lebens hl

LosungDas Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesaja 9,1

LehrtextJesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. Titus 2,14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

im Theater oder in der Oper wird manchmal ein einzelner Künstler auf der Bühne besonders hervorgehoben, indem  er mit einem Scheinwerfer von oben angestrahlt wird, während alles um ihn herum dunkel bleibt. Dein „Scheinwerfer“ ist Jesus Christus, das Licht der Welt. In ihm und durch ihn leuchtet Gottes Gnade für dich, das Geschenk seiner Liebe.
Doch was hilft es dir, wenn du davon nichts weißt oder dieses Licht nicht siehst? Du brauchst „Augen des Glaubens“, damit du wie das Volk in der Losung das Licht sehen kannst, das hell über dir scheint. Doch wie bekommt man solche Augen? Bei mir sind es zwei Dinge: 
     Zum einen lasse ich mich berühren von biblischen Geschichten, insbesondere davon, was die Bibel von Jesus erzählt. Und ich lasse mich berühren von Musik, von geistlichen Liedern: von alten Chorälen aus dem Gesangbuch ebenso wie von neuen Lobpreisliedern, von der h-moll Messe von Johann Sebastian Bach und von der c-moll Messe von Wolfgang Amadeus Mozart, vom Musical "Jesus Christ Superstar", von Oratorien, Kantaten und Spirituals.
     Zum anderen bin ich irgendwann mal davon ausgegangen, dass es so ist. Dass das, was die Bibel sagt, für mich stimmt. Dass ich in jenem Licht leben und Gott, wie er sich in Jesus zeigt, mein Vertrauen schenken kann. Ich frage nicht mehr: Ist das wirklich so? Stattdessen glaube ich, dass es für mich wahr ist. Im Licht der Bibel und des Glaubens sehe ich diese Welt und mich selbst anders. Jetzt bin ich nicht mehr ein Zufallsprodukt der Evolution inmitten anderer Zufallsprodukte. Jetzt bin ich ein Geschöpf und Kind Gottes, von ihm geschaffen, gesegnet, behütet, geliebt und erlöst. Jetzt „sehe“ ich das »große Licht« aus der Losung auch über mir. 
     Manchmal sehe ich es auch nicht, wenn ich allzu sehr mit mir selbst beschäftigt bin, mit meinen Problemen und Sorgen. Aber dann glaube ich wieder, dass gerade dann sein Licht besonders hell über mir scheint. Und dieser Glaube und dieses Gottvertrauen wächst mit jedem Gebet, das ich spreche. Da bleibe ich mit meinem Gott in Kontakt und er mit mir. Da vergewissere ich mich, dass er für mich da ist.
     Im Lehrtext heißt es in einer neueren Übersetzung: »Jesus Christus hat sein Leben für uns gegeben und uns von aller Schuld befreit. So sind wir sein Volk geworden, das ihm allein gehört; dem vergeben ist und das bereit ist, von ganzem Herzen Gutes zu tun.« Irgendwannn einmal habe ich kapiert, dass es auf diese Reihenfolge ankommt. Dass er zuerst etwas für mich getan hat und ich daraufhin in der Lage bin aus Dankbarkeit Gutes zu tun. Ja, ich will mich nach ihm richten. Nicht weil ich das müsste, sondern weil es mich erfüllt.
     Es ist ein gutes Gefühl, mir bewusst zu machen, dass ich auf der Bühne des Lebens in Gottes freundliches Gnadenlicht getaucht bin. Darin will ich bleiben.

Gebet: Herr, du bist das Licht der Welt. Sei und bleibe du auch mein Licht, jetzt und in Zukunft. Zeige mir in diesem Licht deine Wahrheit und leuchte mir auf meinem Weg. Leuchte,  wenn es um mich und in mir dunkler wird bis dein großer Tag anbricht. Amen

Morgenglanz der Ewigkeit,
Licht vom unerschaffnen Lichte,
schick uns diese Morgenzeit
deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht
unsere Nacht. 

Leucht uns selbst in jener Welt
du verklärte Gnadensonne;
führ uns durch das Tränenfeld
in das Land der süßen Wonne,
da die Lust, die uns erhöht,
nie vergeht. 
(Christian Knorr von Rosenrot, 1654)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 17. November 2017

Sein sind die Lebenden und sein sind die Toten hl

LosungDeine Toten werden leben. Jesaja 26,19 

LehrtextSelig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihren Mühen. Offenbarung 14,13 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Toten, so sagt es der Prophet in der Losung, gehören Gott. Sie sind seine Toten. Ich muss mir um sie keine Sorgen machen. Ich muss nichts tun, damit sie selig werden. Sie sind geborgen in Gott. Die Lebenden, so sagt es die Bibel, gehören Gott. Sie sind die Seinen. Muss ich mir dann um mich Sorgen machen? Und was muss ich tun, um ihm zu gefallen? Nein, denn auch ich bin geborgen in Gott und du auch. Wir können unseren täglichen Aufgaben nachgehen im Vertrauen darauf, dass für uns gesorgt ist, dass auch morgen die Sonne aufgehen wird und wir Brot auf dem Tisch haben und wir mit unseren Kräften und Möglichkeiten uns die nötigen Mittel zum Leben verschaffen können. Das geht so, Tag für Tag, seitdem wir auf der Welt sind, bis wir eines Tages auch zu seinen Toten gehören, die leben werden und die ausruhen von ihren Mühen (Lehrtext).

Gebet: Gott, du bist Herr über uns Lebende und unsere Toten. Beide gehören wir dir in Zeit und Ewigkeit. Du überlässt uns nicht einer dunklen Schicksalsmacht. Du überlässt uns nicht dem Nichts. Du überlässt uns nicht uns selbst. Sondern du kümmerst dich um uns und sorgst dafür, dass wir in dir geborgen sind. Darum vertrauen wir uns dir an im Leben und im Sterben. Darum hoffen wir auf dich auch für die, die uns vorausgegangen sind und denen auch wir einmal nachfolgen werden. Du hast uns alle ins Leben gerufen. Du rufst uns auch wieder alle zu dir, wo alles begonnen hat und alles vollendet wird. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 16. November 2017

Warum mich Weihnachten tröstet hl

LosungNationen werden zu deinem Licht gehen und Könige zu deinem strahlenden Lichtglanz. Jesaja 60,3

 LehrtextEs werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. Lukas 13, 29+30

Liebe Leserin, lieber Leser,

der strahlende Lichtglanz von Jerusalem, um den es in der Losung geht, ist Gott selbst. Doch der Schöpfer von Himmel und Erde ist kein Lokal- und Nationalgott. Er ist universell, überall zugleich. Darum heißt es am Anfang des Johannesevangeliums von Jesus: »Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben.« 
     In ihm sehe ich den "strahlenden Lichtglanz" Gottes. In ihm begegnet mir Gott selbst, wo ich auch bin, ob in Sommersdorf oder Jerusalem, in San Francisco oder Timbuktu, in Murmansk oder in Kapstadt. Bei seiner Geburt, so erzählt es die Weihnachtsgeschichte, nahmen ihn die Menschen nicht auf. Da kam er bei den Tieren zur Welt. Nicht im Königspalast, sondern im Stall. Und er lag nicht in einer goldenen Wiege, sondern in einem schäbigen Futtertrog. Und es duftete nicht nach Balsam und Weihrauch, sondern stank gottserbärmlich nach der Pisse von Ochs und Esel. Mitten in einer Mistlache stand damals die Krippe. Da kam, da kommt der strahlende Lichtglanz zu uns Menschen. 
     Zu denen zuerst, die, hungrig und zerlumpt, nicht besser leben als ihre Tiere, zu Schafhirten und Viehtreibern. Die sonst immer die Letzten sind, die auf der untersten Sprosse der sozialen Leiter stehen, die weit weg sind von Tempel und Palast, von Kirche und Politik, - die sind bei Gott plötzlich die Ersten unter allen Menschen, die Ersten, denen das Evangelium gilt: »Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch (!) große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr«. Das tröstet auch mich. Denn nun weiß ich: Ich kann nicht tiefer sinken als in sein Herz. Ich kann nicht tiefer fallen als in seine Hand. 
     Diesen Gott liebe ich, weil er mein Herz berührt. Ich würde ihn nicht lieben, wäre er zuerst der Gott der Reichen und Schönen, der Mächtigen und der Stars, der Päpste, Bischöfe und Pfarrer. Ein solcher Gott könnte mir gestohlen bleiben. Weil er sich aber zuerst der Letzten erbarmt hat, der rohen und verwahrlosten Hirten, Menschen der untersten Schublade, kann ich darauf vertrauen, dass er sich auch meiner erbarmt, dass er mich genauso wenig vergisst wie sie, was auch immer mit mir geschieht. Und auch derer, die jetzt die Ersten sind, wird er sich erbarmen. Denn hinter den schönsten Fassaden wohnen oft die ärmsten Menschen.
     Und dann werden wir einmal alle zusammen sein: Die Letzten und die Ersten, Asiaten und Europäer, Afrikaner und Amerikaner, Arme und Reiche, du und ich... Wir alle, die wir seine Einladung angenommen haben, werden an seinem Tisch sitzen und das Fest der Erlösten feiern. Und die anderen? Die auch!

Gebet
Du kannst nicht tiefer fallen
als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen
barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade
durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade
trotz aller unserer Not.

Wir sind von Gott umgeben
auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben
und sein in Ewigkeit. (Arno Pötzsch)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 15. November 2017

Was ist dein Gott? hl

LosungEuer Herz sei ungeteilt bei dem HERRN, unserm Gott. 1.Könige 8,61

LehrtextWer dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm. 1.Korinther 6,17 

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist dein Gott? Das, woran dein Herz hängt, schreibt Martin Luther in seinem Großen Katechismus. Nun, mein Herz hängt auch an meiner jüngsten Enkeltochter. Deshalb ist sie aber nicht mein Gott. Darum möchte ich sagen: ‚Mein Gott ist, worauf ich bedingungslos und ganz und gar vertraue.‘ Das kann schon mal nicht sein, was in dieser Welt und Zeit ist und genauso unvollkommen und vergänglich wie ich es bin. Das kann kein anderer Mensch sein und nicht Geld und Besitz und erst recht nicht ich selbst. Zu alledem kann ich nur ein begrenztes Vertrauen haben. 
     Also ist doch Gott mein Gott? Ja schon. Aber vertraue ich ihm wirklich bedingungslos? Vertraue ich ihm ganz und gar? Ich bin mir da nicht so sicher. Ich weiß doch, dass ich kein so großer Glaubensheld bin. Im Augenblick - ja da kann ich sagen „mein Herz hängt an ihm“. Das kostet mich nichts. Deswegen werde ich nicht verfolgt oder anderweitig benachteiligt. Und außerdem geht's mir zur Zeit ganz gut, da kann ich freilich uneingeschränkt sagen „ich hänge an ihm“. Aber wenn sich die Zeiten ändern? Wenn die Winde rauer wehen, mir ins Gesicht?
     Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht auf ein stolzes Bekenntnis zu Gott festnageln lassen. Aber er hat sich in Jesus zu mir bekannt und sich darauf festnageln lassen im wahrsten Sinn des Wortes. Er hat sein Herz ungeteilt bei mir (vergleiche Losung). Er hängt an mir mehr noch als ich an meinen Kindern. Doch er ist nicht eines Geistes mit mir (vergleiche Lehrtext). Sein Geist ist nicht wankelmütig, sondern treu. Sein Geist wird nicht getrübt durch Enttäuschung, Zorn oder Schuld. Sein Geist ist hell und klar:

Gebet:
Du bist ein Geist der Freuden,
Von Trauern hältst du nichts,
Erleuchtest uns im Leiden
Mit deines Trostes Licht.
Ach ja, wie manches Mal
Hast du mit süßen Worten
Mir aufgetan die Pforten
Zum goldnen Freudensaal.

Du bist ein Geist der Liebe,
Ein Freund der Freundlichkeit,
Willst nicht, dass uns betrübe
Zorn, Zank, Hass, Neid und Streit.
Der Feindschaft bist du feind,
Willst, dass durch Liebesflammen
Sich wieder tun zusammen,
Die voller Zwietracht seind. (Paul Gerhardt, 1653)

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Martin Luther hat es so gesagt: »Einen Gott haben«, so schreibt er zum ersten Gebot, »heißet etwas haben, darauf das Herz gänzlich vertraut.« Denn dieses «Gebot fordert: das ganze Herz des Menschen und alle Zuversicht auf Gott allein zu setzen und auf niemand anders.«

Dienstag, 14. November 2017

Von Sternguckern, Galaxien und Wahrheit hl

LosungEs sollen hertreten und dir helfen die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt. Jesaja 47,13-14 

LehrtextIch habe keine größere Freude als die, zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln. 3.Johannes 1,4 

Liebe Leserin, lieber Leser,

bist du neugierig? Kannst das ruhig zugeben. Ist erstmal nichts Schlechtes. Die Neugier treibt uns Menschen seit vielen Jahrtausenden an, die Welt zu erforschen, unser Wissen zu erweitern und neue Möglichkeiten zu erschließen. So weit, so gut. Zur Neugier gehört auch, wissen zu wollen, was die Zukunft bringt. Auch das ist verständlich. Aber problematisch wird es, wenn wir dabei in die Esoterik abgleiten. Das jedenfalls sagt das heutige Losungswort. Denn Astrologie im Sinne von Wahrsagerei [nicht zu verwechseln mit Astronomie, der Wissenschaft vom Universum] bringt nichts, höchstens den Sternguckern, die daran verdienen. 
     Aber was sollen die circa 300 Milliarden (!) Sterne allein in unserer Milchstraße (1) , diese glühenden Gasbälle mir schon sagen? Und was die Sterne in den mehr als eine Billion beobachtbaren Galaxien im Universum, ganz zu schweigen von den zusätzlich 90 Prozent Galaxien, die nicht beobachtbar sind? Unsere Zukunft, sagt die Bibel, ist Gott. Er hat mir etwas zu sagen. Er ist der Herr über Zeit und Ewigkeit. In seiner Hand steht auch meine Lebenszeit.
     Wahrheit statt Wahrsagerei - darum geht es im Lehrtext. Die Wahrheit über Gott und die Welt und damit auch über mich erfahre ich durch Jesus Christus. Er, so sagt es das Evangelium, ist diese Wahrheit. Er hat nicht große Sprüche gemacht, sondern uns Menschen Gottes Liebe gebracht und dafür sein Leben gegeben. Denn wahr ist nur, was in Liebe geschieht. Alles andere ist wirklich. In dieser Wahrheit kann ich unter, genauer, in seinem Sternenhimmel leben (wandeln) und du auch.  

Gebet: Herr, was sein wird - du allein weißt es. Ich aber lebe jetzt. Und jetzt will ich dir vertrauen. Jetzt deine Freundlichkeit weitergeben so gut ich kann und dich damit ehren. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

(1) "Milchstraße" ist der Name unserer spiralförmigen Heimat-Galaxie. Eine Galaxie ist eine durch die Schwerkraft gebundene Ansammlung von Sternen (= Sonnen) und ihren Planeten sowie von Gasnebeln. 

Unsere Sonne ist ein mittelgroßer Stern. Für einen Umlauf um das Zentrum der Milchstraßen-Galaxis benötigt sie 220 bis 240 Millionen Jahre bei einer Geschwindigkeit von 961.200 km/h. Während du diese Zeilen liest, rast du also mit der Erde mit einer Geschwindigkeit von 108000 km/h um die Sonne und mit der Sonne mit fast einer Million Stundenkilometern durch die Milchstraße und mit der Milchstraße im Supercluster der lokalen Gruppe mit zwei Millionen Kilometern pro Stunde durch das Universum. Suchst du schon mal den Sicherheitsgurt?

Montag, 13. November 2017

Beten mit der Badewanne hl

LosungDie Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! Psalm 25,17 

LehrtextDer Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren. Philipper 4,7 

Liebe Leserin, lieber Leser,

letzte Woche in der U-Bahn fuhr die Angst mit. Man sieht sie den vielen Menschen, die da auf kleinem Raum zusammen sind, nicht unbedingt an. Die meisten schweigen, starren auf ihr Handy oder schauen ausdruckslos aus dem Fenster. Aber in jedem Wagen fahren Männer und Frauen mit, die vom Arzt eine schlechte Nachricht bekommen haben, deren Partnerschaft auf der Kippe steht oder die aus der Wohnung raus müssen. Ihr Arbeitsplatz ist nicht sicher oder sie haben mit dem Chef oder den Kollegen große Probleme. Sie machen sich Sorgen um  Angehörige oder um ihre finanzielle Situation. Und dann sind da noch die, denen der Klimawandel und seine Folgen Angst macht oder die politische Situation wie Terror und Kriegsgefahr... Auch wer an Gott glaubt, kann Angst haben wie jener Mensch in der heutigen Losung.
     Großenteils sind die Ängste berechtigt und lösen sich nicht so ohne weiteres in Luft auf. Aber ich bin ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Die beiden Bibelworte heute enthalten zwei Mittel ihnen beizukommen. 
     Das eine ist, Gott meine Angst zu sagen, möglichst genau, und ihn zu bitten, mich da herauszuholen (Losung). Und das andere, mich mit dem Wort aus dem Lehrtext segnen zu lassen, mit dem Frieden Gottes. Beide sind je eine Seite derselben Medaille, der Goldmedaille des Gottvertrauens. Um sie zu gewinnen, mache ich mir bewusst, dass Gott auch in meinen Ängsten bei mir ist. Und wie? Indem ich zum Beispiel mit der Badewanne bete.
     Normalerweise dusche ich lieber. Aber als ich neulich spät abends vom Schreibtisch aufgestanden bin, habe ich erst gemerkt, dass ich ganz ausgekühlt war. Da habe ich mir eine Badewanne eingelassen, um wieder warm zu werden. Es war einfach wunderbar, bis zum Kinn im Wasser zu liegen und zu spüren, wie die Wärme in den Körper kam. Und dann sagte ich unwillkürlich:

Gebet: Herr, wie dieses Wasser, so umgibst du mich von allen Seiten. In deiner Gegenwart kann ich mich entspannen. Deine Liebe wärmt mich und durchdringt mich und vertreibt die kalte Angst. Bleibe bei mir. In dir bin ich geborgen. Amen

Als ich dann im Bett lag, habe ich noch die wohlige Wärme des Badewassers in mir gespürt. Schnell habe ich noch mit dem Daumen ein kleines Kreuz über meinem Herzen gemacht und bin "bewahrt im Frieden Gottes(Lehrtext) eingeschlafen.

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Sonntag, 12. November 2017

Zurechtweisen, aber wie? hl

LosungDu sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst. 3.Mose 19,17

LehrtextWeist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann. 1.Thessalonicher 5,14 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mal ehrlich, möchtest du von jemandem zurechtgewiesen werden? Von deinen Eltern, deinem Partner, deinem Chef? Ich nicht. Mir gefällt das Wort „zurechtweisen“ nicht. Gut, wenn jemand der Meinung ist, aus irgendwelchem Grund mit mir unzufrieden zu sein, dann kann er ja mit mir darüber reden und sagen: „Ich verstehe nicht, warum du das und das gesagt oder getan hast“. Dann kann ich mich dazu verhalten. Aber wenn einer kommt und herumkritisiert: ‚Das hast du falsch gemacht, da hast du dich daneben benommen, du hast versagt …‘ – wenn mir jemand so kommt, mache ich zu und lass mir auch nichts sagen. Ich frage mich dann und manchmal auch ihn: ‚Wer bist du, dass du so mit mir redest? Bist du denn vollkommen? Wie steht's mit dem „Balken in deinem Auge“ (Matthäus 7,3-5) und dem Glashaus, in dem du sitzt?‘
     Andererseits ist Schweigen auch keine Lösung, wenn etwas geschieht, womit ich nicht einverstanden sein kann. Aber immer gilt der Grundsatz: „Der Ton macht die Musik“. Das gilt erst recht für denjenigen, der in der stärkeren Position ist und einen Schwächeren kritisiert. Einfach unkontrolliert losbrüllen und seinen Emotionen freien Lauf lassen, ist zumeist die schlechteste Variante. Leider platzt auch mir manchmal der Kragen, wenn meine jüngeren Kinder überhaupt nicht mehr vom Smartphone aufschauen und zuhören, wenn ich ihnen etwas zu sagen habe. Aber stolz bin ich nicht darauf. Doch wenn die Schwächeren bei den Starken und Mächtigen kein Gehör finden, haben sie meines Erachtens das Recht, auch mal richtig laut zu werden.
     Am Schluss des heutigen Lehrtextes steht, was an erster Stelle stehen sollte, wenn man sich mit jemandem auseinandersetzt: »Seid geduldig mit jedermann!« Das gilt meines Erachtens umso mehr, weil Gott doch auch mit mir geduldig war und ist. Was mir aber an der Losung gefällt, ist, dass ich mich nicht im Hass von meinem Bruder abwenden, sondern mich mit ihm auseinandersetzen soll, um zu klären, was die Beziehung stört. Und was mir am Lehrtext gefällt, ist, dass er uns Christen einen Auftrag gibt, den wir der ganzen Gesellschaft zumuten sollten: „Tragt die Schwachen!“ Wir können das nicht nur an die sozialen Einrichtungen delegieren. Jeder ist aufgerufen, ob von der Bibel oder von seinem sozialen Gewissen, dazusein und anzupacken, wenn Not am Mann und an der Frau ist. 

Gebet: Herr, von dir lasse ich mir gern etwas sagen, weil ich weiß, dass mir das zum Besten dient. Ich will nicht orientierungslos durchs Leben irren, sondern auf den Weg schauen, den du zeigst. Gib mir aber auch die nötige Geduld mit meinen Mitmenschen, weil doch auch du Geduld mit mir hast. Gib mir Kraft, sie, wenn nötig, zu tragen, weil auch du mich trägst. Gib mir die Bereitschaft, sie bei Bedarf zu trösten, weil auch du mich tröstest. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Das passende Zitat: 
»Unruhestifter zurechtweisen, Kleinmütige trösten, sich der Schwachen annehmen, Gegner widerlegen, sich vor Nachstellern hüten, Ungebildete lehren, Träge wachrütteln, Händelsucher zurückhalten, Eingebildeten den rechten Platz anweisen, Streitende besänftigen, Armen helfen, Unterdrückte befreien, Gute ermutigen, Böse ertragen und – ach – alle lieben.« Aurelius Augustinus (354-430), Bischof von Hippo

Samstag, 11. November 2017

Feuermauer hl

LosungIch selbst will, spricht der HERR, eine feurige Mauer rings um Jerusalem her sein. Sacharja 2,9

LehrtextJesus spricht: Die Pforten der Hölle sollen meine Gemeinde nicht überwältigen. Matthäus 16,18 

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 29. Mai 1453 eroberten die Muslime die christliche Stadt Konstantinopel, das heutige Istanbul. Lange hielten ihre mächtigen Mauern dem Ansturm der Türken stand. Aber dann war es die "Kerkoporta" eine kleine, vergessene Tür, durch die die Eroberer eindrangen und ein furchtbares Blutbad anrichteten. Stefan Zweig hat dieses Ereignis in seinem Buch „Sternstunden der Menschheit“ anschaulich beschrieben und daran erinnnert, wie damals das christliche Europa Konstantinopel schmählich im Stich gelassen hat.
     In der heutigen Losung sagt Gott durch den Propheten Sacharja, dass er „eine feurige Mauer rings um Jerusalem“ sein will, unüberwindbar für jeden äußeren Feind. Doch Jerusalem ist seitdem mehrfach erobert worden. Seine Mauern wurden geschleift, seine Paläste und schließlich auch der Tempel zerstört. Die Juden haben gegen den Rat des Propheten wieder Schutz hinter selbst gebauten Mauern aus Stein gesucht, die ihnen dann doch nichts geholfen haben, so wie auch die meisten Städte in früherer Zeit trotz ihrer Mauern erobert und zerstört wurden. Nicht nur Jerusalem, auch Konstantinopel, auch Rom - die ehemaligen Hauptstädte der Christenheit. Auf Gott allein wollte man sich lieber doch nicht verlassen. Und was hat's genützt?
     Ich kenne mich in militärischen Angelegenheiten nicht aus. Aber ich kenne mich einigermaßen in mir aus und weiß: Wenn ich mich in allem nur auf mich selbst verlasse, auf meinen Verstand, auf meine Kraft, auf meine Möglichkeiten, dann bin ich verlassen. Eine gewisse Zeit mag ich den Widrigkeiten des Lebens widerstehen. Aber dann? Manchmal schaue ich mit gemischten Gefühlen auf das, was in meinem Leben möglicherweise noch passieren könnte. Und dann taucht die Frage auf: Wie wird es sein, wenn ich einmal alt bin? Und wie wird das dann mit dem Sterben sein? Gut, dass ich es nicht weiß.
     Mir hilft bei alledem das Bild, dass Gott selbst eine feurige Mauer sein will. Ich bin so frei und nehme sein Versprechen persönlich. Er soll um mich eine solch unüberwindbare Mauer sein, die mich vor dem Ansturm des Bösen schützt. Und ich hoffe auch, dass er das tun wird. Wenn da nur nicht die "Kerkoporta" wäre, jene kleine vergessene Tür, durch die das Unheil in mein Herz dringen kann. Was nützt mir Gottes Feuermauer, wenn ich nicht auch auf mich selbst achte, auf die "undichte Stelle" meines Herzens, in die sich die negativen Gedanken und Gefühle einschleichen können? Vermutlich bin ich von innen mehr bedroht als von außen. Gegen andere Menschen kann ich mich wehren. Aber gegen mich selbst? Ich muss auch auf mich selbst aufpassen und dem Bösen widerstehen.
     Seiner Gemeinde gibt Jesus die  Zusage, dass „die Pforten der Hölle“, also die Macht des Todes sie nicht zerstören wird. Zu seiner Gemeinde gehören alle, die vor uns geglaubt haben, die ihm jetzt vertrauen und die das in künftigen Zeiten tun werden. In ihr sind wir vereint mit unseren Vorfahren, mit unseren Mitmenschen heute und denen, die nach uns kommen werden. Jesu Gemeinde ist mehr als jede in der Zeit existierende Kirchengemeinde. Sie ist seine Schar in Zeit und Ewigkeit, geschützt von Gott mit einer Mauer aus dem Feuer seiner Liebe. 

Gebet: Herr, sei du eine solche Mauer für mich, dass ich mich bei dir sicher und geborgen fühlen kann. Das bitte ich dich für alle, die auf dich vertrauen, für alle, die dir gehören. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Freitag, 10. November 2017

Seelische Schwerhörigkeit hl

LosungJeremia sprach: Mich jammert von Herzen, dass die Tochter meines Volks so zerschlagen ist. Ist denn keine Salbe in Gilead, oder ist kein Arzt da? Jeremia 8,21.22 

LehrtextJesus spricht: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße. Lukas 5,31-32 

Liebe Leserin, lieber Leser,

äußerlich gesehen ist in unserem Land vieles in Ordnung, jedenfalls besser, als in den meisten Völkern auf dieser Erde. Wir haben einen allgemeinen Wohlstand, niedrige Arbeitslosenzahlen und auch sonst lässt es sich für die allermeisten in Deutschland gut leben. Obwohl man fragen kann, auf wessen Kosten es uns so gut geht. Vielleicht auch auf Kosten unserer Kinder? Doch darum geht es in den heutigen Bibelworten nicht, sondern um den Arzt, der heilen kann, was krank ist.
     Der Lehrtext spricht auch nicht von einem bestimmten Volk, sondern von denen, die in Gottesferne leben und deren Seele darunter leidet, auch wenn sie das vielleicht nicht so sehen. Für die, sagt Jesus, bin ich da, für die, die mit der Kirche und dem Glauben nichts anfangen können oder damit immer wieder große Schwierigkeiten haben. Sie will ich zur Umkehr rufen, nicht zuerst in die Kirche, sondern zu mir. Durch mich sollen sie erfahren, dass Gott sie nicht verurteilt, sondern liebt. Die Gerechten und Selbstgerechten aber, die meinen, schon alles richtig zu machen, wie soll ich die erreichen?
     Ich möchte nicht so ein Selbst-Gerechter sein. Ich weiß doch, dass auch mir Jesus, der Seelenarzt, gut tut. Ich stehe nicht über den Sündern, sondern bin selber einer.

Gebet: Herr, ich bitte dich, werde nicht müde mich immer wieder zu rufen. Vielleicht musst du zuerst meine seelische Schwerhörigkeit heilen, damit ich dich hören und zu dir kommen kann. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Donnerstag, 9. November 2017

So wird man erwachsen hl

LosungDer HERR hat mich gesandt, zu verkündigen ein gnädiges Jahr des HERRN und einen Tag der Rache unsres Gottes. Jesaja 61,1.2 

LehrtextJesus spricht: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! Markus 1,15 

Liebe Leserin, lieber Leser,

hast du Angst vor Gott? Hast du Angst, er könnte mit dir ins Gericht gehen und dich bestrafen? Hast du ein schlechtes Gewissen, wenn du an ihn denkst und daran, dass nach seinen Maßstäben dein Leben manches zu wünschen übrig lässt? Dann, so behaupte ich, sind für dich Gott und Jesus Christus zweierlei. Dann könnte der eine dich mehr bedrohen als der andere dich liebt. Als Christ glaube ich nicht an Gott, wie ihn sich die Juden vorgestellt haben und noch heute vorstellen. Als Christ glaube ich, was im Neuen Testament steht, dass sich der allmächtige und unbegreifliche Gott, der Schöpfer von Himmel und Erde, in Jesus zeigt und mir nahe kommt. 
     Das konnte der Prophet Jesaja noch nicht glauben, der lange vor Jesus gelebt hatte. Er durfte für sein, in der babylonischen Gefangenschaft geschundenes Volk ein „gnädiges Jahr des Herrn“ verkündigen, die Rückkehr in die Heimat. Doch das musste aus seiner Sicht dann auch für die Feinde heißen, dass sich Gott selbst an ihnen rächen würde. (Losung) Das hatten doch auch die anderen Völker von ihren Göttern so erwartet. Aber Jesaja übersieht, dass sein Volk nicht unschuldig unterworfen und in die Verbannung deportiert worden war. 
     Die anderen Propheten sagten sehr klar, dass dies eine Strafe war dafür, dass Gott in seinem eigenen Volk keine Rolle mehr gespielt hat und sie eigenmächtig taten, was sie wollten. Die Babylonier waren für ihn nicht mehr und nicht weniger als sein Werkzeug, um das Gericht an seinem Volk zu vollstrecken.
     Aber war das wirklich so? War Gott der strenge und strafende Richter für sein Volk?

     Jesus hat so nicht gedacht, obwohl auch er allen Grund gehabt hätte, so ähnlich wie Jesaja zu reden. Er schrie nicht nach Rache an den Römern, die sein Land im eisernen Griff ihrer Militärdiktatur hatten. Er sagte stattdessen: „Schaut weniger auf die politischen Verhältnisse und mehr auf euch selbst und ändert euch. Tut Buße", wortwörtlich übersetzt: "Besinnt euch, denkt um und schlagt einen neuen Weg ein. Die Zeit hat sich geändert. Was die Vorfahren ersehnt hatten, hat sich erfüllt. Gott selbst ist nahe herbeigekommen. Das ist die gute Botschaft (Evangelium). Die sollt ihr glauben. Ihr könnt ihr vertrauen."
     Und was wäre der neue Weg, den wir einschlagen könnten? Ich kenne nur den, den Jesus uns zeigt, wenn er sagt: "Liebe Gott und deine Mitmenschen wie dich selbst. Das ist alles." Liebe statt Strafe und Rache, ja sogar Feindesliebe. Keine Schuldvorwürfe mehr gegen andere. Stattdessen Selbstbesinnung, Selbstkorrektur und unbedingtes Vertrauen, dass dieser Weg Gottes Weg ist, die "rechte Straße" (Psalm 23) auf der er mich führt.
     Puh, das ist anspruchsvoll. Denn jetzt habe ich nichts mehr, worauf ich mich hinausreden könnte. Keinen, auf den ich Schuld schieben könnte. Stattdessen muss ich selbst die komplette Verantwortung für mein Leben übernehmen, mich selbst ändern, wenn ich will, dass sich in meinem Leben etwas ändern soll. Stattdessen muss ich werden, was nur wenige sind: erwachsen.

Gebet: Herr, es ist zu einfach, die Schuld für das, was mir nicht passt oder nicht gelingt auf andere zu schieben. Aber dabei komme ich bei dir nicht weit. Du willst, dass ich als dein Sohn eigenverantwortlich lebe und mich bereitwillig für den neuen Weg entscheide, den du mir zeigst. Ich weiß, ich kann nicht von anderen erwarten, dass sie sich zu meinen Gunsten ändern, selber aber so bleiben wie ich bin. Ich bin es, der sich neu orientieren muss und die anderen so annehmen, wie sie sind. Dabei wirst du mir helfen. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Mittwoch, 8. November 2017

Auf den Schultern der Vorfahren hl

LosungHERR, gedenke doch an deinen Bund mit uns und lass ihn nicht aufhören
Jeremia 14,21 

LehrtextGott hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David, dass er Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund. Lukas 1,69.72 

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Losung heute wirst du auch in der Übersetzung Martin Luthers verstehen. Aber auch den Lehrtext mit dem "Horn des Heils"??? Deshalb bringe ich ihn hier noch einmal in einer neuen Übersetzung (HFA): »Gott hat uns einen starken Retter geschickt, einen Nachkommen seines Dieners David. Damit erweist er sich unseren Vorfahren gegenüber barmherzig und zeigt, dass er seinen heiligen Bund nicht vergessen hat.« Diese Sätze spricht Zacharias, der Vater von Johannes dem Täufer. Und er sagt sie im Blick auf Jesus.
     Wenn Gott sich unseren Vorfahren, die längst tot sind, heute barmherzig erweist, dann kann das nur heißen, dass er seine Zusagen eingehalten hat und sie nicht umsonst geglaubt und gehofft haben. Wir leben auch von ihren Gebeten. Wir stehen, auch was den Glauben angeht, auf ihren Schultern und unsere Kinder und Enkel auf unseren? Doch was wird mit ihnen sein, wenn sie nicht mehr glauben wollen oder können. Auch sie werden mit unseren heutigen Gebeten und unserem Glauben gesegnet sein. Gott hat bis zu diesem Augenblick den Treuebund nicht aufgehoben, den er schon in biblischer Zeit mit unseren Glaubensvorfahren geschlossen hatte. Er bleibt uns auch heute treu - und morgen auch unseren Nachkommen. Denn Gott ist kein wankelmütiger Mensch. Er macht seine Treue nicht abhängig von unserer Treue. Auf ihn ist Verlass zu jeder Zeit, auch jetzt und morgen noch.

Gebet: Herr ich danke dir für meine Vorfahren, durch die das Leben und der Glaube auch zu mir gekommen ist. Ich danke dir für die Gebete meiner Eltern und Großeltern, die sie für mich gesprochen haben. Und ich bitte dich, dass du durch meine Gebete auch meine Kinder und Enkelkinder segnest. Ich vertraue sie dir an. Und wenn es dir gefällt, wirst du eine Tür zu ihnen finden. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr

Dienstag, 7. November 2017

Vom Harnisch, vom Bärenfell und vom Geist der Besonnenheit hl

LosungWer den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat. 1.Könige 20,11 

LehrtextEin jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Denn des Menschen Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist. Jakobus 1,19-20 

Liebe Leserin, lieber Leser,

     das Losungswort mit dem „Harnisch“ (Rüstung) war unter den alten Israeliten ein geflügeltes Wort. König Ahab antwortete damit dem großmäuligen König Ben-Hadad aus Syrien, der gegen ihn Krieg führte. Und Ahab gewann die Schlacht. Du und ich, wir müssen nicht Krieg führen. Gott sei Dank. Darum haben wir zivile Sprichwörter für die selbe Sache wie »Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben« und »Man soll das Fell des Bären nicht verteilen bevor er erlegt ist.« Diese Sprichwörter bewahren uns, den Mund zu voll zu nehmen und dann doch nicht halten zu können, was man versprochen hat. Auch wenn diese Lebensweisheiten vordergründig mit dem Glauben nichts zu tun haben, sind sie doch nützlich. Sie bewahren mich vor Blamage und Enttäuschung und raten zur Vorsicht.
     Auch der Lehrtext geht in diese Richtung. Ich habe mir schon manches Mal die Zunge verbrannt, weil ich zu vorschnell war mit meinem Urteil oder mich zu rasch in Harnisch habe bringen lassen statt erst mal zu hören und gelassen zu bleiben. Besonnenheit aber ist eine Geistesgabe, um die ich Gott bitten kann und die er mir dann auch nicht verwehrt: »Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.« (1. Tim. 1,7)

Gebet: Herr, du kennst mich. Du weißt, dass sich ein emotionaler Mensch bin. Ich danke dir auch für die Gefühle, die ich empfinden kann. Ohne sie wäre ich arm, ja tot. Aber ich bitte dich auch, dass ich besonnen damit umgehen kann. Amen

Herzliche Grüße

Hans Löhr